• Eine Million im Depot
    Eine Million im Depot, ©pathdoc - stock.adobe.com

Eine Million im Depot erreichen? So kann es klappen

2022-05-10T14:37:34+02:0010. Mai 2022|

Sie ist gar nicht so uner­reich­bar wie wir den­ken, die Mil­li­on. Ganz wich­tig ist der Fak­tor Zeit. Schau­en wir, wie es gehen kann. 

Von Ant­je Erhard

Um es gleich vor­weg zu sagen: Das ist kei­ne Anla­ge-Emp­feh­lung, kein Gela­ber. Ich möch­te dir viel­mehr zei­gen, was du mit kon­se­quen­ter Geld­an­la­ge, Zeit, Geduld und einer Stra­te­gie errei­chen kannst. Ich wünsch­te, ich hät­te schon viel frü­her mit dem Inves­tie­ren ange­fan­gen. Mei­ne Mis­si­on ist es heu­te, dass du nicht die glei­chen Feh­ler machst wie ich.  

Und ich räu­me gleich ein: Man muss monat­lich schon eini­ges an Geld auf­wen­den, um auf eine Mil­li­on zu kom­men. Aber viel­leicht ist die Mil­li­on nicht wirk­lich wich­tig. Viel­leicht sind die­se Über­le­gun­gen von mir für dich ja ein Anreiz, dass du für dich oder dei­ne Kin­der anfängst zu inves­tie­ren. Einen Ver­such ist es doch wert, oder?  

Neh­men wir ein belieb­tes Bei­spiel: Den MSCI World Index: Ein Klas­si­ker der Geld­an­la­ge. Nicht sexy, aber soli­de. Kein Über­flie­ger, aber ein sta­bi­ler Ertrags­brin­ger mit einem ver­träg­li­chen Risi­ko. Ein­fach zu ver­ste­hen, leicht inves­tier­bar, über­schau­ba­rer Zeit­auf­wand. Natür­lich kannst du dich auch für eine ande­re Geld­an­la­ge ent­schei­den. Wich­tig ist dei­ne Stra­te­gie. Aber wenn du hier hin und wie­der mit­liest, weißt du das längst. 7,5 Pro­zent hat der MSCI World in den letz­ten 20 Jah­ren im Schnitt an Per­for­mance erzielt. Die neh­men wir als Basis unse­rer Rech­nung: 

7,5 Pro­zent Ren­di­te in 40 Jah­ren ohne Eigen­ka­pi­tal. Wir neh­men an, dass Erträ­ge wie Divi­den­den wie­der reinves­tiert wer­den. Für eine Mil­li­on Euro Kapi­tal müss­ten wir 379,76 Euro pro Monat inves­tie­ren. Das wür­de uns 182.284 Euro an Ein­zah­lun­gen kos­ten, aber 842.246 Euro an Zin­sen. Als mehr als das Vier­fa­che. Macht in Sum­me: 1.024.530 Euro (Quel­le: finanzfluss.de).  

Steuer und Inflation berücksichtigen

Drei Ein­wän­de mache ich gleich selbst gel­tend: Der ers­te ist die Steu­er. Also nicht zu früh freu­en: Abge­zo­gen wer­den nun noch 24.531 Euro Kapi­tal­ertrags­steu­ern. Da wir das Geld aber nicht auf einen Schlag ent­neh­men, fal­len auch nicht auf einen Schlag alle Steu­ern an. Je mehr Geld im Depot ver­bleibt und reinves­tiert wird, des­to bes­ser. So weit so posi­tiv. 

Der zwei­te Ein­wand betrifft die Infla­ti­on. Die war in den letz­ten 20 Jah­ren von 2002 bis 2021 mit 1,5 Pro­zent deut­lich nied­ri­ger als jetzt, sie dürf­te aber auf abseh­ba­re Zeit wohl erst ein­mal höher aus­fal­len. Neh­men wir eine Infla­ti­on von 2,0 Pro­zent an als Mit­tel­wert für die nächs­ten Jah­re (nie­mand kann sie vor­her­se­hen, aber 2,0 Pro­zent ist das Ziel der Zen­tral­bank), dann ergibt sich vor Kos­ten eine Ren­di­te von 5,5 Pro­zent.  

Machen wir die Rech­nung neu auf: Unter den glei­chen Para­me­tern müss­ten wir unter Berück­sich­ti­gung der Infla­ti­on 648,34 Euro monat­lich inves­tie­ren, wür­den 311.202 Euro anle­gen und hät­ten nach 40 Jah­ren 725.560 Euro Ver­zin­sung, macht 1.036.762 Euro. Abge­zo­gen wer­den müs­sen noch 36.763 Euro Steu­ern. 

Viel Geld gerade für junge Leute, aber…

Das ist viel Geld und führt gleich zu mei­nem drit­ten Ein­wand ist: Wer mit 20 anfängt zu inves­tie­ren, kann nur in Aus­nah­me­fäl­len so viel Geld pro Monat zurück­le­gen. Ande­rer­seits haben meis­tens die Eltern Geld für uns gespart. Rech­nen wir mit lang­fris­tig zwei Pro­zent Infla­ti­on und einem Start­ka­pi­tal von 25.000 Euro. Dann wären 523,85 Euro zum Inves­tie­ren nötig.  

Auch wenn du nicht so viel Geld monat­lich zurück­le­gen kannst: Jeder Euro ist ein Anfang. Und wird mehr. Selbst mit 100 Euro im Monat kommt über die Zeit eine statt­li­che Sum­me zusam­men. 

Das führt mich zu einem ande­ren wich­ti­gen Punkt: Der Zin­ses­zins­ef­fekt ist zwar umso grö­ßer, je län­ger er wir­ken kann. Nichts­des­to­trotz sind auch gut 500 Euro enorm viel Geld. Mit Anfang 20 nahe­zu unrea­lis­tisch, wie schon geschrie­ben. Wir ver­die­nen zwar im Lau­fe unse­res Berufs­le­bens suk­zes­si­ve immer mehr, aber eben auch erst spä­ter. 

Den Faktor Zeit bestmöglich für die Kinder nutzen

Ich fin­de es daher wich­tig, dass wir als Eltern für unse­re Kin­der den Fak­tor Zeit best­mög­lich ein­set­zen. Ich habe das auch nicht von Tag 1 an getan, aber ich inves­tie­re das kom­plet­te Kin­der­geld in das Depot mei­nes Soh­nes. Neh­men wir mal an, du legst von Anfang an Geld für dein Kind zurück. Du weißt natür­lich nicht, ob es spä­ter als Erwach­se­ner den Plan wei­ter ver­folgt, aber wenn doch, ist der Fak­tor Zeit eine wich­ti­ge Grö­ße: 

Mit gut 200 Euro zur Million

5,5 Pro­zent Ren­di­te über 60 Jah­re ohne Eigen­ka­pi­tal. Das wären monat­lich 204,48 Euro Ein­zah­lun­gen. Das liest sich doch schon anders, oder? Ins­ge­samt wür­den wir Eltern und hof­fent­lich unser spä­ter erwach­se­nes Kind 147.228 Euro ein­zah­len, aber 873.212 Euro wären Zin­sen. In Sum­me hät­te es 1.020.440 Euro im Depot.  

Im Inter­net gibt es zu dem The­ma vie­le Infor­ma­tio­nen, Rechen­bei­spie­le und Inves­ti­ti­ons­vor­schlä­ge, wo du dein Geld anle­gen sollst. Vie­les davon ist wenig seri­ös, vor­sich­tig aus­ge­drückt. Aber wenn man mal die Kom­men­ta­re dazu liest, haben doch vie­le ver­stan­den, wor­um es im Grun­de geht. So schreibt ein User: 

„Stei­gen­de Lebens­er­war­tung, demo­gra­phi­scher Wan­del, Alters­ar­mut, finan­zi­el­le Frei­heit usw. Gibt vie­le Grün­de lang­fris­tig anzu­le­gen, um dann im Alter davon zu pro­fi­tie­ren.“ Ein ande­rer kom­men­tiert: „Man muss ja nicht jeden Cent spa­ren. Gesun­des Mit­tel­maß und gut ist“. 

Das sehe ich ähn­lich. Denn es geht nicht dar­um, sich jetzt zu kas­tei­en, um mit 60 Millionär:in zu sein. Keine:r weiß, wie lan­ge er bzw. sie lebt. Es zählt das Hier und Jetzt. Ich ver­ste­he aber auch die gegen­tei­li­ge Ansicht: „Lie­ber gut leben anstatt gan­ze Zeit zu spa­ren um mit 60 eine Mil­li­on zu haben.“ Wie gesagt, das eine schließt für mich das ande­re nicht aus. Letzt­end­lich muss das jede:r selbst für sich ent­schei­den.  

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