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    BookTok, ©Wachiwit/iStock

#BookTok: Gekauft. Gelesen. Geliebt. Oder die digitale Buchmaschine

2021-12-13T12:16:27+01:0013. Dezember 2021|

Es war einmal vor nicht all­zu lan­ger Zeit, da gin­gen Menschen in Buch­lä­den und spra­chen dort mit den Ver­käu­fer:innen, die über Buchtitel schwärm­tenFlugs wurden jene dann gekauft und gele­sen. Dann kam „Tik­Tok“ und damit auch eine ganz neue Buchklientel.

Von Mat­thi­as Lauerer

Zurück zum Mär­chen: Die, die es sich leis­ten woll­ten, hat­ten Zugriff auf die „New York Times Book Review“ oder lasen das „The Times Litera­ry Sup­plem­net“ und folg­ten deren Emp­feh­lun­gen. Das Pro­blem: Jene Buch­vor­stel­lun­gen stamm­ten oft von eit­len Literaturkritiker:innen, die so über Wohl und Wehe bekann­ter Autor:innen oder Anfänger:innen den Dau­men hoben oder senk­ten. Macht, die gut ver­teilt sein woll­te. Nur: An die Frau­en, die die meis­ten Bücher kauf­ten, dach­te kaum einer. Bis jetzt.

Weinen, wenn man ergriffen ist

Dann kam die Neu­zeit und mit ihr das Smart­pho­ne mit sei­nen Apps. Eine davon heißt „Tik­Tok“ und die ist eher bekannt für kur­ze Vide­os. Doch in der Com­mu­ni­ty bricht sich die Begeis­te­rung für Bücher ihren Bann. Die Kurz­clips stam­men von jun­gen Frau­en im Teen­ager- und oder Twen­al­ter und sie fin­den sich unter dem Hash­tag #Book­Tok wie­der. Dort emp­fiehlt man Bücher, zeigt Zeit­raf­fer von sich selbst beim Lesen der Titel oder greint in die Kame­ra­lin­se, wenn einen das Ende emo­tio­nal gepackt hat.

Saskias Empfehlungen

Sehen wir uns Saskia Papen an. Die jun­ge Buch­händ­le­rin arbei­tet bei „Tha­lia“ — und ist auf dem sozia­len Netz­werk als „Pas­tell­Pa­ges“ aktiv. Wer ihre kur­zen Vide­os sieht, merkt schnell: Hier ist jemand mit viel Herz­blut dabei. Ob es sich um ein Geschenk­pa­ket eines Buch­her­stel­lers dreht, in dem Papen jedes kleins­te Detail fein erwähnt. Oder Saski­as „Book­Mail“, der 24.200 Men­schen zum The­ma Bücher und Lesen fol­gen. Ist das der oft besun­ge­ne Unter­gang der Kul­tur­land­schaft?  

Oder schau­en wir uns „van­nis­li­te­ra­tur“ an. Die schreibt in einem Video: „Ich habe mir Mit­te letz­ten Jah­res ein Buch gekauft.“ Dann schwenkt die Kame­ra auf 78 Exem­pla­re, die dort jetzt auf dem Boden lie­gen. Sie zeigt damit, was die Lie­be zu Büchern mit ihr anstell­te. Es könn­te sein, dass beim „BookTok“-Trend der ver­stor­be­ne Lite­ra­tur­kri­ti­ker Mar­cel Reich-Rani­cki Schnapp­at­mung bekä­me oder sich dar­über freu­en wür­de, was Jah­re nach sei­nem Tod heu­te so mög­lich ist. 

Aus dem Digitalen ins Analoge

Die Ver­lags­bran­che erkennt jetzt, dass man sich hier bes­ser gut posi­tio­niert. Wie die „New York Times“ berich­tet, wur­den in vie­len Filia­len der US-Buch­ket­te „Bar­nes & Nobles“ bereits „Book­Tok-Tische, auf denen Titel aus­ge­legt sind, die in der App gut ankom­men und die dort begeis­tert bespro­chen wer­den. Wei­ter heißt es: „Shan­non DeVi­to, Lei­te­rin der Buch­ab­tei­lung bei ´Bar­nes & Noble´ sagt: ´Wir haben die­se ver­rück­ten Ver­käu­fe, von monat­lich Zehn­tau­sen­den von Exem­pla­re bei ande­ren Social-Media-For­ma­ten nicht gese­hen.´ Viel­leicht ist es ja auch so: Die­se neue Gemein­schaft aus Book­lovern hat sich gera­de in Zei­ten einer welt­weit gras­sie­ren­den Pan­de­mie bes­tens bewährt. Men­schen fin­den vor ihren neu­en, digi­ta­len Lager­feu­ern zusam­men und schnacken über ihre Lieblingszeilen. 

Interview mit der „BookTokerin“ Saskia Fröhlich.

Saskia Fröhlich, BookTokerin

Saskia Fröh­lich, BookTokerin

Fröh­lich stu­dier­te vier Jah­re lang BWL und stammt aus dem Ruhr­ge­biet. 2019 stand sie zum ers­ten Mal auf der Büh­ne. Die 24-Jäh­ri­ge macht neben der Sache mit den Büchern auch Comedy.

Wie begann „BookTok“ für dich?

Die ´Book­Tok´ Vide­os habe ich zusam­men mit einem ganz lie­ben Team pro­du­ziert, die auf mich und mei­nen pri­va­ten ´TikTok´-Account auf­merk­sam gewor­den sind. Sie kamen auf mich zu und frag­ten, ob ich Lust habe, die ´WhatTheBook´-Reihe mit ihnen zu star­ten. Da habe ich nicht lang gezö­gert und zuge­sagt. Die Rei­he star­te­te im Juli 2021.

Weshalb machst du das?

Zum einen natür­lich um die Com­mu­ni­ty und vor allem jun­ge Leu­te zum Lesen zu moti­vie­ren und zu zei­gen, dass ein Buch min­des­tens genau­so span­nend und auf­re­gend sein kann wie eine Net­flix-Serie. Zum ande­ren habe ich bis­her auch die ein oder ande­re Schul­lek­tü­re vor­ge­stellt und inner­halb von 60 Sekun­den kurz und ver­ständ­lich zusam­men­ge­fasst. Ich den­ke, dass ein kur­zes und krea­ti­ves Video zum Inhalt eines Buches greif­ba­rer sein kann als eine Wiki­pe­dia-Zusam­men­fas­sung. Ich wäre damals als Schü­le­rin sehr dank­bar für ein Medi­um wie ´Tik­Tok´ und den Hash­tag ´Book­Tok´ gewesen.

Wie sind die Reaktionen?

Dank­bar­keit bei der Zusam­men­fas­sung von Schul­lek­tü­ren. Aus­tausch bspw. in Form von Ergän­zun­gen wei­te­rer Facts zum ent­spre­chen­den The­ma zum Bei­spiel per Video über ´Twi­light´. In den Kom­men­ta­ren wer­den wei­te­re Fak­ten gesam­melt, die im Video nicht vor­ka­men. Und zuletzt auch Wün­sche, ob bestimm­te Bücher vor­ge­stellt wer­den können

Wenden sich mittlerweile auch Hersteller an Dich, damit Du Bücher promotest? Sagst du da ab oder zu?

Bis­her kamen noch kei­ne Her­stel­ler auf mich zu, damit ich Bücher pro­mo­te. Ich könn­te mir auf jeden Fall vor­stel­len, (Jung)Autor:innen zu unterstützen.

Gibt es Geld oder Rezensionsexemplare für dich?

Bis­lang blieb die­ser Part noch aus.

Welche Videos funktionieren gut, welche weniger? Eine Idee, woran das liegt?

Die 60-sekün­di­gen Zusam­men­fas­sun­gen eines oder meh­re­rer Bücher funk­tio­nie­ren immer gut, da man als Zuschauer:in inner­halb kur­zer Zeit maxi­ma­len Input bekommt. Fun Facts funk­tio­nie­ren auch gut, weil es natür­lich span­nend ist, Hin­ter­grund­wis­sen über Bücher, Autor:innen oder Din­ge zu erfah­ren, die man bis­her noch nicht kann­te. Natür­lich gibt es auch Vide­os, die nicht so vie­le Leser:innen errei­chen, aber ich den­ke, das kann auf einer Platt­form wie Tik­tok unter­schied­li­che Grün­de haben.

Dein schönstes Erlebnis?

Das war der Live Talk mit Michel­le Schrenk, weil das mein aller­ers­ter Live Talk bzw. die aller­ers­te Mode­ra­ti­on war. Das mach­te super­viel Spaß, weil Michel­le ein sehr herz­li­cher Mensch ist und wir vie­le Din­ge über das Autor:innen-Dasein erfuhren.

Welche Autorin möchtest Du unbedingt mal treffen?

Char­lot­te Roche & Sophie Pass­mann: für mich zwei sehr mei­nungs­star­ke Frau­en, die mit viel Iro­nie und Humor Stel­lung zu The­men bezie­hen, über die sich vie­le nicht zu äußern trau­en. 

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Noch mehr Infos für dich

Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

Neun Buchhandlungen, die einen Besuch wert sind

Man­che Buch­lä­den sind schö­ner als ande­re. Dabei sind die spek­ta­ku­lärs­ten Schatz­häu­ser fast so ver­schie­den wie die Inhal­te der Bücher, die sie anbie­ten. Ange­sichts die­ser Buch­hand­lun­gen möch­te man nie wie­der im Inter­net bestel­len. Ein Plä­doy­er in neun Beispielen.

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