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    Schuldali Mikail, ©Chayenne Freitag

Der Schuldali

2021-09-28T16:21:36+02:0028. September 2021|

Die Kunst­welt kennt Mikail. Der acht­jäh­ri­ge Jun­ge malt Bil­der, die sein Vater für einen fünf­stel­li­gen Betrag an inter­na­tio­na­le Kli­en­ten ver­kauft? Ein Besuch bei der Fami­lie Akar.

Von Mat­thi­as Lauerer

Wäh­rend drau­ßen der Wind nach einem Gewit­ter des lau­ni­gen Som­mers 2021 pfeift und die Wol­ken schnell zie­hen, herrscht vor einem Ein­fa­mi­li­en­haus in der Klein­stadt Pul­heim bei Köln mun­te­res Trei­ben an der Haus­tür. Dort hievt gera­de Mut­ter Elvan Akar, 36, mit Mina, 5, den Baby­wa­gen ins Haus. Dar­in liegt Baby Korel, 1,5 Jah­re alt. Ehe­mann Keren, 41, hilft dabei. Auch Mikail steht dort. Der Jun­ge ist acht Jah­re alt und gilt als einer der kom­men­den gro­ßen Künst­ler Deutsch­lands. Wie er da so steht in Jeans, Pul­li, hell­blau­en Crocs und den lan­gen, locki­gen, brau­nen Haa­ren, die ihm der Wind immer wie­der ins Gesicht bläst, mag man das mit dem Künst­ler­su­per­star nicht so recht glau­ben. Denn: Wie kann es sein, dass die Bil­der eines so jun­gen Men­schen so hoch gehan­delt wer­den? Akar Juni­or wird von der Kunst­welt hofiert und für die Wer­ke des Jung­ge­nies streicht sein Papa, in Mikails Namen, nied­ri­ge, fünf­stel­li­ge Beträ­ge ein.

Bilder für den guten Zweck

Was man fai­rer­wei­se erwäh­nen muss: Immer wie­der gibt es auch Wohl­tä­tig­keits­ak­tio­nen des Spröss­lings. Gemein­sam mit einem grie­chi­schen Künst­ler ersann der Bub 2020 ein Bild, des­sen Ver­kaufs­er­lös spä­ter an die Erd­be­ben­hil­fe über­wie­sen wur­de. Aber die Fra­ge sei gestat­tet: Was macht das alles mit einem Kind? Die Sache mit Mikail und der Kunst begann vor fünf Jah­ren. Damals kommt der Vater nach Hau­se und fragt sei­ne Frau Elvan: „Du hast ja ein tol­les Bild gezeich­net. Von wem ist das denn?“ Und die Ehe­frau ant­wor­tet: „Das hat unser Jun­ge gemalt!“ Dies ist der Moment, an dem sich das Leben der Fami­lie für immer ver­än­dert. Die Eltern erken­nen, dass da ein Wun­der­kind bei ihnen lebt und es ist etwas, wovon Vater und Mut­ter nichts ahn­ten. Damals arbei­te­te der Papa noch als Ver­trieb­ler, doch die­se Tätig­keit gibt er bald auf. Heu­te ist er der Mana­ger sei­nes Soh­nes, „ein Voll­zeit­job“, wie er sagt. Und das Wis­sen über die Kunst­welt? Eig­ne­te sich Akar Seni­or im Selbst­stu­di­um an.

Umzüge nach Paris und eine Schau in New York City

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren gibt sich die Welt­pres­se die Klin­ke in die Hand um zu sehen, ob der jun­ge Rhein­län­der tat­säch­lich auf dem Weg ist, der nächs­te gro­ße Künst­ler zu wer­den. Wenn man mit ihm im Kel­ler sitzt und bei der Arbeit zusieht, fal­len bekann­te Künst­ler­na­men wie Jack­son Pol­lock, Ger­hard Rich­ter oder Andy War­hol. An sol­chen Gran­den wird Mikail tariert, eine hohe Mess­lat­te für ein Kind. Selbst der wei­te­re Lebens­weg scheint vor­ge­ge­ben: „Ich will nach New York flie­gen, lie­be die Hoch­häu­ser und den Film ´Kevin — Allein zu Haus´. Da will ich unbe­dingt mal leben“, sagt er. Und die­ser Traum erfüllt sich nun. „Im Herbst wird unser Jun­ge in der Gale­rie ´High Line Nine´ aus­stel­len. Dafür berei­tet er gera­de ein Bild vor, dass wie die Stadt heißt. Er freut sich sehr“, sagt der Papa. Wie als Zei­chen fin­det sich im Trep­pen­haus ein alter Auf­kle­ber. Der pappt auf einer Tür und auf ihm steht: „Pul­heim. Paris. New York.“

Besuch vom Jugendamt

Was mit der Zeit auf­fällt: Der Jun­ge wech­selt in zwei Rol­len hin und her. Mal ist er klei­nes Schul­kind, wel­ches – leicht empört über sei­ne stren­gen Leh­rer an der „Inter­na­tio­na­len Schu­le“ spricht – und dann ist er der pro­fes­sio­nel­le Künst­ler, der sei­ne Wer­ke gut und exakt beschrei­ben kann. Ab und an ist er auch bei­des – zum Bei­spiel, wenn er kei­ne Lust mehr dar­auf hat, Fra­gen zu beant­wor­ten und statt­des­sen ohne Abschied die Trep­pen­stu­fen nach oben tobt. Nur: Wie lebt es sich mit so einem Wun­der­kind? „Ab und an ist es anstren­gend und wir arbei­ten eng mit dem Jugend­amt zusam­men. Er malt viel­leicht eine Stun­de, dann ist Schluss. Dann fol­gen die Haus­auf­ga­ben oder er geht raus zum Spiel.“ Jugend­amt? Es waren die Nach­barn, die sich Sor­gen mach­ten. Eine Mit­ar­bei­te­rin besuch­te die Fami­lie und war mit dem, was sie sah, sehr zufrie­den. Sie gab grü­nes Licht für die Kunst. Vater Keren kann mit dem „Neid“ der Gesell­schaft gut umge­hen. Sicher, da ver­dient der Sohn sehr viel Geld mit sei­ner Bega­bung – und man kann sich die Sum­me aus­rech­nen, die auf­läuft. Dazu sagt der Vater: „Alle Gel­der, die Mikail mit den Bil­dern ver­dient, gehen auf sein Konto.“

Wenn sich das türkische „Rote Kreuz“ meldet

Im Kel­ler­ate­lier been­det der ange­hen­de Meis­ter gera­de ein Werk. Dann ruft er aus: „Fer­tig“, spur­tet in Rich­tung Wohn­zim­mer und nimmt dabei je zwei Trep­pen­stu­fen auf ein­mal. Er greift sei­nen klei­nen Bru­der und tobt mit ihm über eine Woll­de­cke, die auf dem Fuß­bo­den liegt. Dann eilt er noch schnell zum bunt bemal­ten tür­ki­schen Halb­mond, der in der Ecke thront. Ganz in weiß hat­te jenen das tür­ki­sche „Rote Kreuz“ an die Fami­lie geschickt, damit der Fili­us ihn ver­zie­ren möge. Der leg­te los und nun hof­fen die Akars instän­dig, dass die Rot­kreuz­ler die Ange­le­gen­heit längst ver­ges­sen haben, denn das Resul­tat gefällt der Fami­lie sehr. „Er ist wirk­lich außer­ge­wöhn­lich schön“, sagt die Mutter.

Spiele auf dem Tablet

Dann schnappt sie sich ihre Toch­ter, es ist Zeit für den Gang ins Bett. Gera­de jetzt will Mikail unbe­dingt mit dem „iPad“ spie­len. „Wir sind streng gegen Com­pu­ter­spie­le und müs­sen sehr dar­auf auf­pas­sen, dass er nicht zu viel vor die­ser Kis­te sitzt“, sagt der Vater. Die Mut­ter lässt heu­te Gna­de vor Recht erge­hen und sagt: „Gut, du darfst noch fünf Minu­ten damit spie­len.“ Mikail schnappt sich das Gerät und spielt „Sta­cky Bird“, bei dem er als Spie­ler digi­ta­le Eier sta­peln muss. Nach fünf Minu­ten legt der Jun­ge das Tablet zur Sei­te und ver­ab­schie­det sich mit den Wor­ten: „Hast Du nicht noch mehr Fra­gen?“ Nein, für heu­te reicht es. Offen bleibt: Wie wird der wei­te­re Lebens­weg von Mikail Akar ver­lau­fen? Zu wün­schen wäre es der Fami­lie, wenn der Sohn zum inter­na­tio­nal aner­kann­ten Künst­ler reift – und danach sieht es im Moment tat­säch­lich aus.

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