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    Die Bitcoin-Euphorie scheint vorüber, ©jonasginter - stock.adobe.com

Einbruch der Kryptos – Warum Bitcoin und Co aktuell abrutschen

2022-05-12T17:17:01+02:0012. Mai 2022|

Kryp­to-Wäh­run­gen schwan­ken – das ist bekannt. Doch was aktu­ell am Markt pas­siert, hat Sel­ten­heits­wert. Hier erklä­ren wir dir, was gera­de geschieht. Star­ker Tobak, aber wichtig. 

Von Ant­je Erhard

Es ist erst gut ein Jahr her, da hat­te die Kryp­to-Eupho­rie ihren vor­läu­fi­gen Höhe­punkt erreicht. Die Kryp­to-Bör­se Coin­ba­se war im April an die Bör­se gegan­gen. Und war – zumin­dest am ers­ten Tag – wert­vol­ler als die größ­te Bör­se der Welt, die New York Stock Exchan­ge, die es seit 1792 gibt. Die Begeis­te­rung spül­te den Bit­coin auf ein Niveau von fast 60.000 US-Dol­lar. Und mach­te ihn massentauglich.

Jetzt, gut ein Jahr spä­ter steht die Hälf­te auf den Kurs­lis­ten der ältes­ten Kryp­to-Wäh­rung. Das Markt­um­feld ist rup­pig gewor­den – auch für Kryp­tos. Seit die US-Noten­bank FED die Zin­sen erhöht bzw. die Erhö­hung ange­kün­digt hat, fal­len die Kurs von Akti­en, Anlei­hen und sogar Edelmetallen.

Beim Kurs­ver­fall der Kryp­tos steckt aller­dings mehr dahin­ter als die Zins­er­hö­hung der FED. Die hat zwar die Sor­ge vor einer schwä­cheln­den Wirt­schaft und einer Rezes­si­on erhöht und auch vor Bit­coin und Co nicht Halt gemacht. Doch zu Wochen­be­ginn rutsch­te er aus einem ande­ren Grund immer tie­fer, bis auf zuletzt 27.757 US-Dol­lar. Seit Jah­res­be­ginn ein Minus von 38 Pro­zent und der tiefs­te Stand seit Ende 2020. Auch ande­re Kryp­tos fie­len: Ethe­re­um rutsch­te unter 2.000 US-Dollar.

Terra USD zieht Krypto-Markt nach unten

Offen­bar ist der Ver­lust der Dol­lar-Bin­dung des Sta­ble­coins Ter­ra USD die Ursa­che. Sta­ble­coins sind Kryp­tos, die an eine Fiat-Wäh­rung – in dem Fall an den US-Dol­lar – gekop­pelt sind. Und genau das soll das Pro­blem gewe­sen sein: Sta­ble­coins sind an Wäh­run­gen gebun­den, die durch Staats­an­lei­hen, oder Dol­lar-Schul­den gestützt sind. Wenn nötig kön­nen sie schnell ver­kauft werden.

Das war bei Ter­ra USD nicht mög­lich. Denn Ter­ra USD ist ein soge­nann­ter algo­rith­mi­scher Sta­ble­coin ohne Ver­mö­gens­wer­te, die den Preis kon­ti­nu­ier­lich stüt­zen. Bei Ter­ra USD kön­nen Anle­ger, wenn der Kurs unter einen Dol­lar fällt, den Coin ver­nich­ten und neue Coins im Wert von einem Dol­lar bekom­men. Und weil Ter­ra USD eben nicht gut genug, son­dern mit einem ande­ren Token namens Luna gesi­chert ist, der eben­falls ein­ge­bro­chen ist, hat das alles nicht funktioniert.

Terra USD vom US-Dollar entkoppelt und implodiert

Das alles hat dazu geführt, dass sich einer der größ­ten Sta­ble­coins vom US-Dol­lar ent­kop­pelt hat. Die Betrei­ber konn­ten den „Peg“ nicht mehr hal­ten, dann brach er ein. Ein Peg ist qua­si die Bin­dung an eine ande­re Wäh­rung. Es gibt auch Sta­ble­coins, die zum Bei­spiel an Gold gebun­den sind. Wie das genau pas­siert, ist noch unklar.

Um die Bin­dung – den Peg – an den Dol­lar wie­der her­zu­stel­len, kauf­te die Orga­ni­sa­ti­on, die für die Preis­bin­dung sorgt, in der Ver­gan­gen­heit Bit­coin als Reser­ve. Denn der Preis für einen die­ser Sta­ble­coins muss 1 US-Dol­lar betra­gen. Inzwi­schen beträgt er aber nur noch gut 0,645 US-Dol­lar. Wer gegen Ter­ra USD spe­ku­liert – und das schei­nen vie­le zu sein – bringt den Sta­ble­coin wei­ter unter Druck und ver­dient viel Geld. Doch Ter­ra USD und die Gegen­wäh­rung Luna fal­len weiter …

Die Orga­ni­sa­ti­on, die hin­ter Ter­ra USD steht und die­se Preis­bin­dung von einem US-Dol­lar ver­ant­wor­tet, die so genann­te Luna Foun­da­ti­on Guard LFG, soll Spe­ku­la­tio­nen gegen Ter­ra USD mit Reser­ven in Fremd­wäh­run­gen wie dem Bit­coin begeg­nen. Die LFG soll mehr als drei Mil­li­ar­den US-Dol­lar an Reser­ven haben, davon 90 Pro­zent in Bit­coin. Doch offen­bar nicht genug. Die Luna Foun­da­ti­on kann den Kurs­rutsch des Sta­ble­coins nicht auf­hal­ten. Zumal der  Bit­coin wie vie­le ande­re Kryp­to-Wäh­run­gen aktu­ell durch die Zins­er­hö­hun­gen und die wirt­schaft­li­che Unsi­cher­heit auch an Wert ver­liert. Ver­mö­gens­wer­te, die kei­ne regel­mä­ßi­gen Erträ­ge lie­fern kön­nen, sind dann weni­ger gesucht. Also muss auch die Foun­da­ti­on als eine der welt­weit größ­ten Bit­coin-Inves­to­ren kapitulieren.

Ein Teu­fels­kreis ist hier in Gang gekom­men. Die Schwä­che nahe­zu aller Asset­klas­sen macht vor Kryp­tos nicht Halt. Ter­ra USD ist nicht zu hal­ten. Bit­coin im Gegen­wert von Mil­li­ar­den rei­chen nicht zur Sta­bi­li­sie­rung. Gera­de erst hat­te die FED auf die Gefah­ren durch Sta­ble­coins hin­ge­wie­sen: Wenn es zu Runs auf sol­che Kryp­tos kom­me und vie­le User ihre Coins in Dol­lar zurück­tau­schen wol­len, kann der Sta­ble­coin kol­la­bie­ren wie jetzt Ter­ra USD, es kön­ne aber auch der gesam­te Kryp­to-Markt mit­ge­ris­sen wer­den, weil irre viel Geld in eini­gen Sta­ble­coins steckt.

Und dennoch: Kryptos und Blockchains können viel

Wer jetzt in Kryp­tos wie Bit­coin inves­tiert ist, erfährt genau das. Doch dabei ist eins wich­tig: Kryp­tos sind kein Selbst­zweck und kein Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt. Sie sind Zah­lungs­mit­tel einer­seits. Und ande­rer­seits wird die Block­chain-Tech­no­lo­gie immer mehr Anwen­dun­gen ermög­li­chen. Bei­spiel: Smart Con­tracts. Das sind Ver­trä­ge, die sich selbst erfül­len. Zum Bei­spiel beim Haus­ver­kauf: Wenn alle Regeln und Bedin­gun­gen für den Ver­kauf, die in so einem Ver­trag fest­ge­legt sind, erfüllt sind, wird der Ver­trag aus­ge­führt, das Geld wird umge­hend gezahlt, die Immo­bi­lie wech­selt den Besit­zer. Die Anwen­dun­gen wer­den weit über Kauf­ver­trä­ge hinausgehen.

Aktu­ell ist aller­dings Panik im Markt. So steht der Bit­coin Fear & Greed Index bei zwölf – also auf extre­mer Angst. Die meis­ten Krypto-Investor:innen sind im Minus und ver­kau­fen in Panik. In der Ver­gan­gen­heit war es aber meist ein Zei­chen, dass der Markt einen Boden gefun­den hat, wenn der Index so extrem stand. Wie etwa zu Beginn der Coro­na-Kri­se im März 2020. Du soll­test auf jeden Fall eine Beru­hi­gung abwar­ten, bevor du hier (wie­der) inves­tierst. Aber die frü­he­ren Behaup­tun­gen, Kryp­tos wie der Bit­coin sei­en ein Infla­ti­ons­schutz, kannst du schon jetzt ad acta legen. Kryp­tos reagie­ren stark, wenn Akti­en­kur­se fal­len. Und sie sind kein Infla­ti­ons­schutz, wie vor allem die ver­gan­ge­nen Mona­te schon gezeigt haben.

Dis­c­lai­mer: Die Autorin ist in Kryp­to-Wäh­run­gen investiert.

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