Startseite/Ethereum: Was das Update „The Merge“ für Krypto-Besitzer bedeutet
  • Die Kryptowährung Ethereum bekommt ein Update, ©Alvaro - stock.adobe.com

Ethereum: Was das Update „The Merge“ für Krypto-Besitzer bedeutet

2022-09-14T12:50:16+02:0014. September 2022|

Der Count­down läuft: Das Ethe­re­um-Update steht an. Im Vor­feld hat sich der Kurs der zweit­größ­ten Kryp­to­wäh­rung bin­nen weni­ger Wochen fast ver­dop­pelt. Zwi­schen 13. und 15. Sep­tem­ber soll es nun so weit sein. Doch was heißt das Update für Krypto-Anleger:innen? Und was pas­siert mit dem Kurs? 

Von Ant­je Erhard

„The Mer­ge“ steht an. So heißt das Ethe­re­um-Update, das seit zwei Jah­ren in Vor­be­rei­tung ist. Zwi­schen 13. und 15. Sep­tem­ber soll es so weit sein. Seit Juni trei­ben die Erwar­tun­gen immer wie­der den Kurs. Ethe­re­um hat sich zeit­wei­se im Wert ver­dop­pelt. Von 993 US-Dol­lar Mit­te Juni auf 1.982 US-Dol­lar Mit­te August. Aktu­ell sehen wir aller­dings etwas Zurück­hal­tung. Händ­ler in Frank­furt auf dem Par­kett sagen, die Marktteilnehmer:innen war­ten ab, wie das Update ver­läuft, und ob alles funk­tio­niert. 

Doch das genaue Datum des Updates ist etwas unklar, weil man hier nicht ein­fach einen Hebel umlegt und dann läuft alles. Viel­mehr sind hier ver­schie­de­ne Pro­zes­se not­wen­dig, um die zweit­größ­te Krypto‑Währung der Welt vom Pro­of of Work auf den Pro­of of Sta­ke umzu­stel­len. 

Der Pro­of of Work ist ein Kon­sens­me­cha­nis­mus (PoW), also eines der Regel­wer­ke, nach denen Block­chain-Netz­wer­ke funk­tio­nie­ren. Beim Pro­of of Work müs­sen die Miner im Netz­werk eine kom­ple­xe Rechen­auf­ga­be lösen, um neue Ethe­re­um-Coins oder –Token zu erzeu­gen. Der oder die Ers­te erhält dafür einen Reward, eine Beloh­nung. Je bes­ser und schnel­ler die eige­ne Hard­ware ist, des­to grö­ßer sind die Chan­cen, die Auf­ga­be zu lösen und die Beloh­nung zu erhal­ten. Wer mehr zur Hash Power eines Netz­werks bei­steu­ert, erhöht sei­ne Chan­cen, einen pas­sen­den Block zur Block­chain hin­zu­zu­fü­gen und den Reward zu erhal­ten.  

Also ver­su­chen Miner, schnel­ler mehr Auf­ga­ben in kür­zes­ter Zeit zu lösen als ande­re Miner. Die Hash Power ist das Maß für die Rechen­leis­tung im Netz­werk und bezeich­net die Geschwin­dig­keit, mit der die mathe­ma­ti­schen Glei­chun­gen zum Mining gelöst wer­den. Je mehr Rech­nun­gen ein Com­pu­ter lösen kann, des­to höher ist die Hash Power bzw. Hash Rate. 

Der zwei­te wich­tigs­te Kon­sens­me­cha­nis­mus ist der Pro­of of Sta­ke (PoS). Hier sichert sich das Netz­werk nicht durch Rechen­leis­tung ab, son­dern durch so genann­te Sta­kes, durch Ein­la­gen. Nut­zer hin­ter­le­gen (sta­ken) ihre Ethe­re­um-Token und kön­nen dafür einen neu­en Block zur Ethe­re­um-Block­chain hin­zu­fü­gen und die Beloh­nung erhal­ten. Ihre gestak­ten Token sind die Garan­tie für die Recht­mä­ßig­keit der neu­en Trans­ak­tio­nen. Die Aus­wahl der Nut­zer, die einen Block zur Block­chain hin­zu­fü­gen dür­fen, rich­tet sich nach der Grö­ße der Sta­kes und dem Zeit­raum, über den sie gehal­ten wer­den. Die User, die am meis­ten in das Netz­werk inves­tiert haben und am längs­ten dabei sind, wer­den nach dem Zufalls­prin­zip aus­ge­wählt.  

Komplexe Umstellung – erfolgreiche Testläufe 

Doch wie funk­tio­niert die Umstel­lung, wenn es doch kei­nen Hebel zum Umle­gen gibt? „Eine so genann­te Dif­fi­cul­ty Bomb wird in den Ethe­re­um-Code ein­ge­speist. Die­se Schwie­rig­keits­bom­be ist eine Funk­ti­on, die sicher­stellt, dass “The Mer­ge” von Ethe­re­um rei­bungs­los ver­läuft. Meh­re­re Test­ver­sio­nen des Updates sei­en bereits mit Erfolg imple­men­tiert wor­den. 

Die Dif­fi­cul­ty Bomb macht im Pro­of of Work das Lösen der erfor­der­li­chen Rechen-Auf­ga­be so schwer, dass es für die Miner so gut wie unmög­lich ist, sie zu lösen. Das zwingt die Miner, die neue Pro­of of Sta­ke Chain zu akzep­tie­ren. Sobald eine vor­de­fi­nier­te Ter­mi­nal Total Dif­fi­cul­ty (TTD), der gesam­te Mining-Schwie­rig­keits­grad im Netz­werk, erreicht wird, wird der Mer­ge auto­ma­tisch aus­ge­löst“, erklärt Adri­an Fritz, Kryp­to-Exper­te von 21.co (ehe­mals 21shares) das Pro­ce­de­re. 

Ethereum-Update wird Energie sparen 

Doch was bringt die­ses Update über­haupt? „Der größ­te Vor­teil der Umstel­lung von Ethe­re­um auf den Pro­of of Sta­ke ist der viel gerin­ge­re Ener­gie­ver­brauch im Ver­gleich zum Pro­of of Work, mit dem der Bit­coin erzeugt wird“, erklärt Adri­an Fritz. Nach einer Schät­zung der Ethe­re­um Foun­da­ti­on dürf­te Ethe­re­um nach sei­ner Umstel­lung vom Pro­of of Work auf den Pro­of of Sta­ke den Ener­gie­ver­brauch um das 200-fache redu­zie­ren wird und dann vor­aus­sicht­lich noch 0,4 Pro­zent der Ener­gie ver­braucht, die eine Visa-Trans­ak­ti­on benö­tigt. In Zah­len: 100.000 Ethe­re­um-Trans­ak­tio­nen wer­den dann 0,667 kWh Strom ver­brau­chen, wäh­rend Visa für die glei­che Anzahl an Trans­ak­tio­nen 149 kWh Strom benö­tigt. „Mit dem Update soll die erfor­der­li­che Ener­gie um 99 Pro­zent gesenkt wer­den.“ 

Gute Nachrichten: Preis könnte mittelfristig steigen 

Dar­über hin­aus dürf­te in den nächs­ten Mona­ten die Infla­ti­on von Ethe­re­um sin­ken. „Jede Kryp­to-Wäh­rung hat auch eine Infla­ti­on“, erklärt Adri­an Fritz. Bei Ethe­re­um lie­ge sie der­zeit bei rund 4,3 Pro­zent. Künf­tig soll­te sie auf unter 0,5 Pro­zent sin­ken – nied­ri­ger als bei Bit­coin. Denn nach dem Update soll das Ange­bot an neu­en Ethe­re­um-Token sin­ken: „Der­zeit kom­men pro Tag rund 13.000 Token täg­lich neu auf den Markt.“ Nach dem Update wür­den es noch 1.600 pro Tag sein. „Bei glei­cher Nach­fra­ge könn­te dies den Preis mit­tel- bis lang­fris­tig erhö­hen.“ 

Aber war­um? Das so genann­te Trip­le Hal­ving bedeu­tet, dass die Beloh­nun­gen für das Erzeu­gen (Minen) der Token, wie auch beim Bit­coin redu­ziert wer­den. Damit wer­den auch weni­ger Token erzeugt. Wenn also das Ange­bot an Ethe­re­um sinkt, kann der Preis stei­gen. Das sei aber kei­ne aus­ge­mach­te Sache, so sagt Adri­an Fritz. 

The Merge ist erst der Anfang… 

Ohne­hin sei das Ethe­re­um-Update The Mer­ge erst der Anfang. „The Mer­ge ist der ers­te Schritt von vie­len Updates über die nächs­ten Jah­re“, erklärt Adri­an Fritz. „The Mer­ge macht die Block­chain noch nicht schnel­ler und die Trans­ak­tio­nen noch nicht güns­ti­ger“. Es ist aber die Basis für künf­ti­ge Updates.  

Erst mit dem nächs­ten Schritt, The Sur­ge, wer­den Trans­ak­tio­nen schnel­ler und güns­ti­ger. Danach sol­len Verge‑, Pur­ge- und Splur­ge-Updates fol­gen. „Nach Anga­ben von Ethe­re­um-Ent­wick­ler Vita­lik Bute­rin wird Ethe­re­um nach Abschluss aller Pha­sen von The Sur­ge 100.000 Trans­ak­tio­nen pro Sekun­de ver­ar­bei­ten kön­nen.“ 2023 soll das so weit sein. „Mit The Mer­ge sind rund 55 Pro­zent aller Ent­wick­lungs­ar­bei­ten abge­schlos­sen“, sagt Adri­an Fritz. 

The Merge: Anleger:innen müssen gar nichts tun 

Was müs­sen Anleger:innen tun, die in Ethe­re­um inves­tiert sind? Rein theo­re­tisch gar nichts. „Es wird kei­ne neu­en ETH 2.0 Coins geben, wie vie­le User glau­ben“, sagt Adri­an Fritz. „Man muss selbst nichts upgraden – egal ob man Ethe­re­um in einer Wal­let, als ETP oder als Zer­ti­fi­kat besitzt. Die Pro­zes­se lau­fen seit gut zwei Jah­ren und erfol­gen auto­ma­tisch.“ 

Aller­dings sei in die­ser Woche mit erheb­li­cher Vola­ti­li­tät, also Schwan­kungs­brei­te zu rech­nen. Die Markt­re­ak­tio­nen sei­en hin­ge­gen schwer vor­her­seh­bar. „Vom Anfang einer neu­en Ral­ly bis zum berühm­ten ‘Buy the rumour, sell the fact’ ist alles mög­lich.“  

Kann eigent­lich auch etwas schief­ge­hen? „Nor­ma­ler­wei­se nicht“, sagt Adri­an Fritz, „aber ein Rest­ri­si­ko bei einem so kom­ple­xen Vor­gang bleibt.“ Er sieht aller­dings die Mög­lich­keit, dass Abspal­tun­gen von Ethe­re­um, die den bis­he­ri­gen Mecha­nis­mus Pro­of of Work wei­ter nut­zen wol­len, an Bedeu­tung ver­lie­ren: „Vie­le wich­ti­ge Pro­jek­te und Play­er wie Cir­cle oder Chain­link haben bereits im Vor­feld klar­ge­macht, dass sie eine Abspal­tung von Ethe­re­um, eine so genann­te Hard Fork, nicht unter­stüt­zen wol­len.“ Man habe bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gese­hen, dass Abspal­tun­gen von Bit­coin wenig rele­vant gewor­den sei­en, weil es kaum noch Nut­zer gäbe. 

Ethe­re­um dürf­te mit dem Update sei­ne Posi­ti­on als zweit­größ­te Kryp­to-Wäh­rung der Welt min­des­tens fes­ti­gen, pro­gnos­ti­ziert Adri­an Fritz. Zumal noch wei­te­re Updates wei­te­re Ver­bes­se­run­gen brin­gen sol­len. 

Unser gra­tis Newsletter

Noch mehr Infos für dich

Die wertvollsten Marken der Welt: Zara dominiert Inditex

Gera­de sind die neu­en Herbst-Kol­lek­tio­nen in den Geschäf­ten und Online-Shops der Mode-Händ­ler ange­kom­men. Doch wäh­rend Luxus boomt, kämp­fen eini­ge der sta­tio­nä­ren Retailer um Kun­din­nen um Umsatz. Kei­ne leich­te Sache in Zei­ten von hoher Infla­ti­on und wirt­schaft­li­chen Sor­gen. Bei Zara scheint die Mode-Welt noch in Ordnung. 

Ein Hut, ein Stock, ein alter Mann — Vorwärts, rückwärts, seitwärts …

Das aktu­el­le Kapi­tal­markt­um­feld erin­nert ein biss­chen an die­sen alten Spruch: Vor­wärts, rück­wärts, seit­wärts – hoch, run­ter, sta­gnie­rend, ein­fach vola­til. Bei Kin­dern bewirkt der Spruch beim nicht-Wei­ter­lau­fen-wol­len Wun­der und man erreicht gut gelaunt sein Ziel. Und wie sieht es am Kapi­tal­markt aus? Müs­sen wir Anle­ge­rin­nen die aktu­el­le Markt­pha­se aus­sit­zen? Oder gibt es viel­leicht Pro­duk­te, die genau in einem sol­chen Umfeld ihre Stär­ken aus­spie­len und uns unse­ren Anla­ge­zie­len näher­brin­gen können?

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben