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    Crowdinvesting, ©scyther5/iStock

Crowdinvesting: Das Risiko des Schwarms

2021-12-28T14:11:59+01:0028. Dezember 2021|

Mit Gleich­ge­sinn­ten in ein Her­zens­pro­jekt inves­tie­ren? Klingt erst ein­mal ver­lo­ckend, doch birgt das Crowd­in­ves­ting gro­ße Risi­ken. Anleger:innen soll­ten eini­ge wich­ti­ge Punk­te beach­ten.  

Von Udo Trichtl

Das Prin­zip der Schwarm­fi­nan­zie­rung ist denk­bar ein­fach: Men­schen mit einer Pro­jekt­idee und Unter­neh­men auf der Suche nach Kapi­tal wen­den sich im Inter­net an die „Crowd“, um die­se als Anleger:innen zu gewin­nen. Dadurch, dass jede und jeder mit klei­nen Beträ­gen mit­in­ves­tie­ren kann, kom­men statt­li­che Sum­men zustan­de. So hat sich Crowd­in­ves­ting für man­che Unter­neh­men als neu­er Weg eta­bliert, um Geld zu sam­meln für ihre Ideen.  

Crowdinvestor:innen wer­den oft zu Anteils­eig­nern. Sie spe­ku­lie­ren damit auf finan­zi­el­le Erlö­se in Form künf­ti­ger Gewinn­be­tei­li­gun­gen. Das unter­schei­det die­se Art der Schwarm­fi­nan­zie­rung vom Crowd­len­ding, bei dem für das ein­ge­setz­te Kapi­tal ähn­lich wie bei einem Kre­dit fixe oder varia­ble Zin­sen gezahlt wer­den, und auch vom Crowd­fun­ding, das einer Spen­de ohne direk­ten finan­zi­el­len Anreiz ent­spricht – bezie­hungs­wei­se einer Sub­skrip­ti­on, also einer Zah­lung weit vor Lie­fe­rung oder gar vor Pro­duk­ti­on einer Ware. 

Ein Schwarm inves­tiert sel­ten rein ren­di­te­ori­en­tiert. Auf­fäl­lig vie­le Crowd­in­ves­ting-Kam­pa­gnen dre­hen sich rund um das The­ma Nach­hal­tig­keit. Platt­for­men wie Bet­ter­vest, Wiwin oder Green Rocket ver­mit­teln dazu Invest­ment­chan­cen in Wald­pro­jek­te, öko­lo­gi­sche Dün­ge­mit­tel, Bio-Tier­nah­rung oder Foto­vol­ta­ik-Anla­gen. Das kommt nicht von unge­fähr, denn Crowd­in­vest­ments machen sozia­le, krea­ti­ve oder kari­ta­ti­ve Pro­jek­te bekannt, mit denen sich Anleger:innen auch inhalt­lich iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Genau dar­in liegt zugleich eine Gefahr der­ar­ti­ger Betei­li­gun­gen: Wer über­zeugt ist, etwas Gutes zu tun, hin­ter­fragt oft weni­ger das wirt­schaft­li­che Fun­da­ment. In die­sem Sin­ne warnt auch die Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len: „Sei­en Sie kri­tisch, ob Kli­ma­schutz oder sozia­les Enga­ge­ment nur als Wer­be­ar­gu­men­te miss­braucht wer­den.“ 

Das bedeu­tet: Anleger:innen soll­ten das Geschäfts­mo­dell stets genau unter die Lupe neh­men und gera­de bei beson­ders attrak­ti­ven Ren­di­te­ver­spre­chen die Ohren spit­zen. Schei­tert ein Vor­ha­ben, sehen Crowdinvestor:innen im schlimms­ten Fall näm­lich ihr Geld nicht mehr wie­der. Denn bei Schwarm­fi­nan­zie­run­gen han­delt es sich genau genom­men meis­tens um eine Misch­form aus Eigen- und Fremd­ka­pi­tal, soge­nann­te qua­li­fi­zier­te Nach­rang­dar­le­hen. Das bedeu­tet, dass For­de­run­gen eines Schwarms im Insol­venz­fall nach­ran­gig behan­delt wer­den. Soll­te ein Unter­neh­men Plei­te gehen, wer­den zunächst alle ande­ren Geld­ge­ber vom Insol­venz­ver­wal­ter aus­be­zahlt, etwa die Ban­ken. Ist danach kein Geld mehr da, geht die Crowd leer aus. 

Crowd­in­ves­ting-Platt­for­men, die Nach­rang­dar­le­hen anbie­ten, pro­fi­tie­ren von aller­hand gesetz­li­chen Ver­ein­fa­chun­gen. Die­ses Anla­ge­pro­dukt unter­liegt bei­spiels­wei­se nicht der Pro­spekt­pflicht. Dem­entspre­chend gehö­ren vie­le der Platt­for­men zum soge­nann­ten Grau­en Kapi­tal­markt. Das bedeu­tet, dass sie nicht staat­lich regu­liert sind und nur weni­ge gesetz­li­che Vor­ga­ben erfül­len müs­sen. Das heißt zwar nicht, dass die bewor­be­nen Pro­jek­te alle­samt unse­ri­ös sind. Die Risi­ken, die damit ein­her­ge­hen, soll­te sich jedes Schwarm­mit­glied aber bewusst machen. 

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