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  • Die 15-Minuten-Stadt soll fahrradfreundlich sein und der Autoverkehr reduziert werden, ©photoschmidt - stock.adobe.com

Die 15-Minuten-Stadt: Ein Konzept für deutsche Städte?

2022-11-10T15:56:29+01:0012. November 2022|

Als die Pan­de­mie Stadt­zen­tren lahm­leg­te, zeig­te sich, wie wich­tig sozia­le Bin­dun­gen sind. Car­los More­no ist der Son­der­be­auf­trag­te des Pari­ser Rat­hau­ses für „Smart Cities“ und gilt als der Vor­den­ker hin­ter dem Modell der „15-Minu­ten-Stadt“. Was hat es damit auf sich und ist das eine gute Idee?

Von Mat­thi­as Lauerer

Die Idee dahin­ter: Damit soll sich die Lebens­qua­li­tät ver­bes­sern, indem man Städ­te schafft, in denen sich alle Besor­gun­gen, die Bewohner:innen brau­chen, inner­halb einer Vier­tel­stun­de zu Fuß oder mit dem Fahr­rad errei­chen las­sen. So ein Umbau erfor­dert dann nur noch kur­ze Wege zwi­schen Woh­nun­gen, Büros, Restau­rants, Parks, Kran­ken­häu­sern und kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen. Bli­cken wir dazu kurz in die Stadt­geo­gra­fie. Jedes Vier­tel erfüllt in der Regel sechs sozia­le Funk­tio­nen, die abge­deckt wer­den müs­sen: Arbei­ten, Woh­nen, Ver­sor­gen, Pfle­gen, Ler­nen und Genie­ßen.  

Alles fix erreichbar

Beim The­ma mar­schiert die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Poli­ti­ke­rin und Pari­ser Bür­ger­meis­te­rin Anne Hidal­go vor­ne­weg. Unter dem Titel „vil­le du quart d’heu­re“, also über­setzt die Vier­tel­stun­den­stadt soll den Pari­sern alles, was sie brau­chen, vor ihrer Haus­tür oder in ihrer Nähe gebo­ten wer­den, um eine „öko­lo­gi­sche Umwand­lung“ der Haupt­stadt zu gewähr­leis­ten. Dies wür­de die Umwelt­ver­schmut­zung und den Stress ver­rin­gern und sozi­al und wirt­schaft­lich gemisch­te Stadt­tei­le schaf­fen, die die Lebens­qua­li­tät für Ein­woh­ner und Besu­cher ver­bes­sern. Hidal­go will mehr aut­ar­ke Gemein­schaf­ten in jedem Arron­dis­se­ment der Haupt­stadt för­dern. Die Coro­na­pan­de­mie gab der Idee einen star­ken Schubs.  

Kann das klappen?

Wei­ter­hin soll der Pkw-Ver­kehr im Stadt­zen­trum abneh­men. Hin­zu kom­men mehr Grün­flä­chen. Lässt sich das poli­tisch bewerk­stel­li­gen? Wie stark ist das öffent­li­che Enga­ge­ment dahin­ter und wie sehr wird der Ansatz tole­riert? Rück­blick: Bereits vor 100 Jah­ren schlug der ame­ri­ka­ni­sche Stadt­pla­ner Cla­rence Per­ry „lebens­wer­te Nach­bar­schafts­ein­hei­ten“ vor. Kopen­ha­gen mach­te 1962 sei­ne Haupt­ein­kaufs­stra­ße zur Fuß­gän­ger­zo­ne, wie der „Guar­di­an“ schreibt. Die­sem Ein­fall folg­te spä­ter vie­le Städte.

Einfall aus Frankreich

Der Ein­fall kam dem „Städ­te­ex­per­ten und Pro­fes­sor der Uni­ver­si­tät Paris 1 Pan­the­on-Sor­bon­ne, Car­los More­no. „Die 15-Minu­ten-Stadt ist eine Stadt, in der Dienst­leis­tun­gen in der Nähe das Leben erleich­tern und den Bür­gern die­nen“, zitiert ihn Euro­news Next. Wei­ter heißt es von ihm: „Es gibt vie­le Jobs, die aus der Fer­ne erle­digt wer­den kön­nen. Es macht kei­nen Sinn, eine Stun­de zu pen­deln, um im Büro am Com­pu­ter zu sit­zen, wenn man auch in der Nähe des Zuhau­ses am PC oder Note­book sit­zen kann. Die Nähe zum Wohn­ort bedeu­tet, dass wir neue Räu­me schaf­fen kön­nen.“ In einem TED-Vor­trag spricht der Mann über jene vier Grund­sät­ze, die die 15-Minu­ten-Stadt lei­ten. Die­se lau­ten: Öko­lo­gie, für eine grü­ne und nach­hal­ti­ge Stadt, Nähe für ein Leben mit gerin­ge­rer Ent­fer­nung zu ande­ren Akti­vi­tä­ten. Dann noch Soli­da­ri­tät, die Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Men­schen schafft. Und zuletzt noch die Betei­li­gung, weil die Bür­ger aktiv in die Pla­nung ein­be­zo­gen wer­den sollen.

Die Pandemie half der Idee

In der New York Times heißt es über das The­ma: „Mal­colm Smith, ein Urban Design Fel­low bei Arup, argu­men­tier­te in einem kürz­lich erschie­ne­nen Bericht, dass die Pan­de­mie die Städ­te bereits näher an die Visi­on der 15-Minu­ten-Stadt brach­te und es nun das Poten­zi­al gäbe, weni­ger Ver­kehr, sau­be­re­re Luft und mehr Zeit mit der Familie zu dau­er­haf­ten Merk­ma­len des städ­ti­schen Lebens zu machen.“ Und wei­ter: „Sie mach­te deut­lich, wie wich­tig es ist, Städ­te in klei­ne­ren Modu­len zu ent­wi­ckeln, in denen die wich­tigs­ten Dienst­leis­tun­gen um kom­mu­na­le Zen­tren kon­zen­triert sind.“  

Wie Gebäude genutzt werden

Car­los More­no sagt auch: „In Paris ist ein Gebäu­de 30 oder 40 Pro­zent der Zeit in Gebrauch. Das bedeu­tet, dass Gebäu­de täg­lich 60 oder 70 Pro­zent, also län­ger leer ste­hen, als man sie nutzt. Wir wol­len Bau­wer­ke viel mehr nut­zen, sodass es auch ande­re Akti­vi­tä­ten beher­ber­gen kann als die, für die es ursprüng­lich gedacht war.“ Klingt so, als müss­te man die­se Idee unbe­dingt nach Deutsch­land holen und vie­les infra­ge stel­len, was heu­te in unse­ren Städ­ten Usus ist.  

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