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Wie ich meinen Marktwert bestimme

2020-04-21T13:07:01+02:0010. Januar 2020|

Spätestens dann, wenn wir in einem Stel­lenange­bot „bitte richt­en Sie Ihre Bewer­bung­sun­ter­la­gen unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstel­lung an XYZ“ lesen, fra­gen wir uns, wie wir unseren Mark­twert bes­tim­men und wie wir daraus unsere Gehaltsvorstel­lung ableit­en kön­nen.

Gast­beitrag von Susan J. Mold­en­hauer

Egal, ob als Beruf­se­in­steigerin, Beruf­ser­fahrene, Beruf­s­rück­kehrerin oder wann immer wir uns beru­flich verän­dern möcht­en: Immer dann, wenn wir unser Gehalt bzw. den Preis für unsere Leis­tung ver­han­deln müssen, geht es im Vor­feld darum, den  eige­nen Mark­twert festzule­gen, sprich: eine Stan­dort- und damit Wertbes­tim­mung durchzuführen. Wir müssen wis­sen, wo wir ste­hen, was wir wollen und was wir dafür ver­lan­gen kön­nen. Hier­bei betra­cht­en wir unseren bish­er zurück­gelegten Bil­dungs- und Beruf­sweg inklu­sive aller uns aus­machen­den Eigen­schaften, Tal­ente und Skills. Dann führen wir eine Gehalt­srecherche unter Ein­beziehung möglichst viel­er Quellen durch. Wir stim­men das Ergeb­nis mit unser­er indi­vidu­ellen Aus­gangslage ab und leit­en daraus unsere Gehalt­sziele ab. Übri­gens lassen sich auch bei tar­ifge­bun­de­nen Arbeitsverträ­gen die Ein­grup­pierung in Ent­gelt­grup­pen und über­tar­i­fliche Zusagen in bes­timmten Fällen ver­han­deln.

Unseren Marktwert bestimmen

Um her­auszufind­en, wie genau unser „Mark­twert“ zu bes­tim­men ist, soll­ten wir uns genauer mit unserem Werde­gang auseinan­derge­set­zt haben. Wir ver­fü­gen übri­gens auch als Beruf­se­in­steigerin­nen über entsprechende Erfahrungswerte (zB. Neben­jobs, Engage­ments in Vere­in­sheimen, im Ehre­namt, in Sport­clubs, etc.), aus denen wir Nüt­zlich­es für den (späteren) Job mit­brin­gen.

Dazu gehört:

  • unsere Aus­bil­dung, Studi­um, Qual­i­fika­tion
  • unser Hard- und Soft­skillset
  • unsere Erfahrun­gen (und das kön­nen auch Erfahrun­gen als Ehre­namtliche, Im Vere­in­sheim, im Sport­club, zB. als Trainer­in oder andere Jobs im Bere­ich der Organ­i­sa­tion, im Verkauf, etc. sein)
  • unsere Kernkom­pe­ten­zen
  • unsere Werte
  • unsere Bedürfnisse
  • unsere Bere­itschaft, die berühmte „Extrameile“ zu gehen

Vergleichsgehälter recherchieren, um den Marktwert zu bestimmen

Dazu gibt es einige gute Plat­tfor­men im Netz oder Offline, die wir nutzen kön­nen. Hierzu ein­fach die Such­maschi­nen nach Begrif­f­en, wie „Gehaltsver­gle­ich“ oder „Gehaltssta­tis­tik“ oder ähn­lich­es durch­forsten. Um mal ein paar Beispiele zu nen­nen:

  • glassdoor.de
  • arbeitsagentur.de
  • job­plat­tfor­men
  • Wirtschaft­szeitun­gen
  • Das Sta­tis­tis­che Bun­de­samt (destatis.de) ermit­telt jährlich nicht nur den „offiziellen“ Gen­der Pay Gap, son­dern erstellt auch eine umfan­gre­iche Sta­tis­tik, die nach Bun­deslän­dern, dem Beruf­ssta­tus und vie­len anderen Para­me­tern auf­bere­it­et ist
  • Kar­ri­ere­ber­ater, Per­sonal­dien­stleis­ter
  • Gew­erkschaften (hier hil­ft meist eine Mit­glied­schaft, um genauere Auskün­fte zu erhal­ten)
  • Kar­ri­eremessen
  • Pri­vater Aus­tausch mit (ehe­ma­li­gen) Kol­legin­nen; Fre­un­den und Bekan­nten
  • Reden, reden, fra­gen: das Tabu Geld und Gehalt kön­nen wir selb­st brechen, indem wir damit anfan­gen!

Marktwert ist abhängig von Branche, Standort und Unternehmensgröße

Wenn wir unseren Mark­twert bes­tim­men wollen, müssen weit­ere Punk­te, wie die Branche, der Stan­dort und die Größe des Unternehmens berück­sichtigt wer­den. So fällt das Gehalt als „Key Account Man­ag­er“ in der Pharmabranche und Soft­warein­dus­trie wesentlich höher aus als im Bere­ich Hotel und Gas­tronomie oder der Wer­be­wirtschaft.

Die Gehäl­ter, die in größeren Unternehmen, zum Beispiel inter­na­tion­al aufgestell­ten Konz­er­nen, erzielt wer­den kön­nen, sind deut­lich höher als in kleineren und mit­tel­ständis­chen Unternehmen oder Start-Ups. Auch die Frage, ob das Unternehmen in einem Bal­lungs­ge­bi­et, im Nor­den oder Süden Deutsch­lands oder im ländlichen Raum ange­siedelt ist, wirkt sich auf das Gehalt aus.

Die eigene Haltung zu Geld und Gehalt

Um den eige­nen Mark­twert zu bes­tim­men ist es wichtig, zu inter­fra­gen, wie wir zum The­ma „Gehalt“, und dahin­ter, zu „Geld“ ste­hen. Wir kön­nen in uns hinein­hören und uns an unsere ersten Erfahrun­gen mit Geld erin­nern. Dazu haben wir vielle­icht Sätze wie „Geld ist nicht so wichtig“, „Es geht nicht nur ums Geld!“ oder „…sei fleißig, sei artig und sei nicht zu fordernd!“ im Kopf, die sich zu fes­ten Glaubenssätzen man­i­festiert haben und uns unser gesamtes (Berufs-)Leben lang begleit­en, sofern wir diese nicht auflösen. Wenn wir eine schlechte Erster­fahrung, und dadurch bed­ingt, einen neg­a­tiv­en Glaubenssatz zu Geld im Kopf haben, wie wollen wir dann überzeu­gend in der Gehaltsver­hand­lung über Geld und Gehalt sprechen?

Haben wir zu allen Punk­ten recher­chiert, ist entschei­dend, die passende Strate­gie für die anste­hende Ver­hand­lung zu entwick­eln. Hierzu gehört, sich ein Max­i­mal- und Min­i­malziel zu set­zen und am besten noch einen Alter­na­tivw­ert, der zB. auch Ben­e­fits, wie geld­w­erte Vorteile oder Grat­i­fika­tio­nen berück­sichtigt.

Die eige­nen Leis­tun­gen und Qual­i­fika­tio­nen soll­ten ins rechte Licht gerückt wer­den und gemäß Posi­tion und Auf­gabe im Unternehmen sollte der Mehrw­ert, den wir in das Unternehmen ein­brin­gen, also das gewisse „Extra“, die Vision, die wir in unserem Wirkungs­bere­ich ver­fol­gen, unser Max­i­malziel argu­men­ta­tiv gut unter­mauern.

Konkrete Gehaltsangaben in der Bewerbung

Die Frage, ob die Nen­nung ein­er konkreten Zahl als Gehaltsvorstel­lung ins Anschreiben gehört und somit der Auf­forderung aus der Stel­lenanzeige zu fol­gen ist, ist unter Rat­ge­bern, Per­son­alern und Kar­ri­ere­ber­atern umstrit­ten. Um nicht den Ein­druck zu erweck­en, man habe dieses Detail in der Stel­lenauss­chrei­bung überse­hen, kann zum Beispiel darauf hingewiesen wer­den, diesen Punkt gerne im per­sön­lichen Gespräch klären zu wollen.

Ob dies zur eige­nen Strate­gie passt, kommt auf viele ver­schiedene Fak­toren an, auf die Unternehmen­skul­tur genau­so wie auf den Weg, über den die Bewer­bung über­mit­telt wird und nicht zulet­zt auf die eigene Per­sön­lichkeit und den Mut, hier auch mal bewusst einen anderen Weg zu gehen und sich dadurch von anderen Mit­be­wer­berin­nen abzu­gren­zen.

Wer Schwierigkeit­en hat, welch­er Weg der richtige ist und vor allem, wie die eige­nen Gehalt­sziele konkret abzuleit­en sind und wie eine tra­gende Gesprächsstrate­gie gemäß der eige­nen Sit­u­a­tion entwick­elt wird, sollte in eine gute und indi­vidu­elle Kar­ri­ere­ber­atung investieren.

In der Serie „Gehaltsver­hand­lun­gen“ möchte ich euch Schritt für Schritt die The­men näher brin­gen, die ich auch in meinen Coach­ings behan­dle. Ihr dürft ges­pan­nt sein.

Den ersten Teil der Gehaltsserie mit Susan J. Mod­elnhauer find­et ihr hier.

Den drit­ten Teil der Gehaltsserie mit Susan J. Mod­elnhauer find­et ihr hier.

Den vierten Teil der Gehaltsserie mit Susan J. Mod­elnhauer find­et ihr hier.

Über die Autorin:

Susan J. Mold­en­hauer ver­fügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit dem Fokus auf ganzheitliche, unab­hängige Beratung. Durch das Aus­bilden, Schulen und Führen von Mitar­beit­ern ent­deck­te sie ihre starke Affinität zum Coach­ing.

Als zer­ti­fizierte Kar­ri­ere­ber­a­terin und Coach unter­stützt sie im Team der STRATEGY PIRATES® GmbH & Co. KG Men­schen im Beruf­sleben. Bei den geldfreundinnen.de ist sie mit der Rubrik „Kar­riere- und Gehaltscoach­ing“ vertreten. Sie bietet Work­shops, Vorträge und Einzel­coach­ings an.

Als Frau, die sich in ein­er män­ner­do­minierten Branche ihre Sporen ver­di­enen musste, ist ihr Herzen­s­the­ma, Frauen zu motivieren, mit mehr Mut, Selb­st­be­wusst­sein und dem Erken­nen ihres „Selb­st-Wertes“ ihren Weg erfol­gre­ich zu gehen.

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