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    Gerade als Neuling an der Börse gibt es Fallstricke, ©LeslieAnn - stock.adobe.com

Start an der Börse: Diese Anfänger:innen-Fehler kannst du vermeiden – Teil 2

2022-05-30T12:19:31+02:0030. Mai 2022|

Gera­de in rup­pi­gen Bör­sen­zei­ten kommt es dar­auf an, mit Plan zu inves­tie­ren. Und Feh­ler mög­lichst zu ver­mei­den. Das ist gar nicht so schwer. Hier unser zwei­ter Teil der Hab-Acht-Punk­te, damit du sicher durch’s Bör­sen­was­ser kommst. 

Von Ant­je Erhard

Dar­über, wie wich­tig eine Stra­te­gie ist, haben wir ja schon in Teil 1 gespro­chen. Und auch wie wich­tig es ist, die ein­zu­hal­ten. Außer­dem weißt du jetzt, dass du rea­lis­ti­sche Erwar­tun­gen an die Geld­an­la­ge an die Bör­se haben soll­test und die Risi­ken rea­lis­tisch ein­schät­zen soll­test. Ein paar Hab-Acht-Punk­te haben wir aber noch für dich: 

Punkt 6: Die Kosten

Die gute Nach­richt zuerst: Inzwi­schen ver­zich­ten die meis­ten Depot­ban­ken auf Depot­ge­büh­ren. Doch jede Trans­ak­ti­on kos­tet Geld. Und nicht wenig. Die­se Kos­ten sind je nach Bro­ker unter­schied­lich. Pro Order zahlst du eine Order­ge­bühr. Pro Order heißt beim Kauf – aber auch beim Ver­kauf ein und des­sel­ben Wert­pa­piers. Hin­zu kom­men varia­ble Ver­gü­tun­gen der ein­zel­nen Anbie­ter als Pro­vi­sio­nen für sie – die lie­gen bei etwa 0,2 Pro­zent des Order­vo­lu­mens. Drit­ter Teil ist die Gebühr für den Han­dels­platz.  

Kei­ne Gebühr, aber doch ein Kos­ten­block sind die so genann­ten Spreads. Das ist die Span­ne zwi­schen Kauf- und Ver­kaufs­preis. Vor allem mor­gens im vor­börs­li­chen Han­del und am Wochen­en­de sind die Spreads hoch. Wäh­rend der Xetra-Han­dels­zei­ten zwi­schen 9.00 und 17.30 Uhr sind die Span­nen am fairs­ten, weil das Volu­men in die­sem Zeit­fens­ter beson­ders hoch ist. 

Je grö­ßer die Order, um so weni­ger fal­len die Kos­ten ins Gewicht. Aller­dings sind die Kos­ten auch erst ein­mal umso höher bei eini­gen Anbie­tern, je grö­ßer die Order ist. Kos­ten­güns­ti­ger sind Spar­plä­ne. Die loh­nen sich vor allem bei klei­ne­ren Order-Volu­men bis hin zu eini­gen hun­dert Euro. Dann fal­len meist nur 1,5 Pro­zent der inves­tier­ten Sum­me als Gebüh­ren an. Vor­sicht: Wer zum Bei­spiel vier­stel­lig mit einem Spar­plan inves­tiert, fährt mit Ein­mal­in­vest­ment kos­ten­güns­ti­ger. 

Punkt 7: Die Emotionen

Lass dich nicht von dei­nen Emo­tio­nen lei­ten. Das ist eine der wich­tigs­ten Regeln an der Bör­se. Aber auch eine, die am schwers­ten zu befol­gen ist. Wenn die Märk­te cras­hen, ist die Panik oft groß. Gera­de wenn du noch kei­nen Crash oder kei­ne grö­ße­re Kor­rek­tur mit­ge­macht hast. Du ver­mei­dest Anla­ge-Feh­ler, indem du dei­ner Stra­te­gie treu bleibst und so inves­tierst, wie dei­ne Stra­te­gie es zeigt. Dazu gehö­ren Fun­da­men­tal­da­ten eines Unter­neh­mens, die Bewer­tung, das Geschäfts­mo­dell, die Peer-Group, die Pro­fi­ta­bi­li­tät. 

Punkt 8: Der Zeitpunkt

Den rich­ti­gen Zeit­punkt gibt es nicht. Wer lang­fris­tig inves­tiert, muss sich dar­um auch gar nicht küm­mern. Alle 15 Jah­re sind Bör­sen-Invest­ments in Stan­dard­ti­tel wie den DAX bis dato immer posi­tiv gewe­sen. Aber es ist nahe­zu unmög­lich – schon gar nicht als Anfänger:in – den Markt zu timen. Nie­mand weiß, ob der aktu­el­le Kurs der nied­rigs­te ist. Auch der Ver­kauf zum Höchst­kurs ist rei­ne Glücks­sa­che.  

Ver­lus­te gehö­ren aber zur Bör­se dazu. Mach dir klar, wie vie­le Ver­lus­te du emo­tio­nal aus­hal­ten kannst im Ernst­fall und ob du auf das Geld, das du inves­tierst, wirk­lich im All­tag auf abseh­ba­re Zeit ver­zich­ten kannst. Wenn Kur­se auf brei­ter Front fal­len, wie es aktu­ell häu­fig der Fall ist, hat das mit dem Markt­um­feld zu tun. Solan­ge du von dei­nem Invest­ment über­zeugt bist, bleib dei­ner Stra­te­gie treu. Hast du defi­ni­tiv auf das fal­sche Pferd gesetzt, hilft nur eine Exit-Stra­te­gie. Bei Ver­lus­ten von 60 oder 70 Pro­zent ist die Wahr­schein­lich­keit extrem nied­rig, dass sich hier die Kur­se noch­mal erho­len. 

Punkt 9: Verluste

Hast du hohe Ver­lus­te erlit­ten, hilft nur Ehr­lich­keit. Hier gibt es zwei Regeln: Ver­such nicht, Ver­lus­te auf­zu­ho­len. Bei 50 Pro­zent Minus muss eine Aktie 100 Pro­zent gewin­nen, damit du wie­der im Plus bist. Bei 80 Pro­zent Minus müss­te ein Wert­pa­pier 400 Pro­zent auf­ho­len. Klingt das rea­lis­tisch? Eher nicht, oder? Dar­über hin­aus gilt: Ver­lieb dich nie in eine Aktie. Bes­ser ist: Kauf nur, was du kennst und ver­stehst. Wor­an du emo­tio­nal nicht hängst, dass ver­kaufst du auch leich­ter wie­der. Am bes­ten mit Gewinn. 

Punkt 10: Der Anlagehorizont

Bör­sen-Invest­ments brau­chen Zeit. Kurz­fris­tig hier einen Hau­fen Geld zu machen, ist Spe­ku­la­ti­on. Zufall. Das hat nichts mit Stra­te­gie und Plan zu tun. Wenn du weni­ger als zehn Jah­re inves­tie­ren kannst oder möch­test, dann wäh­le eine ande­re Mög­lich­keit als die Bör­se. Bör­se braucht Zeit, viel Zeit. Aber sie funk­tio­niert lang­fris­tig. Der MSCI World hat zum Bei­spiel in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren im Schnitt 7,5 Pro­zent Ren­di­te erzielt. Da waren Aus­rei­ßer von über 30 Pro­zent dabei – aber auch üble Jah­re… Bei der Ren­di­te musst du noch die Infla­ti­on beach­ten. Die lag in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren von 2002 bis 2021 mit 1,5 Pro­zent deut­lich nied­ri­ger als jetzt. Sie dürf­te aber auf abseh­ba­re Zeit wohl erst ein­mal höher aus­fal­len.  

Zusatzpunkt: Die Steuern

Lei­di­ges The­ma, aber um das Finanz­amt kommst du nicht drum­her­um. Seit 2009 musst du Erträ­ge auf Kapi­tal­an­la­gen, sprich Kurs­ge­win­ne aus Akti­en, ETFs, Fonds, Zer­ti­fi­ka­ten etc., ver­steu­ern. Der Steu­er­satz beträgt 25 Pro­zent, plus Soli­da­ri­täts­zu­schlag macht das 26,375 Pro­zent. Dazu kommt even­tu­ell noch Kir­chen­steu­er. Seit 2021 fällt aller­dings auch für die meis­ten Steuerzahler:innen der Soli weg. Frü­her hieß die Abgel­tungs­steu­er Kapi­tal­ertrags­steu­er und der per­sön­li­che Steu­er­satz war fäl­lig. Bei­de Begrif­fe wer­den heu­te häu­fig syn­onym ver­wen­det. Auf die Abgel­tungs­steu­er wird ein Frei­be­trag gewährt. Das sind pro Jahr pro Anleger:in 801 Euro. Bei Ehe­paa­ren oder ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaf­ten sind es 1602 Euro. Ab dem kom­men­den Jahr will ihn die Bun­des­re­gie­rung erhö­hen: auf 1.000 Euro für Ein­zel­per­so­nen und 2.000 Euro für Paa­re. Über die­se Erträ­ge musst du kei­ne Steu­ern zah­len. Dafür musst du bei dei­ner Bank oder Depot­bank einen Frei­stel­lungs­auf­trag einrichten. 

Die Lis­te der Pos­ten, auf die Abgel­tungs­steu­er fäl­lig wird, ist lang. Bei Akti­en sind Kurs­ge­win­ne und Divi­den­den abgel­tungs­steu­er­pflich­tig, bei Anlei­hen Kurs­ge­win­ne und Zin­sen. Zin­sen auf Spar­kon­ten, Tages­geld etc müs­sen eben­falls ver­steu­ert wer­den. Gewin­ne aus dem Ver­kauf von Fonds, ETFs sind auch steu­er­pflich­tig. Bei Akti­en­fonds dür­fen 30 Pro­zent der Erträ­ge für Privatanleger:innen abgel­tungs­steu­er­frei blei­ben, bei Misch­fonds 15 Pro­zent. Das setzt vor­aus, dass der Fonds aber min­des­tens 25 Pro­zent Akti­en beinhal­tet. 

Auch Erträ­ge aus Kapi­tal­an­la­gen aus dem Aus­land musst du ver­steu­ern. Wenn die Bank ihren Sitz nicht in Deutsch­land hat, musst du die Kapi­tal­erträ­ge aus dem Aus­land in der Steu­er­erklä­rung ange­ben. Dann kannst du kei­nen Frei­stel­lungs­an­trag stel­len.  

Die gute Nach­richt: Erträ­ge aus Wert­pa­pie­ren, die du bis Ende 2008 gekauft hast, sind nach wie vor steu­er­frei, wenn du sie jetzt ver­kaufst. Es gilt das Prin­zip „first in, first out“. Hast du eine Aktie spä­ter noch ein­mal nach­ge­kauft, musst du die Erträ­ge ent­spre­chend der Abgel­tungs­steu­er ver­steu­ern.  

Wich­tig: Auch Kin­dern steht ein eige­ner Frei­be­trag zu. Des­halb soll­ten Depots und Kon­ten für die Kin­der auch auf ihren Namen laufen.

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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