Startseite/Der Duft des Geldes

Der Duft des Geldes

2021-06-01T13:58:09+02:001. Juni 2021|

Die Künst­le­rin Katha­ri­na Hoh­mann hat mit dem Pro­jekt Aera­ri­um Außer­ge­wöhn­li­ches geschaf­fen. Es geht um eine Sei­fen­fa­brik, Glas­fläsch­chen und das neue Finanz­amt in Karlsruhe.

Von Iris Krug

Wer das Karls­ru­her Finanz­amt betritt, kann das Geld förm­lich rie­chen. In einer reprä­sen­ta­ti­ven Vitri­ne im Ein­gangs­be­reich ste­hen vie­le bun­te Glas­fla­kons, gefüllt mit Parfüm.

Aera­ri­um heißt der Duft — und er riecht nach Geld. Nun aber mal von Anfang an.

Mit Beginn des 19. Jahr­hun­derts ent­stand in Karls­ru­he aus einem klei­nen Fri­seur­sa­lon die Par­fü­me­rie und Fein­sei­fen­fa­brik F. Wolff und Sohn. Deren Mar­ke Kalo­der­ma ver­half dem Unter­neh­men mit Sitz in der Dur­la­cher Stra­ße zu Welt­ruhm. Rest­ge­bäu­de des Fir­men­kom­ple­xes exis­tie­ren dort noch heu­te und wur­den teil­wei­se zu Kul­tur­denk­ma­len erhoben.

Orts­wech­sel in ein beschau­li­ches Schwarz­wald­fleck­chen unweit von Karls­ru­he. Dort sorg­te einst der Fund eines wun­der­schö­nen Fla­kons aus grü­nem Wald­glas für Begeis­te­rung. Es stamm­te aus der frü­hen Neu­zeit und man sprach ihm wegen sei­ner beson­de­ren Form magi­sche Kräf­te zu.

Zurück nach Karls­ru­he in die Dur­la­cher Stra­ße und in die Neu­zeit. 2018 bekam die Stadt dort ein neu­es Finanz­amt und woll­te bil­den­de Künst­le­rin­nen und Künst­ler mit einem Kunst-am-Bau-Wett­be­werb an die­sem Groß­pro­jekt beteiligen.

Die Kon­zept­künst­le­rin Katha­ri­na Hoh­mann war es, die die Wolff’sche Fein­sei­fen­fa­brik, das grü­ne Wald­glas­fläsch­chen und das neue Finanz­amt auf einen Nen­ner brin­gen konn­te. Ein Par­füm soll­te es sein als Hom­mage an die Tra­di­ti­ons­fa­brik, abge­füllt in his­to­ri­sche Wald­glas­fla­kons aus dem Schwarz­wald, und nach Bank­no­ten muss­te es duf­ten, so wie es sich für ein Finanz­amt gehört. Hin­ter dem Kon­zept steht die Inter­pre­ta­ti­on von Geld und Duft als nicht wirk­lich greif­ba­re, flüch­ti­ge Stof­fe, die von den Wech­sel­wir­kun­gen unter den Men­schen leben, so die Künstlerin.

Mit gro­ßer Lie­be zum Detail umge­setzt, wur­den 600 Fla­kons des ganz spe­zi­el­len Dufts abge­füllt und der renom­mier­ten Künst­le­rin, die auch an der Gen­fer Hau­te Eco­le d’Art et de Design lehrt, zu einem Preis von 60 Euro förm­lich aus den Hän­den geris­sen. Die Stück­zahl von 600 ist kein Zufall. Sie reprä­sen­tiert die 600 Mit­ar­bei­ter des Karls­ru­her Finanzamts.

Die hohe Nach­fra­ge soll­te bei die­ser Limi­tie­rung auch im nächs­ten Pro­duk­ti­ons­kreis­lauf einer duf­ten Wert­ent­wick­lung zuträg­lich sein. Schließ­lich soll sich das Geld aus dem Par­füm­ver­kauf immer wie­der in Nach­schub für die reprä­sen­ta­ti­ve Glas­vi­tri­ne im Ein­gangs­be­reich des Finanz­amts verwandeln.

Der Geruch der Banknoten

Aber wie riecht denn eigent­lich Geld? Mit dem Züri­cher Par­fü­meur Andre­as Wil­helm hat Katha­ri­na Hoh­mann lan­ge an einer Kom­po­si­ti­on aus Iris, Fei­gen­blät­tern, Can­na­bis, wei­ßem Moschus und Wild­le­der expe­ri­men­tiert. Der Name Aera­ri­um lei­tet sich übri­gens aus der latei­ni­schen Bezeich­nung für die anti­ke römi­sche Staats­kas­se ab. Und schon die alten Römer wuss­ten es ja: Geld stinkt nicht!

Die Projekt-Künstlerin

Der Duft des Gel­des und ein Finanz­amt pas­sen wun­der­bar zusam­men, fin­det die Ber­li­ne­rin und Wahl-Gen­fe­rin Katha­ri­na Hoh­mann. So sah es am Ende auch die Jury des Kunst-am-Bau-Wett­be­werbs für den Neu­bau des Karls­ru­her Finanz­amts und belohn­te die Kon­zept­künst­le­rin und ihr Aera­ri­um-Pro­jekt mit dem ers­ten Platz.

Tipp für Interessenten

Die Fla­kons des Geld-Dufts sind selbst klei­ne Kunst­wer­ke.  Gefer­tigt in der berühm­ten Doro­the­en­hüt­te in Wol­fach im Schwarz­wald ist jedes Fläsch­chen ein gra­vier­tes indi­vi­du­el­les Ein­zel­stück aus tra­di­tio­nel­ler Glas­blä­ser­hand. Über die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des klei­nen Gläs­chens infor­miert die Doro­the­en­hüt­te in ihrem Webauftritt.

Noch mehr Infos für dich

Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

Neun Buchhandlungen, die einen Besuch wert sind

Man­che Buch­lä­den sind schö­ner als ande­re. Dabei sind die spek­ta­ku­lärs­ten Schatz­häu­ser fast so ver­schie­den wie die Inhal­te der Bücher, die sie anbie­ten. Ange­sichts die­ser Buch­hand­lun­gen möch­te man nie wie­der im Inter­net bestel­len. Ein Plä­doy­er in neun Beispielen.

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben