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Bullenmarkt vs. Bärenmarkt – Welches Tier regiert wann die Börsen?

2022-05-24T09:43:25+02:0023. Mai 2022|

Bul­le und Bär ste­hen sich vor der Frank­fur­ter Bör­se gegen­über. Und ste­hen für stei­gen­de bzw. fal­len­de Akti­en­märk­te. Inzwi­schen regie­ren die Bären an vie­len Akti­en­märk­ten. Hier die Bedeu­tung und wie du damit umge­hen kannst. 

Von Ant­je Erhard

Am Frei­tag war es so weit: Der US-Bör­sen­in­dex S&P 500 folg­te sei­nen Pen­dants der Tech­no­lo­gie-Bör­se Nasdaq in den Bären­markt. Bei einem Stand von 3.827 Punk­ten war es so weit. Zeit­wei­se ging es am Frei­tag noch tie­fer abwärts für den Leit­in­dex. Aber bis zum Bör­sen­schluss hat er sich wie­der gefan­gen und nicht im Bären­ter­rain geschlos­sen. Für man­che Expert*innen bedeu­tet das des­halb noch kei­nen Bären­markt. Sie sagen, der Schluss­kurs ist ent­schei­dend. Doch was ist das nun für ein Markt­phä­no­men? 

Tatzenschlag im Bärenmarkt

Ein Bär schlägt mit sei­ner Tat­ze von oben nach unten. Bären­markt bedeu­tet des­halb an der Bör­se, es geht abwärts. Und zwar um 20 Pro­zent oder gar mehr im Ver­gleich zum letz­ten Hoch. Und das sehen wir nun. Die Infla­ti­on, die Sor­ge, dass zu schnell stei­gen­de Zin­sen zwar die Infla­ti­on drü­cken, aber eben auch die Wirt­schaft abwür­gen, die Lock­downs in Chi­na, die wei­te­re Lie­fer­eng­päs­se ver­ur­sa­chen und schließ­lich der Krieg in der Ukrai­ne, des­sen Ende nicht in Sicht ist. Es gibt viel, was der­zeit auf den Märk­ten las­tet.  

Die gute Nach­richt: Als Neu­ling an der Bör­se weißt du jetzt, was Risi­ken sind. Vor allem Abwärts­ri­si­ken. Und du lernst, mit ihnen umzu­ge­hen. Bis letz­te Woche war der S&P 500 noch an einem Bären­markt vor­bei­ge­schrammt. Auch im ver­gan­ge­nen Jahr sind die meis­ten Indi­zes noch um die Mar­ke von 20 Pro­zent her­um­ge­kom­men: Der S&P 500 ist von sei­nem Sep­tem­ber-Hoch „nur“ 19,8 Pro­zent bis zu sei­nem Dezem­ber-Tief gefal­len. Dann konn­te er erst ein­mal Boden gut­ma­chen. Wie auch der DAX. Doch der Abver­kauf hat nicht aus­ge­reicht. Bzw. die Risi­ken sind nicht weni­ger gewor­den.  

Das sehen wir vor allem bei Tech­no­lo­gie-Akti­en. Sie wer­den aktu­ell ordent­lich abge­straft: Die Hälf­te der Titel an der Nasdaq sind um 30 Pro­zent oder gar mehr gefal­len. So viel wie zum Coro­na-Crash. Vie­le Ein­zel-Akti­en sind inzwi­schen in einem Bären­markt. Der DAX hin­ge­gen hält sich noch etwas bes­ser als sei­ne US-Pen­dants. Die Bären sind noch nicht nah. Die deut­schen Akti­en sind in einer Kor­rek­tur.  

Alle 5,4 Jahre kommen die Bären

Ob die Berei­ni­gung schon abge­schlos­sen ist oder ob die Kur­se noch wei­ter fal­len, das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Aber in der Ver­gan­gen­heit folg­te auf einen Bären­markt meist eine ansehn­li­che Ral­ly. Etwa im Herbst 2011. Es ging damals für den Leit­in­dex S&P 500 um fast 30 Pro­zent abwärts, aber dann folg­te eine gute 30-pro­zen­ti­ge Ral­ly. Sta­tis­tisch erle­ben Börsianer:innen alle 5,4 Jah­re einen Bären­markt. Im Schnitt fal­len die Kur­se dann um 34 Pro­zent. 

Im Bären­markt kön­nen trotz­dem die Kur­se aber auch sehr schnell, sehr stark stei­gen. Das nennt sich Bären­markt-Ral­ly. Der über­ge­ord­ne­te Abwärts­trend bleibt aber bestehen. Meist trei­ben gute Nach­rich­ten die Kur­se an. Kurz­zei­tig. 

Die Bären­märk­te dau­ern auch nicht so lan­ge wie Bul­len­märk­te: Im Durch­schnitt prägt der Bär 289 Tage das Bör­sen­ge­sche­hen. Der letz­te Bären­markt ist nicht lan­ge her: Im März 2020 zu Beginn der Coro­na-Pan­de­mie außer­halb Asi­ens war es so weit. Und ende­te bereits im Som­mer, als die Kur­se kräf­tig stie­gen. Wenn die Kur­se weni­ger hef­tig fal­len, nennt man das eher Kor­rek­tur. 

Der Bulle nimmt die Kurse auf die Hörner

War­um aus­ge­rech­net Bul­le und Bär zu Bör­sen­sym­bo­len gewor­den sind, weiß heu­te nie­mand mehr so genau. Angeb­lich fan­den frü­her vor der Lon­do­ner Bör­se Bul­len­kämp­fe statt. Der Bul­le nimmt die Kur­se auf die Hör­ner und beför­dert sie nach oben. Bul­len­markt bedeu­tet, dass die Kur­se vom Tief­stand um min­des­tens 20 Pro­zent zule­gen. Die Stim­mung ist dann „bul­lish“.  

Das ist in Pha­sen einer guten wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung der Fall. Dann ist die Zuver­sicht groß, die Sicher­heit groß und die Men­schen inves­tie­ren mehr von ihrem Geld. Der jüngs­te Bul­len­markt traf zugleich auf eine Pha­se his­to­risch nied­ri­ger Zin­sen. Das hat die Kur­se zusätz­lich befeu­ert. Auch noch, als die fun­da­men­ta­len Daten bereits schlech­ter wur­den.  

Die Bullen kommen öfter an der Börse vor als die Bären

An der Bör­se haben die Bul­len einen län­ge­ren Atem als die Bären: Im Schnitt dau­ert ein Bul­len­markt 973 Tage. Also fast drei Jah­re. Doch der jüngs­te Bul­len­markt über­traf alle Rekor­de. Er lief von 2009 bis 2020. Und ende­te mit der Coro­na-Pan­de­mie. Dann ging es auch nicht in einer ein­fa­chen Kor­rek­tur wei­ter. Nein, es gab gleich einen Bären­markt… 

Manch­mal tap­pen Anleger:innen aber auch in eine Bul­len­fal­le: Sie kau­fen, weil sie den­ken, dass Kurs­stei­ge­run­gen der Auf­takt einer Ral­ly sind. Doch dann sin­ken die Kur­se plötz­lich wie­der. Oder lau­fen seit­wärts… 

Du siehst, Akti­en­kur­se stei­gen auch wie­der. Doch zunächst erfasst erst ein­mal vor allem uner­fah­re­ne Anleger:innen die Angst. Sie ver­kau­fen. Oft sogar zu nied­ri­ge­ren Kur­sen, als sie einst gekauft hat­ten. Aber dann haben die meis­ten die anschlie­ßen­de Ral­ly ver­passt. Bes­ser ist, lang­fris­tig zu den­ken. Dann hältst du kurz­zei­ti­ge Ver­lus­te aus. Bist du von dei­ner Stra­te­gie und dei­nen Geld­an­la­gen wei­ter über­zeugt, ist es eine Über­le­gung nach­zu­kau­fen.  

Aller­dings ist das in meh­re­rer Hin­sicht nicht so ein­fach: Du musst dei­ne Angst über­win­den. Du musst wei­ter über­zeugt sein von dem, wie du inves­tiert hast und du musst wis­sen wann du kaufst: Grei­fe nicht in ein fal­len­des Mes­ser, ist eine wich­ti­ge Bör­sen­re­gel. Aber es ist auch müßig zu ver­su­chen, den Markt zu timen: Den tiefs­ten Ein­stieg und höchs­ten Aus­stieg zu erzie­len ist mehr Glücks­sa­che als Stra­te­gie. Also, Boden­bil­dung abwar­ten und dann wie­der durch­star­ten. Gera­de lang­fris­tig stei­gen Akti­en. Wenn sie Qua­li­tät haben. 

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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