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    Der Big-Mac-Index, ©Ocskay Mark - stock.adobe.com

Der Big-Mac-Index: Wie viel ist das Geld wo wert?

2022-08-29T09:55:14+02:0027. August 2022|

Der Big-Mac-Index macht die Lebens­hal­tungs­kos­ten in den Län­dern ver­gleich­bar, in denen es den Big Mac gibt. Der Index soll auch Auf­schlüs­se über den Wert der Lan­des­wäh­rung geben. Aber er hat Gren­zen. Was bringt die­ser Index?  

Von Ant­je Erhard

Der Big-Mac-Index zeigt, wie teu­er ein Big Mac im jewei­li­gen Land ist. Der Bur­ger wird in mehr als 100 Län­dern auf der gan­zen Welt ver­kauft und ist fes­ter Bestand­teil der Fast-Food-Ket­te McDonald’s. Die Vor­ga­be: Er muss den Stan­dards des Unter­neh­mens in Zube­rei­tung und Geschmack ent­spre­chen – egal wo er her­ge­stellt wird. Und er muss güns­tig sein. So ist er ver­gleich­bar zwi­schen Ber­lin und Shang­hai, Mum­bai und Seat­tle. Ins­ge­samt sind so 54 Län­der (Janu­ar: 57) im Big-Mac-Index vertreten.

Durch die inter­na­tio­na­le Ver­gleich­bar­keit lie­fert der Bur­ger Auf­schluss über die Kauf­kraft und die Lebens­hal­tungs­kos­ten in den jewei­li­gen Län­dern. War­um? Im Big-Mac-Index wer­den nicht nur die Kos­ten für Zuta­ten berück­sich­tigt. Auch die Kos­ten vor Ort für Mie­te des Lokals, die Löh­ne und Gehäl­ter des Per­so­nals sowie Ener­gie­kos­ten flie­ßen in den Ver­kaufs­preis des Bur­gers ein. 

Wie viel kostet ein Big Mac wo?

Am teu­ers­ten ist der Big Mac in der Schweiz. 6,71 US-Dol­lar (Janu­ar: 6,98 US-Dol­lar kos­tet er dort, gefolgt von Nor­we­gen, wo Hung­ri­ge 6,26 US-Dol­lar (Janu­ar: 6,39 US-Dol­lar) für einen Bur­ger auf die The­ke legen müs­sen. 2,28 US-Dol­lar und damit so wenig wie nir­gend­wo sonst kos­tet der Imbiss in Rumä­ni­en. Russ­land ist nicht mehr im Index ver­tre­ten, weil McDonald’s sei­ne dor­ti­gen Filia­len vor­läu­fig geschlos­sen hat.

Auch um zu ermit­teln, ob die  Wäh­rung eines Lan­des über- oder unter­be­wer­tet ist, wird der Bur­ger-Index her­an­ge­zo­gen. Dafür war er im Jahr 1986 von der bri­ti­schen Zei­tung „The Eco­no­mist“ ent­wi­ckelt. Zwei­mal im Jahr, im Janu­ar und im Juli, wird er aktua­li­siert. 

Der Peso in Uru­gu­ay gilt daher als beson­ders über­be­wer­tet: Ein Big Mac kos­tet dort 6,08 US-Dol­lar und damit 18,1 Pro­zent mehr als in den USA mit 5,15 US-Dol­lar. Aus­ge­hend von den Unter­schie­den im Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) pro Per­son, so rech­net „The Eco­no­mist“ vor, soll­te ein Big Mac 20,8 Pro­zent weni­ger kos­ten. Das las­se dar­auf schlie­ßen, dass der Peso um 49,2 Pro­zent über­be­wer­tet ist. Der Schwei­zer Big Mac zu 6,71 US-Dol­lar las­se auf 31 Pro­zent Über­be­wer­tung schließen.

Was bringt der Big-Mac-Index?

Dem Index liegt die Theo­rie der Kauf­kraft­pa­ri­tät zu Grun­de. Die hat­te der Öko­nom David Ricar­do im 19. Jahr­hun­dert ent­wi­ckelt. Sie besagt: Waren und Güter aus einem bestimm­ten Waren­korb soll­ten trotz unter­schied­li­cher Wäh­run­gen grund­sätz­lich zum glei­chen Preis erhält­lich sein. Dem­nach soll­ten sich die Wech­sel­kur­se lang­fris­tig auf den Kurs zube­we­gen, der die Prei­se für einen iden­ti­schen Waren- und Dienst­leis­tungs­korb (wie einen Big Mac) in zwei belie­bi­gen Län­dern anglei­chen würde.

Was „The Economist“ sagt

Der Big-Mac-Index soll­te „spie­le­risch“ fest­stel­len, ob die Wäh­run­gen auf ihrem “rich­ti­gen” Niveau sind. Er sei nie als prä­zi­ser Grad­mes­ser für Wäh­rungs­fehl­ent­wick­lun­gen gedacht gewe­sen, so „The Eco­no­mist“, son­dern ledig­lich als Instru­ment, um die Wech­sel­kurs­theo­rie bes­ser ver­ständ­lich zu machen.

„The Eco­no­mist“ sagt selbst, dass der BIP-berei­nig­te Index auf die Kri­tik ein­ge­he, dass die durch­schnitt­li­chen Bur­ger­prei­se in armen Län­dern nied­ri­ger sei­en als in rei­chen Län­dern, weil die Arbeits­kos­ten nied­ri­ger sei­en. Die Kauf­kraft-Pari­tät zei­ge, wohin sich die Wech­sel­kur­se lang­fris­tig ent­wi­ckeln soll­ten, wenn ein Land wie Chi­na rei­cher wer­de, sie sage aber wenig über den aktu­el­len Gleich­ge­wichts­kurs aus. Das Ver­hält­nis zwi­schen den Prei­sen und dem BIP pro Per­son könn­te ein bes­se­rer Anhalts­punkt für den aktu­el­len fai­ren Wert einer Wäh­rung sein.

Viele Gründe für Preisunterschiede beim Big Mac

So erklärt das Insti­tut der deut­schen Wirt­schaft, dass die Preis­un­ter­schie­de nicht nur an Wäh­rungs­ef­fek­ten lägen, son­dern durch meh­re­re Ursa­chen beein­flusst sei­en: Ein Bur­ger ist ver­derb­lich und somit nicht han­del­bar. „Ein Züri­cher kann sei­nen Big Mac eben nicht in Bei­rut bestel­len und dadurch dort die Prei­se nach oben trei­ben oder für einen Aus­gleich der Wech­sel­kur­se sor­gen“, urtei­len die Konjunktur-Expert:innen.

Das inter­na­tio­na­le Wohl­stands­ge­fäl­le bewir­ke eben­falls Unter­schie­de im Preis: Auch Zöl­le und Steu­ern machen den Unter­schied: So sei­en Mehr­wert­steu­er­sät­ze von Land zu Land ver­schie­den und wür­den gene­rell nicht durch den Wech­sel­kurs aus­ge­gli­chen, weil so eine natio­na­le Steu­er bei grenz­über­schrei­ten­dem Han­del nun mal nicht anfal­le. Zu guter Letzt hän­ge der Preis von Ange­bot und Nach­fra­ge ab.

Auch die Zusam­men­set­zung des Big Mac ist ein abwei­chen­der Fak­tor: So wird in Indi­en kein Rind­fleisch ver­wen­det, weil Kühe dort hei­lig sind. Statt­des­sen wird in indi­schen Big Macs Hähn­chen verbraten.

Was sol­len Anleger:innen mit dem Big-Mac-Index anfangen?

Für Anleger:innen ist der Big-Mac-Index den­noch – inner­halb sei­ner Gren­zen – gar nicht unin­ter­es­sant. Unab­hän­gig von der Tat­sa­che, ob man den Bur­ger an sich mag oder nicht: Wer glo­bal inves­tiert, inves­tiert auch in frem­de Wäh­run­gen. Deren Ent­wick­lung beein­flusst auch die Geld­an­la­ge. Ob aber ein Big-Mac-Index dazu ange­tan ist, für oder gegen ein Invest­ment auf Grund von Wäh­rungs­ef­fek­ten zu ent­schei­den, mag jede:r für sich selbst entscheiden.

Außer­dem: Wer ver­reist, weiß, wie teu­er das Leben im Urlaubs­land ist.

Fazit: Als Maß­stab für Wech­sel­kur­se ist der Big-Mac-Index unge­eig­net. Aber wer wis­sen möch­te, wie teu­er der nächs­te Aus­lands­ur­laub wird, fin­det hier einen Anhaltspunkt.

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