• Kinder und Börse
    Kinder und Börse, ©Drazen_/iStock

Börse & Aktien: Wie erklär ich das meinem Kind?

2022-04-05T16:03:28+02:0028. März 2022|

Finanz- und Bör­sen­wissen gibt’s nicht in der Schule, und so wach­sen vie­le von uns ohne Know How zu Geld­an­la­ge, Inves­tie­ren, Bör­se auf. Umso wich­ti­ger ist es, dass Töch­ter und Söh­ne von klein auf ver­stehen, mit Geld umzu­ge­hen. Egal, ob die Erkennt­nis­se aus Geschich­ten um Blei­mün­zen kom­men, von einem gewis­sen Dago­bert-Duck-Fee­ling, aus guten Büchern oder von guten Vor­bil­dern… 

Von Ant­je Erhard

„Mama, der DAX ist um 20 Pro­zent gefal­len.“ Mein Sohn – ca. 7 oder 8 Jah­re alt – kam auf­ge­regt in mein Büro an der Bör­se. Es war einer die­ser Tage mit Betreu­ungs­leck.  

„20 Pro­zent – hab ich gar nicht mit­be­kom­men.“ Wir gehen los und schau­en nach. Es waren zum Glück nur 20 Punk­te. „Mama, ist das viel?“ – „Nein, das ist ganz wenig, Akti­en stei­gen und fal­len, das ist nor­mal.“ — „Mama, hab ich den DAX auch im Depot?“ – „Ja, hast du. Kennst du Akti­en, die im DAX drin sind?“ – Mein Sohn denkt kurz nach: „adi­das und Mer­ce­des.“ Mama nickt zufrie­den. 

Mit einem Besuch auf dem Frank­fur­ter Par­kett hat es bei uns ange­fan­gen. Die Deut­sche Bör­se hat schon vor der Coro­na-Pan­de­mie ange­fan­gen, ein neu­es Besu­cher­zen­trum zu bau­en. Hier lernt man eine Men­ge über Bör­se. Man kann vir­tu­ell Akti­en kau­fen und sehen, wie der Han­del funk­tio­niert. Wie ein Akti­en­kurs zustan­de kommt, wel­che Akti­en hier gehan­delt wer­den, wie sich der Han­del über die Jahr­hun­der­te ver­än­dert hat. Und wie man auch selbst Teil davon wer­den kann, als Investor:in.  

Wenn das Besu­cher­zen­trum der Frank­fur­ter Bör­se nach der Pan­de­mie wie­der öff­net – geh mal hin. Man muss sich nicht anmel­den und es kos­tet nichts. Man wird her­um geführt und es gibt Vor­trä­ge zu Akti­en und Bör­se. Außer­dem kann man einen Blick in den Han­dels­saal wer­fen, wo eine beson­de­re Atmo­sphä­re herrscht.  

Kaufen, was du kennst bzw. selbst benutzt

Die Bör­sen­be­su­che mei­nes Soh­nes waren nicht nur schö­ne Erleb­nis­se, son­dern er hat­te dann auch eine Men­ge Fra­gen. Vor allem zu sei­nem eige­nen Depot. Was mir auf­fiel: Er frag­te expli­zit nach den Akti­en, deren Pro­duk­te er kann­te oder selbst benutz­te. Es emp­fiehlt sich, Akti­en zu kau­fen, die man kennt und deren Geschäfts­mo­dell man ves­teht bzw. deren Pro­duk­te man selbst benutzt.

Aller Anfang ist einfach: Regelmäßig in einen Sparplan investieren

Zunächst soll­ten Eltern den Kin­dern erklä­ren, wie Geld ange­legt wer­den kann: Wie und war­um man lang­fris­tig inves­tiert, wie man selbst inves­tiert, was es außer Akti­en noch an Mög­lich­kei­ten gibt, was ETFs sind. Sinn­voll sind dann ein oder zwei ETF-Spar­plä­ne. Die soll­ten ohne Kauf­ge­büh­ren bespart wer­den kön­nen. Viel­leicht kann das Kind sogar aus einer Vor­auswahl selbst wel­che aus­su­chen. Über­prüft dann das Depot regel­mä­ßig gemein­sam. 

Ein weiterer Tipp: eine kleine „Finanzspritze“ der Großeltern kann ebenfalls ins Depot eingezahlt werden.

Bei uns sind auch die Groß­el­tern mit im Boot, wenn es ums Inves­tie­ren für’s Kind geht. Die bei­den schi­cken unse­rem Sohn aber gern mal ein Päck­chen mit Süßig­kei­ten und klei­nen Geschen­ken und oft genug auch noch mit einer klei­nen „Finanz­sprit­ze“ drin – ein­fach so „außer der Rei­he“. Da haben wir Eltern vor­ge­schla­gen, ob Omi und Opa nicht etwas Geld ins Depot ein­zah­len. Und so war der nächs­te Spar­plan aufgelegt.

Nun hat nicht jede:r eine Unter­stüt­zung durch Paten oder Groß­el­tern. Aber schon klei­ne Beträ­ge in einem Spar­plan ent­fal­ten eine gro­ße Wir­kung. Wir haben es gemein­sam unse­rem Sohn vor­ge­rech­net: 50 Euro regel­mä­ßig über 18 Jah­re, bis zur Voll­jäh­rig­keit. Wir haben eine Ren­di­te von sechs Pro­zent p.a. ange­nom­men und eine the­sau­rie­ren­de, reinves­tie­ren­de Geld­an­la­ge. Das ist kon­ser­va­tiv, aber wir woll­ten ja auch kei­ne über­zo­ge­nen Erwar­tun­gen wecken. Das Ergeb­nis: Zu Ein­zah­lun­gen von ins­ge­samt 10.800 Euro kom­men 8.665 Zin­sen hin­zu. Abzüg­lich der Kapi­tal­ertrags­steu­er von 1.600 kom­men über die Zeit 17.865 Euro zusam­men. Dass das viel Geld ist, ver­ste­hen auch grö­ße­re Kin­der! 

Und wenn die Eltern selbst gute Vor­bil­der sind, ist das schon die hal­be Mie­te. Gesprä­che über das Markt­ge­sche­hen sind daher wich­tig – die Kin­der sol­len auch Fra­gen stel­len kön­nen. Wie, war­um das Depot in den ver­gan­ge­nen Wochen Rück­schlä­ge hat hin­neh­men müs­sen. Eltern soll­ten ihm dann erklä­ren, war­um – und, dass Akti­en, die qua­li­täts­stark sind, wie­der stei­gen.  

Eltern müs­sen sich aber eben auch selbst an die Bör­se trau­en- und die eige­nen Vor­ur­tei­le (Bör­se ist nur für Ver­mö­gen­de, kei­ne Zeit, kein Kapi­tal) über Bord wer­fen und selbst (klein) anfan­gen. Invest­ments an der Bör­se waren bis dato nach 15 Jah­ren immer posi­tiv. Egal zu wel­chem Ein­stiegs­zeit­punkt. Egal wie mies es zwi­schen­drin gelau­fen ist. Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Der MSCI World Akti­en­in­dex, der welt­weit in die größ­ten Unter­neh­men in den USA, Euro­pa, Asi­en und Latein­ame­ri­ka inves­tiert, legt eine Per­for­mance von im Schnitt neun Pro­zent pro Jahr hin, abzüg­lich der Infla­ti­on also rund sechs Pro­zent. Trotz Kurs­rück­set­zern oder gar Kurs­ein­brü­chen. 

Motivation und Ziele sind wichtig

Um die Kin­der zu moti­vie­ren, selbst akti­ver zu wer­den, kön­nen sie ers­ten bei­den Kapi­tel des Buches „Rich dad, poor dad“ lesen. Der Autor, Robert Kiyo­sa­ki, schil­dert, wie er selbst als Jun­ge mit sei­nem bes­ten Freund an das The­ma „Inves­tie­ren“ gekom­men ist. Er beschreibt zum Bei­spiel, wie die er mit sei­nem Freund Mün­zen prä­gen woll­te. Sie sam­mel­ten Zahn­pas­ta­tu­ben, schmol­zen sie ein, gos­sen das Blei in For­men und stell­ten Fünf-Cent-Mün­zen her. Die bei­den wich­tigs­ten Erkennt­nis­se: Den Unter­schied zwi­schen Ver­mö­gen und Ver­bind­lich­kei­ten zu ver­ste­hen und die Erkennt­nis: „Die Fra­ge ist NICHT, war­um errei­che ich Zie­le nicht, son­dern die Fra­ge ist: WIE errei­che ich Zie­le.“ Auch finan­zi­el­le.  

Beloh­nen kann man mit einem klei­nen Geld­be­trag – die Kin­der soll­ten selbst über­le­gen, wie sie ihn inves­tie­ren wür­den. Natür­lich soll­ten Eltern mit ihnen dar­über spre­chen, was in ihrem Depot der Kin­der und was sinn­voll ergän­zen wer­den könn­te: Eine Aktie soll­te es sein. Und sie soll­te zur lang­fris­ti­gen, ren­di­te­ori­en­tier­ten Aus­rich­tung des Depots pas­sen. Reicht es nicht für eine Aktie, hilft ein Spar­plan: Ein­mal ein­ge­rich­tet, bespart der oder die Klei­ne nun auch sei­ne ers­te Ein­zel­ak­tie. Das ist aller­dings gebüh­ren­sei­tig etwas teu­rer als ein ETF. Aber sei­ne oder ihre ers­te ganz eige­ne Ent­schei­dung an der Bör­se ohne Hil­fe ist vie­len die Gebüh­ren wert. 

Wich­ti­ger Hin­weis für Eltern: Ein Depot soll immer auch auf den Namen des Kin­des lau­fen. Denn Kin­der erhal­ten einen eige­nen Spa­rer­pausch­be­trag von 801 Euro pro Jahr. Bis zu die­sem Betrag blei­ben die erreich­ten Erträ­ge steu­er­frei. Dafür muss man der Depot­bank einen Frei­stel­lungs­auf­trag ertei­len. Wenn man mehr inves­tiert und den Pausch­be­trag über­schrei­tet, soll­te man eine Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung bean­tra­gen. Dann wird kei­ne Abgel­tungs­steu­er fäl­lig, denn auch Kin­der erhal­ten den steu­er­li­chen Grund­frei­be­trag auf die Erträ­ge im Depot von 9.984 Euro (2022). 

Wich­tig: Eltern haben logi­scher­wei­se Zugriff auf die Kon­ten und Depots der Kin­der. Das Geld gehört aber dem Kind. Eltern dür­fen davon nichts abhe­ben und für sich selbst ver­wen­den. Der Nach­wuchs könn­te die Eltern dafür ver­kla­gen, sobald er 18 ist. Außer­dem kön­nen die Klei­nen mit dem Geld machen, was sie möch­ten, wenn sie voll­jäh­rig sind.  

Ach­tung: Wenn ein Stu­di­um ansteht, zählt das Geld zum Ver­mö­gen. Wer BaföG als Stu­di­en­för­de­rung bean­tragt, kann die­se För­de­rung nur bis zu einem eige­nen Ver­mö­gen von maxi­mal 8.200 Euro erhal­ten.  

Cou­ra­ge-Tipp: Wie die Kin­der den Umgang mit Geld ler­nen, fängt schon mit dem Spa­ren an: Auch Kin­der kön­nen spa­ren. Je frü­her sie das ler­nen, umso bes­ser. Schließ­lich ist nicht immer Weih­nach­ten oder Geburts­tag als Geschenk-Gele­gen­heit, aber die Wunsch­lis­te der Klei­nen wächst ja das gan­ze Jahr über. Ein eige­nes Spar­schwein hilft den Klei­nen, einen Wunsch erfüllt zu bekom­men – und selbst dazu bei­zu­tra­gen: Ein Teil sei­ner Geld­ge­schen­ke oder ein Teil vom Taschen­geld wan­dert ins Spar­schwein. So kann sich das Kind wei­ter klei­ne Wün­sche erfül­len und sich auf einen gro­ßen Wunsch freu­en. Ist immer noch Geld übrig, dann nichts wie aufs Depot damit. Auf einem Spar­kon­to gibt es schließ­lich kei­ne Zin­sen. 

Spar-Challenge und Dagobert-Duck-Feeling

Mein Sohn und ich haben eine Chal­len­ge gestar­tet: Das Klein­geld, das wir aus der Rück­ga­be von Pfand­fla­schen bekom­men haben, haben wir in eine Spar­do­se gesteckt. Natür­lich nur, wenn mein Sohn mit dabei war und gehol­fen hat, Kis­ten und Fla­schen zu schlep­pen. Nach ein paar Mona­ten war die Dose voll. Wir sind mit der Dose zur Bank und haben die Mün­zen in den Ein­zahl-Auto­ma­ten geschüt­tet.  

Auch klei­ne Ein­käu­fe mit Ein­kaufs­lis­te und ent­spre­chen­dem Geld­be­trag sind ein guter Moti­va­tor zum Spa­ren: Die Kin­der hel­fen der Fami­lie mit ihrem Ein­kauf, ler­nen Prei­se zu ver­glei­chen, tra­gen Ver­ant­wor­tung – und wer­den belohnt: Denn das Wech­sel­geld dür­fen sie behal­ten. Und damit machen, was sie möch­ten. Kin­der sol­len von ihrem Taschen­geld ab dem Grund­schul­al­ter kau­fen kön­nen, was sie mögen. Auch und gera­de Din­ge, die nur aus ihrer Sicht sinn­voll sind. So ler­nen Kin­der und Jugend­li­che den Umgang mit Geld und wer­den moti­viert zu spa­ren. Und zu inves­tie­ren. 

Fazit: Gesprä­che über Geld­an­la­ge, die eige­ne gute Vor­bild­wir­kung und klei­ne Auf­ga­ben rund um das Bör­sen­ge­sche­hen kön­nen schon bei unse­ren Kin­dern das Inter­es­se für Geld­an­la­ge wecken. Und Eltern kön­nen ihnen schon dadurch hel­fen, dass wir auch in die­ser Bezie­hung gute Vor­bil­der sind. 

Unser gra­tis Newsletter

Noch mehr Infos für dich

Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben