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Teil 9: Ist die Rente (noch) sicher?

2020-05-31T21:11:43+02:0025. Mai 2020|

Woher kommt eigentlich das Geld für unsere geset­zliche Rente? Wie funk­tion­iert das ganze Sys­tem? Kön­nen sich junge Leute noch auf „die Rente“ ver­lassen?

Viele junge Leute fürcht­en sich vor Alter­sar­mut. Sie sehen allerd­ings vor allem den Staat in der Ver­ant­wor­tung gegen­zus­teuern, wie eine Studie des Ver­sorgungswerkes der Met­allindus­trie ergab. Jün­gere Men­schen fürcht­en also um die Sicher­heit der geset­zlichen Rente – set­zen aber für ihren späteren Ruh­e­s­tand haupt­säch­lich auf diese Einkom­men­squelle. Doch wie wird es um das Renten­sys­tem bestellt sein, wenn heute 20-Jährige eines Tages in Ruh­e­s­tand gehen? Dafür erst mal ein Blick auf gestern und heute.

 

Von Gisela Haber­er 

Vertrag über Generationen

„Kinder bekom­men die Leute immer“, sagte der dama­lige Bun­deskan­zler Kon­rad Ade­nauer und führte 1957 den soge­nan­nten Gen­er­a­tio­nen­ver­trag für die geset­zliche Rente ein. Danach finanzieren die Erwerb­stäti­gen mit ihren Beiträ­gen in die Renten­ver­sicherung die laufend­en Renten.

Dieses „Umlagev­er­fahren“ erhöhte die geset­zliche Rente deut­lich. Denn zuvor waren nur die früheren eige­nen Beiträge in die Renten­berech­nung einge­flossen. Sei­ther wer­den auch die aktuellen, meist höheren Löhne ein­be­zo­gen.

Früher waren die Renten nur ein kleines „Zubrot“, nach der Umstel­lung wur­den sie mehr und mehr als das wesentliche Einkom­men im Alter emp­fun­den.

Ade­nauers Ein­schätzung wider­legte jedoch der Pil­lenknick. So wur­den aus­gerech­net die geburten­starken Jahrgänge 1955 bis 1969 zur ersten Gen­er­a­tion, die wirk­sam ver­hüten kon­nte. Und das tat sie. Wenn die „Baby­boomer“ nun nach und nach in Rente gehen, treten rel­a­tiv geburten­schwache Jahrgänge ins Beruf­sleben ein.

Aktuell finanzieren etwa 2,6 Erwerb­stätige einen Rent­ner, 2030 wird das Ver­hält­nis 2:1 sein. Dazu kommt die steigende Lebenser­wartung: 1960 wur­den Renten im Schnitt knapp zehn Jahre lang bezo­gen. Heute ist es dop­pelt so lange. Dro­ht der Gen­er­a­tio­nen­ver­trag die Jün­geren zu über­fordern?

Anpassungen des Systems

Die Poli­tik steuerte bere­its mehrfach dage­gen. So ist zum Beispiel seit 2002 die geset­zliche Rente offiziell kein Ersatz mehr für früheren Arbeit­slohn. Jed­er und jede soll sein Einkom­men im Alter durch betriebliche und pri­vate Altersvor­sorge selb­st ergänzen. Der Staat unter­stützt dabei durch Förderun­gen in Form von Steuer­vorteilen und Zuschüssen.

2007 wurde die „Rente mit 67“ beschlossen, die stufen­weise seit 2012 einge­führt wird. Ab dem Geburt­s­jahrgang 1964 gibt es Alter­srente reg­ulär erst mit 67 Jahren. Länger zu arbeit­en, soll die Beiträge zur Renten­ver­sicherung während der Erwerb­stätigkeit in Gren­zen hal­ten. 2019 trat der „Renten­pakt“ in Kraft.

Sei­ther gilt eine „dop­pelte Hal­telin­ie“: Bis 2025 soll der Beitragssatz zur Rente höch­stens 20 Prozent betra­gen (aktuell 18,6 Prozent). Gle­ichzeit­ig soll das Renten­niveau nicht unter 48 Prozent fall­en.

Das Renten­niveau gibt an, wie stark Senioren von einem Anstieg der Löhne prof­i­tieren. Es sagt nichts über das Ver­hält­nis zwis­chen let­ztem Gehalt und Renten­höhe aus (siehe auch Beitrag 8).

Ausweitung der Leistung

Doch die Poli­tik sta­bil­isiert das Sys­tem nicht nur – sie desta­bil­isiert es auch. Um Wäh­ler­stim­men zu gewin­nen, wer­den Leis­tun­gen einge­führt, die auf den ersten Blick sozial oder gerecht erscheinen mögen. Bei genauerem Hin­se­hen bür­den sie den Erwerb­stäti­gen aber immer größere Las­ten auf.

Früher galt der Grund­satz der „Leis­tungs­gerechtigkeit“: Die Höhe der Rente richtete sich nach den eingezahlten Beiträ­gen, angepasst an die Lohnen­twick­lung.

Inzwis­chen fließen immer mehr Renten für Leis­tun­gen, für die nichts selb­st eingezahlt wurde.

Beispiel 1

Müt­ter­rente. Natür­lich ist es zu begrüßen, dass Erziehungsleis­tung gesellschaftlich anerkan­nt wird. Doch es muss einem bewusst sein, dass dafür nun die Steuerzahler aufkom­men. Denn finanziert wer­den diese Renten über Bun­deszuschüsse aus Steuer­mit­teln.

Seit 1986 wird die Rente für Kinder­erziehung immer weit­er aus­ge­baut. Die jüng­sten Ausweitun­gen führten laut Regierungsangaben seit 2014 zu rund 6,7 Mil­liar­den Euro Mehrkosten, seit 2019 zu nochmal 3,8 Mil­liar­den Euro. Aktuell kosten die Müt­ter­renten den Bund ins­ge­samt 16,2 Mil­liar­den Euro pro Jahr.

Beispiel 2

Rente ab 63. Sie set­zte die Alters­gren­ze, zu der die Rente nach 45 Ver­sicherungs­jahren ohne Abschläge zu beziehen war, nur vorüberge­hend zurück: von 65 auf 63 Jahren. Ab dem Jahr der Ein­führung steigt die Alters­gren­ze stufen­weise bis sie wieder bei 65 Jahren liegt.

Nur die Jahrgänge 1949 bis 1963 kön­nen – je nach Geburt­s­jahr – bis zu 30 Monate früher abschlags­frei in Rente. Bere­its diese vorüberge­hende Ver­schiebung kostet zwei bis drei Mil­liar­den Euro pro Jahr.

Beispiel 3

Besser­stel­lung von Men­schen, die erwerb­sun­fähig wer­den. Seit 2019 wird ihre Rente so berech­net, als hät­ten sie bis zum reg­ulären Rentenein­trittsalter gear­beit­et.

Für den Einzel­nen ist das äußerst hil­fre­ich. Doch das Renten­sys­tem belastete es bere­its im Jahr der Ein­führung mit Mehraus­gaben von rund 100 Mil­lio­nen Euro. Bis 2025 rech­net die Bun­desregierung mit einem Anstieg der Kosten auf eine Mil­liarde Euro pro Jahr.

Beispiel 4

Besser­stel­lung von Ger­ingver­di­enen­den. Midi-Job­ber, die zwis­chen 450,01 und 1300 Euro im Monat ver­di­enen, zahlen nur einen ermäßigten Beitragssatz für die Rente ein. Später wird ihre Rente aber so berech­net, als ob sie den vollen Satz gezahlt hät­ten.

Auch hier: für Einzelne gut. Doch der geset­zlichen Renten­ver­sicherung ent­ge­hen so rund 200 Mil­lio­nen Euro an Beiträ­gen pro Jahr – für die sie später aber leis­ten soll. In diesem Fall ist nicht mal ein finanzieller Aus­gle­ich für die Rentenkasse vorge­se­hen!

Beispiel 5

Die geplante Grun­drente. Sie ver­wis­cht endgültig die Gren­ze zwis­chen beitrags­fi­nanziert­er Rente und bedürfnisori­en­tiert­er Grund­sicherung. Ohne Prü­fung der Bedürftigkeit ist noch nicht mal klar, ob die Grun­drente vor Alter­sar­mut bewahrt oder zum Zuck­erl für Ver­mö­gende wird.

Gibt es sie wie vorge­se­hen nur nach Prü­fung des Einkom­mens, belaufen sich Kosten­schätzun­gen auf zwei bis 20 Mil­liar­den Euro pro Jahr. Langfristig kön­nten die Kosten „in Summe unendlich hoch“ wer­den, warnt der Freiburg­er Renten­ex­perte Bernd Raf­fel­hüschen: „Denn ab Ein­führung wird für die Grun­drente natür­lich laufend jedes Jahr draufgezahlt.“

Wer soll das bezahlen?

Nur aus Beiträ­gen finanziert sich die geset­zliche Rente schon lange nicht mehr. Der Bund schießt Gelder zu: aus Steuer­mit­teln. 1960 belief sich der Bun­deszuschuss noch auf umgerech­net 2,7 Mil­lio­nen Euro. 1990 war es bere­its zehn­mal so viel.

Inzwis­chen sind Zahlun­gen an die Renten­ver­sicherung der größte Einzel­posten im Bun­de­shaushalt: gut 100 Mil­liar­den Euro pro Jahr. Dies ist mehr als ein Vier­tel des Bun­de­shaushaltes 2020, der ins­ge­samt 362 Mil­liar­den umfasst.

Bil­dung und Forschung, die unsere Zukun­ft gestal­ten sollen, erhal­ten ger­ade mal rund 18 Mil­liar­den Euro. Die Wirtschaft, die unseren Wohl­stand sich­ern soll, nur rund neun Mil­liar­den Euro.

Besserung? Nicht in Sicht. Die Bun­desregierung schätzt, dass ihre Zuschüsse in die Rentenkasse bis 2045 auf etwa 213 Mil­liar­den Euro klet­tern: pro Jahr!

Ist die Rente damit sicher?

Über anderthalb Jahre brütete eine Rentenkom­mis­sion − beset­zt mit Poli­tik­ern, Sozial­part­nern und Wis­senschaftlern − über einen „ver­lässlichen Gen­er­a­tio­nen­ver­trag“.

Statt eine hand­feste zukun­fts­fähige Lösung vorzuschla­gen, soll es eine laufende Über­prü­fung geben. Der Geset­zge­ber soll alle sieben Jahre die Höhe des Beitragssatzes und das Renten­niveau, das das Ver­hält­nis von Löh­nen und Renten beschreibt, über­prüfen und neu festschreiben. Sprich: erneut einen Beirat ein­set­zen.

Dabei liegen bere­its Lösungsan­sätze vor. So emp­fiehlt zum Beispiel die von Arbeit­ge­bern finanzierte Ini­tia­tive Neue Soziale Mark­twirtschaft, den Jun­gen mehr Last abzunehmen. Dafür genüge es, wenn die Renten in Zukun­ft weniger stark steigen.

Das Werkzeug dafür liegt in der Renten­formel über den Nach­haltigkeits­fak­tor bere­its vor. Dessen Wirkung hat­te die Poli­tik 2018 außer Kraft geset­zt. Diese sei bess­er wiedere­inzuset­zen. Dann würde die steigende Zahl der Renten­empfänger rech­ner­isch stärk­er berück­sichtigt.

Zugle­ich sei die Formel auf die bere­its prak­tizierte län­gere Leben­sar­beit­szeit anzu­passen. Bis­lang liegen der Berech­nung 45 Arbeit­s­jahre zugrunde. Da das Rentenein­trittsalter aber bis 2030 auf 67 Jahre steigt, seien 47 Jahren rech­ner­isch angemessen­er.

Wür­den diese zwei Stellschrauben bei der Renten­berech­nung berück­sichtigt, wäre das Sys­tem sog­ar bis 2060 sta­bil und finanzier­bar. Kurz: Auch die heute 20-Jähri­gen bekä­men dann noch eine Rente, die nicht nur ein kleines Zubrot wäre.

Wie wird die eigene Altersvorsorge zukunftsfest?

In diesem Punkt stim­men Experten in und außer­halb der Rentenkom­mis­sion übere­in: Jed­er und jede sollte bei der per­sön­lichen Vor­sorge sozusagen auf zwei Beinen ste­hen.

Das eine Bein ist die geset­zliche Renten­ver­sicherung: Sie bietet durch das Umlagev­er­fahren eine Möglichkeit, nur mit­tel­bar abhängig vom Kap­i­tal­markt fürs Alter vorzu­sor­gen.

Das andere Bein ist die kap­i­talgedeck­te Vor­sorge: betrieblich und pri­vat. Betriebliche wie pri­vate Vor­sorge ste­hen bei so gut wie jedem Einkom­men offen: auch durch Förderun­gen von Chef und Staat. Man muss dafür aber selb­st aktiv wer­den.

Das begin­nt damit, sich zu informieren. Dabei hil­ft Courage: Online gibt’s Infor­ma­tio­nen zu Absicherung und zur Gel­dan­lage. Das Courage Mag­a­zin veröf­fentlicht in sein­er Mai/ Juni-Aus­gabe Tipps zur Gel­dan­lage und zeigt, wie sich mit staatlich­er Förderung über die „Riester-Rente“ pri­vat vor­sor­gen lässt.

Unsere große Rentenserie alle Teile!

Im ersten Teil der Rentenserie stellt sich Courage die Frage: Rente unter Hartz-IV-Niveau, muss das sein? Und ver­rät, wie der Grund­stein zum Leben­sun­ter­halt im Alter gelegt wer­den kann, damit so was nicht passiert.

Der zweite Teil ist beson­ders inter­es­sant für junge Men­schen, denn für diese ist die Rente noch super­weit weg. Dabei kön­nen sie bere­its Grund­la­gen für spätere Ansprüche leg­en. Vor allem Frauen soll­ten ihre Chan­cen sofort nutzen. Courage ver­rät, wie’s geht.

Der dritte Teil ist beson­ders inter­es­sant für Men­schen, die Kinder und Enkel haben. Denn Kinder punk­ten auf dem Rentenkon­to. Für die Erziehungsleis­tung gibt es einen Bonus: Dem Rentenkon­to wer­den Erziehungs- und Berück­sich­ti­gungszeit­en gut­geschrieben. Courage erk­lärt, was das bedeutet und wie das geht.

Der vierte Teil unser­er Rentenserie richtet sich vor allem an Frauen, die Ange­hörige, Nach­barn oder Fre­unde, teils unter Verzicht auf eigenes Einkom­men pfle­gen. Denn auch Pflege kann dazu beitra­gen, später etwas mehr geset­zliche Rente zu erhal­ten – auch bei geset­zlich Ver­sicherten, die selb­st schon im Ruh­e­s­tand sind.

Noch mehr Infos für dich

Teil 11: Wohin fließt eigentlich mein Geld?

Mit den Worten „Ihr Geld ist nicht weg, mein Fre­und, es hat nur ein ander­er“ ver­suchte der Banki­er Amschel Mey­er Roth­schild im 19. Jahrhun­dert einen aufge­bracht­en Bör­sian­er nach einem Kurssturz zu beruhi­gen. Da stellt sich die Frage: „Ja und wer hat denn nun mein Geld?“ Die Antwort darauf hängt davon ab, welch­es Kap­i­tal mit „mein Geld“ gemeint ist – und in was man es investiert hat. Der Börsenserie-Teil 11 klärt darüber auf.

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Ein alter Trick ist, Dinge möglichst kom­pliziert erscheinen zu lassen, um selb­st kom­pe­tent und „über den Din­gen ste­hend“ dazuste­hen. Als langjährige Finanzfrau behauptet Renate Kewenig nicht, dass ein paar Regeln jeden zum Profi machen – aber einige Basics helfen, Gel­dan­lage erfol­gre­ich umzuset­zen. Sie stellt für Courage das KLASI-Prinzip vor. Es ist eine Esels­brücke, die hil­ft, wichtige Schritte zum Finanz­er­folg zu gehen.

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