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    Dividenden-Aristokraten, ©Blake David Taylor/iStock

Dividenden-Aristokraten: Wertsteigerungen mit dem Börsen-Adel

2021-11-22T08:51:12+01:0015. November 2021|

Divi­den­den-Aris­to­kra­ten sind Unter­neh­men, die ihre Divi­den­de seit min­des­tens 25 Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich erhö­hen. Davon gibt es vie­le vor allem in den USA. Wie viel Divi­den­de ist mit die­sen Titeln drin? Wo fin­den sich die­se Dividenden-Aristokraten?

Von Ant­je Erhard

Divi­den­den-Aris­to­krat – das ist kein Titel von Anfang an wie bei ech­tem Adel, son­dern etwas, was sich Unter­neh­men erar­bei­ten. Indem sie spen­da­bel sind gegen­über ihren Aktionär:innen: Min­des­tens 25 Jah­re müs­sen Divi­den­den-Aris­to­kra­ten in Serie ihre Divi­den­de erhöht haben, wol­len sie in den börs­li­chen Adels­stand erho­ben wer­den. „Divi­den­den-Aris­to­kra­ten müs­sen nichts mehr bewei­sen“, sagt der Inves­tor und Publi­zist Chris­ti­an W. Röhl. „Die­se Unter­neh­men haben meh­re­re Wirt­schafts­zy­klen über­stan­den und mit­ge­stal­tet. Sie gel­ten als resi­li­ent.“ (Hier fin­dest du Chris­ti­an W. Röhls Instagram-Account)

Zu den bekann­tes­ten Divi­den­den-Aris­to­kra­ten gehö­ren Unter­neh­men wie John­son & John­son, Coca-Cola, McDonald’s, Exxon Mobil, AT&T, Proc­ter & Gam­ble. Aus Deutsch­land gehört Fre­se­ni­us in die­se Rie­ge. Nest­lé, Roche oder Novar­tis aus der Schweiz schaf­fen es eben­falls min­des­tens seit 25 Jah­ren, ihre Gewinn­be­tei­li­gun­gen an die Aktionär:innen Jahr für Jahr zu erhöhen.

Rekorde, Rekorde, Rekorde

Unan­ge­foch­ten an der Spit­ze steht jedoch York Water: Der Ver­sor­ger aus Penn­syl­va­nia schüt­tet seit mehr als 200 Jah­ren Divi­den­den aus – ohne Unter­bre­chung. Stan­ley Black & Decker hat bis dato 144 Jah­re lang Divi­den­den aus­ge­zahlt, davon aber mehr als 50 Jah­re lang am Stück die­sen Wert gestei­gert. Unter­neh­men wie Proc­ter & Gam­ble und Exxon Mobil zah­len immer­hin seit min­des­tens 100 Jah­ren unun­ter­bro­chen Divi­den­den. Den Aris­to­kra­ten-Rekord hält Ame­ri­can Sta­tes Water mit 67 Jah­ren (David Fish List)

Ener­gie, Lebens­mit­tel, Kon­sum­gü­ter, Pfle­ge­pro­duk­te – vor allem wer Grund­be­dürf­nis­se erfüllt, ist in der Aris­to­kra­ten-Lis­te. Sie haben eine welt­wei­te Markt­prä­senz und eine lang­fris­ti­ge Strategie.

Vorn ist, wer sich wandelt. Und solide wirtschaftet.

Tech­no­lo­gie-Unter­neh­men wie Micro­soft (seit 19 Jah­ren kon­ti­nu­ier­li­che Divi­den­den-Erhö­hun­gen) oder Apple (seit 10 Jah­ren) sind noch nicht im Bör­sen-Adels­stand. „Künf­tig wer­den auch Tech­no­lo­gie-Unter­neh­men unter den Aris­to­kra­ten sein“, schätzt Chris­ti­an W. Röhl. „Denn Unter­neh­men, die dau­er­haft erfolg­reich sind, wer­den zuneh­mend zu Tech­no­lo­gie-Unter­neh­men. Hier voll­zieht sich ein Wan­del. Vorn dabei sind die, die sich stän­dig wandeln.“

Trotz­dem kommt es dar­auf an, wie die Qua­li­tät der Divi­den­de ist: Wer aus der Sub­stanz zahlt, nur um sei­ne Aktionär:innen bei Lau­ne bzw. bei der Stan­ge zu hal­ten, wird schnell ent­tarnt und dann des Thro­nes ver­sto­ßen. Divi­den­den müs­sen ver­dient wer­den! „Wenn Anle­ger die Basis-Divi­den­de der ver­gan­ge­nen drei bis fünf Jah­re ins Ver­hält­nis zum Gewinn und zum Free Cash Flow set­zen, dann erhal­ten sie die Ant­wort, ob ein Unter­neh­men sei­ne Divi­den­de wirk­lich ver­dient, oder aber nur mit Finan­cial Engi­nee­ring erzielt hat.“

Der Free Cash Flow ist das Kapi­tal, das ein Unter­neh­men noch zur Ver­fü­gung hat, nach­dem Kos­ten für Kre­di­te und Finan­zie­run­gen von Inves­ti­tio­nen abge­zo­gen wor­den sind.

Die Aristokraten sitzen in den USA

Auf­fäl­lig ist den­noch, dass rela­tiv weni­ge euro­päi­sche und vor allem kaum deut­sche Unter­neh­men unter den Divi­den­den-Aris­to­kra­ten sind, obwohl vie­le die­ser Unter­neh­men regel­mä­ßig Divi­den­den zahlen.

Das lie­ge an den unter­schied­li­chen Markt-Struk­tu­ren wie auch an psy­cho­lo­gi­schen Hür­den: Die „US-Fir­men haben einen homo­ge­nen Hei­mat­markt, also eine viel brei­te­re Basis als euro­päi­sche Unter­neh­men. Dazu ten­diert man in Euro­pa eher zu einem zykli­schen Aus­schüt­tungs­ver­hal­ten, wäh­rend es in den USA eine lan­ge Tra­di­ti­on der Divi­den­den­kon­ti­nui­tät gibt – auch wegen der Pen­si­ons­kas­sen, die als Aktio­nä­re gro­ßer Akti­en­ge­sell­schaf­ten auf nach­hal­tig sta­bi­le Aus­schüt­tun­gen drän­gen bzw. bevor­zugt Akti­en mit sta­bi­ler Divi­den­de allokieren.”

Wie kauft man denn nun Dividenden-Aristokraten?

Ein­fa­che Ant­wort: Als Akti­en. „Das kann man selbst gut machen.“ Chris­ti­an W. Röhl hält über 20 Divi­den­den-Aris­to­kra­ten im eige­nen Port­fo­lio, von Dick­schif­fen wie Nest­lé bis hin zu Spe­zi­al­wer­ten wie dem däni­schen Medi­zin­pro­duk­te-Spe­zia­lis­ten Coloplast.

Ein – bis­lang nur in den USA ange­bo­te­ner – ETF auf den S&P 500 Divi­dend Aristo­crats hat den Vor­teil einer brei­ten Streu­ung. 60 von 500 Unter­neh­men des Index gehö­ren zu den Aristokraten.

Bei ande­ren Indi­zes wur­den die Kri­te­ri­en – ins­be­son­de­re die Vor­aus­set­zung von 25 Jah­ren Divi­den­den-Erhö­hung ohne Unter­bre­chung – ange­passt. Der S&P High Yield Divi­dend Aristo­crats ent­hält Akti­en aus dem S&P Com­po­si­te 1500, mit min­des­tens 20 Jah­re Divi­den­den-Erhö­hung in Fol­ge. Glo­bal und min­des­tens zehn Jah­re Erhö­hung am Stück sind die Kri­te­ri­en des S&P Glo­bal Divi­dend Aristocrats.

Aber als allei­ni­ges Kri­te­ri­um als Anla­ge-Ent­schei­dung reicht eine üppi­ge Divi­den­de längst nicht aus. Anleger:innen soll­ten auch auf die Kurs­ent­wick­lung der Aktie ach­ten, rät Finanztest

Kriterien gegen Alibi-Dividenden: So klappt es mit der Dividende

Grund­sätz­lich kommt es bei der Aus­wahl von Akti­en mit Blick auf die Divi­den­de auf ver­schie­de­ne Kri­te­ri­en an. Chris­ti­an W. Röhl nennt es das „Magi­sche Vier­eck der Dividendenqualität“:

Eine kon­ti­nu­ier­li­che Divi­den­de über min­des­tens zehn Jah­re sprä­che für ein funk­tio­nie­ren­des Geschäfts­mo­dell und ein soli­des Management.

Eine Aus­schüt­tungs­quo­te von 25 bis 75 Pro­zent geglät­tet über drei Jah­re sei mach­bar. Es dür­fe dem Unter­neh­men weder an Geld für Inves­ti­tio­nen feh­len, noch dürf­ten Aktio­nä­re mit zu wenig Gewinn­aus­schüt­tung abge­speist werden.

Eine Divi­den­den-Ren­di­te von einem Pro­zent über fünf Jah­re und indi­ka­tiv sei das Mini­mum, damit sich das ein­ge­setz­te Kapi­tal ange­mes­sen verzinse.

Drei Anhe­bun­gen über zehn Jah­re soll­te ein Unter­neh­men min­des­tens stem­men kön­nen, damit die Divi­den­den­dy­na­mik (durch­schnitt­li­che Divi­den­den­wachs­tums­ra­te) über­haupt ein ver­läss­t­li­cher Indi­ka­tor ist.

Fazit: Divi­den­den-Aris­to­kra­ten schüt­ten über vie­le Jah­re kon­ti­nu­ier­lich Divi­den­den aus. Das spricht für ein soli­des Geschäfts­mo­dell und ein vor­aus­schau­en­des Manage­ment. Eine Garan­tie für die Zukunft sind sie nicht.

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