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Die Frau, die Drachen zähmt

2021-08-31T15:51:21+02:003. September 2021|

Irena Stein­mei­er blickt auf eine stei­le Kar­rie­re als Mana­ge­rin bei Peek & Clop­pen­burg zurück. Doch der stres­si­ge Job absor­bier­te sie völ­lig. Nach 23 Jah­ren sat­tel­te sie um. Heu­te macht sie, wovon vie­le träu­men: Füh­rungs­kräf­te coachen. 

Von Michae­la Stemper

Wer die Geschich­te von Irena Stein­mei­er erzählt, kommt an einem Namen nicht vor­bei: Peek & Clop­pen­burg. Mehr als zwei Jahr­zehn­te arbei­te­te die 46-Jäh­ri­ge, die kroa­ti­sche Wur­zeln hat, für den Tex­til­ein­zel­händ­ler. Von der Pike auf lern­te sie dort das Ver­kau­fen und über­nahm ihre ers­te Füh­rungs­rol­le mit 23 Jah­ren wäh­rend des Stu­di­ums. „Ein Umfeld mit tol­len Vor­bil­dern, die mich bis heu­te prä­gen“, erin­nert sie sich. „Natür­lich gab es Dra­chen. Von denen lern­te ich eben, wie ich es nicht machen wollte.“

Irena hat die P & C‑Karriereleiter in einem atem­be­rau­ben­den Tem­po erklom­men. Das leis­tungs­ori­en­tier­te Unter­neh­men för­der­te sie früh. Vor ihrem 30. Geburts­tag über­nahm sie bereits die ers­te selbst­stän­di­ge Füh­rungs­rol­le in der Damen­be­klei­dung. Schlag auf Schlag ging es wei­ter. In Frank­furt brach­te sie inner­halb kür­zes­ter Zeit ein 15-köp­fi­ges Team auf die Spur, war erfolg­reich in der Per­so­nal­ent­wick­lung wie im Ver­kauf. Die sen­si­ble Mana­ge­rin mit ihrer nah­ba­ren und unbe­küm­mer­ten Art bewies Talent im For­men von Teams. Auch die Zah­len stimm­ten. „Ich war Abtei­lungs­lei­te­rin und gleich­zei­tig Ein­käu­fe­rin“, erin­nert sich die Front­frau ihres Teams, die damals auch Front­frau einer Band war. Der Spa­gat zwi­schen all den Anfor­de­run­gen sei gelun­gen, weil sie viel von sich ein­ge­bracht habe.

Dabei war das Pen­sum hoch: Busi­nes­s­trips in die Tür­kei oder nach Skan­di­na­vi­en kos­te­ten viel Zeit. Schlech­te Ernäh­rung, wenig Schlaf, ein Leben in Hotels – so sah ihr All­tag aus. „Ich hat­te damals eine extrem hohe Schmerz­gren­ze“, resü­miert sie. Irena brann­te für ihren Job, hin­ter­frag­te aber kon­ti­nu­ier­lich: Wie lan­ge soll das so wei­ter­ge­hen? Pro­fes­sio­nel­le Coa­chings hal­fen ihr, als ihr die Lei­tung der Filia­le in Dort­mund ange­bo­ten wur­de. Sie dach­te wie­der groß und sag­te „Ja!“ zu 7000 Qua­drat­me­tern Ver­kaufs­flä­che, 400 Mit­ar­bei­tern und 50 Mil­lio­nen Umsatz. Damals konn­te sie noch auf die Rücken­de­ckung ihres Man­nes zählen.

Am Ziel der Träume?

In ihrer neu­en Posi­ti­on zähm­te die Geschäfts­lei­te­rin so man­chen Dra­chen. Her­aus­for­dern­den Chefs begeg­ne­te sie mit kon­struk­ti­ven Lösun­gen. „Ich woll­te gute Rah­men­be­din­gun­gen für mei­ne Leu­te schaf­fen und so neu­en Schliff in den Ver­kauf brin­gen“, sagt sie. „In mei­ner Vor­stel­lung­kraft war ich am Ziel mei­ner Träume.“

Doch sie schoss weit über die­ses Ziel hin­aus. Bei einer Ver­an­stal­tung saß die jun­ge Frau, die sich P & C ver­schrie­ben hat­te, neben dem Mann, der die­ses Unter­neh­men groß gemacht hat­te: H. U. Clop­pen­burg. „Es war mir eine Ehre“, zeigt sich Irena heu­te noch bewegt. Doch nicht nur sie war beein­druckt von dem Tref­fen. Der Unter­nehmenslenker bat sie, in die Zen­tra­le nach Düs­sel­dorf zu wech­seln. Das gol­de­ne Ticket.

Doch dann wur­de die damals 33-Jäh­ri­ge mit einem Wunsch­kind schwan­ger. Man ver­schob den Wech­sel. Die Glücks­sträh­ne riss: Eine Fehl­ge­burt im sechs­ten Monat warf sie aus der Bahn. Nach lan­gen Wochen und vie­len Gesprä­chen mit ihrem Mann, der Fami­lie, engen Freun­den und ihren För­de­rern nahm sie den Faden wie­der auf.

„Die Zen­tra­le hat­te ich nie im Visier“, gesteht sie. Und doch ging sie nach Düs­sel­dorf. „Die Atmo­sphä­re im zen­tra­len Ein­kauf ist kühl. Man ist näher an der Macht, und das spürt man auch“, erzählt die­se Frau, die durch und durch Wär­me aus­strahlt. Dort war jeder Exper­te in sei­nem Fach. Ihre Ver­ant­wor­tung wuchs. Für rund 100 Millio­nen Euro Waren­wert zeich­ne­te sie als Bereichs­lei­te­rin ver­ant­wort­lich. Nicht das Bud­get sorg­te für ein ungu­tes Bauch­ge­fühl: Es gab Nei­der, und sie fühl­te sich als Frau nicht im Kol­le­gi­um auf­ge­nom­men. Ein hal­bes Jahr hader­te sie, ließ sich erneut coa­chen. „Die ers­te gro­ße Umstruk­tu­rie­rung ging bis in die Ein­ge­wei­de. Ein Hau­en und Ste­chen unter den Berei­chen begann. Ich war sel­ten vor 22 Uhr daheim“, sagt sie kopfschüttelnd.

Vie­le Jah­re kämpf­ten Irena und ihr Mann Sei­te an Sei­te. Er war kar­rie­re­ori­en­tiert, sie wur­de es mit der Zeit. Von außen betrach­tet herrsch­te rund um das sym­pa­thi­sche Power­paar Leben und Gesel­lig­keit. Aber die Balan­ce kipp­te durch die räum­li­che Tren­nung, die Fehl­ge­burt und das Gefühl, dass der gemein­sa­me Mas­ter­plan nicht auf­ging. Als sie den Düs­sel­dor­fer Job über­nahm, warf er ihr vor, mit dem Arbeit­ge­ber ver­hei­ra­tet zu sein. Heu­te sagt sie: „Ja, das war so.“ Der Job hat­te sie absorbiert.

Der Wan­del im Tex­til­ein­zel­han­del warf sei­ne Schat­ten vor­aus. Die kom­ple­xe Auf­ga­be aus Ertrags­stei­ge­rung und Umstruk­tu­rie­rung brach­te der Chan­ge-Mana­ge­rin Kri­tik ein. Es kam zu einem Gespräch, wie sie es nie zuvor geführt hat­te. „Man wür­de mich auf die­sem Pos­ten nicht mehr sehen“, erin­nert sich Irena Stein­mei­er. Aber statt die Opfer­rol­le anzu­neh­men, stand sie mit brei­ter Brust da. Wie eine Braut war sie bezirzt wor­den, nun soll­te sie abge­scho­ben wer­den? „Nicht mit mir!“, sag­te sie und for­der­te eine gute Lösung.

Es war ein schwe­rer Monat, die­ser Febru­ar 2014. Einen Abend nach dem Per­so­nal­ge­spräch zogen Irena und ihr Mann einen Schluss­strich unter ihre Ehe.

Man bot ihr die Lei­tung des Stamm­hau­ses in Düs­sel­dorf an. „Das war kein Gesichts­ver­lust“, so die ehe­ma­li­ge Top-Frau des Kon­zerns, „aber ich merk­te, ich pas­se nicht mehr dort­hin.“ Die Tak­tung blieb hoch, sodass die Geschäfts­lei­te­rin nie Zeit hat­te, um über Alter­na­ti­ven nach­zu­den­ken. Bei der nächs­ten Umstruk­tu­rie­rung ließ sie Titel und ein sechs­stel­li­ges Gehalt zurück, nahm ihre Abfin­dung mit einem Poker­face. 2018 ver­ab­schie­de­te sie sich von dem Team, zu dem sie eine star­ke Ver­bin­dung auf­ge­baut hat­te, und betrat das Haus nie wie­der. Nach 23 Jah­ren P & C.

Die Abfin­dung ermög­lich­te es ihr erst mal, gut zu leben und eine neue beruf­li­che Exis­tenz auf­zu­bau­en. Und sie spür­te Nach­hol­be­darf. Nach Leben! Reis­te nach Mal­lor­ca, zum Bru­der nach Mexi­co und an die Côte d’Azur. Arbei­ten woll­te sie nun selbst­be­stimmt, nach­dem ihr die Mode­ket­te jah­re­lang den Takt vor­ge­ge­ben hatte.

Der Neuanfang

Getrie­ben von Neu­gier und Net­wor­king, ließ sich Irena inspi­rie­ren und bau­te sich eine neue beruf­li­che Hei­mat auf. Sie blieb sich und ihrem Lieb­lings­the­ma treu: gute Füh­rung. Sie wuss­te genau, wel­chen Bedarf es in deut­schen Füh­rungs­eta­gen gab. Pas­send zu ihrem Wer­de­gang woll­te sie Mana­ger pro­fes­sio­nell unter­stüt­zen – egal in wel­cher Bran­che. Ihren hohen Anspruch behielt sie bei: Zusätz­lich zum bestehen­den Know-how ließ sie sich als Busi­ness Coach zer­ti­fi­zie­ren und qua­li­fi­zier­te sich in den Berei­chen Digi­tal Lea­ders­hip und Organisationsentwicklung.

Ihre Busi­ness­idee passt zum Zeit­geist: Heu­te hilft Irena Mana­ge­rin­nen und Mana­gern, ihren authen­ti­schen und sou­ve­rä­nen Füh­rungs­stil zu fin­den. „Durch mei­ne Ent­wick­lung als Füh­rungs­kraft bin ich glaub­wür­dig und ein Gesprächs­part­ner auf Augen­hö­he“, sagt die Manage­ment­be­ra­te­rin. „Kun­den reagie­ren auf den Slo­gan ‚Mensch für Men­schen im Busi­ness‘, weil sie mensch­lich und mit Leich­tig­keit füh­ren wollen.“

Dank ihrer Repu­ta­ti­on gelang es fast mühe­los, ers­te Kli­en­ten zu fin­den. Heu­te betreut sie „die ehr­li­chen Macher des Mit­tel­stands“: Unter­neh­mens­len­ker, Bereichs- oder Team­lei­ter – Frau­en wie Män­ner von den 20ern bis in die 60er. Denn jeder kommt mal an einen Punkt, an dem es nicht wei­ter­geht. Mal aus man­geln­dem Selbst­ver­ständ­nis, mal weil das Umfeld kom­pli­ziert ist. Coa­ching sei ein Ver­ed­lungs­pro­zess, erklärt die Wahl-­Düs­sel­dor­fe­rin. Ihr nimmt man es ab.

In den nächs­ten drei Jah­ren möch­te sie ihr Busi­ness aus­bau­en: mit Team­work­shops, Arbeit in Peer­groups und mit Coa­ches, die Men­schen nach ihrem Cre­do betreu­en. Dabei wird sie von ihrem heu­ti­gen Lebens­part­ner unter­stützt, der ihr Pro­jekt für die eig­nen Geschäfts­räu­me vor­an­treibt und sie behut­sam bremst – wenn sie wie­der über ihre Gren­zen geht.

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