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  • Hat man einen größeren Geldbetrag zur Verfügung, muss man sich überlegen, ob das Geld auf einmal oder per Sparplan investiert werden soll, ©Nattakorn - stock.adobe.com

Clever anlegen: Größere Beträge auf einmal oder per Sparplan?

2022-12-12T12:12:30+01:0012. Dezember 2022|

Klingt wie ein Luxus­pro­blem, kommt aber öfter vor: Auf dem Kon­to liegt ein grö­ße­rer Betrag, der an der Bör­se inves­tiert wer­den soll. Aber wie? Alles auf ein­mal oder per Spar­plan? Eine Hilfestellung.

Von Jes­si­ca Schwarzer

Ob Erb­schaft, Abfin­dung oder Erspar­tes: Wer eine grö­ße­re Sum­me an der Bör­se inves­tie­ren will, muss ein paar Ent­schei­dun­gen tref­fen. Ein­zel­ak­ti­en? Aktiv gema­nag­te Fonds? Oder ETFs? Die­se Wahl ist wahr­schein­lich recht schnell getrof­fen. Wer auf brei­te Risi­ko­streu­ung Wert legt, wird sich eher für Fonds oder ETFs ent­schei­den. Dann gilt es noch, den pas­sen­den zu fin­den. Kopf­zer­bre­chen berei­tet vie­len Anle­ge­rin­nen auch die Fra­ge nach dem pas­sen­den Ein­stiegs­zeit­punkt – pas­send im Sin­ne von: richtig.

Gera­de in Zei­ten, in denen die Unsi­cher­heit an den Märk­ten so groß ist, fällt es nicht leicht, eine höhe­re Sum­me auf ein­mal zu inves­tie­ren. Die Gefahr, just den fal­schen Zeit­punkt zu erwi­schen, erscheint dann beson­ders groß. Im Grun­de wis­sen wir aber nie, ob wir gera­de kurz davor sind, in die nächs­te Bör­sen­kri­se zu schlit­tern, oder ob ein Kurs­boom bevor­steht. Es mag Anzei­chen dafür geben. Aber selbst Fach­leu­te lie­gen mit ihren Pro­gno­sen immer wie­der dane­ben. Es gibt ein­fach zu vie­le Über­ra­schun­gen – gute wie böse. 

„Bei der Ein­mal­an­la­ge besteht das Risi­ko, aus­ge­rech­net dann zu kau­fen, wenn das Kurs­ni­veau beson­ders hoch ist“, gibt auch Ste­pha­nie Hei­se von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len zu beden­ken. „Wenn die Kur­se dann ein­bre­chen, muss man das aus­sit­zen kön­nen.“ Daher rät die Ver­brau­cher­schüt­ze­rin bei Akti­en­fonds zu Anla­ge­ho­ri­zon­ten von min­des­tens zehn, bes­ser 15 Jah­ren. 

Attraktive Kombination 

Statt alles auf ein­mal zu inves­tie­ren, kann man das Geld natür­lich auch per Spar­plan anle­gen. Das redu­ziert die Gefahr, zum fal­schen Zeit­punkt ein­zu­stei­gen. Denn wer häpp­chen­wei­se jeden Monat inves­tiert, erwischt garan­tiert nicht nur den schlech­tes­ten Moment. Aber ist das wirk­lich sinnvoll?

Kommt drauf an. „Habe ich 100.000 Euro auf dem Kon­to, brau­che ich nicht mit 1000 Euro monat­li­cher Spar­ra­te zu begin­nen“, sagt Lisa Has­sen­zahl, Ver­mö­gens­ver­wal­te­rin und Grün­de­rin des Her Fami­ly Office. „Dann bin ich 100 Mona­te beschäf­tigt, das wäre wohl etwas lang.“ Abhil­fe kann die Kom­bi­na­ti­on mit einer Ein­mal­an­la­ge schaf­fen. „Von den 100.000 Euro zum Bei­spiel schon mal 30.000 Euro in etwas kon­ser­va­ti­ve­re Anla­gen zu inves­tie­ren, um ‚dabei zu sein‘, und den Rest in Raten anzu­le­gen ist oft eine gute Lösung“, sagt Has­sen­zahl. Wich­tig sei, dass die Höhe der Spar­ra­te in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zur Ein­mal­an­la­ge steht.

Und wie sieht es mit der Ren­di­te aus? Fest steht: Bei einem Spar­plan ist der Start­zeit­punkt dafür nicht so ent­schei­dend. Hier gibt es ja vie­le Ein­stiegs­zeit­punk­te – jeden Monat einen. Bei der Ein­mal­an­la­ge kann der Ein­stiegs­zeit­punkt hin­ge­gen schon einen deut­li­chen Unter­schied machen. Aber: Ob wir einen tol­len Zeit­punkt erwi­schen, ist purer Zufall. Das kön­nen wir nicht beein­flus­sen. Was wir aber beein­flus­sen kön­nen, ist die Anla­ge­dau­er. Wir soll­ten daher viel mehr Wert auf unser Durch­hal­te­ver­mö­gen legen als aufs Timing. Wer lang­fris­tig breit gestreut an der Bör­se inves­tiert, macht näm­lich fast nie Verluste.

Was aber sagen die kon­kre­ten Zah­len? Eine Sta­tis­tik des Fonds­ver­bands BVI zeigt: Wenn wir zehn Jah­re lang Monat für Monat die glei­che Sum­me in einen klas­si­schen glo­bal inves­tie­ren­den Akti­en­fonds inves­tiert hät­ten, könn­ten wir uns über eine durch­schnitt­li­che jähr­li­che Ren­di­te von 5,7 Pro­zent freu­en. Über 20 Jah­re liegt die Ren­di­te bei 6,2 Pro­zent und über 30 Jah­re sogar bei 6,4 Pro­zent. Hät­ten wir vor zehn Jah­ren aber ein­ma­lig inves­tiert, kämen wir auf eine durch­schnitt­li­che jähr­li­che Ren­di­te von 8,1 Pro­zent. Auch über 30 Jah­re punk­tet die­se Vari­an­te mit immer­hin 7,7 Pro­zent pro Jahr. Auf Sicht von 20 Jah­ren aller­dings schnei­det die Ein­mal­an­la­ge mit 5,9 Pro­zent deut­lich schlech­ter ab. Das liegt dar­an, dass der Crash zu Beginn des Jahr­tau­sends das Depot erst mal hef­tig getrof­fen hat. 

Apro­pos Crash: Stich­tag die­ser Zah­len ist der 31. August 2022 – das his­to­risch schlech­te ers­te Bör­sen­halb­jahr 2022 ist also mit drin. 

Einmalanlage statistisch überlegen

Und wie sieht es mit der Kom­bi­na­ti­on von Ein­mal­an­la­ge und Spar­plan aus? Ein sol­ches Modell haben die Exper­ten des Online­bro­kers Scala­b­le Capi­tal durch­ge­rech­net (https://de.scalable.capital/finanzplanung/ploetzlich-geld). Eine Anle­ge­rin will 100.000 Dol­lar in den Welt­ak­ti­en­in­dex MSCI World ste­cken. Die Exper­ten rech­ne­ten in Dol­lar, weil das die Wäh­rung des Index ist. Die Fra­ge: Fährt die Anle­ge­rin bes­ser, wenn sie das Geld auf ein­mal inves­tiert oder wenn sie zum Start 12.500 Dol­lar inves­tiert und danach 35-mal monat­lich je 2500 Dol­lar anlegt? 

Für jeden mög­li­chen Anla­ge­start ab 1989 – es waren 325 – wur­de berech­net, wie die Anle­ge­rin nach drei Jah­ren abge­schnit­ten hat (nach die­sem Zeit­raum ist die Ren­di­te iden­tisch, weil dann in bei­den Fäl­len das kom­plet­te Kapi­tal inves­tiert ist). Das Ergeb­nis war ein­deu­tig: In drei Vier­tel der Fäl­le lie­fer­te die Ein­mal­an­la­ge höhe­re Ren­di­ten. Heißt aber auch: Es gab Zeit­räu­me, in denen die Ein­mal­an­la­ge hin­ter dem Spar­plan zurück­blieb. Sta­tis­tisch gese­hen ist die Ein­mal­an­la­ge damit auch dem Kom­bi­mo­dell über­le­gen.  

Alle Daten zei­gen einen Nach­teil von Spar­plä­nen auf: „Dadurch, dass die Inves­ti­ti­on über einen gewis­sen Zeit­raum gestreckt wird, besteht natür­lich das Risi­ko, dass man posi­ti­ve Markt­ent­wick­lun­gen nicht so stark mit­nimmt“, sagt Has­sen­zahl. „Denn was auf der einen Sei­te das Risi­ko eines Ver­lusts redu­ziert, ver­rin­gert natür­lich auch die Chan­ce.“ 

Hin­zu kommt: Die Bör­se steigt ten­den­zi­ell eher, als dass sie fällt. Somit ist alles eine Fra­ge der Wahr­schein­lich­kei­ten. Und die Wahr­schein­lich­keit, mit einem Spar­plan in guten Bör­sen­pha­sen Ren­di­te links lie­gen zu las­sen, ist eben höher als die, mit einem vol­len Invest­ment in einen bal­di­gen Crash zu laufen.

Trotz­dem kann es natür­lich beru­hi­gen, wenn man die Gefahr des „fal­schen“ Ein­stiegs­zeit­punkts per Spar­plan ver­rin­gert. Und in eini­gen Fäl­len fährt man damit auch tat­säch­lich bes­ser. Am Ende muss jede Anle­ge­rin selbst ent­schei­den: ent­we­der mit der Ein­mal­an­la­ge die Gewinn­chan­cen erhö­hen oder mit dem Spar­plan oder der Kom­bi das Risi­ko min­dern. Die rich­ti­ge Wahl hängt auch davon ab, wie sehr man etwai­ge Kurs­ver­lus­te ver­schmer­zen kann und wie gut das eige­ne Ner­ven­kos­tüm in so einem Fall ist. 

Erstmals Börsenluft schnuppern

Oft stellt sich die Fra­ge nach der Ein­mal­an­la­ge aber gar nicht, weil Anle­ge­rin­nen gar nicht so viel Geld haben. „Dann ist ein Fonds- oder ETF-Spar­plan eigent­lich immer sinn­voll, weil man regel­mä­ßig Geld zurück­legt“, sagt Ver­brau­cher­schüt­ze­rin Hei­se. „Zudem ist der Spar­plan fle­xi­bel, man kann die Spar­be­trä­ge je nach Lebens- und Ein­kom­mens­si­tua­ti­on jeder­zeit erhö­hen, sen­ken oder aus­set­zen.“ Und die Ren­di­te kann sich eben­falls sehen las­sen. Außer­dem eig­net sich ein sol­cher Spar­plan her­vor­ra­gend, um erst­mals Bör­sen­luft zu schnuppern.

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