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    Finanzfahrplan, ©Ridofranz/iStock

Dein Finanzplan für’s Leben Teil 2 — 18 bis 25 Jahre: Welt, ich komme

2022-03-29T14:57:15+02:0029. März 2022|

Raus ins Leben – eige­ne Woh­nung, eige­nes Leben. Nach der Schu­le nimmt das Leben Fahrt auf. Der Spaß ist umso grö­ßer, je bes­ser man schon finan­zi­ell auf­ge­stellt ist. 

Von Ant­je Erhard

Ich war jung und brauch­te das Geld – das ist so ein Spruch, wenn man spä­ter über sei­ne Jugend­sün­den lacht. Aber wie wäre es zu sagen: Ich bin jung und habe das Geld? Denn nach der Schu­le fängt das Leben erst rich­tig an: End­lich auf eige­nen Bei­nen. Ers­te Woh­nung, Aus­bil­dung, Stu­di­um, viel Neu­es auf ein­mal. Gut, wenn da auch die Kas­se schon stimmt. 

Und das braucht einen Plan, auch und gera­de einen Finanz­plan: Was habe ich monat­lich an Ein­künf­ten? Wie viel ver­die­ne ich in der Aus­bil­dung, wie viel bekom­me ich pro Monat von mei­nen Eltern fürs Stu­di­um? Muss ich hin­zu­ver­die­nen? Kann ich noch Kin­der­geld bezie­hen? 

Ehrlicher Kassensturz und Investitionsplan

Ein ehr­li­cher Kas­sen­sturz muss her: Alle Ein­nah­men auf eine Lis­te. Und dane­ben die Aus­ga­ben: Was kos­tet der Lebens­un­ter­halt im Monat, was sind die Gebüh­ren für die Aus­bil­dung oder das Stu­di­um, was geht weg für Mie­te, Mobi­li­tät, iPho­ne, Fit­ness Club und Spo­ti­fy-Abo. Was kos­tet die Haus­rat-Ver­si­che­rung, die Haft­pflicht, die Auto-Ver­si­che­rung? Und natür­lich: Was bleibt über für den Spaß, für Rei­sen, Kon­sum und, und, und? Kann man was zurück­le­gen? Wenn ja wie viel? Und wie über­haupt? 

Warum solltest du an der Börse investieren? Weil du es kannst

War­um soll­test du denn jetzt über­haupt schon Geld spa­ren oder an der Bör­se inves­tie­ren? Ganz ein­fach. Weil du es kannst. Weil du jetzt so viel Zeit hast, dass sich schon klei­ne Beträ­ge rich­tig loh­nen. Lang­fris­tig. Denn die gute Nach­richt: Selbst wenn du in der Aus­bil­dung bist oder stu­dierst, wenn du „nur“ 25 Euro im Monat zurück­le­gen könn­test, wäre das ein Anfang. An der Bör­se machen näm­lich auch klei­ne Beträ­ge was her – lang­fris­tig.  

Der so genann­te Zin­ses­zins­ef­fekt spielt Anleger:innen in die Hän­de: Je län­ger man anlegt, des­to mehr hat man von die­sem Effekt. Zin­ses­zins bedeu­tet, dass Zin­sen oder Divi­den­den nicht aus­ge­ge­ben, son­dern re-inves­tiert wer­den. So wächst die Anla­ge­sum­me schnel­ler.  

War­um soll­test du aber an der Bör­se inves­tie­ren? Weil die meis­ten ande­ren Anla­ge­mög­lich­kei­ten einer­seits nicht mit wenig Kapi­tal zu Beginn funk­tio­nie­ren, zum Bei­spiel ein Immo­bi­li­en-Kauf, um Vermieter:in zu wer­den, zu wenig bis gar kei­ne Zin­sen brin­gen, zum Bei­spiel Tages- oder Fest­geld­kon­ten und weil Invest­ments in Kryp­tos, in Anti­qui­tä­ten, Old­ti­mer oder Snea­kers viel mehr Know How vor­aus­set­zen. 

Für die Bör­se spricht, dass man mit wenig Kapi­tal los­le­gen kann, man jeden Bör­sen­tag an sein Geld kommt, und man lang­fris­tig sein Geld für sich arbei­ten lässt.  

Gehen wir die Lis­te der größ­ten Vor­ur­tei­le doch mal durch: Ver­lustangst. Ver­lus­te an der Bör­se gehö­ren zur Rea­li­tät, wie auch Gewin­ne. Aber wäh­rend es meist all­mäh­lich auf­wärts geht, geht die Tal­fahrt viel schnel­ler. Den­noch: Mit einer Stra­te­gie und einer ver­nünf­ti­gen Streu­ung wächst lang­fris­tig das Geld, das du inves­tierst. Wer seit 1975 zu einem belie­bi­gen Zeit­punkt in den MSCI World inves­tiert und min­des­tens 15 Jah­re durch­ge­hal­ten hat, hat unab­hän­gig vom Ein­stiegs­zeit­punkt immer posi­tiv abge­schnit­ten.   

Bei Ver­lus­ten gibt es zwei Mög­lich­kei­ten, die sich als prak­ti­ka­bel erwie­sen haben: 

Wenn man von der Aktie wei­ter über­zeugt ist, soll­te man sie im Depot behal­ten. Wenn man sich eines Bes­se­ren beleh­ren las­sen muss­te, soll­te man die Reiß­lei­ne zie­hen — trotz der Ver­lus­te.   

Vor­ur­teil Zwei: Zu wenig Geld. Klar — nicht jede:r von uns hat die Mög­lich­keit, auf einen Schlag viel zu inves­tie­ren. Außer­dem müss­te man dann auch wis­sen, in wel­ches Wert­pa­pier man die­sen Bat­zen anle­gen soll­te. Das wis­sen vie­le am Anfang (noch) nicht. Mit etwas Übung und etwas Wis­sen kannst du Bör­se ganz ein­fach selbst. Und dazu braucht man kein gro­ßes Kapi­tal. Auch mit regel­mä­ßi­gen klei­nen Beträ­gen funk­tio­niert Bör­se. Sinn machen Spar­plä­ne meist ab 25 Euro. 

Damit man das Risi­ko streu­en kann, soll­te man nicht auf eine ein­zel­ne Aktie set­zen, son­dern in einen gro­ßen Akti­en­in­dex inves­tie­ren, wie den US-Index S&P 500. Über die letz­ten 30 Jah­re hat er 10,7 Pro­zent Ren­di­te durch­schnitt­lich pro Jahr erzielt. Real und infla­ti­ons­be­rei­nigt und nach Kos­ten sind das sie­ben Pro­zent. 

Ein Bei­spiel: Du inves­tierst also jeden Monat 25 Euro zu sie­ben Pro­zent über 25 Jah­re. Du ent­nimmst nichts, son­dern legst die jähr­li­chen Zin­sen immer wie­der mit an. The­sau­rie­rend heißt das an der Bör­se. So nutzt zu zusätz­lich den Zin­ses­zins­ef­fekt. Das Ergeb­nis: 

Ein­zah­lun­gen: 7.500 Euro
Zin­sen gesamt: 12.870 Euro
Kapi­tal­ertrags­steu­er: ‑3.725 Euro
Zin­sen nach Steu­ern: 9.145 Euro
End­ka­pi­tal: 16.645 Euro
(Quel­le: finanzfluss.de) 

Du erzielst also lang­fris­tig mit nur 25 Euro im Monat ein klei­nes Ver­mö­gen. 

Nun wirst du ja aber womög­lich nicht „nur“ in Index-Lösun­gen inves­tie­ren. Und da sind wir schon beim drit­ten Vor­ur­teil: Wis­sen. Von dem du wahr­schein­lich weni­ger brauchst als du glaubst. Denn: Wenn du dich regel­mä­ßig mit dem The­ma Bör­se beschäf­tigst, und sei es nur eine hal­be Stun­de pro Woche, die Wirt­schafts­news ver­folgst und die Kur­se dei­ner eige­nen Akti­en, dann baust du nach und nach Wis­sen auf. Und dann kannst du nach kur­zer Zeit auch in Ein­zel­ak­ti­en inves­tie­ren. Wenn du wirk­lich dran bleibst und kon­ti­nu­ier­lich Wis­sen auf­baust, dann kannst du mit einer guten Stra­te­gie, die zu dir passt und dei­ne Chan­cen und Risi­ken berück­sich­tigt, bald zehn bis zwölf Pro­zent Ren­di­te erzie­len – real, nach Infla­ti­on. Neh­men wir an, du inves­tierst die 25 Euro und erreichst zwölf Pro­zent Ren­di­te. Das braucht etwas Übung. Aber dann sieht die finan­zi­el­le Zukunft schon ganz anders aus:  

Ein­zah­lun­gen: 7.500 Euro
Zin­sen gesamt: 39.941 Euro
Kapi­tal­ertrags­steu­er: ‑7.374 Euro
Zin­sen nach Steu­ern: 32.567 Euro
End­ka­pi­tal: 40.067 Euro
(Quel­le: finanzfluss.de) 

Tipp: Ren­di­te muss nach Infla­ti­on und Kos­ten berech­net wer­den. Alles ande­re ist Augen­wi­sche­rei. 

Zunächst die Basics. Frag dich, wofür du sparst bzw. inves­tierst: Für spä­ter, also lang­fris­tig? Für eine gro­ße Rei­se, also eher mit­tel­fris­tig? Akti­en­in­vest­ments loh­nen sich lang­fris­tig am ehes­ten. Es gibt ein­fach Mög­lich­kei­ten, ohne viel Wis­sen, ohne viel Zeit­auf­wand und auch ohne viel Start­ka­pi­tal.  

Aber wie investieren?

Ers­te Mög­lich­keit – ETFs (bör­sen­no­tier­ter Index­fonds): Das Risi­ko wird auf meh­re­re Titel in einem Pro­dukt ver­teilt, die Kos­ten sind gering und man erzielt lang­fris­tig ganz ordent­li­che Ren­di­ten. Haken: Ein ETF ist nur so gut wie sein Index, den er abbil­det. Aber die Ren­di­te ist nicht von der Hand zu wei­sen. Da kannst du zum Bei­spiel über einen DAX-ETF nach­den­ken, den S&P 500 oder den MSCI World oder MSCI All Coun­tries.  

Mög­lich­keit 2 — Aktiv gema­nag­te Fonds: Hier sor­gen Fondsmanager:innen für die Zusam­men­set­zung des Fonds. Sie grei­fen ein, wenn die Zusam­men­set­zung ihren Vor­stel­lun­gen von Ren­di­te und Risi­ko nicht mehr ent­spricht. Fondsmanager:innen haben so die Mög­lich­keit, bes­ser zu sein als der Markt. Und zugleich das Risi­ko, weni­ger gut als der Markt zu sein. Aller­dings ist es bei Fonds kom­pli­zier­ter, das rich­ti­ge Pro­dukt zu fin­den: Wie inves­tiert der Fonds? Wel­che Ren­di­te erwar­tet das Fonds­ma­nage­ment, zu wel­chen Risi­ken? Was kos­tet das Pro­dukt, als Aus­ga­be­auf­schlag und lau­fen­den Gebüh­ren? 

Grund­sätz­lich gilt: Akti­en­fonds oder –ETFs sind vor allem lang­fris­tig eine gute Wahl. Und sie müs­sen zur eige­nen Stra­te­gie pas­sen. 

Mög­lich­keit 3 — Ein Mix aus Akti­en, Anlei­hen, ETFs, Fonds. Das setzt eine kla­re Stra­te­gie, ein kla­res Chan­ce-Risi­ko­pro­fil und etwas Wis­sen vor­aus. Eine ein­fa­che Stra­te­gie nennt sich „Core Satel­li­te“: Ein Kern-Invest­ment wird um meh­re­re klei­nen Satel­li­ten ergänzt. Der Kern kann ein Fonds, ein ETF sein – eine Anla­ge­mög­lich­keit, die lang­fris­tig soli­de zu wach­sen ver­spricht. Die Satel­li­ten kön­nen aus Akti­en, Roh­stof­fen, Anlei­hen bestehen. Eine sol­che Stra­te­gie lässt sich auch kom­plett mit einer Anla­ge­form abbil­den, zum Bei­spiel mit ETFs.  

Wenn du noch wenig Bör­sen-Erfah­rung hast, aber trotz­dem inves­tie­ren willst und kannst, sind Spar­plä­ne auf ETFs oder Fonds eine gute Wahl. Mehr braucht es nicht – der Fak­tor Zeit spielt dir in die Hän­de. 

Mit einem Sparplan automatisch und regelmäßig vorsorgen

Ein­mal ein­ge­rich­tet wird ein monat­li­cher Betrag von dei­nem Kon­to abge­bucht und ange­legt. Das Gros an ETFs und Fonds, die in Deutsch­land für Privatanleger:innen zuge­las­sen sind, ist spar­pl­an­fä­hig. Aber natür­lich auch Ein­zel­ak­ti­en.  

Grund­sätz­lich ist wich­tig, dass du lang­fris­tig durch­hältst und regel­mä­ßig ein­zahlst. Wir wer­den im Lau­fe die­ser Finanz­rei­he noch sehen, wie viel Geld in unse­ren unter­schied­li­chen Lebens­pha­sen bleibt, was wir brau­chen und wie viel wir aus schon klei­nen Beträ­gen machen kön­nen.   

Investieren – so geht es:

  • Setz dir Zie­le, wofür du inves­tie­ren willst! 
  • Hal­te sie durch – lang­fris­tig. Unbe­irrt. 
  • Mach dir klar, wel­che Chan­cen / Ren­di­ten du erwar­test. Und wel­che Risi­ken du dafür ein­ge­hen kannst. 
  • Inves­tie­re mit einer kla­ren Stra­te­gie. Pass sie an neue Lebens­um­stän­de und neue Markt­pha­sen ggf. an. 
  • Inves­tie­re nur das Geld, das du auf län­ge­re Sicht nicht brauchst.  
  • Leg vor­her einen Not­gro­schen an. Wie viel, ent­schei­dest du. 
  • Leih dir kein Geld, um zu inves­tie­ren – das ist gefähr­lich. 
  • Du musst – gera­de am Anfang — nicht in Ein­zel­ak­ti­en inves­tie­ren, wenn du nicht willst oder kannst. Fonds und ETFs mit brei­ter Streu­ung sind ein guter Ein­stieg. 
  • Inves­tie­re immer breit gestreut. 
  • Nut­ze den Zin­ses­zins­ef­fekt! Klein­vieh macht auch Mist. Viel Mist. 
  • Mit Spar­plä­nen, ein­mal ein­ge­rich­tet, lässt es sich auto­ma­tisch inves­tie­ren. 
  • Beloh­ne dich auch mal, wenn du die ers­ten Zie­le erreicht hast! 

Doch damit nicht genug…

Die Aus­bil­dung ist zu Ende, das Stu­di­um vor­bei? Wenn du nun Geld ver­dienst, lohnt sich ein neu­er Kas­sen­sturz: Wie viel ver­dienst du, was brauchst du monat­lich? Die Fra­gen, die du dir am Anfang gestellt hast, ste­hen jetzt wie­der an. Aller­dings fal­len die Ant­wor­ten meis­tens opti­mis­ti­scher aus: Der Arbeit­ge­ber zahlt womög­lich über die betrieb­li­che Alters­vor­sor­ge in eine Zusatz­ren­te für dich. Ent­we­der zahlt der Chef oder die Che­fin allein ein oder du betei­ligst dich eben­falls über eine Ent­gelt­um­wand­lung. Auch Bau­spa­ren ist nicht so ange­staubt wie man gemein­hin denkt. Das Prin­zip hier ist: Erst spa­ren, dann bau­en. Du kannst dir die heu­te noch nied­ri­gen Zin­sen für spä­ter sichern dann mit dem Gespar­ten eine Immo­bi­lie anzah­len oder eine Woh­nung, ein Haus moder­ni­sie­ren. 

Mit mehr Ein­kom­men sind jetzt auch grö­ße­re Sprün­ge an der Bör­se mög­lich. Und die soll­test du wagen: Wenn du bereits die ers­ten Erfah­run­gen gemacht hast oder gera­de machst, geh einen Schritt wei­ter. Von ETFs oder Fonds zur ers­ten Aktie ist es ein muti­ger, aber lang­fris­tig tol­ler Schritt: Wenn du dir unsi­cher bist, pro­bier zunächst ein Mus­ter­de­pot aus: Ana­ly­sie­re die Akti­en, die du für inves­tie­rens­wert hältst und unter­zieh sie im Mus­ter­de­pot dei­nem per­sön­li­chen Stress­test.   

Ver­si­che­rungs­sei­tig ist nach wie vor eine pri­va­te Haft­pflicht das Wich­tigs­te. Dazu kommt eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung. Wer sie jung und gesund abschließt, zahlt hier über­schau­ba­re Sum­men. Spä­ter mit ers­ten Lei­den und Gebre­chen wird es dann (zu) teu­er.  

Fazit: In Aus­bil­dung und Stu­di­um lohnt sich das Inves­tie­ren schon – auch mit klei­nen Beträ­gen. Weil die Zeit für dich arbei­tet. Und wenn du den Abschluss in der Tasche hast und (mehr) Geld ver­dienst, lohnt es sich, das Invest­ment auf­zu­sto­cken. 

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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