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  • Jodie Foster feiert diese Woche einen runden Geburtstag, ©Abc/Jimmy Kimmel Live/ZUMA Wire/mauritius images

Eine Klasse für sich: Jodie Foster wird 60

2022-11-16T12:14:17+01:0016. November 2022|

Eine Traum­kar­rie­re in Hol­ly­wood: Jodie Fos­ter star­te­te als Kin­der­star, räum­te als Schau­spie­le­rin Gol­den Glo­bes und Oscars ab und arbei­tet heu­te als selbst­be­stimm­te Regis­seu­rin. Eine moder­ne Hel­din­nen­ge­schich­te, die auch hät­te anders aus­ge­hen können. 

Von Michae­la Stemper

Der Kinderstar 

Kin­der­stars wie Drew Bar­ry­mo­re, Mischa Bar­ton oder Macau­lay Cul­kin lern­ten früh die Kehr­sei­te des Ruhms ken­nen: Nach lukra­ti­ven Film- und Seri­en­rol­len in „E.T.“, „O.C., Cali­for­nia“ oder „Kevin – Allein zu Haus“ folg­ten weni­ger gla­mou­rö­se Epi­so­den. Alko­hol, Dro­gen und psy­chi­sche Pro­ble­me beglei­ten nicht weni­ge Kin­der­stars. Jodie Fos­ter, die schon im zar­ten Alter von drei Jah­ren vor der Kame­ra stand, scheint das Ram­pen­licht der Kin­der­ta­ge erstaun­lich wenig gescha­det zu haben. Ihre Stär­ke ver­dan­ke sie sowohl den mora­li­schen Grund­sät­zen als auch der libe­ra­len Hal­tung ihres Eltern­hau­ses, erzählt Fos­ter in einem Inter­view. Ihre Mut­ter habe sie beschützt und dafür gesorgt, sie „kein stepp­tan­zen­der Kin­der­star mit Zöp­fen“ wer­de. 

Mit sechs wird sie bei Dis­ney unter Ver­trag genom­men. Nach ers­ten Rol­len in Fern­seh­se­ri­en wie „Bonan­za“ oder „The Adams Fami­ly“ spiel­te sie als Zehn­jäh­ri­ge in ihrem ers­ten Kino­film „Flucht in die Wild­nis“. Zwei Jah­re spä­ter ent­deckt sie der berühm­te Regis­seur Mar­tin Scor­se­se und besetzt sie 1976 als min­der­jäh­ri­ge Pro­sti­tu­ier­te in „Taxi Dri­ver“. Eine gewag­te Wahl aus 200 Kan­di­da­tin­nen, denn Fos­ter ist gera­de ein­mal zwölf Jah­re alt. Scor­se­se aber erkennt die inne­re Stär­ke des Teen­agers und gibt zu Pro­to­koll, dass nur sie bereit schien, die­se Rol­le zu spie­len. Sie bekommt einen Psy­cho­lo­gen zur Sei­te gestellt, probt mit Robert De Niro. Für sexu­el­le Sze­nen wird die 20-Jäh­ri­ge Schwes­ter als Dou­ble enga­giert. Letzt­end­lich über­zeugt ihr Spiel: als „Bes­te Neben­rol­le“ wird sie mit 13 für den Oscar nomi­niert, erhält die Bri­tish Aca­de­my Film Awards und die Gol­de­ne Pal­me in Can­nes. 

Die Hochintelligente 

Die 1,62 m gro­ße Schau­spie­le­rin mit den stahl­blau­en Augen ist nicht nur hoch­ta­len­tiert, son­dern auch hoch­in­tel­li­gent. Bereits Inter­views aus der Teen­ager­zeit zei­gen eine schlag­fer­ti­ge und beein­dru­ckend reflek­tier­te Jung­schau­spie­le­rin. Die fran­zö­sisch­spra­chi­ge Pri­vat­schu­le in Los Ange­les ver­lässt Jodie Fos­ter als Jahr­gangs­bes­te, stu­diert bis 1985 in Yale Lite­ra­tur und schließt mit Aus­zeich­nung ab. „Ich war ein ver­damm­ter Stre­ber“, erzählt sie in einem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung. Spe­ku­liert wird über ihren IQ von 140. Sie selbst sagt, sie habe ihn nie tes­ten las­sen. Unbe­strit­ten ist sie aller­dings eine der gro­ßen Intel­lek­tu­el­len des Busi­ness. 

Ihre Geis­tes­schär­fe ist ein wie­der­keh­ren­des The­ma: Fos­ter spielt 1976 eine hoch­ta­len­tier­te, unab­hän­gi­ge Jugend­li­che und star­tet ihre Kar­rie­re als Regis­seu­rin 1991 mit dem Film „Das Wun­der­kind Tate“. Ein Film, der auto­bio­gra­phi­sche Züge trägt. In „Once Upon a Time in Hol­ly­wood“ ehrt Quen­tin Taran­ti­no 2019 das Wun­der­kind Fos­ter als eine fast alt­klu­ge Acht­jä­hi­ge, die vor einem Wes­tern­sa­loon Leo­na­do DiCa­prio die Show stiehlt. So könn­te es gewe­sen sein, als Fos­ter damals in „Bonan­za“ spiel­te. 

Ihre Erfolge 

Schramm­te der Teen­ager mit Taxi Dri­ver noch knapp am Oscar vor­bei, räum­te die talen­tier­te Mrs Fos­ter in ihren Zwan­zi­gern end­gül­tig ab: für die Rol­le einer ver­ge­wal­tig­ten Frau in „Ange­klagt“ und als FBI-Agen­tin in „Das Schwei­gen der Läm­mer“ wird sie sowohl mit dem Gol­den Glo­be als auch mit dem Oscar aus­ge­zeich­net. Immer wie­der sind es weib­li­che Cha­rak­te­re, die sich selbst ermäch­ti­gen. So auch 2008 als sie in „Die Frem­de in Dir“ eine Jour­na­lis­tin ver­kör­pert, die nach einem bru­ta­len Ver­bre­chens Rache nimmt. Mit ihren tief­ge­hen­den Rol­len prägt sie in den Ach­zi­gern und Neun­zi­gern ein moder­nes Frau­en­bild ohne Traum­prin­zen – in Zei­ten, in denen Julia Roberts mit „Pret­ty Woman“ noch einen ganz ande­ren Frau­en­ty­pus ver­kör­pert. 

Jodie Foster und das Geld 

„Ich hat­te schon ziem­lich früh Ver­pflich­tun­gen“, erin­nert sich Fos­ter an ihre Kind­heit. Denn alle vier Geschwis­ter tru­gen zum Unter­halt der Fami­lie bei, da die deutsch­stäm­mi­ge Mut­ter zeit­wei­se allein­er­zie­hend war. Das Cas­ting für einen Son­nen­creme-Spot, bei dem Fos­ter als Drei­jäh­ri­ge ent­deckt wur­de, war ursprüng­lich für ihren Bru­der gedacht. Doch die vor­wit­zi­ge Ali­cia – so Fos­ters ursprüng­li­cher Vor­na­me – zog alle Auf­merk­sam­keit auf sich. Es heißt, dass die Gage der Jüngs­ten Anfang der Sieb­zi­ger die Fami­lie allein ernähr­te. 

Fos­ter selbst erzählt noch in ihren Vier­zi­gern, dass sie lan­ge von der Angst getrie­ben war, dass die Fami­lie wie­der arm sein könn­te. Obwohl sie zeit­wei­se zu den best­be­zahl­tes­ten Schau­spie­le­rin­nen Hol­ly­woods zähl­te und ihr Net­to­ver­mö­gen heu­te auf 100 Mil­lio­nen US-Dol­lar geschätzt wird. Den­noch beschreibt sie das abneh­men­de Glücks­ge­fühl, das Geld ver­ur­sa­chen kann, sehr tref­fend: „Als einer mei­ner Fil­me das ers­te Mal 100 Mil­lio­nen Dol­lar ein­spiel­te, war ich auf­ge­regt, beim zwei­ten Mal dann schon nicht mehr so sehr, und beim drit­ten Mal war es mir egal.“ 

Grenzen setzen 

Die Schau­spie­le­rin, Regis­seu­rin und Pro­du­zen­tin lässt sich ungern instru­men­ta­li­sie­ren und weiß sich abzu­gren­zen. Als der glü­hen­de Fos­ter-Ver­eh­rer John Hinck­ley im Jahr 1981 ein Atten­tat auf US-Prä­si­dent Ronald Rea­gan ver­übt, um ihre Auf­merk­sam­keit zu erlan­gen, bezieht die noch jun­ge Schau­spie­le­rin ein­drucks­voll Stel­lung. Sie distan­ziert sich und zieht sich zeit­wei­se aus der Öffent­lich­keit zurück. 

Ihr Pri­vat­le­ben hält Jodie Fos­ter auch heu­te noch gut unter Ver­schluss. Gla­mour-Auf­trit­te sind sel­ten, Homes­to­ries aus­ge­schlos­sen. Deut­lich inter­es­san­ter sind die weni­gen, aus­ge­such­ten Inter­views, in denen eine viel­schich­ti­ge, reflek­tier­te Per­sön­lich­keit und lie­be­vol­le Mut­ter zu erken­nen ist. 1998 und 2001 bekommt Fos­ter zwei Söh­ne. Der Vater tritt nicht in Erschei­nung.  

Rela­tiv spät, im Jahr 2007, bekennt sich der etwas ande­re Hol­ly­wood­star erst­mals öffent­lich zu ihrer lang­jäh­ri­gen Part­ne­rin, der Film­pro­du­zen­tin Cyd­ney Ber­nard. Lan­ge hat­te die Bezie­hung im Ver­bor­ge­nen geblüht, obwohl es immer Gerüch­te um die sexu­el­le Ori­en­tie­rung der Oscar-Gewin­ne­rin gege­ben hat­te. Als sie im Alter von 50 den Gol­den Glo­be für ihr Lebens­werk ent­ge­gen­nimmt, bekennt sie sich zu ihrer Homo­se­xua­li­tät, sagt aber gleich­zei­tig: „Das hier ist kei­ne Com­ing-out-Rede, denn mein Com­ing-out hat­te ich schon vor etwa 1000 Jah­ren, damals im Stein­zeit­al­ter“. Sie habe gelernt, ihr Pri­vat­le­ben geheim zu hal­ten. 

Role Model fürs Alter 

In die­ser Award-Rede gibt Fos­ter auch ihren Rück­zug als Schau­spie­le­rin vor der Kame­ra bekannt. Lässt sich aber offen, Rol­len zu spie­len, die sie selbst oder ande­re zu einem bes­se­ren Men­schen machen könn­ten. So auch im Dra­ma „Der Mau­re­ta­nier“, das 2021 die Film­fest­spie­le von Can­nes eröff­ne­te. Am 19. Novem­ber wird Jodie Fos­ter 60 Jah­re alt und blickt auf eine fast eben­so lan­ge Kar­rie­re zurück. Sie hat für ihre Rol­len oft alles gege­ben, ohne sich selbst preis­zu­ge­ben. Ist eine Iko­ne Hol­ly­woods, ohne jemals Leit­fi­gur sein zu wol­len. Und mit ihrer unver­gleich­li­chen Art ein­fach eine Klas­se für sich. 

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