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  • Herta Heuwer ist die Erfinderin der Currywurst, ©Printemps - stock.adobe.com

Erfinderinnen: Herta Heuwer und die Erfindung der Currywurst

2022-09-16T12:23:02+02:0016. September 2022|

Vor 73 Jah­ren hat Her­ta Heu­wer einen Ein­fall. In ihrer Imbiss­bu­de rühr­te sie eini­ge Zuta­ten zu einer Soße zusam­men, die sie über eine Dampf­wurst gab. Die Cur­ry­wurst war erfun­den. Das ist ihre Geschich­te.  

Von Mat­thi­as Lauerer

Was hat sie uns in Ver­bin­dung mit Pom­mes fri­tes nicht gut­ge­tan, nach einer lan­gen Nacht im Club oder ewig zu Fuß unter­wegs in der Stadt. Die­se Stär­kung, ganz sicher eine Kalo­rien­bom­be, aber oft­mals sehr lecker. Die Rede ist von der Cur­ry­wurst. 

Einfall mit 36 Jahren 

Es ist der Sep­tem­ber 1949, wie es beim „WDR Zeit­zei­chen“ heißt. „Her­ta Heu­wer sitzt in ihrem Imbiss­stand in Ber­lin-Char­lot­ten­burg und lang­weilt sich. Das Wet­ter ist trü­be, kein Käu­fer ver­irrt sich zu ihr. Da beginnt die krea­ti­ve Wurst­ver­käu­fe­rin, ver­schie­de­ne Sub­stan­zen für ihre Snacks zu einer neu­en Soßen­idee zusam­men­zu­schüt­ten.“ Wei­ter heißt es über Her­tas Idee, wohl im Ori­gi­nal­zi­tat von ihr in der „BZ“: „Es goss klee­ne Kin­der­köp­pe, kein Mensch an mei­ner Bude. Aus Lan­ge­wei­le rühr­te ich Gewür­ze mit Toma­ten­mark zusam­men. Und es schmeck­te herr­lich.“ Danach fließt die Neu­erfin­dung über eine Dampf­wurst. Und schon ist sie erfun­den, die Cur­ry­wurst. Heu­wer ist damals 36 Jah­re alt und fort­an bestimmt die rot-gel­be Ange­le­gen­heit ihr Leben.  

Eigentlich will sie Modistin werden 

Die Tages­zei­tung „B.Z.“ aus Ber­lin weiß noch mehr über sie zu berich­ten. „Als Her­ta Char­lot­te Pöp­pel wird sie am 30. Juni 1913 gebo­ren. Vater Zim­mer­mann, Mut­ter Fabrik­ar­bei­te­rin. 1925 kommt Fami­lie Pöp­pel nach Ber­lin. Her­ta lernt ab 1929 Schnei­de­rin. Eigent­lich will sie Modis­tin wer­den, Klei­der ent­wer­fen. Hoch­zeit 1935. Ihr Mann Kurt Heu­wer arbei­tet bei Sie­mens. Sie selbst war von 1936 bis 1940 Ver­käu­fe­rin im KaDeWe, Abtei­lung für Mode­schmuck und Acces­soires.“  

Der Kniff mit dem Schutz 

Neun­zehn Jah­re spä­ter, 1959, wird ihre Idee mit der Num­mer 721319 zur Wort-/Bild­mar­ke geadelt, wie es ganz kor­rekt beim Deut­schen Mar­ken- und Patent­amt heißt. Denn hät­te sich die jun­ge Her­ta um ein tat­säch­li­ches Patent bemüht, hät­te sie die exak­te Zusam­men­stel­lung ihrer gehei­men Zuta­ten benen­nen müs­sen. Und das ist ihr zuwi­der. 1978 zer­stört die Erfin­de­rin alle schrift­li­chen Auf­zeich­nun­gen über ihren Nah­rungs­mit­tel­coup, nicht ein­mal ihrem Mann ver­rät sie das Geheim­nis. Her­ta besitzt „ein klei­nes Häus­chen mit Gar­ten. Im Eich­katz­weg lebt sie bis zu ihrem Tod, lieb­te Schla­ger von Howard Car­pen­da­le, ihren Ter­ri­er ‘Ardos’ und war Mit­glied im Hun­de­ver­ein. Ihre Ehe bleibt kin­der­los, 1989 starb Kurt, sie selbst, 86 Jah­re alt, am 3. Juli 1999“, beschreibt die „BZ“ ihre letz­ten Jah­re. 

Unvergessen 

Seit dem Jahr­hun­dert­som­mer 2003 erin­nert auch eine Gedenk­ta­fel an den Ort der Erfin­dung. Laut des „Deut­sches Patent- und Mar­ken­amt“ steht dar­auf: „Hier befand sich der Imbiss, in dem am 4. Sep­tem­ber 1949 Her­ta Heu­wer die pikan­te ´Chillup´-Soße für die inzwi­schen welt­weit bekann­te Cur­ry­wurst erfand. Ihre Idee ist Tra­di­ti­on und ewi­ger Genuss.“ 

Legenden und Mythen 

Doch was macht eigent­lich den unge­bro­che­nen Reiz der Cur­ry­wurst aus? Nun, jedes Land lebt von sei­nen Legen­den, jenen Mythen, die ihm eine Exis­tenz­be­rech­ti­gung ver­schaf­fen und die eige­ne Iden­ti­tät sichern. Ob Trüm­mer­frau­en nach dem Zwei­ten Welt­krieg, die für das Wirt­schafts­wun­der sorg­ten, die heiß gelieb­te D‑Mark oder eben die Cur­ry­wurst. An den Brut­zel­bu­den der Repu­blik fin­den sich alle gesell­schaft­li­chen Schich­ten zusam­men. Men­schen ver­sam­meln sich und reden mit­ein­an­der. Und wo gibt es das heu­te sonst noch?   

Sicher, wir ken­nen vie­le männ­li­che Erfin­der. Da wären Tho­mas Alva Edi­son als Mann für das elek­tri­sche Licht oder Phil­ipp Reis, der Erfin­der des Tele­fons. Tau­sen­de ihrer Namen fin­den sich in unse­ren Städ­ten wie­der — sei es als Stra­ßen­na­me oder auf pom­pö­sen Sta­tu­en. Doch wie steht es um die Frau­en? Die­se Cou­ra­ge-Online-Serie wid­met sich den Damen, die Unglaub­li­ches ent­deck­ten oder ersan­nen, die um die Ecke dach­ten und Gro­ßes ent­war­fen. 

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„Glück­lich! Dich hab ich gefun­den, hab aus Mil­lio­nen Dich umwun­den“. Wei­ter heißt es im Gedicht von Fried­rich Schil­ler über die Freund­schaft: „Laß´ das Cha­os die­se Welt umrüt­teln, durch­ein­an­der die Ato­men schüt­teln. Ewig fliehn sich uns­re Her­zen zu.“ Nur wer­den die Freund­schaf­ten mit den Jah­ren weni­ger. Wie lässt sich das aufhalten? 

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