Startseite/Die Scheidung gegen den Willen des Gatten: Geht das?
  • In sogenannten Härtefällen kann man sich auch gegen den Willen des Partners oder der Partnerin scheiden lassen, ©Vasyl - stock.adobe.com

Die Scheidung gegen den Willen des Gatten: Geht das?

2022-11-02T12:04:31+01:002. November 2022|

Die Ehe ist kaputt. Je schnel­ler die Schei­dung durch ist, des­to bes­ser. Doch da ist ja die Sache mit dem Tren­nungs­jahr. Gibt es Mit­tel, sich vor Ablauf des Tren­nungs­jah­res schei­den zu las­sen? Was ist, wenn Part­ner oder Part­ne­rin nichts von einer Schei­dung wis­sen wollen?

Von Ines Baur

Weni­ge Mona­te nach der Hei­rat erzählt ein Gat­te sei­ner Ehe­frau etwas. Näm­lich, dass er seit knapp einem Jahr unun­ter­bro­chen ein außer­ehe­li­ches Ver­hält­nis mit einer ande­ren Frau hätte. Damit nicht genug. Er ver­langt von sei­ner Gat­tin, dass die­se die Bezie­hung tole­riert. Wei­ter will er, dass sie aktiv an der Ména­ge-à-trois teil­nimmt. Die Ehe­frau ist empört und wei­gert sich. Der Gat­te ver­lässt die gemein­sa­me Woh­nung und zieht bei der ande­ren Frau ein, denn er möch­te nicht bei der prü­den Gat­tin blei­ben. Die­se will die sofor­ti­ge Schei­dung – noch vor Ablauf des Tren­nungs­jahrs.  

Einer von vie­len Fäl­len, die bei Gericht als Här­te­fall ein­ge­reicht wer­den. Betrof­fe­ne wün­schen sich aus unter­schied­li­chen Grün­den eine Schei­dung noch vor Ablauf des Tren­nungs­jah­res. Und nicht sel­ten gegen den Wil­len der ande­ren Ehe­par­tei. Ein Gat­te möch­te die Schei­dung, der ande­re nicht. Was dann? Kann man sich schei­den las­sen, wenn der ande­re „Nein“ sagt? 

Der Normalfall — Ehe wird einvernehmlich nach einem Jahr geschieden  

Ers­te Bedin­gung für jede Schei­dung ist, dass die Ehe rechts­kräf­tig geschlos­sen wur­de. Die Zwei­te, dass sie nicht mehr zu ret­ten ist. Das ist laut Para­graph 1565 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs (BGB) der Fall, „wenn die Lebens­ge­mein­schaft der Ehe­gat­ten nicht mehr besteht und man nicht erwar­tet wer­den kann, dass die Ehe­gat­ten sie wie­der­her­stel­len.“ 

Emp­fin­den bei­de Ehe­leu­te die Ehe als geschei­tert und beschlie­ßen die Schei­dung, geht es im Nor­mal­fall chro­no­lo­gisch wei­ter mit dem Tren­nungs­jahr. Nach dem Ablauf von zwölf Mona­ten kön­nen sich Gat­ten und/oder Gat­tin­nen schließ­lich ein­ver­nehm­lich schei­den las­sen.  

Was ist, wenn ein Gatte der Scheidung nicht zustimmt? 

Grund­sätz­lich sind Ehe­leu­te nicht ver­pflich­tet, dem Wunsch nach der Schei­dung ohne Wei­te­res zuzu­stim­men. Wer nicht will, hat das Recht, die Schei­dung zu ver­wei­gern. Brin­gen dürf­te das jedoch nicht viel. Statt des einen obli­ga­to­ri­schen Tren­nungs­jah­res bedarf es drei Tren­nungs­jah­re. Doch dann kann in der Regel geschie­den wer­den. Selbst wenn eine der Ehe­par­tei­en es immer noch nicht möch­te. Nach drei Jah­ren des Getrennt­le­bens wird gemäß Para­graph 1566, Absatz 2 des BGB „unwi­der­leg­bar ver­mu­tet, dass die Ehe geschei­tert ist.“ Man spricht hier­bei auch vom Zer­rüt­tungs­prin­zip.  

Auch hier gibt es immer wie­der Ein­zel­fäl­le und Aus­nah­me­si­tua­tio­nen, die je vor Gericht geklärt wer­den müs­sen.   

Vorzeitige Scheidung wegen Härtefall? 

In den soge­nann­ten Här­te­fäl­len kann man sich auch gegen den Wil­len des Ehe­men­schen schei­den las­sen. Eine Här­te­fall­schei­dung ist unter zwei Vor­aus­set­zun­gen mög­lich: 

  • Eine Fort­set­zung der Ehe stellt für den Antrag­stel­ler eine unzu­mut­ba­re Belas­tung dar. 
  • Grün­de für die Schei­dung lie­gen in der Per­son des ande­ren Ehe­part­ners.  

Möch­te ein Ehe­part­ner die sofor­ti­ge Schei­dung, weil er sei­ne neue Lebens­part­ne­rin hei­ra­ten möch­te, wäre das kein Grund. Als Här­te­fall gilt, wenn Gat­te oder Gat­tin psy­chisch oder phy­sisch extrem lei­den. Wenn es aus hand­fes­ten Grün­den nicht zumut­bar ist, den Ablauf des Tren­nungs­jah­res abzu­war­ten.  

Wie bei oben genann­tem Fall. Hier ent­schied das Ober­lan­des­ge­richt Köln zuguns­ten der Ehe­frau. Das Fest­hal­ten an der Ehe bis zum Ablauf des Tren­nungs­jahrs sei unzu­mut­bar. „Nach Ansicht des Gerichts sei der Ehe­mann ein Ehe­bre­cher der schlimms­ten Sor­te gewe­sen“, heißt es. Es hät­te bei ihm jeg­li­ches Gefühl für Anstand und Moral gefehlt. Er habe nicht die Spur einer ehe­li­chen Gesin­nung beses­sen und die Wür­de sei­ner Ehe­frau mit Füßen getre­ten. 

Bleib immer informiert!

Noch mehr Infos für dich

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben