Startseite/Die beste Basis für den Vermögensaufbau: Fondssparpläne

Die beste Basis für den Vermögensaufbau: Fondssparpläne

2021-07-21T09:23:09+02:007. Juli 2021|

Was frü­her der Bau­spa­rer war, sind heu­te Fonds­spar­plä­ne. Sie sind beim Ver­mö­gens­auf­bau die bes­te Basis – sofern man gute Pro­duk­te wählt und auf die Kos­ten achtet.

Von Andre­as Höss

“Auf die­se Stei­ne kön­nen Sie bau­en“: Über Jahr­zehn­te stand der Slo­gan, mit dem die Schwä­bisch Hall für ihre Bau­spar­ver­trä­ge warb, für lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­auf­bau. Monat für Monat zahl­te die Genera­ti­on Bau­spa­rer klei­ne Sum­men bei Wüs­ten­rot, Schwä­bisch Hall und Co ein, um sich spä­ter ein­mal Gro­ßes leis­ten zu kön­nen. Doch mitt­ler­wei­le über­zeugt das eins­ti­ge Lieb­lings­pro­dukt der Deut­schen die Spa­rer nicht mehr so wie frü­her: Nied­ri­ge Zin­sen, kaum Fle­xi­bi­li­tät und hohe Neben­kos­ten ver­der­ben vor allem den Jun­gen die Lust aufs Bau­spa­ren. Statt­des­sen erfreut sich eine neue und eben­falls lang­fris­ti­ge Art der Geld­an­la­ge wach­sen­der Beliebt­heit: Spar­plä­ne mit Fonds und ETFs.

Noch ste­hen in Deutsch­land rund 25 Mil­lio­nen Bau­spar­ver­trä­ge nur weni­gen Mil­lio­nen Fonds- und ETF-Spar­plä­nen gegen­über. Aller­dings ver­schie­ben sich die Gewich­te lang­sam, aber sicher. Die Anzahl der Bausparer:innen ging seit der Jahr­tau­send­wen­de um ein Vier­tel zurück, jene der Fonds- und ETF-Spar­plä­ne stieg hin­ge­gen zuletzt mas­siv an. „Der­zeit wer­den wir mit neu­en Depot­an­trä­gen regel­recht über­schüt­tet“, berich­tet Tho­mas Dwor­nitzak, Lei­ter Spa­ren und Anle­gen bei der ING, dem deut­schen Online­bro­ker mit den meis­ten Depots. Trotz Coro­na-Kri­se und Bör­sen­crash ver­dop­pel­te sich die Zahl der Fonds- und ETF-Spar­plä­ne dort im ver­gan­ge­nen Jahr. „2021 war das Wachs­tum bis­her sogar noch höher“, so Dwornitzak.

Bei ande­ren Anbie­tern ist die Situa­ti­on ähn­lich — wenn­gleich es laut Fonds­ver­band BVI kei­ne belast­ba­ren Aus­sa­gen gibt, wie vie­le Fonds- und ETF-Spar­plä­ne der­zeit deutsch­land­weit genau exis­tie­ren. Doch allein der Bestand an ETF-Spar­plä­nen bei gro­ßen Online­bro­kern wie Com­di­rect, ING oder Fla­tex hat sich laut dem Bran­chen­dienst extra­ETF seit Anfang 2019 auf 2,4 Mil­lio­nen fast ver­drei­facht. Geht die Ent­wick­lung so wei­ter, könn­te die Genera­ti­on Bau­spa­rer mit­tel­fris­tig von einer Genera­ti­on Spar­plan abge­löst wer­den. Doch eig­nen sich Fonds- und ETF-Spar­plä­ne über­haupt für den lang­fris­ti­gen Vermögensaufbau?

Kleine Summe, große Wirkung

Die Anbie­ter sind sich da natür­lich sicher. Aber auch Ver­brau­cher­schüt­zer hal­ten die Spar­plä­ne für sinn­voll. „ETF-Spar­plä­ne sind die bes­te Wahl, um Kapi­tal fürs Alter anzu­sam­meln“, bestä­tigt Mer­ten Larisch, Finanz­ex­per­te von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bay­ern. Schließ­lich kön­ne man so mit klei­nen Sum­men und rela­tiv gerin­gen Neben­kos­ten sehr ren­ta­bel anle­gen. Der Anla­ge­ho­ri­zont ist für Larisch klar: „Bis zum Lebens­en­de.“ Die Spar­ra­te soll­te sei­ner Ansicht nach nicht zu nied­rig sein, schließ­lich wol­le man ja sei­nen Lebens­stan­dard im Alter hal­ten. „Ganz grob gesagt sind acht bis zehn Pro­zent des Net­to­ein­kom­mens ange­mes­sen.“ Beim deut­schen Durch­schnitts-Net­to von rund 2000 Euro im Monat wären das also 200 Euro. Aller­dings müs­se man bei der Spar­ra­te berück­sich­ti­gen, ob man etwa eine Immo­bi­lie abzahlt oder ander­wei­tig fürs Alter spart, so Larisch, der zu einer indi­vi­du­el­len Bera­tung rät.

Tat­säch­lich kom­men schon mit klei­ne­ren Spar­be­trä­gen ansehn­li­che Sum­men zusam­men. Wer pro Rate 125 Euro inves­tiert — was dem Durch­schnitt nahe­kommt, den ING-Kun­den monat­lich in Fonds- und ETF-Spar­plä­ne ste­cken —, kann in 30 Jah­ren inklu­si­ve Erträ­ge auf rund 100 000 Euro kom­men. Unter­stellt wird dabei eine jähr­li­che Ren­di­te von im Schnitt fünf Pro­zent. Das ist kei­ne über­zo­ge­ne Erwar­tung. Der glo­ba­le Akti­en­in­dex MSCI World mach­te in den letz­ten 30 Jah­ren inklu­si­ve Divi­den­den acht Pro­zent Gewinn pro Jahr.

Das Gute: Je län­ger die Spar­pha­se läuft, des­to mehr wirkt der Zin­ses­zins. Zudem haben Spar­plä­ne eine dis­zi­pli­nie­ren­de Wir­kung: „Durch die monat­lich fest­ge­setz­ten Spar­ra­ten bleibt der/die Anleger:in stets auf dem glei­chen Kurs und ten­diert weni­ger zu poten­zi­el­len Panik­re­ak­tio­nen in Kri­sen­mo­men­ten“, erklärt Sebas­ti­an Külps, Lei­ter des Deutsch­land- und Öster­reich-Geschäfts beim ETF Anbie­ter Van­guard. Das heißt: Die Anleger:innen zer­stö­ren sich nicht die Ren­di­te, weil sie in einem schlech­ten Moment doch kal­te Füße bekom­men und ihre Antei­le panisch und mit Ver­lust verkaufen.

Breit und günstig anlegen

Trotz­dem müs­sen drei Din­ge stim­men, um mit einem Spar­plan erfolg­reich anzu­le­gen. Ers­tens: Die Pro­dukt­klas­se muss zur Risi­ko­be­reit­schaft pas­sen. Fünf Pro­zent Gewinn pro Jahr und mehr gibt es nach Kos­ten eigent­lich nur mit rei­nen Akti­en­fonds und Akti­en-ETFs. Selbst mit sehr offen­si­ven Misch­fonds, die hohe Akti­en­quo­ten haben, dane­ben aber auch in Anla­ge­klas­sen wie Anlei­hen oder Roh­stof­fe inves­tie­ren, sind sol­che Erträ­ge nur schwer zu errei­chen. Dafür haben die­se Pro­duk­te ande­re Vor­tei­le. Sie bie­ten ein breit diver­si­fi­zier­tes Rundum­pa­ket und sind in Crashs stabiler.

Anleger:innen müs­sen sich also grund­sätz­lich zwi­schen hoher Ren­di­te bei hohen Schwan­kun­gen oder etwas weni­ger Ren­di­te und einem ruhi­ge­ren Schlaf ent­schei­den. Zu rei­nen Akti­en­pro­duk­ten soll­ten nur jene Spa­rer grei­fen, die ihren Spar­plan zehn Jah­re und mehr lau­fen las­sen wollen.

Zwei­tens müs­sen die kon­kre­ten Pro­duk­te pas­sen. Das heißt nicht nur, dass man um schlech­te Fonds einen Bogen machen soll­te. Da Spar­plä­ne meist als Grund­bau­stein des Ver­mö­gens­auf­baus die­nen, soll­te man auch Pro­duk­te mei­den, die nur in ein­zel­ne Län­der oder Bran­chen inves­tie­ren. Bes­ser: klas­si­sche Basis­in­vest­ments, die glo­bal in Akti­en und gege­be­nen­falls zusätz­lich in ande­re Anla­ge­klas­sen inves­tie­ren. Obwohl es aktiv gema­nag­te Akti­en- und Misch­fonds gibt, die seit lan­ger Zeit ver­läss­lich star­ke Ren­di­ten lie­fern, sind die­se eher zwei­te Wahl — schon weil nicht jeder Bro­ker jeden guten Fonds als Spar­plan anbietet.

„ETFs auf glo­ba­le Akti­en­in­di­zes sind des­halb am sinn­volls­ten“, sagt Mer­ten Larisch. Sie gibt es über­all als Spar­plan, sie sind breit auf­ge­stellt, güns­tig, haben kei­ne Aus­ga­be­auf­schlä­ge und erzie­len auf lan­ge Sicht höhe­re Ren­di­ten als die meis­ten aktiv gema­nag­ten Fonds. Auch bei den Misch­fonds gebe es bereits pas­si­ve Mul­ti-Asset-ETFs, die in Sachen Kos­ten und Ren­di­te Stan­dards set­zen. „Nur bei Öko-Pro­duk­ten kön­nen aktiv gema­nag­te Fonds Vor­tei­le ‑gegen­über Stan­dard-ETFs bie­ten“, räumt Larisch ein. „Aller­dings sind die Gebüh­ren der Öko-Fonds oft sehr hoch.“

Drit­tens muss man nicht nur die Gebüh­ren der Pro­duk­te im Blick behal­ten, son­dern auch dar­auf ach­ten, dass die Kos­ten für Bro­ker und Depot nicht aus dem Ruder lau­fen. „Sie kön­nen die Ren­di­te schmerz­haft schmä­lern“, warnt Ver­brau­cher­schüt­zer Larisch. Hier gibt es diver­se Kos­ten­fal­len — von Depot­ge­büh­ren über Order­kos­ten und Aus­ga­be­auf­schlä­ge bis hin zu Ver­kaufs­ge­büh­ren, wenn man den Spar­plan spä­ter auf­lö­sen will. „Beson­ders kost­spie­lig wird es, wenn die Depot- und Ver­kaufs­ge­büh­ren pro­zen­tu­al berech­net wer­den und nicht gede­ckelt sind“, sagt Larisch. Schließ­lich haben sich zum bis Ende der Spar­pha­se meist hohe Sum­men ange­sam­melt, die dann pro­zen­tu­al geschröpft werden.

Die gute Nach­richt: Im Moment gibt es unter den Online­bro­kern einen har­ten Preis­kampf, der den Kun­den zugu­te­kommt. Vie­le gro­ße Bro­ker ver­lan­gen bei Spar­plä­nen kei­ne Depot­ge­büh­ren mehr, bie­ten die gän­gigs­ten ETFs ohne Aus­ga­be­auf­schlag an und haben teils Order­ge­büh­ren gesenkt oder gestri­chen. Ganz selbst­los ist das nicht. „Vie­le Spar­plan­kun­den täti­gen im nächs­ten Schritt Inves­ti­tio­nen in ande­re Anla­gen wie Fonds oder Akti­en, wenn sie sehen, dass sich das Geld in ihren Spar­plä­nen gut ver­mehrt“, begrün­det Anla­ge­ex­per­te Dwor­nitzak von der ING Deutsch­land. Die Bro­ker ver­su­chen also, über die kos­ten­lo­sen Spar­plä­ne Neu­kun­den anzu­lo­cken. Denn auch sie pro­fi­tie­ren letzt­lich davon, wenn der Genera­ti­on Bau­spa­rer eine Genera­ti­on Spar­plan folgt.

Unser gra­tis Newsletter

Noch mehr Infos für dich

Torschluss-Panik Immobilien: Mieten oder kaufen?

Immo­bi­li­en sind vie­ler­orts teu­er. Nicht erst seit der Schief­la­ge des chi­ne­si­schen Immo­bi­li­en-Kon­zerns Ever­gran­de ist das wie­der in unser Bewusst­sein gerückt. Vie­le erle­ben es selbst vor der eige­nen Haus­tür: Wer eine Immo­bi­lie kau­fen möch­te, muss fast dop­pelt so tief die Tasche grei­fen wie vor 15 Jah­ren: Mit his­to­risch güns­ti­gen Zin­sen explo­die­ren Nach­fra­ge und Prei­se. Infla­ti­ons­sor­gen befeu­ern das Geschäft zusätz­lich. Doch was tun? Kau­fen? Mieten?

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben