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  • Dorothee Ritz, Geschäftsführerin für das Ressort Solution to Retail bei E.ON Energie Deutschland, ©E.ON/Alex Schelbert

E.ON-Chefin Ritz: “Ich wollte nicht Karriere machen, sondern die Welt verändern”

2022-07-19T12:09:41+02:0019. Juli 2022|

Als Geschäfts­füh­re­rin für das Res­sort Solu­ti­on to Retail bei E.ON Ener­gie Deutsch­land gestal­tet Doro­thee Ritz die Ener­gie­wen­de aktiv mit. Im Inter­view hat sie mit uns dar­über gespro­chen, wer für den Erfolg der Ener­gie­wen­de ver­ant­wort­lich ist, wie sie ihren eige­nen All­tag nach­hal­ti­ger gestal­tet und was sie jun­gen Frau­en rät, die beruf­lich durch­star­ten wol­len. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Frau Ritz, Ihre beruflichen Stationen haben auf den ersten Blick nicht viel gemein. Wie hat sich das ergeben?

Doro­thee Ritz: Auf den ers­ten Blick stimmt das. Durch mei­ne Tätig­kei­ten bei Ber­tels­mann, Micro­soft und E.ON zie­hen sich aller­dings als dicker roter Faden die The­men Digi­ta­li­sie­rung und Trans­for­ma­ti­on. Bei all mei­nen Sta­tio­nen habe ich mich der Digi­ta­li­sie­rung des Unter­neh­mens und sei­ner Pro­zes­se sowie der Trans­for­ma­ti­on der Geschäfts­mo­del­le gewid­met. Mei­ne Kar­rie­re rich­te ich seit etwa 25 Jah­ren auf die­se Berei­che aus.   

In diesem Zuge hatten Sie verschiedenste Führungspositionen inne. Wollten Sie immer Karriere machen?

Nein, das nicht. Ich hat­te ein ande­res Ziel und das ver­fol­ge ich bis heu­te: Ich will die Welt ver­än­dern und ein biss­chen bes­ser machen. Da ich bei E.ON die Ener­gie­wen­de aktiv mit­ge­stal­ten kann, ist das hier auch sehr greif­bar. Die Kar­rie­re hat sich aus die­sem Stre­ben, die Welt zu ver­än­dern und zu ver­bes­sern, erge­ben. Denn ganz genau pla­nen lässt sich eine Kar­rie­re mei­nes Erach­tens sowie­so nicht.  

Was würden Sie jungen Frauen raten, die beruflich durchstarten wollen?

Zunächst soll­te man nach der eige­nen Moti­va­ti­on suchen. Man soll­te sich die Fra­ge stel­len: Was moti­viert und begeis­tert mich? Heu­te wird immer wie­der von “Pur­po­se”, also dem Sinn und Zweck eines Tuns, gespro­chen. Genau die­se Fra­ge soll­te auch bei der Suche nach dem pas­sen­den Berufs­weg ent­schei­dend sein. Im nächs­ten Schritt soll­te man über­le­gen, wo man die­se Moti­va­ti­on am bes­ten ein­brin­gen kann. Wich­tig ist es, hier auch ein wenig unkon­ven­tio­nell zu den­ken. Als Bei­spiel: Wer Medi­zin stu­diert hat, muss nicht zwin­gend Arzt wer­den. In der Digi­ta­li­sie­rung der Medi­zin durch Gesund­heits­platt­for­men und Ser­vices gibt es bei­spiels­wei­se sehr zukunfts­wei­sen­de Berei­che und Berufs­bil­der. Mei­ne per­sön­li­che Mei­nung ist, dass gene­rell alle Bran­chen, die etwas mit IT und Digi­ta­li­sie­rung zu tun haben, zahl­lo­se span­nen­de Mög­lich­kei­ten bie­ten. Ohne Fleiß und Mut geht es natür­lich auch nicht. Man muss sich immer wie­der neu­en Her­aus­for­de­run­gen stel­len und sich in neue Auf­ga­ben stür­zen, um vor­an­zu­kom­men. Und zu guter Letzt: Greift zu, wenn sich Chan­cen bie­ten!  

Sie selbst haben Ihre Leidenschaft darin gefunden, die Welt zu verändern und besser zu machen. Das betrifft auch die Energiewende. Was haben Sie selbst schon umgesetzt?

Als Fami­lie wol­len wir schritt­wei­se grü­ner wer­den. Selbst­ver­ständ­lich haben wir auf Öko­strom umge­stellt. Außer­dem ver­su­chen wir im All­tag nach­hal­ti­ger zu leben. Das bedeu­tet, wir kau­fen so gut es geht regio­nal und sai­so­nal ein. Zusätz­lich fah­ren wir so viel wie mög­lich elek­trisch und haben eine eige­ne Wall­box ange­schafft. Gera­de für kür­ze­re Stre­cken neh­men wir auch ger­ne das Fahr­rad. Jeder Schritt in Rich­tung Nach­hal­tig­keit zählt. Was in unse­rem Haus lei­der bau­lich nicht mög­lich ist, ist eine Solar­an­la­ge auf dem Dach zu instal­lie­ren – sonst hät­ten wir das natür­lich sofort gemacht.  

Wie würden Sie nachhaltige Energieversorgung definieren?

Nach­hal­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung ist der Zwei­klang aus erneu­er­ba­rer Ener­gie, vor allem aus Son­ne und Wind, und einer hohen Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Für bei­des ist ein hohes Maß an Digi­ta­li­sie­rung nötig. Für eine hohe Ener­gie­ef­fi­zi­enz müs­sen Strom­fres­ser iden­ti­fi­ziert und besei­tigt wer­den. Mit Blick auf das gro­ße Gan­ze brau­chen wir außer­dem intel­li­gen­te Net­ze – Smart Meter sind dafür ein wich­ti­ger Bau­stein. Ein Smart Meter ist ein digi­ta­ler Zäh­ler, der mit einer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­heit aus­ge­stat­tet ist und Mess­wer­te auto­ma­tisch über­mit­telt – das sorgt für mehr Trans­pa­renz. 

Was sagen Sie: Beginnt die Energiewende in den eigenen vier Wänden oder ist die Wirtschaft als Vorreiter verantwortlich?

Die Ener­gie­wen­de ist nur gemein­sam umsetz­bar. Jeder muss sei­nen Bei­trag leis­ten – im Pri­va­ten, in der Poli­tik und in der Wirt­schaft. Natür­lich haben gro­ße Unter­neh­men auch einen höhe­ren Ener­gie­ver­brauch und der Hebel ist ent­spre­chend groß. Aber auch der Ein­fluss der Pri­vat­haus­hal­te ist nicht zu unter­schät­zen. In etwa 25 Pro­zent des Strom­ver­brauchs in Deutsch­land ent­fal­len auf Pri­vat­haus­hal­te. Es lohnt sich also durch­aus, hier anzu­set­zen. Als Ener­gie­ver­sor­ger haben wir bei E.ON einen beson­de­ren Auf­trag und ver­su­chen zu unter­stüt­zen, wo es geht. Pri­vat­leu­te krie­gen bei uns intel­li­gen­te Lösun­gen für die Ener­gie­welt der Zukunft. Das wol­len wir mög­lichst ein­fach machen. Ein Bei­spiel ist unser Solar­rech­ner, mit dem man online schnell selbst das Solar­po­ten­zi­al des eige­nen Dachs berech­nen kann.  

Was können Privathaushalte beitragen?

Zunächst soll­te man sich über den eige­nen Ener­gie­ver­brauch bewusst wer­den, auch hier hel­fen digi­ta­le Lösun­gen. Unser Smart Con­trol Sys­tem etwa wird ein­fach am pas­sen­den digi­ta­len Strom­zäh­ler im Haus ange­bracht und bei­spiels­wei­se per App kann man able­sen, wel­che Gerä­te­grup­pen für wel­chen Strom­ver­brauch ver­ant­wort­lich sind. Wer pro Jahr mehr als 6.000 Kilo­watt­stun­den Strom ver­braucht, wird suk­zes­si­ve einen intel­li­gen­ten Strom­zäh­ler, den so genann­ten Smart Meter, erhal­ten, der eben­falls für mehr Trans­pa­renz beim Strom­ver­brauch sorgt.  

In jedem Fall ist der ein­fachs­te Schritt zu mehr Nach­hal­tig­keit der Wech­sel auf einen Öko­strom­ta­rif. Ansons­ten kann man je nach den eige­nen Mög­lich­kei­ten auf ein E‑Auto umstei­gen, eine Wall­box instal­lie­ren, eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge anbrin­gen und mit einem Strom­spei­cher kop­peln, … Mög­lich­kei­ten gibt es vie­le, aber jeder noch so klei­ne Schritt zählt.   

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