• Schwarzer Schwan
    Schwarzer Schwan, ©Weedezign/iStock

Börsen-Phänomene: Was ist ein Schwarzer Schwan?

2022-02-21T09:51:41+01:0020. Februar 2022|

Wenn ein Schwar­zer Schwan die Bör­sen erreicht, fal­len die Kur­se. Schnell und tief. Dann wer­den die Inves­to­ren auf dem fal­schen Fuß erwischt, Angst und Panik machen sich breit. Doch nicht jeder Kurs­rutsch wird von einem Schwar­zen Schwan aus­ge­löst. Für Muti­ge offen­ba­ren sich dann auch neue Chancen.

Von Ant­je Erhard

Schwar­ze Schwä­ne sind Ereig­nis­se, die man nicht kom­men sieht. Die unver­hofft in Auf­tre­ten und Wir­kung sind. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel Atom-Unglü­cke. Auch Natur-Kata­stro­phen kön­nen ein Schwar­zer Schwan sein. Vie­le Markt-Exper­ten beschrei­ben auch die Coro­na-Pan­de­mie als Schwar­zen Schwan. Sie hat sich zwar von der regio­na­len Epi­de­mie zur glo­ba­len Pan­de­mie ent­wi­ckelt. Das war durch­aus vor­her­seh­bar. Die Fol­gen waren es in ihrer Brei­te aller­dings nicht.. Und so erfüllt die Pan­de­mie nach Ansicht vie­ler Exper­ten die drei Merk­ma­le eines Schwar­zen Schwans:  

Drei Merkmale zur Identifikation eines Schwarzen Schwans 

Die Pan­de­mie ist ein Aus­rei­ßer, der außer­halb unse­rer Erwar­tun­gen lag. Aus der Ver­gan­gen­heit ließ sich ihr Auf­tre­ten nicht ablei­ten. Punkt Zwei: Sie hat schwe­re bzw. extre­me Aus­wir­kun­gen auf Wirt­schaft und Gesell­schaft. Punkt Drei: Sie wird im Nach­hin­ein erklär­bar. Denn Schwar­ze Schwä­ne sind nicht unmög­lich, sie sind aber unwahr­schein­lich. 

2004 war das See­be­ben, das den Tsun­mai im Indi­schen Oze­an aus­ge­löst hat, ein Schwar­zer Schwan. See­be­ben gab es auch zuvor bereits. Die Reak­tor-Kata­stro­phe im japa­ni­schen Fuku­shi­ma im März 2011 gehört eben­falls dazu wie auch 9/11 in New York. 

Die Fol­gen kön­nen genau so unvor­her­seh­bar sein: Manch­mal lei­det eine ein­zel­ne Bran­che, oft der gesam­te Akti­en­markt. Schnell und hef­tig. Sel­ten und fol­gen­schwer. Schwer­wie­gen­de Kata­stro­phen, die die gesam­te Welt­wirt­schaft belas­ten, haben aber Fol­gen über die Bör­sen hin­aus. Sie beein­flus­sen Wirt­schaft und Gesell­schaft. 

Zum ers­ten Mal gab es 2001 einen Begriff dafür: Der Finanz­markt-Exper­te Nas­sim Nicho­las Tal­eb erwähn­te Schwar­ze Schwä­ne in sei­nem Buch „Foo­led by Rand­om­ness“, 2007 schrieb er ein gan­zes Buch über Schwar­ze Schwä­ne.  

Schwarze Schwäne – Oft vermeidbar 

Tal­eb mach­te dar­auf auf­merk­sam, dass Schwar­ze Schwä­ne die blin­den Fle­cken im kol­lek­ti­ven Den­ken auf­de­cken: Exper­ten haben häu­fig im Vor­feld schon vor dem Schwar­zen Schwan gewarnt. Unge­hört. Das heißt aber auch, dass vie­le Schwar­ze Schwä­ne hät­ten ver­mie­den wären kön­nen. 

Tal­eb bewer­tet die Coro­na-Pan­de­mie aber auch kei­nes­wegs als Schwar­zen Schwan. Im Gegen­teil – sie sei ein Wei­ßer Schwan. Weil Pan­de­mien auf Grund der Ver­flech­tun­gen unse­rer Welt unver­meid­lich sei­en. Und auf Wei­ße Schwä­ne kön­ne man sich vor­be­rei­ten. 

Inflation? – Das ist doch keine Überraschung! 

In die­sen Tagen muss nun auch die Infla­ti­on als Schwar­zer Schwan her­hal­ten. Aber das ist kei­ner: Die Infla­ti­on kam nicht unvor­her­seh­bar und nicht über Nacht. Dass vie­le Öko­no­men und Wäh­rungs­hü­ter sie zunächst unter­schätzt haben, heißt nicht, dass sie plötz­lich auf­trat. Infla­ti­on ist die Ent­wer­tung des Gel­des durch stei­gen­de Prei­se. Die Prei­se stei­gen dann, wenn Waren knapp wer­den. Steigt ihre Nach­fra­ge, stei­gen die Prei­se für die­se Pro­duk­te. Wei­ter und wei­ter. Die Unter­neh­men geben das meist an die Ver­brau­cher wei­ter. Wir erle­ben das gera­de bei Ben­zin und Strom. Über­ra­schend ist das über­haupt nicht. 

Kurseinbrüche meist übertrieben — Sippenhaft 

Mit einem Schwar­zen Schwan an der Bör­se gehen erheb­li­che Kurs­ver­lus­te, ja, wirk­lich hef­ti­ge Markt­ein­brü­che ein­her. Oft sind sol­che Ein­brü­che in der Brei­te über­trie­ben, weil nicht alle Unter­neh­men und Bran­chen glei­cher­ma­ßen lei­den. Die Coro­na-Kri­se hat auch das gezeigt. Das Phä­no­men heißt dann Sip­pen­haft. So dass auch Unternehmen/Branchen lei­den, die zunächst nicht betrof­fen sind. Sol­che Über­trei­bun­gen kor­ri­gie­ren sich aber wie­der. 

Doch wie berei­tet man sich dar­auf vor? Die Auf­merk­sam­keit für Schwar­ze Schwä­ne steigt dann, wenn sie auf­tre­ten. Erst dann redu­zie­ren Anleger:innen ihre Risi­ken, dann diver­si­fi­zie­ren sie stär­ker, dann sichern sie sich ab.  

Sich vor Schwar­zen Schwä­nen zu wapp­nen, ist schwie­rig. Gold gilt als ver­gleichs­wei­se siche­rer Hafen, aber selbst in der Pan­de­mie hat das nur teil­wei­se funk­tio­niert. Grund­sätz­lich ist gegen eine klei­ne Bei­mi­schung von Gold im Depot aber nichts ein­zu­wen­den. Assets, die bei einem Markt­ein­bruch Ren­di­ten abwer­fen, wer­den die­se Ren­di­ten aber eben nur im Crash ab. Wäh­rend der Hausse wür­de eine Anle­ge­rin Ver­lus­te erzie­len. 

Qua­li­täts­ak­ti­en, die im Fal­le einer Kri­se unver­zicht­bar für die Ver­sor­gung sind, sind eine Mög­lich­keit für ein Port­fo­lio, das Schwar­zen Schwä­nen wider­steht.  

Wer lang­fris­tig auf­ge­stellt ist, und so soll­te Geld­an­la­ge ja sein, kann über­dies von einem Schwar­zen Schwan pro­fi­tie­ren, weil die Kur­se nach dem Ereig­nis ver­gleichs­wei­se güns­tig sind: So gab es in der Ver­gan­gen­heit auch direkt nach dem Coro­na-Crash Ein­stiegs­chan­cen. Aber auch hier gilt: Stra­te­gisch und mit plan inves­tie­ren: Nicht alles, was optisch billig(er) gewor­den ist, ist auch qua­li­ta­tiv ein Invest­ment wert. Bei man­chen Titeln oder Bran­chen haben sich ledig­lich die Über­trei­bun­gen nach oben kor­ri­giert. Auch wenn Angst an der Bör­se immer ein schlech­ter Rat­ge­ber ist: Wenn die Märk­te mas­siv kor­ri­giert haben, erge­ben sich auch Chan­cen. 

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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