Startseite/Gehaltsverhandlungen: Warum sie so wichtig sind

Gehaltsverhandlungen: Warum sie so wichtig sind

2020-11-06T08:50:22+01:0015. November 2019|

Frau­en tun sich oft schwer damit, ihr Gehalt zu ver­han­deln. Egal, ob es um das Ein­stiegs­ge­halt im ers­ten Job, um eine Gehalts­er­hö­hung im bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis oder das Ver­han­deln des Hono­rars oder Tages­sat­zes als Selbst­stän­di­ge geht: Oft feh­len Mut und Selbst­ver­trau­en bei der Ver­hand­lung. In unse­rer Serie gibt Gehalts­coach Sus­an J. Mol­den­hau­er Tipps, wie man sich auf eine Gehalts­ver­hand­lung opti­mal vor­be­rei­tet.

Gast­bei­trag von Sus­an J. Mol­den­hau­er

Gehalts­ver­hand­lun­gen mögen die wenigs­ten Frau­en, sie fürch­ten den „Gehalts­po­ker“ regel­recht. Als Fol­ge geben sie sich mit einem deut­lich nied­ri­ge­ren Ein­stiegs­ge­halt als Män­ner zufrie­den und for­dern im Job sel­te­ner Gehalts­ge­sprä­che ein. Sie neh­men jedoch bereit­wil­lig immer mehr Auf­ga­ben an und wer­den als „Dank“ noch nicht ein­mal beför­dert. Und das wirkt sich mas­siv auf unse­re Erwerbs­bio­gra­fie aus: je höher die Posi­ti­on im Job, des­to gerin­ger der Frau­en­an­teil, und gleich­zei­tig wächst das Gehalts­del­ta. Dass die Alters­ar­mut zum größ­ten Teil Frau­en betrifft, ist die logi­sche Kon­se­quenz.

Mit dem Gen­der Pay Gap (GPG) ermit­telt das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt jähr­lich die Dif­fe­renz des durch­schnitt­li­chen Brut­to­stun­den­ver­diensts von Män­nern und Frau­en im Ver­hält­nis zum Brut­to­stun­den­ver­dienst der Män­ner. Dabei wer­den zwei Indi­ka­to­ren unter­schie­den, näm­lich der unbe­rei­nig­te und der berei­nig­te GPG. Der unbe­rei­nig­te GPG ver­gleicht den Durch­schnitts­ver­dienst aller Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer all­ge­mein mit­ein­an­der. Das bedeu­tet, dass auch die Tat­sa­che mit ein­fließt, dass Frau­en schlech­te­re Zugangs­chan­cen zu bestimm­ten Beru­fen oder Kar­rie­re­stu­fen haben und häu­fi­ger in Teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis­sen beschäf­tigt sind. Hier hal­ten wir in Deutsch­land euro­pa­weit mit 21 Pro­zent einen beschei­de­nen Rekord.

Der berei­nig­te GPG gibt den Ver­dienst­un­ter­schied zwi­schen Frau­en und Män­nern mit ver­gleich­ba­ren Qua­li­fi­ka­tio­nen, Tätig­kei­ten und Erwerbs­bio­gra­fien wie­der, also den Ver­dienst­un­ter­schied im glei­chen Job. Hier spre­chen wir dann von rund sechs bis acht Pro­zent Lohn­un­ter­schied zwi­schen Mann und Frau. So weit die Sta­tis­tik.

Argumente allein reichen bei der Gehaltsverhandlung nicht

Aus mei­ner Pra­xis als Gehalts­coach sind mir ganz ande­re Fäl­le und Zah­len bekannt, die die sechs Pro­zent Gehalts­un­ter­schied noch als Träum­chen aus­se­hen las­sen. Nicht sel­ten erfah­re ich von einer weit grö­ße­ren Kluft, wohl­ge­merkt in glei­chen Posi­tio­nen, bei glei­cher oder bes­se­rer Arbeits­leis­tung und Qua­li­fi­ka­ti­on von Frau­en.

Ich bin für die Lohn­ge­rech­tig­keit zwi­schen Män­nern und Frau­en und möch­te jede von uns dazu ermu­ti­gen, für sich, für ihre Arbeits­leis­tung und letzt­lich für ihren (Mehr)Wert ein­zu­ste­hen! Aber wie geht es uns eigent­lich damit, wenn wir dar­an den­ken, unser Gehalt, unse­ren Preis zu ver­han­deln? Wie ermit­teln wir unse­ren Markt­wert und wie reagie­ren wir auf Gegen­ar­gu­men­te in der Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on?

Eine Fra­ge erreicht mich immer als Ers­te: „Wie kann ich in der Gehalts­ver­hand­lung selbst­si­che­rer wer­den?“ Dies zeigt, dass wir die Vor­be­rei­tung auf die Preis- oder Gehalts­ver­hand­lung ganz­heit­lich ange­hen soll­ten. Es reicht lei­der nicht, „Top-Argu­men­te“ aus Rat­ge­bern zu goo­geln und die­se aus­wen­dig zu ler­nen. Beim ers­ten „Nein“, spä­tes­tens aber beim zwei­ten, star­ken Gegen­ar­gu­ment sei­tens des Ver­hand­lungs­part­ners sind vie­le raus aus dem Ren­nen.

Ziele setzen vor der Gehaltsverhandlung

Es ist dar­um wich­tig, sich vor der Gehalts­ver­hand­lung inten­siv damit aus­ein­an­der­zu­set­zen, was man will, was man wirk­lich kann (Aus­bil­dung, Stu­di­um, Qua­li­fi­ka­ti­on, Hard- und Softs­kill­set, Erfah­run­gen) und wie der Plan B aus­sieht, falls die Ver­hand­lung nicht zum Erfolg füh­ren soll­te. Das ist das not­wen­di­ge Fun­da­ment für eine gute Ver­hand­lungs­ba­sis. Dazu gehört auch, sich bewusst zu machen, wel­chen Mehr­wert man in das Unter­neh­men ein­ge­bracht hat und künf­tig ein­bringt. Auch soll­ten wir für uns klä­ren, wo wir hin­wol­len: Soll es eine Fach- oder Füh­rungs­kar­rie­re sein, wo lie­gen die Kern­kom­pe­ten­zen und sind wir bereit, die berühm­te „Extra­mei­le“ zu gehen?

Dar­über hin­aus soll­ten wir vor der Gehalts­ver­hand­lung hin­ter­fra­gen, wie wir zum The­ma „Gehalt“, und dahin­ter, zu „Geld“ ste­hen. Oft tun sich Frau­en schwer damit, eine grö­ße­re Zahl, zum Bei­spiel das Jah­res­ge­halt, aus­zu­spre­chen und ihr Maxi­mal­ziel zu nen­nen. Nicht sel­ten erle­be ich hier Unsi­cher­hei­ten. Das reicht von einer sich plötz­lich ver­än­dern­den Stimm­far­be oder Mimik bis hin zu kom­plet­tem Schwei­gen und einer Kör­per­spra­che, die mir ver­rät: „Ich will hier weg!“.

Das zeigt, dass die „Bezie­hung zu Geld“ in sol­chen Fäl­len nega­tiv ist. Wir kön­nen in uns hin­ein­hö­ren und uns an unse­re ers­ten Erfah­run­gen mit Geld erin­nern. Dazu haben wir viel­leicht Sät­ze wie „Geld ist nicht so wich­tig“, „Es geht nicht nur ums Geld!“ oder „…sei flei­ßig, sei artig und sei nicht zu for­dernd!“ im Kopf. Die­se Sät­ze haben sich mit der Zeit zu fes­ten Glau­bens­sät­zen mani­fes­tiert und wer­den uns unser gesam­tes (Berufs-)Leben beglei­ten, sofern wir die­se nicht auf­lö­sen.

Money-Mindset ist wichtig für die Gehaltsverhandlung

Wenn wir eine schlech­te Ersterfah­rung, und dadurch bedingt, einen nega­ti­ven Glau­bens­satz zu Geld im Kopf haben, wie wol­len wir dann über­zeu­gend in der Gehalts­ver­hand­lung nach mehr Geld fra­gen? Unser „Money-Mind­set“ ist ein wich­ti­ger Fak­tor, wenn nicht sogar der ent­schei­den­de Fak­tor in der Gehalts­ver­hand­lung. Nicht zuletzt wird vom Chef in der Gehalts­ver­hand­lung häu­fig auf unse­re sozia­le Ader ange­spielt, dass etwa „Geld doch nicht alles sei“. Und was tun wir Frau­en in den aller­meis­ten Fäl­len?

Genau, wir stei­gen dar­auf ein! Wir wol­len, dass unser Chef uns mag. Das heißt, wir ver­wech­seln in der Gehalts­ver­hand­lung die Rol­len und gehen schnell in die Bezie­hungs­ebe­ne, statt auf der Sach­ebe­ne zu blei­ben. Des­halb soll­ten wir uns ein Bild zu unse­rem „Money-Mind­set“, also unse­rer Hal­tung zu Geld, machen. Es ist wich­tig, Glau­bens­sät­ze zu hin­ter­fra­gen und die­se auf­zu­lö­sen.

In der Serie „Gehalts­ver­hand­lun­gen“ möch­te ich euch Schritt für Schritt die The­men näher brin­gen, die ich auch in mei­nen Coa­chings behand­le. Ihr dürft gespannt sein.

Den zwei­ten Teil der Gehalts­se­rie mit Sus­an J. Mol­den­hau­er fin­det ihr hier.

Den drit­ten Teil der Gehalts­se­rie mit Sus­an J. Mol­den­hau­er fin­det ihr hier.

Den vier­ten Teil der Gehalts­se­rie mit Sus­an J. Mol­den­hau­er fin­det ihr hier.

Über die Autorin:

Sus­an J. Mol­den­hau­er ist seit 1999 in der Finanz­dienst­leis­tungs­bran­che tätig. Ihrer lang­jäh­ri­gen Erfah­rung in den unter­schied­lichs­ten Ver­triebs­ka­nä­len sowie im Recrui­t­ing, Trai­ning und in der Füh­rung von Mit­ar­bei­tern ver­dankt sie ihre Kom­pe­tenz im Coa­ching. Als zer­ti­fi­zier­te Kar­rie­re­be­ra­te­rin und (Finanz-)Coach hat sie sich auf Gehalts­ver­hand­lun­gen für Frau­en spe­zia­li­siert und unter­stützt Frau­en dar­in, mit mehr Mut, Moti­va­ti­on und Selbst­be­wusst­sein ihren Weg zu gehen. Die Ermitt­lung des eige­nen Markt­werts spielt in den Coa­chings eben­so eine Rol­le wie die kon­kre­te Vor­be­rei­tung auf den jewei­li­gen Ver­hand­lungs­part­ner und die Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on.  Zudem arbei­tet sie gezielt an der Sprech­wei­se, Spra­che und Kör­per­spra­che. Bei www.geldfreundinnen.de fin­det ihr von Sus­an J. Mol­den­hau­er vie­le wei­te­re wert­vol­le Tipps und Rat­schlä­ge zu Kar­rie­re & Gehalts­ver­hand­lung.

Noch mehr Infos für dich

7 Tipps zur Selbstführung im Homeoffice

Mil­lio­nen von Deut­schen arbei­ten aktu­ell im Home­of­fice – für vie­le sehr unge­wohnt: Es feh­len gere­gel­te Tages­ab­läu­fe, Kol­le­gen, Vor­ge­setz­te und oft auch ein­fach die Dis­zi­plin, zu Hau­se genau­so pro­duk­tiv zu arbei­ten wie im Büro. Eine gute Orga­ni­sa­ti­on, aber vor allem die Fähig­keit zur Selbst­füh­rung sind dar­um um so wich­ti­ger, hier einen guten Job zu machen.

Personal Branding — Was verbirgt sich dahinter?

Mit etwas Geduld, einer lang­fris­ti­gen Stra­te­gie und den eige­nen Stär­ken kann Per­so­nal Bran­ding zu neu­en Auf­trä­gen, Pro­jek­ten oder Posi­tio­nen ver­hel­fen. Das Ziel ist es, sich in den Köp­fen der Men­schen für sein The­ma und sei­ne Fähig­keit zu ver­an­kern — ohne sich dabei auf­dring­lich zu ver­kau­fen. Ver­kau­fen lässt sich in die­sem Fall das eige­ne Image, die Leis­tun­gen und die Exper­ti­se, die sich im opti­ma­len Fall ganz orga­nisch ver­brei­ten.

Zitat der Woche KW13
Buch des Monats

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben