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  • Elizabeth „Lizzie“ Magie, die Erfinderin von Monopoly, ©Steve Cukrov - stock.adobe.com

Erfinderinnen: Lizzie Magie und die Erfindung von Monopoly

2022-10-04T11:38:02+02:001. Oktober 2022|

Über 100 Jah­re ist es her, dass eine Urver­si­on von dem belieb­ten Spiel Mono­po­ly paten­tiert wur­de. Liz­zie Magie hat­te die Idee für das „The Landlord’s Game. Für den Spie­le-Ein­fall gefei­ert wird trotz­dem ein Mann. Wir erzäh­len Magies Geschichte. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Meist kennt man die Geschich­te ja so: Da gibt es einen US-Ame­ri­ka­ner namens Charles Dar­row, der sich die „Mono­polywelt“ aus­dach­te und hier­für nicht nur all die Kar­ten mit den illus­tren Stra­ßen­na­men bis hin zur Schloss­al­lee und zudem die fei­nen Hin­wei­se wie: „Geh ins Gefäng­nis“ oder: „Geh über los“ erfand und alles in eine bun­te Schach­tel steck­te. Er soll es gewe­sen sein, der vor 90 Jah­ren das Brett­spiel „Mono­po­ly“ erfand. Dar­row ver­kauft sei­ne Idee an die US-Fir­ma „Par­ker Bro­thers“ und der Rest ist ein Mil­lio­nen­sel­ler, der der Fir­ma viel Geld und wohl auch den Erfin­der zum rei­chen Mann mach­te. Damit endet unse­re Geschich­te, nur was hat die­se dann in der „Courage“-Serie über Erfin­de­rin­nen zu suchen?  

Die Urversion von Monopoly

Wie das bei Geschich­ten manch­mal so ist, ist das nur die hal­be Wahr­heit. Denn bereits 30 Jah­re vor Dar­row tritt eine gewis­se Eliza­beth „Liz­zie“ Magie auf den Plan, die 1904 eine Urver­si­on von „Mono­po­ly“ erfin­det und jene unter dem Namen „The Landlord‘s Game“, auf Deutsch in etwa „Das Spiel des Grund­be­sit­zers“ sogar paten­tie­ren lässt.  

Patent im Januar 1904 erteilt

Magie mel­det vor 118 Jah­ren denn Rechts­an­spruch auf ihr „Landlord’s Game“ an, mehr als drei Jahr­zehn­te bevor die Fir­ma „Par­ker Bro­thers“ mit der Pro­duk­ti­on von Mono­po­ly beginnt. Sie ent­wirft ihr das Spiel eigent­lich als Pro­test gegen die gro­ßen Mono­po­lis­ten ihrer Zeit, also Leu­ten wie Andrew Car­ne­gie oder John D. Rocke­fel­ler von „Stan­dard Oil Com­pa­ny.“ Aber wer ist denn nun der Erfin­der des Spiels? War­ten wir mal ab.   

Geburt kurz nach dem Bürgerkrieg

Eliza­beth Magie wird 1866 in Macomb, Illi­nois, gebo­ren, ein Jahr nach dem Ende des Bürger­kriegs. Ihr Vater James Magie ist Zei­tungs­ver­le­ger. Wenn Eliza­beth nicht arbei­tet, kämpft die jun­ge Frau, die ihre Freun­de „Liz­zie“ nen­nen, dar­um, sich krea­tiv Gehör zu ver­schaf­fen. Abends ver­folgt sie ihre lite­ra­ri­schen Ambi­tio­nen, und als Mit­glied der Washing­to­ner Thea­ter­sze­ne tritt sie auf, wo man sie laut „New York Times“ „für ihre komö­di­an­ti­schen Rol­len“ lob­te. Laut der Zei­tung führt Magie, für jene Zeit, auch ein höchst unge­wöhn­li­ches Leben. Sie sorgt für sich selbst und hei­ra­tet „erst“ mit 44 Jahren. 1910 hei­ra­tet sie den Geschäfts­mann Albert Phil­lips.  

Kreative Ideen

Eini­ge Jah­re, nach­dem sie das Patent für ihr Spiel erhält und Schwie­rig­kei­ten dabei hat, sich mit den paar Dol­lar wöchent­lich, die sie als Ste­no­gra­fin und Sekre­tä­rin ver­dient, durchzu­schla­gen, macht sich Magie über die Ehe als ein­zi­ge Opti­on für Frau­en lus­tig. Die Idee? Sie bie­tet sich als „jun­ge ame­ri­ka­ni­sche Skla­vin“ zum Ver­kauf an. So will sie Auf­re­gung erzeu­gen und auf das herr­schen­de Ungleich­ge­wicht der Geschlech­ter hin­wei­sen. In der Anzei­ge heißt es, sie sei „nicht schön, aber sehr attrak­tiv“ und habe „wahr­haft weib­li­che Züge.“ Die Akti­on schlägt hohe Wel­len und bringt ihr einen Zei­tungs­job als Jour­na­lis­tin ein.  

Auf dem Weg zum Verkaufsschlager

Zurück zum Spiel: Jenes hat einen Spiel­weg, der es den Teil­neh­mern erlaubt, das Spiel­brett zu umrun­den, für die dama­li­ge Zeit ein Novum. In einer Ecke befin­den sich das Armen­haus und der öffent­li­che Park und auf der ande­ren Sei­te des Spiel­bretts liegt das Gefäng­nis. Und Magie denkt sich zwei Spiel­sze­na­ri­en aus. Da gibt es die eine anti­mo­no­po­lis­ti­sche Ver­si­on, bei der alle belohnt wer­den, wenn Wohl­stand geschaf­fen wird und die ande­re Fas­sung, bei dem es eben dar­um geht, mäch­ti­ge Mono­po­le zu bil­den und alle ande­ren Mit­be­wer­ber aus dem Markt zu kegeln. Liz­zie liegt die ers­te Opti­on mehr am Her­zen. Sie denkt quer, was sich nicht nur an der wil­den Idee mit der Annon­ce als Skla­vin zeigt. Kurz­um: Die Frau ist ihrer Zeit mit sol­chen Idee weit vor­aus.   

Magie war wohl die Monopoly-Erfinderin 

Also, wer hat es denn nun erfun­den, das Spiel, das heu­te wohl in Hun­der­ten Ver­sio­nen exis­tiert? „Ich den­ke, wenn es der Fir­ma ‘Has­bro’ mit der För­de­rung von Frau­en ernst wäre, so wür­den sie zuge­ben, dass eine Frau das Spiel erfun­den hat“. So sagt es Mary Pilon, die, 2015 als Autorin des Buchs „The Mono­po­lists“ die Wahr­heit über den Welt­erfolg aufdeckte.

500 US-Dollar für sie  

Rück­blick: Charles Dar­row führ­ten Freun­den in Magies Spiel ein und er ver­kauf­te die Idee schließ­lich 1934 als „Mono­po­ly“ an „Par­ker Bro­thers“, ohne Magie zu erwäh­nen, wie es bei „The Heroi­ne Collec­ti­ve“ dazu heißt. Und wei­ter. „Nach­dem Dar­row Mono­po­ly ver­kauft hat­te, bot ´Par­ker Bro­thers´ Magie 500 Dol­lar für ihr Patent, ohne Lizenz­ge­büh­ren. Als man ihr anbot, das ursprüng­li­che ´Landlord’s Game´ sowie zwei wei­te­re von Magie erfun­de­ne neue Spie­le zu pro­du­zie­ren, stimm­te sie zu.“ Doch am Ende setz­te sich nur „Mono­po­ly“ durch. 1948 starb Liz­zie als Wit­we ohne Kin­der. Im Nach­ruf wird ihre wich­ti­ge Rol­le bei der Erfin­dung von „Mono­po­ly“ nicht erwähnt. 

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