• Mit einem Kaffeefilter hat Melitta Bentz ein Millionen-Imperium geschaffen, ©Melitta Group

Erfinderinnen: Melitta Bentz — die Retterin des Kaffees

2022-06-08T10:04:23+02:004. Juni 2022|

Sicher, wir ken­nen vie­le männ­li­che Erfin­der. Da wären Tho­mas Alva Edi­son als Mann für das elek­tri­sche Licht oder Phil­ipp Reis, der Erfin­der des Tele­fons. Tau­sen­de ihrer Namen fin­den sich in unse­ren Städ­ten wie­der – sei es als Stra­ßen­na­me oder auf pom­pö­sen Sta­tu­en. Doch wie steht es um die Frau­en? Die­se Cou­ra­ge-Online-Serie wid­met sich den Damen, die Unglaub­li­ches ent­deck­ten, die um die Ecke dach­ten und Gro­ßes ent­war­fen. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Wir schrei­ben das Jahr 1908. An bedeut­sa­men Din­gen gibt es zu ver­mel­den: Der Erfin­der von „Max und Moritz“-Geschichten, Wil­helm Busch, stirbt im Janu­ar und in Chi­na wird ein zwei­jäh­ri­ger Jun­ge zum Kai­ser gekrönt. Des­sen Name: Pu Yi. Dann gibt es da noch eine drei­fa­che Mut­ter, die in Dres­den wohnt und sich immer über den mor­gend­li­chen Kaf­fee ärgert. Bes­ser gesagt, über die Schwei­ne­rei, die mit dem Kon­sum ein­her­geht. Und das kommt so: Kaf­fee gibt man zur dama­li­gen Zeit als Pul­ver in den Becher, schüt­tet hei­ßes Was­ser dar­auf und war­tet gedul­dig, bis sich der Schmock lang­sam absetzt. Das dau­ert, der Kaf­fee wird kalt und ganz „rein“ ist das Getränk nicht, weil sich dar­in immer wie­der Pul­ver­res­te fin­den. Die ver­fan­gen sich beim Kon­sum zwi­schen den Zäh­nen oder lan­den im Magen.  

Filtern per Papier

Das muss doch anders funk­tio­nie­ren, denkt sich Melit­ta Bentz. Ihr zur Hil­fe kommt das Lösch­pa­pier des Soh­nes. Könn­te man damit nicht einen simp­len Fil­ter bau­en, der die Kaf­fee­res­te vom herr­li­chen Getränk fern­hält? Und so kommt es. Melit­ta Bentz ist damals 35 Jah­re alt und mel­det ihre Idee im Juni 1908 als Patent an. Beim „Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt“ nennt sich der ein­ge­reich­te Geis­tes­blitz: „Kaf­fee­fil­ter mit auf der Unter­sei­te gewölb­tem und mit Ver­tie­fung ver­se­he­nem Boden sowie mit schräg gerich­te­ten Durch­fluss­lö­chern.“ Wei­ter heißt es: „Das gewerb­li­che Schutz­recht wur­de mit Regis­trie­rung vom 8. Juli 1908 auf Sei­te 1145 der Patent­blät­ter des Kai­ser­li­chen Patent­amts zu Ber­lin gewährt.“  

Von 72 Reichspfennig auf 1,7 Milliarden Euro Umsatz

Illustration von Melitta Bentz, Quelle: Jindrich Novotny/Melitta Group

Illus­tra­ti­on von Melit­ta Bentz, © Jind­rich Novotny/Melitta Group

Und wie ging es wei­ter? Dazu schriebt das Medi­um „Unter­neh­mer­edi­ti­on“: „Mit beschei­de­nen 72 Reichs­pfen­ni­gen Start­ka­pi­tal mel­det Melit­ta 1908 beim Gewer­be­amt ein ´kauf­män­ni­sches Agen­tur- und Kom­mis­si­ons­ge­schäft´ an.“ Und wei­ter: „Die Fil­ter­pa­pier­her­stel­lung beginnt in einem acht Qua­drat­me­ter gro­ßen Zim­mer in der Dresd­ner Fünf­zim­mer­woh­nung der Fami­lie. Ihr Mann Hugo Bentz gibt sei­nen Beruf als Ange­stell­ter in einem Kauf­haus auf. Die Söh­ne Wil­ly und Horst lie­fern Fil­ter­pa­pier-Kar­tons mit dem Bol­ler­wa­gen aus, der Ehe­mann führt in Schau­fens­tern die Hand­ha­bung des Kaf­fee­fil­ters vor. Melit­ta macht der­weil Wer­bung im Freun­des­kreis und prä­sen­tiert ´voll­ende­ten Kaf­fee­ge­nuss´.“ Nicht nur der Ein­fall ist pfif­fig, son­dern auch die umge­krem­pel­te Rol­len­ver­tei­lung der Fami­lie Bentz beacht­lich, denn Ehe­mann Bentz steigt in die Fir­ma sei­ner Frau mit ein. Ob dies damals häu­fig vor­kam? Eher nicht.  

Mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz D

Die Sache mit den Fil­tern ver­kauft sich sehr gut und die bil­det die Grund­la­ge für den heu­ti­gen Geschäfts­er­folg der „Melit­ta Unter­neh­mens­grup­pe Bentz KG“. 5.849 Mit­ar­bei­ten­de in etli­chen Staa­ten erwirt­schaf­ten 1,7 Mil­li­ar­den Euro Umsatz, wie es auf der Web­sei­te heißt. Melit­ta Bentz leg­te also mit ihrer kon­ge­nia­len Erfin­dung den Grund­stein für eine Fir­ma, die heu­te deut­lich mehr als eine Mil­li­ar­de US-Dol­lar umsetzt.  

Weiteres Patent in den 1930er Jahren

Doch die Ideen gehen der Erfin­de­rin nicht aus. In den 1930er-Jah­ren folgt „ein aus Por­zel­lan gefer­tig­ter Kaf­fee­fil­ter, mit einer sich konisch nach unten ver­jün­gen­den Form.“ Der Clou: „Eine im unte­ren Vier­tel des Fil­ters aus­kra­gen­de Schei­be ermög­licht das Auf­set­zen auf eine Tas­se oder Kan­ne. Auf der Innen­sei­te ist der Fil­ter längs gerif­felt, um den Kaf­fee gleich­mä­ßig nach unten zu lei­ten. Innen in den Fil­ter wird ein pass­ge­nau­es Fil­ter­pa­pier ein­ge­legt.“ Genannt wird die Erfin­dung „Melit­ta Schnell-Fil­ter Nr. 102 für 3–6 Tas­sen.“ Dafür gibt es im Okto­ber 1935 das „Deut­sche Reichs­pa­tent“ mit der Num­mer 653976.  

Ökopapier im Einsatz

Heu­te stammt das Fil­ter­pa­pier für den Kaf­fee aus „FSC“ Holz. Das steht für „Forest Ste­wardship Coun­cil“ und ist „ein inter­na­tio­na­les Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­tem für nach­hal­ti­ge­re Wald­wirt­schaft“, wie die NGO „WWF“ dazu schreibt. Die Geschich­te von Melit­ta Bentz zeigt: Manch­mal rei­chen eine tol­le Idee und har­te Arbeit dazu aus, um durch­zu­star­ten.  

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