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Das Kanzler:in-Amt traden? So wirkt die Wahl auf die Börse

2021-09-27T09:52:23+02:0010. September 2021|

Wer mit wem? Das Ren­nen um das Kanzler:in-Amt ist kurz vor dem Wahl­ter­min so offen wie sel­ten. Doch wel­cher Wahl­aus­gang ist am bes­ten für die Wirt­schaft?  Und damit für die Bör­se? Haben Wah­len über­haupt Ein­fluss auf die Bör­se? Poli­ti­sche Bör­sen haben ja kur­ze Bei­ne, heißt es.

Von Ant­je Erhard

„It’s die eco­no­my, stu­pid“, sag­te Bill Clin­ton. Und gewann damit 1992 die US-Prä­si­dent­schafts­wahl. Denn gewählt wird, wer die Wirt­schaft ankur­belt bzw. am Lau­fen hält. Wer für Arbeit und Wohl­stand sorgt. Nicht wegen, son­dern trotz der Poli­tik lau­fen die Bör­sen, heißt es bei den Bör­sia­nern. Regie­run­gen kom­men und gehen, soli­de Unter­neh­men wol­len aber lang­fris­tig wach­sen. Und Anleger:innen wol­len eine Ren­di­te auf ihr ein­ge­setz­tes Kapi­tal. Auch wenn in Deutsch­land die pri­va­te Geld­an­la­ge in Akti­en noch in den Teen­ager-Schu­hen steckt, so wird das The­ma immer wichtiger.

Negativer Tiefpunkt: Handelskonflikt als Kurskiller

It’s die eco­no­my, stu­pid — Das heißt auch: poli­ti­sche Bör­sen haben kur­ze Bei­ne. Gemeint ist, poli­ti­sche Ereig­nis­se beein­flus­sen die Kapi­tal­märk­te nur kurz­zei­tig. Doch Poli­tik hat lang­fris­tig Ein­fluss auf die Bör­se: Die Wirt­schafts- und Steu­er­po­li­tik, Regu­lie­rung, aber auch die Sicher­heit und Ver­läss­lich­keit einer Volks­wirt­schaft sind essen­ti­ell für Unter­neh­men. Und damit für deren Akti­en­kurs und für unser Port­fo­lio. Ein nega­ti­ves Bei­spiel, wel­chen Ein­fluss die Poli­tik haben kann, ist der Han­dels­kon­flikt Chi­na-USA, der seit 2018 schwelt und immer noch unge­löst ist. Mit immer neu­en Zöl­len hin­ter­ließ der Han­des­kon­flikt immer wie­der Spu­ren auch an den Bör­sen. Bei Akti­en, bei Wäh­run­gen, am Anlei­hen­markt, bei Roh­stof­fen. Die Kur­se erhol­ten sich jedoch auch schnell wieder.

Trotz­dem lie­fen — gera­de in den letz­ten Jah­ren — die Bör­sen außer­or­dent­lich: Ins­be­son­de­re weil die Noten­ban­ken ein­spran­gen, als die Poli­tik not­wen­di­ge Refor­men nicht auf den Weg brach­te. Das bil­li­ge Geld hat zwar die Kon­junk­tur gestützt hat, es ist aber in über­gro­ßen Men­gen in Akti­en und Immo­bi­li­en geflos­sen, die damit gestie­gen und gestie­gen sind.

Wahl: Ausgang offen – Börse hasst Unsicherheit

Die Noten­ban­ken — weit­ge­hend kein The­ma im Bun­des­tags­wahl­kampf. Des­sen Aus­gang offen, um nicht zu sagen total unklar ist. Kei­ne der Par­tei­en wür­de mit nur einem ein­zi­gen Koali­ti­ons­part­ner regie­ren kön­nen, es zeich­net sich ein Drei­er-Bünd­nis ab. Bis dato lässt das die Akti­en­märk­te kalt. „Die Bör­se selbst, natio­nal, wie inter­na­tio­nal hat von den Bun­des­tags­wah­len bis­her kaum Kennt­nis genom­men“, so Hans-Jörg Nau­mer, Glo­bal Head of Capi­tal Mar­kets & The­ma­tic Rese­arch bei Alli­anz Glo­bal Inves­tors. „Auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne ist auch kaum zu erwar­ten, dass es zu Aus­wir­kun­gen kommt. Dies wäre nur der Fall, wenn es zu einem Bünd­nis käme, dass z.B. die geo­stra­te­gi­sche Lage Deutsch­lands ver­än­dert, was ein klar nega­ti­ves Signal wäre. Auch eine lan­ge Pha­se der Koali­ti­ons­bil­dung mit einer mög­li­chen Ver­schie­bung der geo­stra­te­gi­schen Ein­bet­tung Deutsch­lands soll­te nega­ti­ve Fol­gen zumin­dest für den deut­schen Markt haben. Die Bör­se hasst Unsicherheit.“

Marktexperte: Vorsicht um den Wahltermin herum

André Stag­ge, lang­jäh­ri­ger Fonds­ma­na­ger und heu­te Dozent an der Inter­na­tio­nal School of Manage­ment (ISM) in Frank­furt, sowie Coach für Tra­der und Bör­sen­neu­lin­ge, warnt vor dem Unsi­cher­heits­fak­tor: „Gene­rell herrscht vor einer Wahl Unsi­cher­heit und Inves­to­ren hal­ten sich zurück. Poli­ti­sche Ände­run­gen bedeu­ten immer Unklar­heit und das mag die Bör­se nicht. Auch direkt nach einer Wahl gilt zumin­dest für eine wei­te Woche gro­ße Vor­sicht an der Bör­se und die Kur­se fal­len zumeist in den Tagen direkt nach einer Wahl. Wenn mög­li­che Koali­tio­nen son­diert wor­den sind, geht es dann wie­der nach oben und die Unsi­cher­heit wird ausgepreist.“

Technische Analyse: DAX um Wahl zwei Prozent tiefer

Chart­tech­nisch lässt sich die Sau­re-Gur­ken-Zeit rund um die Wahl eben­falls bele­gen. Jörg Sche­rer, Lei­ter der Tech­ni­schen Ana­ly­se der HSBC Deutsch­land, betrach­tet die 20 Han­dels­ta­ge vor und nach der Wahl für den DAX: „Schnell wird ersicht­lich, dass das Akti­en­ba­ro­me­ter bis zum Wahl­ter­min im Schnitt rund zwei Pro­zent an Wert ver­liert.“ Die­se Ten­denz beschleu­ni­ge sich nach dem Urnen­gang: „Den Boden erreicht der DAX im his­to­ri­schen Mit­tel knapp eine Woche nach der Bun­des­tags­wahl, ehe eine Erho­lungs­ral­ly beginnt.“

André Stag­ge hat die Vor­wahl­zeit an den Bör­sen bis 1961 zurück­ver­folgt und dar­aus eine Stra­te­gie abge­lei­tet. Die Grund­idee: Die Unsi­cher­heit, wer in wel­cher Kon­stel­la­ti­on künf­tig regiert und was das für die Wirt­schaft bedeu­tet. Die Ergeb­nis­se: 35 Tage vor der Bun­des­tags­wahl und auch fünf Tage direkt nach der Wahl sind die Kur­se seit 1961 durch­schnitt­lich um 2,5 Pro­zent gefal­len, errech­ne­te er. In 16 ana­ly­sier­ten Wahl­jah­ren ist die Bör­se aber ab der Nach­wahl­wo­che 40 Han­dels­ta­ge lang um durch­schnitt­lich über fünf Pro­zent gestiegen.

In der Rück­rech­nung bis 1961 brach­te die so genann­te Wahl­ge­schenk-Stra­te­gie an den unter­such­ten 80 Han­dels­ta­gen im Schnitt einen Ertrag von 7,49 Pro­zent mit einer Tref­fer­quo­te von gut 62 Pro­zent. André Stag­ge setzt die Stra­te­gie kon­kret mit einem Short­DAX-ETF bis zum 1. Okto­ber und ab 4. Okto­ber mit einem DAX-ETF mit dem Gedan­ken an eine mög­li­che Jah­res­end-Ral­ly um.

Ob Wahl oder nicht: Bestimmte Trends bleiben

Doch eins ist klar: Es gibt Trends, die sich nicht auf­hal­ten las­sen, weil sie in der Gesell­schaft ange­kom­men sind. Ob Wahl ist oder nicht. Bei­spiel: Kli­ma­schutz. Kei­ne poli­ti­sche Par­tei kommt umhin, hier signi­fi­kant etwas zu tun. Und so haben sich vie­le Par­tei­en im Wahl­kampf zum eins­ti­gen The­ma der Grü­nen posi­tio­niert. Blei­ben wir bei die­sem Bei­spiel und schau­en: Wer kann hier was in Deutsch­land, wie grün wird das Kanzler:inamt demnächst?

Einig sind die meis­ten Par­tei­en, dass der Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gien aus­ge­baut wer­den muss. Das The­ma Umwelt beset­zen denn auch nahe­zu alle gro­ßen Par­tei­en. Doch mit unter­schied­li­cher Aus­ge­stal­tung und unter­schied­li­chen Zeit­ho­ri­zon­ten. So sind Grü­ne und die Lin­ke am ehr­gei­zigs­ten, Kli­ma­neu­tra­li­tät zu errei­chen (2030). CDU/CSU und SPD wol­len an dem beschlos­se­nen Neu­tra­li­täts­ziel 2045 fest­hal­ten, die FDP plant Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2050. Vie­le gro­ße Par­tei­en wol­len den Emis­si­ons­han­del for­cie­ren und die Was­ser­stoff-Tech­no­lo­gie för­dern. Kli­ma­schutz heißt bei eini­gen Par­tei­en auch, Kurz­stre­cken­flü­ge abzu­schaf­fen, Schie­nen­netz und Bahn­hö­fe aus­zu­bau­en, Elek­tro-Mobi­li­tät zu fördern.

Expert:innen: Plänen müssen bezahlbar sein. Und machbar

Hans-Jörg Nau­mer sieht aber auch Chan­cen für den Stand­ort Deutsch­land: „Da ‚Kli­ma bei allen Par­tei­en ganz vor­ne in der Agen­da steht, stellt sich die Fra­ge der Umset­zung. Mit einem Welt­markt­an­teil von 14% an Umwelt­tech­no­lo­gien haben deut­sche Fir­men eine gro­ße Chan­ce davon zu pro­fi­tie­ren. Kli­ma­neu­tra­li­tät ist ein Export­schla­ger. Dafür müs­sen aller­dings die inves­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen stim­men. Passt die Umwelt- und Steu­er­po­li­tik ins­ge­samt so, dass der Stand­ort gestärkt wird?“

Auch André Stag­ge sagt: „Wahl­ef­fek­te kom­men immer stark auf die Bran­che und auf die Koali­ti­on an. Vie­les wird von der Bör­se schnell ein­ge­preist und nach mei­nen sta­tis­ti­schen Aus­wer­tun­gen hal­ten die posi­ti­ven Effek­te zumeist nur um die zwei Mona­te und wur­den dann vom Markt ver­ar­bei­tet und das nächs­te The­ma wird gespielt.“

Lang­fris­tig ist Kli­ma­schutz – unab­hän­gig von der Wahl und von den Par­tei­pro­gram­men in Deutsch­land – ohne­hin ein glo­ba­les The­ma. Hier­von pro­fi­tie­ren aber womög­lich nicht nur Betrei­ber von Solar- und Wind­kraft­an­la­gen, son­dern auch Auto­mo­bil­her­stel­ler, wenn sie die Trend­wen­de vom Ver­bren­ner zum Elek­tro­mo­tor bewältigen.

Fast zwei Drit­tel der deut­schen Verbraucher:innen wür­den denn auch gern nach­hal­tig inves­tie­ren, ergab eine For­sa-Umfra­ge unter 20–59-Jährigen in Deutsch­land. Doch mehr als die Hälf­te, 53 Pro­zent, weiß nicht, wie. Das Ange­bot sei zu groß und zu kompliziert.

„Gera­de beim The­ma Nach­hal­tig­keit sind Ana­ly­se und Ste­wardship wich­tig“, sagt Hans-Jörg Nau­mer. Ste­wardship bedeu­tet, dass Anleger:innen, auch pri­va­te, immer mehr aktiv mit­ent­schei­den wol­len und zum Bei­spiel auf Haupt­ver­samm­lun­gen Anträ­ge ein­brin­gen oder auch Zustim­mun­gen verweigern.

Cour­ge-Tipp: Es muss kei­ne Ein­zel­ak­tie sein. Hier ist die Recher­che, bis frau die pas­sen­den Titel gefun­den hat, in der Tat auf­wän­dig und setzt ein paar Bör­sen­kennt­nis­se vor­aus. Alter­na­ti­ve: Aktiv gema­nag­te Fonds oder ETFs. Sie sind am Zusatz ESG oder SRI zu erken­nen. ESG steht für Envi­ron­ment, Social und Gover­nan­ce, also für Umwelt­freund­lich­keit, sozia­le Ver­ant­wor­tung und ethi­sche Unter­neh­mens­füh­rung. SRI – Social­ly Respon­si­ble Invest­ments – steht für Kapi­tal­an­la­gen, die sozi­al ver­ant­wor­tungs­voll sind.

ESG mit Fonds oder ETFs umsetzen – Ratingagenturen bewerten Nachhaltigkeit

Noch fehlt es an kla­ren Rege­lun­gen: Es gibt weder in Deutsch­land, noch in der EU oder gar glo­bal Vor­ga­ben, was genau nach­hal­tig und ESG ist bzw. sein darf.  Oft ist nach­hal­tig nur ein Anstrich, ein Mar­ke­ting­in­stru­ment – so genann­tes Green­wa­shing. Seit dem 10. März 2021 müs­sen Finanz­in­sti­tu­te immer­hin laut einer EU-Ver­ord­nung offen­le­gen, wie nach­hal­tig ihre Finanz­pro­duk­te sind.

Die meis­ten Unter­neh­men arbei­ten mit Aus­schluss­kri­te­ri­en: Waf­fen oder Kin­der­ar­beit sind tabu. Alter­na­ti­ve ist der Best in Class-Ansatz: Hier kom­men Unter­neh­men in den Fonds, die im Bran­chen­ver­gleich am nach­hal­tigs­ten sind.  Rating-Agen­tu­ren wie MSCI ESG, ISS oder Morningstar bewer­ten nach eige­nen Kri­te­ri­en Fonds auf Nachhaltigkeit.

Zu den größ­ten Anbie­tern nach­hal­ti­ger Fonds in Deutsch­land gehö­ren Amun­di, BNP Pari­bas Asset Manage­ment, Alli­anz Glo­bal Inves­tors, Black­Rock und Axa. Die größ­ten in Deutsch­land zuge­las­se­nen ESG-Fonds sind der Nor­dea 1 — Glo­bal Cli­ma­te and Envi­ron­ment BP (ISIN: LU0348926287) der Miro­va Glo­bal Sus­tainab­le Equi­ty Fund R/A EUR (LU0914730113) und der Pic­tet – Glo­bal Envi­ron­men­tal Opportunities‑P EUR (LU0503631714). Sie per­form­ten in einem Jahr mit 43,3; 32,7 und 37,9 Prozent.

Die Vor­tei­le von Fonds und ETFs sind, dass das ein­ge­setz­te Kapi­tal auf vie­le ver­schie­de­ne Unter­neh­men ver­teilt wird und kein Klum­pen­ri­si­ko besteht. Wie bei einer ein­zi­gen Inves­ti­ti­on zum Bei­spiel in einen Wind­park oder eine Solar­an­la­ge. Dar­über hin­aus erfül­len ESG-Fonds und –ETFs auch Kri­te­ri­en für sozia­les Enga­ge­ment und Unter­neh­mens­füh­rung. Ein Risi­ko bei aktiv gema­nag­ten Fonds ist, ob das Fonds­ma­nage­ment die rich­ti­ge Fonds­aus­wahl trifft. Die ist bei Index-Fonds hin­ge­gen sozu­sa­gen vor­ge­ge­ben. So unter­schei­den sich vie­le ESG-Fonds in ihrer Zusam­men­set­zung kaum von den herkömmlichen.

Weiteres Risiko: Greenwashing

Ein wei­te­res Risi­ko ist das so genann­te Green­wa­shing, also qua­si der Eti­ket­ten­schwin­del als Gefahr, dass Anbie­ter ESG-Kri­te­ri­en nicht im gefor­der­ten Umfang erfüllen.

Dar­über hin­aus sind ETFs meist kos­ten­güns­ti­ger, und das ist gera­de über eine lan­ge Lauf­zeit ein Ernst zu neh­men­der Fak­tor, zumal die Wert­ent­wick­lung bei bei­den Pro­dukt­ar­ten häu­fig eben­bür­tig ist.

Bei bei­den Pro­dukt­ar­ten gibt es aber unter­schied­lich nach­hal­ti­ge Lösun­gen. Anhalts­punkt  kann der MSCI World SRI. Hier wer­den aus dem MSCI World die­je­ni­gen Unter­neh­men zusam­men­ge­fasst, die das höchs­te ESG-Rating haben. Es sind rund 400 welt­weit aus 23 Län­dern. Er hat 2021 (Stand: MSCI, 31.08.21) eine Per­for­mance von 19,19 Pro­zent erzielt, der MSCI World 18,29 Pro­zent. Nahe­zu alle gro­ßen Anbie­ter haben ETFs auf den MSCI World SRI aufgelegt.

Ähn­lich inves­tiert der Dow Jones Sus­taina­bi­li­ty World Enlar­ged Index. Er basiert auf den nach­hal­tig bes­ten 20 Pro­zent der 2500 Unter­neh­men des S&P Glo­bal Broad Mar­ket Index. Er per­formt seit Jah­res­be­ginn mit 14,89 Pro­zent., der S&P Glo­bal BMI mit 14,13 Pro­zent. Auch hier gibt es eine brei­tes Ange­bot an ETFs.

Dar­über hin­aus gibt es Bran­chen- bzw. The­men-ETFs, die sich auf Berei­che wie Was­ser fokus­sie­ren. Sie erfül­len eben­falls die Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en, durch das Invest­ment in einen ein­zi­gen Bereich ist hier das Risi­ko aber größer.

Expert:innen: Rahmenbedingungen für Unternehmen und Investoren müssen stimmen

Ande­ren Trends wie Digi­ta­li­sie­rung, Medi­zin­tech­nik, Gesund­heit wird eben­falls erheb­li­ches Poten­zi­al zuge­schrie­ben – ob Wahl ist oder nicht. Wich­tig sind, so sagen die Exper­ten, die Rah­men­be­din­gun­gen. Für Unter­neh­men. Aber auch und gera­de für Anleger:innen:

André Stag­ge: „His­to­risch waren die CDU/CSU und die FDP eher unter­neh­mer­freund­lich und in deren Wahl­pro­gramm fin­det sich z.B. eine Reduk­ti­on der Unter­neh­men­steu­er auf 25 Pro­zent. Davon wür­den alle Bran­chen pro­fi­tie­ren. Die AfD ist auch wirt­schafts­na­he, for­dert aber unter ande­rem eine Digi­tal­steu­er, die Tech-Unter­neh­men belas­ten wür­den. Die eher lin­ken Par­tei­en ste­hen alle für einen stei­gen­den Min­dest­lohn und damit höhe­re Lohn­kos­ten für Unter­neh­men. Arbeits­in­ten­si­ve Bran­chen wären benachteiligt.“

Hans-Jörg Nau­mer warnt vor den Aus­wir­kun­gen von steu­er­li­chen Ver­än­de­run­gen für uns Anleger:innen: „Was auf der per­sön­li­chen Anle­ge­r­ebe­ne nicht unter­schätzt wer­den soll­te ist, dass die Nach­steuer­ren­di­te über kurz­fris­ti­ge Kurs­schwan­kun­gen domi­nie­ren soll­te. Eine Abkehr von der Abgel­tungs­steu­er und eine Ver­steue­rung der Kapi­tal­ein­künf­te zum per­sön­li­chen Steu­er­satz, mög­li­cher­wei­se bei einem Ent­fal­len des Ehe­gat­ten­split­tings – ohne dass im Gegen­zug das Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren und eine Spe­ku­la­ti­ons­frist auf Kurs­ge­win­ne wie­der ein­ge­führt wird – wäre eine deut­li­che Ver­schlech­te­rung. Ganz zu schwei­gen von der mög­li­chen Ein­füh­rung einer Ver­mö­gens­steu­er, die drei der mög­li­cher­wei­se an einer Koali­ti­on betei­lig­ten Par­tei­en im Ange­bot haben. Ein Frei­be­trag von zwei Mil­lio­nen Euro mag hoch erschei­nen, muss aber vor einem lan­gen Anspar­ho­ri­zont und der Infla­ti­on gese­hen wer­den. Kurz: Es dürf­ten mor­gen mehr Anle­ger Ver­mö­gens­steu­er zah­len, als sich die­se das heu­te vor­stel­len kön­nen. Ärger­lich wäre auch die Ein­füh­rung einer Trans­ak­ti­ons­steu­er, die nichts ande­res ist, als eine Steu­er auf den Ver­mö­gens­auf­bau der Kleinanleger.“

Einig sind sich die meis­ten Bör­sia­ner in einem Punkt: „Zwei Din­ge könn­ten die Bör­se beson­ders belas­ten. Eine rot-rot-grü­ne Koali­ti­on, die die Unter­neh­mens­steu­ern anhe­ben will und durch die Min­dest­löh­ne zum Sin­ken der Mar­gen der Fir­men bei­trägt und eine sehr lan­ge Ver­hand­lung über eine mög­li­che Regie­rung. Wenn sich kei­ne sta­bi­len Part­ner­schaf­ten für die Regie­rung fin­den, wäre es auch eine Belas­tung für den Markt“, sagt André Stagge.

Cou­ra­ge-Tipp: Egal, wie die Bun­des­tags­wahl aus­geht. Für Anleger:innen sind Akti­en lang­fris­tig ein wich­ti­ger Bestand­teil zum pri­va­ten Vermögensaufbau.

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