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Das Shiller-KGV: Einen Crash vorhersagen

2022-06-08T13:22:16+02:006. Juni 2022|

Auf der Suche nach Akti­en hel­fen bestimm­te Kenn­zah­len, um mög­lichst die Akti­en aus­zu­wäh­len, die unter­be­wer­tet sind. Im Ein­kauf liegt ja bekannt­lich der Gewinn. Ist es so ein­fach? Und kön­nen Kenn­zah­len einen Crash vor­her­sa­gen, wie oft behaup­tet wird? 

Von Ant­je Erhard

Robert Shil­ler ist einer der bekann­tes­ten Öko­no­men der Welt. Er hat vor der Dot­com-Bla­se gewarnt, die ein Jahr spä­ter tat­säch­lich geplatzt ist. Und er wies auch auf die Finanz­kri­se hin, als sie noch gar nicht da war. Für sei­ne Arbeit wur­de er mit dem Wirt­schafts­no­bel­preis aus­ge­zeich­net. 

Der Pro­fes­sor der Yale Uni­ver­si­tät hat eine eige­ne Kenn­zahl ent­wi­ckelt, um güns­ti­ge Akti­en oder gar gan­ze Akti­en­märk­te zu iden­ti­fi­zie­ren: Das so genann­te Shil­ler KGV. KGV steht für Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis. 

Wir haben kürz­lich die wich­tigs­ten Kenn­zah­len zur Akti­en­aus­wahl für dich zusam­men­ge­fasst. Hier kommst du zu Teil 1 und Teil 2. 

Heu­te legen wir mit dem Shil­ler KGV ein wenig nach: Das nor­ma­le Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis KGV war die Basis für Shil­lers Über­le­gun­gen: Es gibt an, wie güns­tig oder teu­er eine Aktie ist. Dem­nach ist eine Aktie umso güns­ti­ger, je nied­ri­ger ihr KGV ist. Unter zwölf gel­ten Akti­en als güns­tig, über 20 als teu­er. Das KGV gilt als gän­gi­ge Kenn­zahl, sie reicht aber als allei­ni­ge Ent­schei­dungs­grund­la­ge pro oder con­tra eines Invest­ments nicht aus. Die Fra­ge ist ohne­hin, war­um eine Aktie teu­er oder güns­tig ist. Es kann sein, dass eine Aktie wirk­lich güns­tig bewer­tet ist, weil das Unter­neh­men soli­de wirt­schaf­tet, aber trotz­dem wird es an der Bör­se abge­straft. Da kön­nen nur wei­te­re Kenn­zah­len wei­ter­hel­fen. Wie die Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te. Außer­dem greift das KGV kurz, weil es eine Aktie ledig­lich über ein Jahr betrach­tet. Läuft es gera­de gut für ein Unter­neh­men, kann die Aktie güns­tig aus­se­hen. Ist die Geschäfts­ent­wick­lung wenig spä­ter schlech­ter, sieht sie teu­er aus. 

Shiller-KGV – Vergleich über zehn Jahre und inflationsbereinigt

Robert Shil­ler will mit dem Shil­ler-KGV, das auch als Cycli­cal­ly Adjus­ted Pri­ce-to-Ear­nings Ratio (CAPE) bezeich­net wird, die­sen Wert glät­ten. Sei­ne Kenn­zahl umfasst des­halb den Durch­schnitt der Unter­neh­mens­ge­win­ne der zurück­lie­gen­den zehn Jah­re. Der wird noch um die Infla­ti­on berei­nigt. Shil­ler divi­diert also nicht den aktu­el­len Gewinn durch das aktu­el­le Kurs­ni­veau. Mit dem Shil­ler KGV wird die Geschäfts­ent­wick­lung bzw. der Gewinn sozu­sa­gen geglät­tet wie­der­ge­ge­ben: Aus­rei­ßer-Jah­re fal­len weni­ger stark auf. Des­halb wird das Shil­ler-KGV auch 10-Jah­res-KGV genannt. 

Investor:innen zie­hen mit dem Shil­ler-KGV Rück­schlüs­se auf die künf­ti­ge Markt­ent­wick­lung. Liegt das Shil­ler-KGV unter­halb eines lang­fris­ti­gen Durch­schnitts, ist der Markt oder die Aktie unter­be­wer­tet. Für Value Investor:innen ist es eine pro­ba­te Kenn­zahl, um Unter­be­wer­tun­gen zu iden­ti­fi­zie­ren. Aller­dings ist hier­für ein Ver­gleich mit ande­ren Unter­neh­men, Märk­ten, Bran­chen sinn­voll.  

Kommt der Crash? S&P 500 aktuell über 30 – wie so oft

Schau­en wir auf die Märk­te aktu­ell: Das Shil­ler-KGV des S&P 500 steht der­zeit (31. Mai 2022) bei 32,51 und damit auf dem Stand von Ende Novem­ber 2020. Ein Wert über 30 mahnt zur Vor­sicht. Aber die­sen Wert haben die Märk­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr­fach erreicht oder über­trof­fen – ohne Crash. Zur Dot­com-Bla­se lag das Shil­ler-KGV aller­dings rekord­hoch bei 44. Und der Crash kam. 

In den ver­gan­ge­nen drei Jahr­zehn­ten waren die Ren­di­ten am US-Akti­en­markt im S&P 500 aller­dings über­durch­schnitt­lich, wäh­rend das Shil­ler-KGV eine immer höhe­re Über­be­wer­tung anzeig­te. Und dann immer hät­te cras­hen sol­len? 

Also, auch das Shil­ler-KGV ist nicht per­fekt: Zum einen rich­tet es sich an der Ver­gan­gen­heit aus: Die Ver­gan­gen­heit ist aber kein Garant für eine künf­ti­ge Ent­wick­lung, zumal sie auf ver­gan­ge­nen Gewin­nen beruht, die mit aktu­el­len Kur­sen abge­gli­chen wer­den. Dar­über hin­aus kann man das Umfeld nicht an einer ein­zel­nen Kenn­zahl able­sen: Das Shil­ler-KGV berück­sich­tigt zwar his­to­ri­sche Daten wie die Infla­ti­on, aber nicht das Zins­um­feld: Nied­ri­ge Zin­sen kön­nen aber zu einem höhe­ren KGV füh­ren.  

ECY als Ergänzung

Robert Shil­ler hat das selbst erkannt und eine neue Kenn­zahl erstellt: Das Excess Cap Yield, ECY. Hier wird der Gewinn durch den Kurs geteilt. Davon wird ein risi­ko­lo­ser Zins abge­zo­gen. Das ist ein Zins­satz, der für Investor:innen ver­gleichs­wei­se wenig Risi­ko dar­stellt. Je höher das ECY, des­to attrak­ti­ver sind dem­nach Akti­en gegen­über Staats­an­lei­hen, die als siche­rer gel­ten. 

Fazit: Alle Bewer­tungs­kenn­zah­len haben Stär­ken und Schwä­chen. Als allei­ni­ges Kri­te­ri­um rei­chen sie nicht aus. Aber ein Blick dar­auf zeigt, ob die Gefahr dro­hen könn­te, dass die Märk­te deut­lich nach­ge­ben. Einen Crash vor­her­zu­sa­gen, ist schwer. Eine Kenn­zahl schafft das allein kaum. 

Cou­ra­ge-Tipp: Auch die bes­ten Kenn­zah­len nüt­zen nichts, wenn du wahl­los inves­tierst: Basis dei­ner Ent­schei­dun­gen ist dei­ne Stra­te­gie. Und: eine Kenn­zahl allei­ne macht noch kei­ne Ent­schei­dung. 

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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