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  • Stephanie Kwolek, die Erfinderin der Kunstfaser Kevlar, ©Courtesy Chemical Heritage Foundation

Erfinderinnen: Stephanie Kwolek und die lebensrettende Kunstfaser

2022-10-24T14:30:59+02:0023. Oktober 2022|

Es ist Ste­pha­nie Kwo­lek zu ver­dan­ken, dass Poli­zis­ten im Ein­satz Schuss­ver­let­zun­gen über­le­ben. Sie war es, die 1964/1965 für die Fir­ma DuPont die Kunst­fa­ser Kev­lar erfand.

Von Mat­thi­as Lauerer

Vor fast 60 Jah­ren ersann Ste­pha­nie Kwo­lek eine neue syn­the­ti­sche Faser und die ret­tet einer Poli­zis­tin das Leben. Spä­ter hören wir mehr dazu. Das neue Mate­ri­al ist außer­ge­wöhn­li­che fest und steif. Ihr Name: Kev­lar, ein Mate­ri­al, das bis heu­te in Schutz­wes­ten sowie in Boo­ten, Flug­zeu­gen, Sei­len, Kabeln und vie­lem mehr ver­wen­det wird. Wohl über 200 Anwen­dun­gen fin­den sich, wie es das „Sci­ence Maga­zi­ne“ ver­mu­tet. Eben jener Stoff ret­tet heu­te „als leich­te Schutz­wes­te für Poli­zei und Mili­tär Leben, dient als Schutz für Unter­was­ser-Glas­fa­ser­ka­bel und lässt Brü­cken an super­star­ken Sei­len auf­hän­gen“, wie die Zei­tung New York Times es dazu for­mu­lier­te.  

Geboren vor 99 Jahren 

Doch wer war die­se Frau, die bis heu­te das Leben von Men­schen ret­tet? Ste­pha­nie Kwo­lek wird im Juli 1923 in New Ken­sing­ton, Penn­syl­va­nia, gebo­ren. Ihr Vater stirbt, als sie zehn ist. Der Natur­for­scher bringt sei­ner Toch­ter zu sei­nen Leb­zei­ten noch die Lie­be für die Wäl­der und Fel­der in der Nähe ihres Hau­ses näher. Gemein­sam erkun­den sie die Umge­bung und kom­men mit Wild­blu­men, Blät­tern und Grä­sern im Gepäck zurück. Dar­aus ent­ste­hen spä­ter Sam­mel­al­ben.  

Den Weg weisen die Eltern 

Die Mama ist Haus­frau und von ihr nimmt das Kind die Lie­be zu Stof­fen und zum Nähen mit ins Leben. Kurz grü­belt Ste­pha­nie sogar dar­über nach, Mode­de­si­gne­rin zu wer­den, was ihr die Mut­ter gleich wie­der aus­re­det. Ste­pha­nie sei dafür viel zu per­fek­tio­nis­tisch und wür­de des­halb wohl „an Hun­ger ster­ben“, wie es das Sci­ence Maga­zi­ne in einer Note über sie schreibt. Statt­des­sen stu­diert man lie­ber Che­mie und Medi­zin an der Car­ne­gie Mel­lon Uni­ver­si­ty. Letz­te­res gibt Ste­pha­nie dann zuguns­ten der Che­mie auf.  

Erfolg beim Chemieriesen 

Spä­ter heu­ert Kwo­lek bei DuPont als Che­mi­ke­rin an. Ihr Vor­stel­lungs­ge­spräch hat sie beim legen­dä­ren For­schungs­di­rek­tor W. Hale Charch. Der älte­re Mann sagt der jun­gen Frau Kwo­lek: „In zwei Wochen erhal­ten Sie eine Mit­tei­lung, ob wir sie ein­stel­len oder nicht.“ Doch Ste­pha­nie drän­gelt, sagt, dass sie bereits ein ande­res Ange­bot habe. Mit ihrer Durch­set­zungs­kraft bekommt sie die Stel­le. Bei DuPont ist es die Poly­mer­for­schung, an der sie arbei­tet. Kwo­lek sucht nach neu­en Poly­me­ren und fin­det Kev­lar.  

Wie es dazu kam 

Die jun­ge Frau hat damals nicht die Absicht, die Welt um ein kugel­si­che­res Gewe­be rei­cher zu machen. Damals, Mit­te der 1960er Jah­re, besteht ihr Ziel ledig­lich dar­in, eine Faser zu fin­den, die stark genug ist, um Radi­al­rei­fen zu ver­stär­ken. Rück­blick: Die Kol­le­gen der For­sche­rin glau­ben damals, dass das von ihr ent­wi­ckel­te Poly­mer wahr­schein­lich nicht als Faser funk­tio­niert. Doch Kwo­lek bleibt an der Sache dran. Sie über­re­det im Labor einen ande­ren Wis­sen­schaft­ler, die Flüs­sig­keit in der Labor­spinn­dü­se zu schleu­dern, einer Maschi­ne, mit der sich flüs­si­ge Lösungs­mit­tel ent­fernt las­sen und Fasern zurück­blei­ben, heißt es vom Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt dazu über sie. Mit Erstau­nen sieht Ste­pha­nie, dass sich die Poly­amid­mo­le­kü­le in der Lösung par­al­lel anein­an­der­rei­hen und sich so eine Faser von unge­wöhn­li­cher Stei­fig­keit ergibt. Als man ihre Idee 1965 tes­tet, stellt sich her­aus, dass jenes Mate­ri­al fünf­mal so stark wie Stahl glei­chen Gewichts und oben­drauf auch noch feu­er­be­stän­dig ist.  

Halbe Milliarde US-Dollar 

DuPont gibt nach eige­nen Anga­ben übri­gens 500 Mil­lio­nen US-Dol­lar für die Ent­wick­lung von Kev­lar aus, was das US-Maga­zin For­tu­ne spä­ter ein­mal als „ein Wun­der auf der Suche nach einem Markt“ bezeich­ne­te.  

Preissegen 

1994 nimmt man die Wis­sen­schaft­le­rin in die Natio­nal Inven­tors Hall of Fame auf. 1996 erhält sie zudem die Natio­nal Medal of Tech­no­lo­gy und ein Jahr spä­ter die Per­kin Medal. Gan­ze 16 Jah­re spä­ter folgt der Rit­ter­schlag mit der Natio­nal Women’s Hall of Fame. 

Tausende wurden wohl durch das neue Material gerettet 

Noch ein­mal zur Poli­zis­tin, die Dank des Schutz­ma­te­ri­als über­leb­te und deren Zitat sich in den 3.100 Geschich­ten fin­den, die im „IACP/DuPont Kev­lar Sur­vi­vors’ Club“ im Netz ste­hen: „Der Arzt sag­te mir: ´Der Schuss war eigent­lich töd­lich.´“ Wei­ter erzählt sie: „Danach habe ich gehei­ra­tet und bekam mein ers­tes Kind.“ All dies wäre ohne die­se beson­de­re Kev­lar­wes­te nicht pas­siert, an dem Tag, als ein Gangs­ter auf die jun­ge Poli­zis­tin im Ein­satz schoss. Die Iro­nie dabei: „An dem Mor­gen, als es geschah, hat­te ich mei­nen Schutz ver­ges­sen und ging zurück, um jenen zu holen. So ist es pas­siert, in die­sem Som­mer 1998.“ 

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