Startseite/Essen mit Gewinn

Essen mit Gewinn

2021-07-21T07:24:19+02:0011. Juli 2021|

Die Nach­fra­ge nach gesun­den und nach­hal­tig pro­du­zier­ten Lebens­mit­teln wächst. So suchen Nah­rungs­mit­tel­her­stel­ler eif­rig nach neu­en Rezep­ten und Pro­duk­ten, etwa beim Flei­scher­satz. Anle­ge­rin­nen kön­nen auf den Trend set­zen – mit Fonds und ETFs.

Von Ralf Witzler

Die Pan­de­mie hat unse­rem All­tag ihren Stem­pel auf­ge­drückt – Arbei­ten von zu Hau­se, Home­schoo­ling, Kin­der­be­treu­ung 24/7. Und nicht zu ver­ges­sen: das Essen. Die Restau­rants dicht, die Kan­ti­ne für den Mit­tags­tisch geschlos­sen – da wur­de das eige­ne Stan­dard­re­per­toire an Gerich­ten schnell mehr­fach durch­ge­kocht. So hat Coro­na auch dazu gezwun­gen, sich häu­fi­ger selbst Gedan­ken zu machen, was auf den Tisch kommt.

Auf die­se Wei­se befeu­ert die Pan­de­mie einen Trend, der schon seit Jah­ren zu beob­ach­ten ist: Immer mehr Men­schen suchen beim Ein­kauf nach fri­schen, gesun­den und nach­hal­tig pro­du­zier­ten Lebens­mit­teln. Neben gesund­heit­li­chen Über­le­gun­gen spie­len dabei auch ethi­sche Aspek­te eine wich­ti­ge Rolle.

Das wird sich nach Coro­na kaum ändern. Im Gegen­teil: Es ist anzu­neh­men, dass sich auch der seit Jah­ren zuneh­men­de Druck auf Groß­kü­chen und Restau­rants, gesun­de und nach­hal­tig her­ge­stell­te Pro­duk­te auf den Tisch zu brin­gen, wei­ter verstärkt.

Die sich ver­än­dern­den Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten pas­sen in die Zeit eines bewuss­te­ren Umgangs mit end­li­chen Res­sour­cen und einem stär­ke­ren Gefühl glo­ba­ler Ver­ant­wor­tung. Schließ­lich ist es nicht uner­heb­lich, wie die Welt in Zukunft ihre Nah­rungs­mit­tel pro­du­ziert und wel­che das sein wer­den. Denn Her­stel­lung und Trans­port für eine wach­sen­de Welt­be­völ­ke­rung belas­ten die Umwelt.

Investoren schauen genauer hin

Die Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie spürt die Macht der Verbraucher:innen. Aber auch Anleger:innen, pri­va­te wie pro­fes­sio­nel­le, schau­en inzwi­schen genau­er hin. Und das mit gutem Grund: „Für vie­le, wenn nicht sogar für alle der 17 Nach­hal­tig­keits­zie­le der Ver­ein­ten Natio­nen sind nach­hal­ti­ge Ernäh­rungs­zie­le von zen­tra­ler Bedeu­tung“, sagt Rahul Bhus­han, Mit­grün­der von Rize ETF, dem Anbie­ter des ETF Sus­tainab­le Future of Food (sie­he unten). „Wir brau­chen ein zukunfts­si­che­res Ernährungssystem.“

Vor allem die Fleisch­in­dus­trie spürt den Gegen­wind. Das liegt in ers­ter Linie an ihrem hohen Res­sour­cen­ver­brauch. Nach Anga­ben der Ver­ein­ten Natio­nen wer­den fast 80 Pro­zent der mög­li­chen land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che der Erde für Vieh­hal­tung oder den Anbau von Vieh­fut­ter ver­wen­det. Auch die Mas­sen­tier­hal­tung und die nega­ti­ven gesund­heit­li­chen Fol­gen über­mä­ßi­gen Fleisch­kon­sums ste­hen zuneh­mend in der Kritik.

Etli­che jun­ge, inno­va­ti­ve Fir­men wie Bey­ond Meat oder Impos­si­ble Foods wit­tern hier ihre Chan­ce. Sie bie­ten Flei­scher­satz­pro­duk­te wie Bur­ger-Pat­tys oder Würs­te über­wie­gend aus Erb­sen­pro­te­in an. Seit dem ful­mi­nan­ten Bör­sen­de­büt Mit­te 2019 setz­te bei Bey­ond Meat jedoch erst mal Ernüch­te­rung ein, weil bei­spiels­wei­se ein Lie­fer­ver­trag mit der Schnell­re­stau­rant­ket­te Tim Hor­tons nicht ver­län­gert wur­de. Mitt­ler­wei­le hat sich die Aktie wie­der gefan­gen. Denn das Unter­neh­men ist auf einem Markt unter­wegs, auf dem die Musik spielt. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den welt­weit 330 Mil­lio­nen Ton­nen Fleisch pro­du­ziert. Wer einen Bei­trag zum Errei­chen der Nach­hal­tig­keits­zie­le leis­ten will, muss hier ansetzen.

Die Bera­tungs­ge­sell­schaft A. T. Kear­ney geht von einem dras­ti­schen Wan­del des Fleisch­markts in den kom­men­den 20 Jah­ren aus. Zwar wer­de der Markt, getrie­ben vom Ver­brauch in den Schwel­len­län­dern, wach­sen, doch wer­de der Anteil von kon­ven­tio­nell pro­du­zier­tem Fleisch bestän­dig abneh­men. Ersetzt wird es der Pro­gno­se zufol­ge zunächst durch pflanz­li­chen Flei­scher­satz und spä­ter auch zuneh­mend durch syn­the­ti­sches, im Labor her­ge­stell­tes Fleisch. Exper­ten gehen davon aus, dass das Markt­vo­lu­men pflan­zen­ba­sier­ter Nah­rungs­mit­tel von der­zeit zwölf Mil­li­ar­den Dol­lar in den nächs­ten fünf Jah­ren auf fast 31 Mil­li­ar­den Dol­lar wach­sen wird.

Auch die Großen passen sich an

Das führt dazu, dass auch die Schwer­ge­wich­te der Bran­che auf den Zug auf­sprin­gen, dar­un­ter Her­stel­ler wie Kel­logg, Nest­lé oder Dano­ne. Die Unter­neh­men pas­sen ihre Pro­dukt­port­fo­li­os den neu­en Wün­schen an. Ein Pio­nier der Flei­scher­satz­pro­duk­te unter den Groß­kon­zer­nen ist Kel­logg. Das für sei­ne Früh­stücks­flo­cken bekann­te Unter­neh­men über­nahm bereits 1999 die für Soja­pro­duk­te bekann­te Fir­ma Morningstar Farms. Das frü­he­re Nischen­seg­ment mau­sert sich zum Umsatz­trei­ber. Und Kel­logg will mehr und hat ver­kün­det, dass bis 2021 tie­ri­sche Eiwei­ße aus den Pro­duk­ti­ons­stät­ten von Morningstar Farms ver­bannt werden.

Auch bei stark zucker­hal­ti­gen Pro­duk­ten tritt der Kon­zern auf die Brem­se: Vor zwei Jah­ren hat Kel­logg Cerea­li­en ohne Zucker­zu­satz her­aus­ge­bracht. 2019 wur­de die Keks­spar­te verkauft.

Nest­lé baut eben­falls um. Die Schwei­zer ver­kauf­ten einer­seits ihr US-Süß­wa­ren­ge­schäft und über­nah­men ande­rer­seits einen Her­stel­ler von Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln in Kana­da. Der fran­zö­si­sche Lebens­mit­tel­kon­zern Dano­ne hin­ge­gen setzt ver­stärkt auf Pflan­zen­milch. Bis 2025 will er den Umsatz mit ent­spre­chen­den Pro­duk­ten auf fünf Mil­li­ar­den Euro verdreifachen.

Span­nend ist die Ent­wick­lung auch bei den klei­ne­ren, spe­zia­li­sier­ten Unter­neh­men. So erleb­te Fros­ta in der Pan­de­mie einen Wachs­tums­schub. Die Bre­mer­ha­ve­ner haben Erfah­rung mit Inno­va­tio­nen, wenn es um gesun­de Lebens­mit­tel geht. Seit etwa 20 Jah­ren schon ver­zich­tet Fros­ta auf Aro­men und Zusatz­stof­fe. Auch die plas­tik­freie, res­sour­cen­spa­ren­de Ver­pa­ckung ent­spricht dem Zeit­geist. Fisch­stäb­chen und Tief­kühl­ge­mü­se wer­den statt im Kunst­stoff­beu­tel in eigens kon­stru­ier­ten Papier­ver­pa­ckun­gen angeboten.

Fros­ta ent­wi­ckelt aber auch eine vega­ne Alter­na­ti­ve zum Fisch. Der „Fisch vom Feld“, bestehend haupt­säch­lich aus Gemü­se, Hanf­mehl und Lein­öl, ist seit Okto­ber auf dem Markt. Ursprüng­lich soll­ten Gas­tro­no­mie, Kan­ti­nen und Stu­den­ten­wer­ke belie­fert wer­den. Nun muss der vega­ne Fisch im Lock­down zunächst sei­nen Weg auf die Tel­ler pri­va­ter Kon­su­men­ten finden.

Auch der Koch­bo­xen­ver­sen­der Hellofresh setzt auf den Trend zu bewuss­tem, gesun­dem Essen. Sei­ne Abon­nen­ten wäh­len ein Gericht aus dem Ange­bot auf der Inter­net­sei­te und bekom­men die Zuta­ten in gewünsch­ter Por­tio­nie­rung mit Rezept gelie­fert – frisch und nur so viel, wie gera­de gebraucht wird. So wird nichts schlecht und ver­schwen­det. Ein­ge­packt wird nur, was ein­ge­packt wer­den muss: Soßen, Fleisch, Gewür­ze, der Rest kommt unver­packt in die Box.

Das Kon­zept scheint auf­zu­ge­hen. In der Pan­de­mie erziel­ten die Ber­li­ner einen Rekord­um­satz. Und nach Coro­na soll die Wachs­tums­ge­schich­te wei­ter­ge­hen, etwa durch die Expan­si­on in neue Märk­te wie Ita­li­en und Japan. Aber auch durch eine ver­bes­ser­te Markt­durch­drin­gung in den 14 Län­dern auf drei Kon­ti­nen­ten, in denen Hellofresh schon prä­sent ist.

Investieren in nachhaltige Nahrung

Der Trend der nach­hal­ti­gen Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on ist an der Bör­se rela­tiv jung. Den­noch gibt es bereits Fonds und ETFs, die auf ihn setzen.

Pic­tet Nut­ri­ti­on: Der Akti­en­fonds (ISIN: LU0366534344) hat die Zukunft der Ernäh­rung zu sei­nem Anla­ge­the­ma gemacht. Bei der Titel­aus­wahl legt das Fonds­ma­nage­ment Wert auf nach­hal­ti­ge Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on und auf die Her­stel­lung gesun­der Nah­rung. So hat es ein Anla­ge­uni­ver­sum von rund 200 Unter­neh­men iden­ti­fi­ziert, die den Trend zu gesun­der Ernäh­rung mit­ge­stal­ten. Dar­aus wer­den 35 bis 60 Akti­en für das Fond­sport­fo­lio aus­ge­wählt. Die lau­fen­den Kos­ten lie­gen bei 2,02 Pro­zent pro Jahr.

DPAM Equi­ty Sust. Food Trends: Das The­ma „nach­hal­ti­ge Ernäh­rung“ wird auch bei die­sem Akti­en­fonds (BE0947764743) groß­ge­schrie­ben. Ins Port­fo­lio wan­dern Unter­neh­men aus allen Berei­chen der Agrar-Wert­schöp­fungs­ket­te. Dabei gewich­tet der Fonds klei­ne und mitt­le­re Fir­men höher als gro­ße. Hier machen die lau­fen­den Kos­ten 1,73 Pro­zent pro Jahr aus.

Rize Sus­tainab­le Future of Food ETF: Der ETF (IE00BLRPQH31) wur­de im ver­gan­ge­nen Som­mer auf­ge­legt und bil­det den Fox­ber­ry Tema­ti­ca Rese­arch Sus­tainab­le Future of Food Index ab. In ihm sind 46 inno­va­ti­ve Unter­neh­men zusam­men­ge­fasst, die zum Bei­spiel die Prä­zi­si­ons­land­wirt­schaft oder das Was­ser­ma­nage­ment wei­ter­ent­wi­ckeln. Mit die­sen Tech­no­lo­gien sol­len sich Lebens­mit­tel mit weni­ger Res­sour­cen und gerin­ge­rer Umwelt­be­las­tung pro­du­zie­ren las­sen. Beim Rize-ETF machen die Gebüh­ren 0,45 Pro­zent aus.

Unser gra­tis Newsletter

Noch mehr Infos für dich

Fondsmanagerin Eva Fornadi: “Vielfalt und Unterschiedlichkeit sind etwas Wertvolles und führen zu besseren Ergebnissen”

„Talent soll­te zäh­len …“ und nicht das Geschlecht, wenn’s ums beruf­li­che Fort­kom­men geht. Davon ist Eva For­na­di, eine der bes­ten Fonds­ma­na­ge­rin­nen Euro­pas, über­zeugt. Im Inter­view gibt sie Ein­bli­cke in eine sich wan­deln­de Finanz­bran­che – und in span­nen­de Investments. 

Warum ein Notgroschen so wichtig ist

Das Leben ist nicht immer plan­bar. Egal, ob der Lap­top kaputt geht, beim Auto eine teu­re Repa­ra­tur anfällt oder ein wich­ti­ger Auf­trag weg­bricht. Ein Not­gro­schen fun­giert in sol­chen Situa­tio­nen wie ein Sicher­heit­s­air­bag für die eige­nen Finan­zen, sodass Betrof­fe­ne nicht direkt in Exis­tenz­nö­te gera­ten. Cou­ra­ge erklärt, wie viel Geld wir am bes­ten bei­sei­te­le­gen und wohin. 

Was sind eigentlich Fonds?

Kalbs­fonds, Hüh­ner­fonds, Fisch­fonds – gute Grund­la­gen für eine lecke­re Sup­pe oder Soße. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Namens­vet­tern: den Fonds zur Geld­an­la­ge. Wie bei Fonds zum Kochen ent­schei­den auch bei Fonds zur Kapi­tal­an­la­ge, den soge­nann­ten Invest­ment­fonds, die Zuta­ten über die jewei­li­ge Aus­rich­tung: Kund:innen kön­nen den pas­sen­den Fonds ganz nach eige­nem „Geschmack“ wählen.

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben