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  • Buy now, pay later: Nicht wenige rutschen so in die Schulden, ©Wayhome Studio - stock.adobe.com

Buy now, pay later: Boom, Skepsis, Hoffnung in schneller Folge

2022-08-17T12:13:42+02:0017. August 2022|

buy now, pay later das war der Hype des Jah­res 2020. In der Pan­de­mie war Shop­ping qua­si eine Ersatz­be­schäf­ti­gung von zu Hau­se. Und bescher­te den Anbie­tern spru­deln­de Ein­nah­men. Doch 2022 setzt Ernüch­te­rung ein. Was kann BNPL für das Depot? 

Von Ant­je Erhard

Es sind vier‑, teils fünf­stel­li­ge Beträ­ge: Auf Tik­Tok zei­gen Men­schen welt­weit, wie vie­le Schul­den sie haben. Und pos­ten, wofür sie all das Geld aus­ge­ge­ben haben: Sel­te­ne Lego- oder Star Wars-Figu­ren sind eben­so dar­un­ter wie ein Wohn­zim­mer­bo­den kom­plett voll mit neu­er Klei­dung und Schu­hen, neue Autos, Geld für Rei­sen. Auf der Video-Platt­form Tik­Tok spie­geln sich die Wün­sche jun­ger Genera­tio­nen, gepusht von „Vor­bil­dern“ (You deser­ve a bit of joy“). Die meis­ten sind noch in Stu­di­um oder Aus­bil­dung, ihr Ein­kom­men ist ent­spre­chend noch über­schau­bar. 

Doch inzwi­schen berich­ten vie­le, dass sie aus den Schul­den nicht mehr raus­kom­men. Und machen auch ihre Hil­fe­schreie öffent­lich, dass sie zu vie­le Schul­den haben. Aber auch da ist „guter“ Rat nicht weit: Tipps, um aus Kre­dit­kar­ten-Schul­den her­aus­zu­kom­men oder auch wie 20.000 Dol­lar Schul­den im Jahr abge­zahlt wer­den kön­nen, häu­fen sich. Unter Hash­tags wie #money­tips, #money­hacks #mil­lion­aire­mind­set gibt es tau­sen­de Anre­gun­gen mehr oder weni­ger seri­ös, um aus den Schul­den raus und zu Geld zu kom­men. 

Klarna und Co. reiten die Digitalisierungswelle 

Kauf, was du magst und bezahl spä­ter – Buy now, pay later (BNPL) ist ein welt­wei­ter Trend. Neu ist die­se Ent­wick­lung jedoch nicht. Neu ist aller­dings, wie leicht Apps wie Klar­na, PayPal, After­pay, Affirm, Rate­pay oder seit kur­zem auch Apple Pay Later den Kauf auf Pump heu­te machen: Online shop­pen, die Bezahl­me­tho­de, die von Sofort­über­wei­sung über Rech­nung bis hin zu After­pay und Kre­dit­kar­te reicht, wäh­len. Die Kon­di­tio­nen (Rück­zah­lungs­ter­min, Zin­sen) wer­den ange­zeigt. Wenn die Kre­dit­wür­dig­keit der Konsument:innen über­prüft ist, geht der Online-Ein­kauf über die Büh­ne. 

BNPL-Anbie­ter rei­ten die Digi­ta­li­sie­rungs­wel­le per­fekt, ver­die­nen gut an den Gebüh­ren, die ihnen die Online-Händ­ler über­wei­sen sowie an Ver­zugs­zin­sen. Und zu guter Letzt sto­ßen sie auf eine auf­ge­schlos­se­ne Kund­schaft, die in der digi­ta­len Welt groß gewor­den ist. Seit der Pan­de­mie und dem Ende der Lock­downs läuft das Geschäft rich­tig. Erst war Online-Shop­ping eine belieb­te Beschäf­ti­gung in den eige­nen vier Wän­den. Nach den Lock­downs war dann die Lust auf Par­ty, aus­ge­hen, neue Klei­dung eben­so groß. Vor allem bei den 20- bis 25-jäh­ri­gen. 

Wer nicht frist­ge­recht die Rech­nung begleicht, zahlt Ver­spä­tungs­ge­büh­ren und Ver­zugs­zin­sen. Die vari­ie­ren von Anbie­ter zu Anbie­ter stark und haben Aus­wir­kun­gen auf die Kre­dit­wür­dig­keit der Konsument:innen. 

Transaktionsvolumen steigt rasant 

Doch der Markt war viel­ver­spre­chend und lukra­tiv. Unter­neh­men wie Soft­bank betei­lig­ten sich an BNPL-Anbie­tern und dem neu­en Geschäfts­mo­dell. Allein die schwe­di­sche Klar­na wur­de zeit­wei­se mit mehr als 45 Mil­li­ar­den US-Dol­lar bewer­tet und wur­de damit das wert­volls­te Start-up in Euro­pa.  

Von 2020 bis 2021 ver­dop­pel­te sich das Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men welt­weit auf 120 Mil­li­ar­den US-Dol­lar (Quel­le: Sta­tis­ta). Bis 2026 könn­te es auf 450 Mil­li­ar­den US-Dol­lar stei­gen. Acht von zehn Top-BNPL-Anbie­tern sind nach Anga­ben von Sta­tis­ta in Nord­west-Euro­pa ansäs­sig. Der Markt­an­teil von inlän­di­schen Zah­lun­gen mit BNPL sei in Schwe­den und Deutsch­land zehn­mal so hoch wie der Markt­an­teil welt­wei­ter Zah­lun­gen.   

Ernüchterung durch Inflation und Zinserhöhungen 

Doch all­mäh­lich setzt Ernüch­te­rung ein: Die Infla­ti­on dämpft die Kauf­lau­ne. Mit stei­gen­den Zin­sen wer­den für die BNPL-Anbie­ter die Kon­di­tio­nen teu­rer und drü­cken die Mar­gen.  Außer­dem gibt es für vie­le Waren immer noch Lie­fer­eng­päs­se. 

Bei der jüngs­ten Finan­zie­rungs­run­de im Juli wur­de Klar­na noch mit 6,7 Mil­li­ar­den US-Dol­lar bewer­tet. Der Staats­fonds Muba­da­la Invest­ment aus Abu Dha­bi hat­te sich erst­mals betei­ligt, Sequoia war als bewähr­ter VC-Geber erneut dabei. Im Mai hat­te das Unter­neh­men von sei­nen 7.000 Stel­len 700 gestri­chen. 

Die Skep­sis der Investor:innen zeigt sich auch an der Bör­se: Auf Jah­res­sicht haben Affirm Hol­dings und After­Pay mehr als 50 Pro­zent ver­lo­ren. 

PayPal mel­de­te Anfang August für das zwei­te Quar­tal ein Plus beim BNPL-Volu­men von 226 Pro­zent im Jah­res­ver­gleich. Ins­ge­samt zähl­te der Bezahl­dienst 22 Mil­lio­nen Konsument:innen. 

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