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  • Käthe Paulus, die Erfinderin des Paketfallschirms, ©Public domain, via Wikimedia Commons

Erfinderinnen: Käthe Paulus und der Paketfallschirm

2022-12-05T10:06:57+01:004. Dezember 2022|

Eigent­lich ist es eine total ver­rück­te Idee: Man springt aus einem Flug­zeug und ein gefal­te­ter Fall­schirm trägt einen bis zur Erde zurück. Doch wem haben wir die­se Erfin­dung zu verdanken?

Von Mat­thi­as Lauerer

Vom Deut­schen Patent und Mar­ken­amt heißt es dazu: „Käthe Pau­lus war eine schil­lern­de Figur: muti­ge Pio­nie­rin der Luft­fahrt, wag­hal­si­ge Akro­ba­tin, cle­ve­re Erfin­de­rin und Lebens­ret­te­rin. Am 22. Dezem­ber 1868 wur­de die Ent­wick­le­rin des Paket­fall­schirms in Zell­hau­sen bei Offen­bach gebo­ren.“ 

Das Patent wurde 1920 erteilt 

Es ist eine alte Zeich­nung, die so vie­len Men­schen bis heu­te das Leben ret­te­te. Das Stück Papier trägt die Num­mer „AT 79731“ und ist 102 Jah­re alt. Dort liest man etwas über eine „Ein­rich­tung zum Anbrin­gen von Fall­schir­men an Luft­fahr­zeu­gen.“ 

Ausbildungsberuf: Schneiderin 

Rück­blick: „Schon als Kind war Katha­ri­na ‘Käthe’ Pau­lus von Artis­tik fas­zi­niert. Sie balan­cier­te auf Wäsche­lei­nen und führ­te ger­ne artis­ti­sche Übun­gen vor. Trotz­dem ent­schied sie sich, ein boden­stän­di­ges Hand­werk zu erler­nen und wur­de Schnei­de­rin. Ein Beruf, der ihr noch sehr nütz­lich wer­den soll­te“, weiß das Deut­sche Patent- und Mar­ken­amt.  

Sprung aus dem Ballon 

Vor 133 Jah­ren kommt es zu einer fol­gen­schwe­ren Begeg­nung: Käthe Pau­lus lernt Her­mann Lat­te­mann ken­nen und sie fin­den mensch­lich und beruf­lich zuein­an­der. Spä­ter wird Käthe zur Mut­ter, doch das Leben meint es nicht gut mir ihr. Sowohl der Sohn als auch der Ehe­mann ster­ben spä­ter bei eben­je­nen Fall­schirm­sprün­gen. Doch sie macht ein­fach weiter.

Dann lässt der ers­te beruf­li­che Pau­ken­schlag nicht lan­ge auf sich war­ten und Pau­lus springt aus 1.200 Meter Höhe aus einem Bal­lon. Am 28. August 1893 hal­ten dazu bei einem Volks­fest in Nürn­berg mehr als 60.000 Zuschau­er den Atem an. „In der Pres­se wur­de die­ses Ereig­nis nicht mit der ent­spre­chen­den Auf­merk­sam­keit gewür­digt, denn die jun­ge Dame aus Zell­hau­sen wur­de wegen ihren wei­ßen Matro­sen­blu­se, Plu­der­ho­sen und Stul­pen­stie­fel als unschick titu­liert“, heißt es auf der Web­sei­te Main­hau­sen. Den­noch geht ihr Sprung in die Geschichts­bü­cher ein, hier als ers­ter Fall­schirm­sprung einer deut­schen Frau. Welt­weit hat­ten die­se Akti­on zuvor nur zwei ande­re Frau­en gewagt.  

7.000 Lebensretter für die Armee  

Doch was mach­te ihre Erfin­dung nun so beson­ders? Das Ver­wi­ckeln der Traglei­nen beim Öff­nungs­vor­gang des Fall­schirms wur­de per schlau­em Sys­tem zusam­men­ge­legt, ver­packt und befes­tigt, sodass sich der Fall­schirm zuver­läs­sig voll ent­fal­te­te und sich die Traglei­nen nicht in der Luft ver­hed­der­ten, wenn es rasant zur Erde ging. Ab 1916 arbei­tet sie für das Mili­tär, das den Paket­fall­schirm für gut befin­det und 7.000 davon bestellt – alle ver­se­hen mit ihren Initia­len. Ein gute Mar­ke­ting­idee, so weiß jeder, dass er oder sie sicher sprin­gen kann. 1917 bekommt sie das Ver­dienst­kreuz für Kriegs­hil­fe, weil ihr Fall­schirm Men­schen dabei hilft, sich aus abge­schos­se­nen Flug­zeu­gen in Sicher­heit zu brin­gen. Als Käthe Pau­lus 1935 stirbt und in Ber­lin-Rei­ni­cken­dorf in einem Ehren­grab der Stadt ihre letz­te Ruhe fin­det, ste­cken min­des­tens 165 Fall­schirm­sprün­ge und mehr als 700 Fahr­ten als Bal­lon­füh­re­rin in ihren Kno­chen. 

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