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    Diamanten, ©Björn Wylezich - stock.adobe.com

Diamanten: Was die Edelsteine kosten und ob sie als Wertanlage taugen

2022-06-08T10:05:53+02:0018. Mai 2022|

Fun­keln­de Dia­man­ten las­sen Her­zen höher schla­gen. Sie fas­zi­nie­ren und wecken Begehr­lich­kei­ten. Was macht ihren Wert aus? Und kön­nen sie auch Wert­an­la­ge sein? 

Von Michae­la Stemper

Wie man Dia­man­ten aus­wählt, was ein Ein­ka­rä­ter kos­tet und wel­che Wert­stei­ge­run­gen erwart­bar sind, erklärt Abi Weber. Der Frank­fur­ter Gold­schmied und Dia­mant­gut­ach­ter ver­fügt über lang­jäh­ri­ge Erfah­rung in den Top-15-Schmuck­stei­nen. Wäh­rend sei­ner Aus­bil­dung und im fami­li­en­eig­nen Juwe­lier­ge­schäft hat er tau­sen­de von Stei­nen bewer­tet. In den letz­ten zehn Jah­ren ver­kau­fen sich ver­stärkt gro­ße Stei­ne. „Jeder ach­te Ring ist ein Ein­ka­rä­ter. Die ame­ri­ka­ni­sche Tra­di­ti­on für den Ver­lo­bungs­ring drei Monats­ge­häl­ter aus­zu­ge­ben, hat auch hier­zu­lan­de Ein­zug gehal­ten“, erzählt er. 

Diamantenmarkt boomt

Ins­ge­samt wird 2022 mehr Schmuck gekauft. Der Juwe­lier kennt die Grün­de: „Ers­tens möch­ten Kund:innen nach den Coro­na-Ein­schrän­kun­gen mit neu­en Schmuck­stü­cken das Leben fei­ern. Zwei­tens, setzt das aktu­el­le Zins­ni­veau und die stei­gen­de Infla­ti­on weni­ger Anreiz zum Spa­ren als zum Kon­sum.“ Weber sieht eine stei­gen­de Nach­fra­ge über alle Preis­klas­sen hin­weg: von ein paar hun­dert Euro bis hin zu fünf­stel­li­gen Kauf­prei­sen lie­gen Rin­ge und Ket­ten auf dem schwar­zen Samt in Frank­furts Innen­stadt. 

Vor dem Hin­ter­grund der welt­po­li­tisch unsi­che­ren Lage sei­en zudem die Prei­se für Dia­man­ten in den letz­ten ein bis drei Mona­ten stark gestie­gen, erklärt Weber. Abhän­gig vom Gewicht zwi­schen 8 und 16 Pro­zent. Gera­de klei­ne Bril­lan­ten hät­ten extremst im Preis ange­zo­gen: allein im März ver­teu­er­ten sich 0,01-Karat-Steine um 12 Pro­zent. Im Jah­res­ver­gleich beob­ach­ten Exper­ten Preis­stei­ge­run­gen von 15 bis 20 Pro­zent. Sie ori­en­tie­ren sich am Rapa­port-Dia­man­ten-Index, der kon­ti­nu­ier­lich Prei­se für Dia­man­ten unter­schied­li­cher Grö­ßen und Kate­go­rien doku­men­tiert. 

Nach diesen Cs werden Diamanten bewertet

„Dia­man­ten sind ein Natur­pro­dukt. Zehn unter­schied­li­che Dia­man­ten glei­cher Grö­ße sind noch lan­ge nicht das glei­che Pro­dukt“, erklärt der Dia­mant­gut­ach­ter. Die Stei­ne wer­den in vier Kate­go­rien bewer­tet: Carat, Colour, Cut und Cla­ri­ty. 

Carat: Grö­ße bzw. Gewicht. Ein metri­sches Karat ent­spricht 0,2 Gramm. 

Colour: Das Farb­spek­trum reicht von D bis Z – Die Schmuck­in­dus­trie ver­wen­det Stei­ne von hoch­fei­nem Weiß (D) bis hin zu Weiß (H). 

Cut: Klas­sisch ist der run­de Schliff als Bril­lant. Zusätz­lich gibt es 24 soge­nann­te Fan­cy Cuts, etwa die belieb­te Baguette- oder Cushion-Form. 

Cla­ri­ty: Die Rein­heit reicht von lupen­rein bis Piqué 3. Klei­ne Ein­schlüs­se der Klas­sen SI1 und SI2 sind ver­tret­bar.  

Zertifizierte Diamanten

Inzwi­schen wird nahe­zu kein Dia­mant ab einer Grö­ße von 0,25 Karat ohne GIA-Zer­ti­fi­kat ver­kauft. GIA steht für Gemo­lo­gi­cal Insti­tu­te of Ame­ri­ca. Das in den 30er Jah­ren gegrün­de­te Unter­neh­men gilt als seri­ös und unab­hän­gig. Die Bewer­tung von Dia­man­ten und ande­ren Edel­stei­nen wird welt­weit geschätzt. Das deut­sche Pen­dant dazu sitzt in Idar-Ober­stein mit dem Deut­schen Gemmo­lo­gi­schen Insti­tut. Eine seriö­se Zer­ti­fi­zie­rung soll­te die Grund­vor­aus­set­zung für den Kauf sein, rät der Gut­ach­ter. „Bei der GIA-Zer­ti­fi­zie­rung wird eine Num­mer ver­ge­ben, die mikro­sko­pisch klein in die Ron­dis­te des Steins gelasert wird“, erklärt Abi Weber, der selbst seit Jah­ren mit Lupen­bril­le und Mikro­skop arbei­tet. Gro­ße Mar­ken wie Tif­fa­ny nut­zen zwar eige­ne Labo­re, zer­ti­fi­zie­ren aller­dings nach den glei­chen inter­na­tio­na­len Stan­dards. 

Tipps & Tricks für den Diamantkauf

Weber warnt hin­ge­gen vor einem Spon­tan­kauf im Inter­net: „Online wer­den vor allem Stei­ne mit EGL-Zer­ti­fi­kat ange­bo­ten. Ein euro­päi­sches Bewer­tungs­sys­tem, das eher groß­zü­gi­ger zer­ti­fi­ziert. Zum Bei­spiel wer­den getön­te Ein­ka­rä­ter ger­ne mal als rein­weiß dar­ge­stellt.“ War­um Käu­fer zuschla­gen? Güns­ti­ge Ein­ka­rä­ter sind hier ab 2.000 Euro zu haben. „Reicht die Span­ne bis 18.000 Euro bei angeb­lich glei­chen Kri­te­ri­en, soll­te einem der gesun­de Men­schen­ver­stand sagen, dass das nicht die glei­che Ware sein kann“, warnt Weber. Für ver­nünf­ti­ge Dia­man­ten von einem Karat muss man mit 6.000 bis 12.000 Euro rech­nen, rät der Exper­te. Und ergänzt, dass natür­lich gera­de die Big-Figu­res wie 1,0 Karat einen gewis­sen Preis­auf­schlag beinhal­ten. 

Alter­na­tiv zeigt der Pro­fi für den Kauf eines Schmuck­stücks mit begrenz­tem Bud­get eine ele­gan­te Lösung: ein Unter­schied von zwei bis drei Zehn­teln bei einem 0,9 Karä­ter im Ver­gleich zum Ein­ka­rä­ter ist optisch kaum nach­voll­zieh­bar. Lai­en soll­ten des­halb mehr auf die Far­be und den Schliff ach­ten. So ist bei­spiels­wei­se bei der Far­be rela­tiv gut zu erken­nen, wann das wei­ße Spek­trum (bis H), ver­las­sen wird. Webers Tipp: Den losen Stein umge­kehrt auf ein wei­ßes Blatt legen und unter wei­ßem Licht begut­ach­ten. So lässt sich eine uner­wünsch­te Tönung schnell aus­schlie­ßen.  

Man­che von Webers Kun­den brin­gen ver­meint­lich wert­vol­le Stei­ne von ihren Rei­sen mit. So auch eine Kun­din, die ihren Dia­mant­ring in Dubai erwarb. Das Gold war echt, der Stein lei­der nicht, muss­te Weber bedau­ernd fest­stel­len. Glas­stei­ne las­sen sich im losen Zustand am bes­ten erken­nen. Dazu legt man sich den Stein umge­kehrt auf den Fin­ger. Kann man durch­schau­en, ist es defi­ni­tiv kein Edel­stein. Zudem reflek­tiert ein Dia­mant das gesam­te Spek­trum des Regen­bo­gens, simp­les Glas nicht. 

Taugen Diamanten als Wertanlage?

Dia­man­ten sind wert­be­stän­dig. Man kann sie leicht und schnell trans­por­tie­ren. In unsi­che­ren Zei­ten sei das durch­aus wich­tig, erklärt der Exper­te. „Dia­man­ten las­sen sich trotz­dem nicht mit einem Akti­en­in­vest­ment ver­glei­chen“, erklärt der aus­ge­bil­de­te Ban­ker, „Wer nur einen Stein kauft, wird auch nur einen ver­kau­fen kön­nen – auf einen Markt, auf dem vie­le Händ­ler mit gro­ßen Stück­zah­len kon­kur­rie­ren. Selbst die kleins­ten haben ein Port­fo­lio von 300 Stei­nen.“ Aber um die lang­fris­ti­ge Wert­stei­ge­rung zu doku­men­tie­ren, hat er ein Bei­spiel parat: Ein Ein­ka­rä­ter, den Webers Groß­va­ter vor rund 40 Jah­ren für 4.500 D‑Mark erwarb, hat heu­te einen Markt­wert von 23.000 Euro. 

Die welt­wei­ten Reser­ven an Dia­man­ten belie­fen sich 2021 übri­gens auf 1,8 Mil­li­ar­den Karat. 75 Pro­zent der jähr­lich geschlif­fe­nen Stei­ne geht an die Indus­trie, bei­spiels­wei­se für Laser, die ver­blei­ben­den 25 Pro­zent in die Schmuck­in­dus­trie. Zu den welt­weit bedeu­tends­ten Dia­man­ten­bör­sen zäh­len Mum­bai, New York, Hong Kong, Ant­wer­pen und Tel Aviv. „Auch hier darf man sich das nicht vor­stel­len wie auf dem Frank­fur­ter Par­kett. Die­se Umschlag­plät­ze sind Hoch­si­cher­heits­trak­te in Büro­ge­bäu­den. Sie müs­sen sich regis­trie­ren, akkre­di­tiert sein und pas­sie­ren unzäh­li­ge Schleu­sen“, erzählt der Dia­man­ten­ex­per­te.  

Wo finde ich eine:n Expert:in?

Wer einen Dia­man­ten gra­du­ie­ren las­sen möch­te, fragt bei gro­ßen Juwe­lie­ren wie H. Stern oder Car­tier nach einer Emp­feh­lung. Die­se ken­nen spe­zia­li­sier­te Gut­ach­ter vor Ort. „Trotz aller Wert­be­stän­dig­keit sind Dia­man­ten mehr als ein Invest­ment. Sie sol­len Freu­de brin­gen und Schön­heit ver­mit­teln. Jedes Schmuck­stück birgt eine Erin­ne­rung“, sagt Abi Weber und greift an die Ket­te mit dem Anhän­ger sei­nes Groß­va­ters. 

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