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Teil 3: Geld für Kinder

2021-01-15T11:39:43+01:0028. November 2020|

Kin­der berei­ten Freu­de – aber auch Kos­ten. Der Staat betei­ligt sich dar­an, etwa mit dem Kin­der­geld. Cou­ra­ge klärt grund­le­gen­de Fra­gen rund um die­se Leis­tung.

Von Gise­la Habe­rer

Wie viel Kindergeld gibt es? 

Ab 1. Janu­ar 2021 gibt es für das ers­te und zwei­te Kind jeweils 219 Euro pro Monat, für das drit­te Kind 225 Euro und ab dem vier­ten Kind 250 Euro. Bis Ende 2020 waren es 204, 210 und 235 Euro.

Kin­der­geld wird unab­hän­gig vom Ein­kom­men der Eltern gezahlt. Eltern mit gerin­gem Ein­kom­men kön­nen einen „Kin­der­zu­schlag“ erhal­ten.

Für welche Kinder gibt es Kindergeld?

Grund­sätz­lich fließt Kin­der­geld für alle min­der­jäh­ri­gen Kin­der, die im eige­nen Haus­halt ver­sorgt wer­den: für leib­li­che Kin­der wie für Adoptiv‑, Stief- oder Enkel­kin­der.

Bei Pfle­ge­kin­dern gel­ten wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen: Pfle­ge­el­tern dür­fen mit der Auf­nah­me der Kin­der nicht pro­fes­sio­nell ihr Geld ver­die­nen. Pfle­ge­kin­der müs­sen wie eige­ne Kin­der zur Fami­lie gehö­ren. Es besteht kein Obhuts- oder Betreu­ungs­ver­hält­nis mehr zu den leib­li­chen Eltern. 

Wer hat Anspruch auf Kindergeld?

Gene­rell gilt: Wer Kin­der in sei­nem Haus­halt auf­zieht und in Deutsch­land wohnt, bekommt Kin­der­geld. Unter Umstän­den gibt es auch Kin­der­geld für Kin­der, die im EU-Aus­land leben.

Im Ein­zel­fall hängt der Anspruch auf Kin­der­geld von der Staats­an­ge­hö­rig­keit, dem Wohn­sitz, der Erwerbs­tä­tig­keit, der Steu­er­pflicht, dem Auf­ent­halts­ti­tel sowie von Alter und Tätig­keit der Kin­der ab. Die Fami­li­en­kas­sen der Agen­tu­ren für Arbeit bezie­hungs­wei­se der öffent­li­chen Arbeit­ge­ber prü­fen die­se Punk­te eigen­stän­dig.

Sie sind dabei von Ent­schei­dun­gen der Aus­län­der­be­hör­de unab­hän­gig. Genaue Aus­künf­te erteilt das Ser­vice­te­le­fon der Fami­li­en­kas­se: 0800/455 55 30.

An wen wird Kindergeld ausgezahlt?

Lebt die Fami­lie unter einem Dach kön­nen Eltern frei wäh­len, wer das Kin­der­geld erhält. Leben die Eltern getrennt, fließt das Kin­der­geld an den­je­ni­gen, bei dem das Kind über­wie­gend wohnt. Von Unter­halts­zah­lun­gen des ande­ren Eltern­teils wird es antei­lig abge­zo­gen. Eine antei­li­ge Über­wei­sung auf zwei Kon­ten ist nicht mög­lich. 

Bei Voll­wai­sen und Kin­dern, bei denen der Auf­ent­halts­ort der Eltern unbe­kannt ist, kommt es dar­auf an: In der Regel erhält der­je­ni­ge das Kin­der­geld, in des­sen Haus­halt sie leben und der über­wie­gend für ihren Unter­halt auf­kommt. Even­tu­ell hat auch ein Sozi­al- oder Jugend­amt einen Anspruch. 

Sor­gen Kin­der für sich selbst, kön­nen sie das Kin­der­geld auch direkt erhal­ten. Dies gilt auch für voll­jäh­ri­ge Kin­der, bei denen etwa wegen Aus­bil­dung oder Stu­di­um noch Anspruch auf Kin­der­geld besteht.

Erhal­ten sie von ihren Eltern kei­nen oder weni­ger Unter­halt als das antei­li­ge Kin­der­geld betra­gen wür­de, kön­nen sie bei der Fami­li­en­kas­se eine soge­nann­te „Abzwei­gung“ auf ihr eige­nes Kon­to bean­tra­gen. 

Braucht es den Trauschein?

Kin­der­geld fließt unab­hän­gig davon, ob Eltern ohne oder mit Trau­schein zusam­men­le­ben, getrennt oder geschie­den sind. Doch für Patch­work-Eltern kann eine Hoch­zeit einen klei­nen finan­zi­el­len Vor­teil brin­gen. Denn nur für Ver­hei­ra­te­te sind Kin­der aus frü­he­ren Part­ner­schaf­ten als „Zähl­kin­der“ anre­chen­bar.

Ein Bei­spiel: Das Kind aus einer frü­he­ren Bezie­hung einer Frau lebt bei sei­nem leib­li­chen Vater. Er erhält das Kin­der­geld. Die Frau hat mit ihrem jet­zi­gen Ehe­mann zwei Kin­der. Bei der Berech­nung des Kin­der­gel­des zählt das Kind aus ihrer frü­he­ren Bezie­hung als ers­tes Kind. Die bei­den Kin­der aus ihrer jet­zi­gen Ehe wer­den so zu zwei­tem und drit­tem Kind. Da das Kin­der­geld für das drit­te Kind höher ist, erhält die Mut­ter pro Monat sechs Euro mehr Kin­der­geld – zumin­dest solan­ge ihr ers­tes Kind noch Anspruch auf Kin­der­geld hat. 

Wie lange gibt es Kindergeld?

Kin­der­geld gibt es auf jeden Fall bis zum 18. Geburts­tag des Kin­des. Für ein voll­jäh­ri­ges Kind kann es wei­ter Kin­der­geld geben, solan­ge es nach­weis­lich in Aus­bil­dung oder Stu­di­um ist oder einen gere­gel­ten Frei­wil­li­gen­dienst absol­viert.

Wäh­rend regu­lä­rer Über­gangs­zei­ten zwi­schen Schu­le und Aus­bil­dung oder Stu­di­um fließt Kin­der­geld bis zu vier Mona­te lang wei­ter, wäh­rend eines Aus­lands­se­mes­ters, etwa einer Teil­nah­me an einem Aus­tausch­pro­gramm der EU, für bis zu zwölf Mona­te. 

Wann gibt es Kindergeld bis zum 21. Lebensjahr des Kindes?

Für voll­jäh­ri­ge Kin­der, die als arbeits­su­chend gemel­det sind, besteht bis zum 21. Geburts­tag Anspruch auf Kin­der­geld. Das gilt auch, wenn sie in die­ser Zeit einen Mini­job aus­üben. 

Wann gibt es Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr des Kindes?

Kin­der­geld kann bis zum 25. Geburts­tag des Kin­des wei­ter­ge­zahlt wer­den, solan­ge die­ses für einen Beruf aus­ge­bil­det wird oder stu­diert.

Unter­bre­chen jun­ge Frau­en ihre Aus­bil­dung oder ihr Stu­di­um vor­über­ge­hend, weil sie in Mut­ter­schutz gehen, fließt Kin­der­geld wei­ter. Gehen sie im Anschluss in Eltern­zeit, endet die Zah­lung. Doch dann kön­nen sie Eltern­geld bezie­hen. 

Gibt es Kindergeld auch für jobbende Kinder?

Frü­her war ent­schei­dend, wie viel der Nach­wuchs neben sei­ner Aus­bil­dung ver­dien­te. Seit 2012 lau­tet die Fra­ge: Ers­te oder zwei­te Aus­bil­dung? Wäh­rend ihrer ers­ten Aus­bil­dung kön­nen Kin­der solan­ge neben­her arbei­ten und so viel ver­die­nen wie sie wol­len.

In der Zeit der Zweit­aus­bil­dung gibt es Kin­der­geld nur, wenn ihre Erwerbs­tä­tig­keit Gren­zen hat. Erlaubt ist eine Beschäf­ti­gung im Rah­men der Aus­bil­dung sowie ein Mini­job.

Ansons­ten gilt: Die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Arbeits­zeit muss ins­ge­samt auf maxi­mal 20 Stun­den pro Woche begrenzt sein. Die Arbeits­zeit kann für bis zu zwei Mona­te über 20 Wochen­stun­den lie­gen, wenn sie wäh­rend des Kalen­der­jah­res ins­ge­samt im Schnitt dar­un­ter­bleibt. Zwei Mona­te Feri­en­job mit län­ge­rer Arbeits­zeit wären also mög­lich, wenn unterm Jahr nicht oder deut­lich weni­ger gejobbt wird. 

Aller­dings lan­de­te die Fra­ge „Erst- oder Zweit­aus­bil­dung“ schon mehr­fach vor dem Bun­des­fi­nanz­hof.

Fest steht bereits: Ein Mas­ter­stu­di­um zählt nur dann zur Erst­aus­bil­dung, wenn es zeit­lich und inhalt­lich direkt an ein Bache­lor­stu­di­um anschließt. Wird der Mas­ter dage­gen neben einer Voll­zeit­stel­le neben­be­ruf­lich absol­viert, ver­fällt der Anspruch auf Kin­der­geld. 

Wann gibt es Kindergeld über das 25. Lebensjahr hinaus?

Eltern erhal­ten auch nach dem 25. Geburts­tag eines Kin­des Kin­der­geld, wenn das Kind wegen einer davor ein­ge­tre­te­nen Behin­de­rung außer­stan­de ist, sich selbst zu unter­hal­ten. 

Wann gibt es kein Kindergeld mehr?

Der Anspruch auf Kin­der­geld kann aus unter­schied­lichs­ten Grün­den ent­fal­len. Etwa wenn Eltern bereits ähn­li­che Leis­tun­gen von ande­rer Sei­te erhal­ten, zum Bei­spiel von ande­ren Staa­ten. Oder wenn ein voll­jäh­ri­ges Kind Arbeits­lo­sen­geld II bezieht. Oder wenn ein voll­jäh­ri­ges Kind in der Zweit­aus­bil­dung regel­mä­ßig mehr als 20 Wochen­stun­den erwerbs­tä­tig ist. 

Warum gibt es Geld für Kinder vom Staat?

Kin­der­geld ist kei­ne mil­de Gabe von „Vater Staat“. Denn der Staat darf das Exis­tenz­mi­ni­mum sei­ner Bür­ger nicht besteu­ern, so ver­langt es das Grund­ge­setz. Um dies auch bei Kin­dern zu gewähr­leis­ten, gibt es für Eltern den Kin­der- und den Erzie­hungs­frei­be­trag. Das Kin­der­geld ist qua­si eine Art Vor­aus­zah­lung auf die­se Steu­er­vor­tei­le.

Ab einem Jah­res­ein­kom­men von gut 64.000 Euro ist der Steu­er­vor­teil durch die Frei­be­trä­ge grö­ßer als das aus­ge­zahl­te Kin­der­geld. Bei der jähr­li­chen Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung prüft das Finanz­amt auto­ma­tisch, wel­che Vari­an­te für die Eltern vor­teil­haf­ter ist: Frei­be­trag oder Kin­der­geld. 

Wo wird Kindergeld beantragt? 

Das Kin­der­geld wird bei den Fami­li­en­kas­sen der Agen­tu­ren für Arbeit oder der öffent­li­chen Arbeit­ge­ber bean­tragt. Die Fami­li­en­kas­sen zah­len die Leis­tung auch aus. Der Antrag bei der Fami­li­en­kas­se der Agen­tur für Arbeit kann hier online gestellt wer­den. 

Alle bis­he­ri­gen Tei­le unse­rer Serie Fami­lie und Finan­zen auf einem Blick:

Alles über Mut­ter­schafts­leis­tun­gen: Wo, wann, was, wie viel gibt es? Die­se Fra­gen klärt Cou­ra­ge im 1. Teil “Geld für Müt­ter”.

Alles ums Elter­geld, wer was bekommt und wo die Leis­tung zu bean­tra­gen ist, erklärt Cou­ra­ge im 2.Teil ” Geld für Eltern”.

Mehr staat­li­che Unter­stüt­zung für ihre Bil­dung. Alles über BAföG für Schü­ler und Stu­die­ren­de und Auf­stiegs-BAföG erklärt Cou­ra­ge im 4. Teil ” Geld für Bil­dung BAföG”.

Wei­te­re Unter­stüt­zun­gen für ihre Bil­dung. Über Sti­pen­di­en infor­miert Cou­ra­ge im 5. Teil ” Geld für Bil­dung: Sti­pen­di­en”

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