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  • Ohne Marga Faulstich gäbe es womöglich keine Sonnenbrille, ©Schott AG

Erfinderinnen: Marga Faulstich und ihre rund 40 Patente

2022-09-05T09:22:00+02:003. September 2022|

Obwohl außer­halb der Bran­che fast uner­kannt, hat die Fir­ma „Essil­or­Lu­xot­ti­ca“ im Geschäft mit Bril­len eine ähn­li­che mäch­ti­ge Domi­nanz erreicht, wie „Ama­zon“ in sei­nem Metier. Dass hin­ter dem Erfolg des Kon­zerns die Ideen einer Erfin­de­rin ste­hen, dürf­te den meis­ten unbe­kannt sein.

Von Mat­thi­as Lauerer

Durch die Her­s­tellung von Bril­len für Luxus­mar­ken wie „Ray-Ban“, „Arma­ni“, „Bul­ga­ri“ und „Cha­nel“ wur­de Leo­nar­do Del Vec­chi­os Fir­ma, gegrün­det vor mehr als sechs Deka­den, zum welt­weit größ­ten Bril­len­her­stel­ler mit Fabri­ken in aller Her­ren Län­der. Die Zeit­schrift „For­bes“ setz­te ihn 2022 auf Platz 52 ihrer Lis­te der reichs­ten Men­schen der Welt und schätz­te das Net­to­ver­mö­gen auf 27,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Nur was hat der Mann in einem Text über begna­de­te und genia­le Erfin­de­rin­nen zu suchen? Nun, sei­nen irr­wit­zi­gen Umsatz und Gewinn hat Herr Del Vec­chio einer Frau namens Mar­ga Faul­stich zu ver­dan­ken. Ohne sie gäbe es wohl „kei­ne Son­nen­bril­len“, wie es die „Welt“ verkündete.

Rasanter Aufstieg

Die „Gesell­schaft Deut­scher Che­mi­ker“ weiß über sie zu berich­ten: „Gebo­ren am 16. Juni 1915 in Wei­mar, zieht Mar­ga 1922 mit ihrer Fami­lie nach Jena. Dort besucht sie das Real­gym­na­si­um, das Abitur folgt. Drei­zehn Jah­re spä­ter star­tet sie eine Aus­bil­dung als wis­senschaft­li­che Hilfs­kraft beim „Jena­er Glas­werk Schott“. Das Unter­neh­men zählt damals zu den füh­ren­den euro­päi­schen Her­stel­lern von opti­schen und tech­ni­schen Spezialgläsern.”

Flucht nach Westdeutschland

Nach dem Krieg flieht ein Teil der Fami­lie nach Mainz. Dort, bei der jun­gen „Jena­er Glas­werk Schott & Gen“, der heu­ti­gen „Schott AG“ wird Faulstich „von der Assis­ten­tin zur Wis­sen­schaft­le­rin beför­dert“ und spä­ter zur „Lei­te­rin der For­schungs­ab­tei­lung für opti­sche Glä­ser. Damit ist sie bei Schott-Glas die ers­te Frau in einer Füh­rungs­po­si­ti­on“, wie es bei „Edi­ti­on F“ dazu heißt.

Nur das Nötigste

Die damals Drei­ßig­jäh­ri­ge erin­nert sich spä­ter an ihre Flucht: „Wir konn­ten nur das Nötigs­te von unse­rer beweg­li­chen Habe in ein paar Kis­ten packen. Das war alles. Den Rest samt den Möbeln hin­ter­lie­ßen wir Flücht­lin­gen aus Ost­preu­ßen, die in unse­re Woh­nung ein­quar­tiert wor­den waren. Eines Mor­gens stand dann ein Lkw der US-Armee vor der Tür. Ver­wand­te, Freun­de und Nach­barn ver­ab­schie­de­ten sich unter Trä­nen, und wir fuh­ren los. Nie­mand wuss­te, was die Zukunft brin­gen würde.“

Titan statt Blei  

Vor 49 Jah­ren gelingt der For­sche­rin dann der gro­ße Coup, der Fir­men wie „Essil­or­Lu­xot­ti­ca“ spä­ter bei den Geschäf­ten hilft und allen Men­schen, um deren Seh­stär­ke es schlecht bestellt ist. Laut des „Insti­tuts für Geschicht­li­che Lan­des­kun­de an der Uni­ver­si­tät Mainz“ sind es die 1970er-Jah­re, als sie „mit der Ent­wick­lung des hoch­bre­chen­den Leicht­ge­wichts-Bril­len­gla­ses Schwerflint 64“ los­legt. Statt „des Schwer­me­talls Blei ent­hält es Titan und wiegt des­halb deut­lich weni­ger.“ Die­se Erfin­dung wird 1976 zum Patent mit der Nummer „DE 2223629 C3“. Faul­stich ist Miterfinderin.

Erstes Patent bereits 1939

Wes­halb gelingt ihr die­ser Durch­bruch? Bereits vie­le Jah­re zuvor beschäf­tigt sie sich mit dün­nen Glas­be­schich­tun­gen. Bereits 1939 reicht die For­scher­grup­pe, in der sie mit­wirkt, ein Patent ein, das seit­dem als Basis für die Her­stel­lung von Son­nen­bril­len, ent­spie­gel­ten Bril­len­glä­sern und Glas­fas­sa­den dient. Laut einer Quel­le fol­gen weite­re 42, welt­weit genutz­te Paten­te unter ihrer Betei­li­gung. Und in der inter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on heißt es Mit­te der 1990er-Jah­re über Mar­ga Faul­stich: „Dies war kei­ne Quo­ten­frau, son­dern eine wirk­lich ganz Gro­ße. Ihre Geis­tes­blit­ze brach­ten Schott Mil­lio­nen DM an Umsatz.“ Ob sie am Geld­se­gen betei­ligt wur­de, ist nicht bekannt. 

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