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  • Pearl Kendrick, eine der Erfinderinnen des Keuchhusten-Impfstoffs, ©Courtesy of U-M Library Digital Collections. Bentley Image Bank, Bentley Historical Library

Erfinderinnen: Pearl Kendrick – die Kämpferin gegen Keuchhusten

2022-06-20T13:16:56+02:0018. Juni 2022|

Kaum bekannt ist ihr Name, doch geleis­tet hat sie Gro­ßes. Die Rede ist von der US-Ame­ri­ka­ne­rin Pearl Kendrick. Sie war es, die gemein­sam mit einer Kol­le­gin einer Kin­der­krank­heit den Schre­cken nahm.

Von Mat­thi­as Lauerer

Wo stän­de die Welt ohne die Coro­na­vi­rus-Impf­stof­fe, die rasend schnell erfun­den wur­den? Erstaun­lich ist, dass es Men­schen gibt, die sich davor so sehr fürch­ten. Wer mag, könn­te sei­ne Beden­ken über den neu­en Schutz auch allen Ur-Groß­el­tern zuru­fen, die in den 1930er-Jah­ren ihre Kin­der an eine tücki­sche Krank­heit namens Keuch­hus­ten ver­lo­ren. Heu­te ist die­se Seu­che für uns in Euro­pa oder Nord­ame­ri­ka nur noch eine blas­se Erin­ne­rung in der Kulturgeschichte.

Unterwegs für den Fortschritt

Gehen wir zurück in das ver­gan­ge­ne Jahr­hun­dert, um dort einer Frau bei der Arbeit zuzu­se­hen. Deren Name: Pearl Kendrick. 1932 ist sie auf den Stra­ßen von Grand Rapids in Michi­gan unter­wegs. Mit von der Par­tie ist ihr Kol­le­gin Grace Elde­ring. Bei­de Frau­en arbei­ten als Bak­te­rio­lo­gen in einem staat­li­chen Labor. In ihrer Frei­zeit besu­chen sie kran­ke Kin­der und stel­len fest, ob die mit Keuch­hus­ten infi­ziert sind. In einem Inter­view sag­te die spä­te­re Erfin­de­rin des lebens­ret­ten­den Keuch­hus­ten-Impf­stoffs dazu: „Wir hör­ten uns die trau­ri­gen Geschich­ten von ver­zwei­fel­ten Vätern an, die kei­ne Arbeit fan­den und sam­mel­ten im Schein von Kero­sin­lam­pen Pro­ben von keu­chen­den, erbre­chen­den und wür­gen­den Kin­dern und sahen, was die Krank­heit anrich­ten konn­te.“ Bis zu Kendricks spä­te­rer Erfin­dung gab es auch nichts, was man zur Vor­beu­gung der Krank­heit tun konn­te. Vor fast 100 Jah­ren star­ben monat­lich Hun­der­te Kin­der allein in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten an Keuch­hus­ten, die meis­ten von ihnen Säug­lin­ge und Klein­kin­der, wie es im „Smit­h­so­ni­an Maga­zin“ dazu heißt. All das änder­te sich erst durch den neu­en Impf­stoff. Bei­de Frau­en arbei­ten bis spät in die Nacht an des­sen Erfin­dung, anfangs fast ohne finan­zi­el­le Unter­stüt­zung, bis sich der Erfolg schließ­lich einstellte. 

Mission Keuchhusten

Rück­blick: Gebo­ren wird Pearl Kendrick 1890 in New York. Pearl stu­diert an der „Syra­cu­se Uni­ver­si­ty“, spä­ter folgt ein Stu­di­um der Bak­te­rio­lo­gie an der „Colum­bia Uni­ver­si­ty“. 1926 wird sie Direk­to­rin des staat­li­chen Gesund­heits­amts im US-Städt­chen Grand Rapids. 1932 lässt sie sich von ihrer Arbeit beur­lau­ben und pro­mo­viert an der „Johns Hop­kins School of Hygie­ne and Public Health“. Dann kehrt sie nach Grand Rapids zurück, um den Kampf gegen den Keuch­hus­ten wie­der aufzunehmen.

Wirkstoffe ohne Wirkung

In der „Natio­nal Libra­ry of Medi­ci­ne“ heißt es über das Duo und die dama­li­ge Zeit: „Obwohl Wis­sen­schaft­ler bis in die 1920er-Jah­re Impf­stof­fe zur Bekämp­fung vie­ler Infek­ti­ons­krank­hei­ten wie Pocken, Typhus, Diph­the­rie und Teta­nus ent­wi­ckelt hat­ten, erwies sich Keuch­hus­ten als schwie­ri­ge­res Rät­sel. Die fran­zö­si­schen For­scher Bor­det und Gen­gou beschrie­ben 1906 Bor­de­tel­la per­tus­sis als den Erre­ger des Keuch­hus­tens. Vor einem Jahr­hun­dert boten phar­ma­zeu­ti­sche Unter­neh­men in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zahl­rei­che Keuch­hus­ten- und Keuch­hus­ten-Misch­se­rum-Impf­stof­fe an, die sowohl der Behand­lung als auch der Vor­beu­gung von Keuch­hus­ten die­nen soll­ten, doch kei­ner erwies sich als wirksam.“ 

Die richtige Dosis

Doch wie gelang­ten die bei­den Wis­sen­schaft­le­rin­nen eigent­lich an die töd­li­chen Erre­ger der bru­ta­len Kin­der­krank­heit? Dazu hus­te­ten die mit­un­ter sehr jun­gen Kin­der auf eine Petri­scha­le, auf deren Boden man zuvor den Nähr­bo­den auf­trug. Spä­ter lan­de­ten die so gewon­ne­nen pro­ben im Labor in einem Inku­ba­tor, wo die Bak­te­ri­en zu Kolo­nien her­an­wuch­sen, die sich für die Ana­ly­se eig­ne­ten. Die Her­ku­les­auf­ga­be: Der Erre­ger muss­te sicher abge­schwächt wer­den, um ihn mensch­li­chen Pro­ban­den zu inji­zie­ren. Den­noch muss­te er stark genug sein, um eine dau­er­haf­te Immun­ab­wehr gegen Keuch­hus­ten hervorzurufen.

Bescheidenheit ist eine Zier

Die zwei Wis­sen­schaft­le­rin­nen kämpf­ten auch gegen den dama­li­gen Zeit­geist, trau­te man ihnen aus dem medi­zi­ni­schen Estab­lish­ment den ganz gro­ßen Coup doch nicht zu. „Ich habe nie gedacht, dass es etwas gibt, was ich nicht tun kann“, sagt Kendrick spä­ter einem Repor­ter. Und Mit­te der 1980er erklärt sie einem ande­ren Jour­na­lis­ten, der sie zuvor danach gefragt hat­te, wes­halb der Schutz nicht als Kendrick-Elde­ring-Impf­stoff in die Geschich­te ein­ging: „Wir lehn­ten die­sen Gedan­ken ab, weil ein­fach zu vie­le Leu­te dar­an betei­ligt waren und wir nicht den allei­ni­gen Ruhm ern­ten woll­ten. Man hät­te eine gan­ze Rei­he von Namen auf den Impf­stoff set­zen müssen.“ 

Geld für das Gesundheitswesen

Keh­ren wir in die Gegen­wart zurück: Heu­te kür­zen Regie­run­gen die Bud­gets im öffent­li­chen Gesund­heits­we­sen und den Hos­pi­tä­lern. Erin­nern wir uns noch an „MERS“ oder „Zika“? Sicher, doch dann kam Anfang 2020 SARS CoV-19 über die Welt. Es ist nur eine Fra­ge der Zeit, bis der nächs­te „SpillOver“, also die Über­tra­gung eines Virus von Mensch auf Tier ansteht. Dann brau­chen wir sicher­lich wie­der Men­schen wie Pearl Kendrick und ihre Kolleginnen …

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