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Teil 6: Wie hoch wird meine Rente sein?

2020-05-25T10:46:29+02:0014. April 2020|

Beim Wort „Rente“ denken viele gle­ich an „niedrig“. Doch wie wird die geset­zliche Rente über­haupt berech­net? Und wie  hoch wird meine Rente sein? Wie hoch die geset­zliche Rente aus­fällt, hängt von vie­len Fak­toren ab. Courage erk­lärt zunächst all­ge­mein das Sys­tem, nach dem sich Rente berech­net. Damit wird ersichtlich, welche Fak­toren sich per­sön­lich bee­in­flussen lassen und welche staatlich vorgegeben sind. Danach geht es darum, wie Ver­sicherte die Höhe ihrer per­sön­lichen Rente abschätzen kön­nen.

Von Gisela Haber­er 

Für die Rente einzahlen

Die geset­zliche Rente berech­net sich aus den Beiträ­gen, die eingezahlt wur­den. Beiträge stam­men aus eigen­em Ver­di­enst, kön­nen aber auch aus etlichen anderen Kassen kom­men. Einige Beispiele: Der Staat zahlt Renten­beiträge für Bun­des­frei­willi­gen­di­en­ste und für Erziehungszeit­en. Die Agen­tur für Arbeit über­weist Beiträge für Zeit­en der Arbeit­slosigkeit und Pflegekassen unter Umstän­den für Zeit­en ehre­namtlich­er Pflege von Nah­este­hen­den.

Für die Rente punkten

Alle eingezahlten Beiträge wer­den in Ent­gelt­punk­te umgerech­net – die „Währung der geset­zlichen Rente“. Maßstab der Umrech­nung ist der durch­schnit­tliche Brut­tover­di­enst. Das jüng­ste Jahr, für das eine endgültige Berech­nung vor­liegt, ist 2018. Damals lag der Durch­schnittsver­di­enst im Jahr bei 38.212 Euro. Für 2020 wird er auf 40.551 Euro geschätzt. Wer jew­eils genau so viel pro Jahr ver­di­ent wie der Durch­schnitt, erhält einen Ent­gelt­punkt. Im Osten Deutsch­lands gibt es bere­its für einen etwas gerin­geren Jahresver­di­enst einen Renten­punkt.

Wer halb so viel ver­di­ent, bekommt einen hal­ben Punkt gut­geschrieben. Wer dop­pelt so viel ver­di­ent, erhält zwei Renten­punk­te. Dann ist aber Schluss. Denn Ent­gelt­punk­te gibt es nur für Einkom­men bis zur soge­nan­nten Beitrags­be­mes­sungs­gren­ze. Diese liegt 2020 bei Jahre­seinkom­men von 82.800 Euro im West­en und 77.400 Euro im Osten Deutsch­lands.

Rentenwert in Euro und Cent

Doch wie hoch wird meine Rente sein, wenn ich eine bes­timmte Anzahl an Punk­ten gesam­melt habe? Wie viel ein Punkt später an monatlich­er Rente bringt, ergibt sich aus dem soge­nan­nten Renten­wert. Auch dieser wird Jahr für Jahr neu ermit­telt: nach der Rente­nan­pas­sungs­formel. Diese berück­sichtigt viele Fak­toren: zum einen Löhne und Gehäl­ter aller sozialver­sicherungspflichtig Beschäftigten, zum anderen das Ver­hält­nis zwis­chen Renten­beziehen­den und Beitragszahlen­den.

Renten­er­höhun­gen sind so gedämpft, dass die Beiträge nicht zu stark steigen. Zugle­ich sinkt der Renten­wert nie unters Niveau des Vor­jahres. So will der Staat die Inter­essen von Ein­zahlen­den und Renten­beziehen­den aus­gle­ichen. 2019 lag der Renten­wert bei 33,05 Euro im West­en und bei 31,89 Euro im Osten. Das heißt: Für jeden Renten­punkt gibt es aktuell eine Monat­srente von 33,05 Euro bzw. 31,89 Euro.

Rentenbeginn bestimmen(d)

Die Höhe der Rente bee­in­flusst auch, ab wann man sie bezieht. Für jeden Monat, den die Rente vor dem reg­ulären Rentenein­trittsalter bezo­gen wird, wer­den 0,3 Prozent abgezwackt. Dage­gen gibt es für jeden Monat, den man darüber hin­aus arbeit­et, einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Ein Jahr vorzeit­iger Renten­be­ginn kostet also 3,6 Prozent Rente, ein Jahr später in Rente gehen, bringt ein Plus von sechs Prozent (siehe Teil 5 der Rentenserie „Selb­st punk­ten!“).

Da man die geset­zliche Rente früh­estens ab 63 Jahren (bei 35 Ver­sicherungs­jahren) vorzeit­ig beziehen kann, beträgt das Minus max­i­mal 14,4 Prozent. Dem Plus fürs län­gere Arbeit­en sind keine Gren­zen geset­zt.

Welche Rente denn nun?

Schließlich kommt es noch darauf an, welche Art der Rente man bezieht. Die geset­zliche Renten­ver­sicherung zahlt Renten wegen Alters, aber auch wegen teil­weis­er oder voller Erwerb­s­min­derung, kleine und große Witwen­renten sowie Halb- und Voll­waisen-Renten.

Jede Rente­nart fließt mit einem eige­nen Fak­tor in die Renten­berech­nung ein: dem Rente­nart­fak­tor. So hat zum Beispiel die reg­uläre Alter­srente den Fak­tor 1. Das bedeutet: Der aktuelle Renten­wert pro Punkt wird mal eins genom­men – fließt also in voller Höhe in die Renten­berech­nung ein. Mit 0,1 gilt bei Halb­waisen­renten der niedrig­ste Rente­nart­fak­tor.

Wie berechne ich jetzt das Ganze?

Renten­ver­sicherte lassen rech­nen: Seit 2002 ver­schickt die deutsche Renten­ver­sicherung jährlich eine „Renten­in­for­ma­tion“ an all ihre Ver­sicherten, die min­destens 27 Jahre alt sind und bere­its fünf Beitrags­jahre auf ihrem Rentenkon­to haben.

Das Schreiben ist zwar abschreck­end eng bedruckt, trotz­dem ste­hen auf diesen zwei Seit­en die wichtig­sten Ori­en­tierungswerte. Ein wichtiger Wert ist zum Beispiel: voraus­sichtliche Höhen von Renten wegen Alters und wegen Erwerb­s­min­derung.

Wie hoch wird meine Rente sein?

Einger­ahmt auf Seite 1 ste­hen drei Werte in Euro. Der ober­ste Wert nen­nt die Renten­höhe wegen voller Erwerb­s­min­derung. Was nicht dabei ste­ht: Sie erhält nur, wer min­destens fünf Jahre lang geset­zlich renten­ver­sichert war und keine drei Stun­den am Tag mehr arbeit­en kann.

Für geset­zlich Renten­ver­sicherte, die 1961 oder später geboren wur­den, gilt die „uneingeschränk­te Ver­weisung“. Sie müssen jede Tätigkeit annehmen, zu der sie gesund­heitlich fähig sind – ungeachtet ihrer Qual­i­fika­tion. Glück­lich also, wer diese Rente nie beziehen muss.

Der mit­tlere Euro-Wert gibt den aktuellen Stand der bere­its erre­icht­en Alter­srente pro Monat an.

Der unter­ste Wert über­schlägt, wie hoch die Rente wer­den kön­nte, wenn bis zum Renten­be­ginn so viel eingezahlt würde, wie in den ver­gan­genen fünf Jahren. Die angegeben Höhen sind Brut­tow­erte. Davon gehen Beiträge für Kranken- und Pflegev­er­sicherung ab und eventuell noch Steuern.

Möglich: Steigerungen und Verluste

Der Wert der Ent­gelt­punk­te wird jährlich neu ermit­telt. Erhöht er sich, steigen Renten jew­eils zum 1. Juli. Dafür wer­den auf der ersten Seite der Renten­in­for­ma­tion im Absatz „Rente­nan­pas­sung“ zwei Szenar­ien durchgerech­net: jährliche Erhöhun­gen um ein und um zwei Prozent. Die tat­säch­lichen Steigerun­gen sind auch von poli­tis­chen Entschei­dun­gen abhängig.

Auf der zweit­en Seite der Renten­in­for­ma­tion wird im vor­let­zten Absatz hochgerech­net, welche Kaufkraft 100 Euro bei ein­er jährlichen Infla­tion von 1,5 Prozent zu Beginn der per­sön­lichen Rege­lal­ter­srente noch hät­ten. Renten­er­höhun­gen kön­nen Ver­luste durch die Infla­tion aus­gle­ichen, doch garantiert ist dies nicht.

Mitten im Erwerbsleben

Spätestens mit 43 Jahren erhal­ten geset­zlich Ver­sicherte automa­tisch einen Auszug ihres Rentenkon­tos. Darauf sind sämtliche Ver­sicherungs- und Beitragszeit­en fest­ge­hal­ten. Es lohnt, diesen Ver­sicherungsver­lauf genau durchzuse­hen: Sind alle Zeit­en aufge­führt, für die aus eigen­em Einkom­men oder aus anderen Kassen Beiträge eingezahlt wur­den?

Einige Zeit­en, etwa für Schu­laus­bil­dung oder Kinder­erziehung, wer­den dem Kon­to nicht automa­tisch gut­geschrieben, son­dern nur auf Antrag. Fehlen Zeit­en, kön­nen sie Ver­sicherte nach­melden. Diese Kon­tenklärung kön­nen Ver­sicherte auch jed­erzeit form­los beantra­gen.

Auf der Zielgeraden

Ab einem Alter von 55 Jahren erhal­ten Ver­sicherte mit min­destens fünf Beitrags­jahren alle drei Jahre eine aus­führliche Rente­nauskun­ft. Sie kann rund ein Dutzend eng beschrieben­er Seit­en umfassen. Das stößt erst­mal ab.

Doch hier wer­den die all­ge­meinen Renten­regeln haarklein auf die per­sön­liche Sit­u­a­tion des Ver­sicherten run­terge­brochen und die jew­eili­gen indi­vidu­ellen Werte genan­nt. Die Fach­be­griffe erschw­eren es, die Schreiben der Deutschen Renten­ver­sicherung zu ver­ste­hen. Im Zweifels­fall soll­ten sich Ver­sicherte Rat holen.

Rat holen: günstig oder kostenlos

Alle geset­zlich Renten­ver­sicherten haben ein Recht, sich umfassend kosten­los berat­en zu lassen. Dafür brin­gen sie am besten sämtliche Unter­la­gen zu ihrer Altersvor­sorge mit, auch zu betrieblich­er und pri­vater Vor­sorge. Dann ist eine gesamte Bestand­sauf­nahme möglich.

Beratung gibt es tele­fonisch sofort, per­sön­lich mit vorheriger Ter­min­vere­in­barung. Ter­mine sind zum Beispiel mit ein­er Auskun­fts- und Beratungsstelle des Renten­ver­sicherungsträgers zu vere­in­baren oder mit einem ehre­namtlich für die geset­zliche Renten­ver­sicherung täti­gen Ver­sichertenäl­testen oder Ver­sicherten­ber­atern und ‑bera­terin­nen.

Die Adressen sind abruf­bar unter dem But­ton „Beratung & Kon­takt“ auf www.deutsche-rentenversicherung.de. Tele­fonis­che Beratung gibt es unter der kosten­losen Ser­vi­cenum­mer der Deutschen Renten­ver­sicherung unter 0800 1000 4800.

Wer sich unzure­ichend oder unzutr­e­f­fend informiert fühlt, kann sich an einen Sozialver­band wen­den. Auf Renten­fra­gen sind der VdK und der SoVD spezial­isiert. Sie unter­stützen ihre Mit­glieder auch bei Stre­it­igkeit­en mit der Deutschen Renten­ver­sicherung. Der Mit­glieds­beitrag liegt jew­eils unter zehn Euro im Monat.

Habe ich eine Rentenlücke?

Von „Renten­lücke“ spricht man, wenn im Ruh­e­s­tand voraus­sichtlich mehr Aus­gaben anfall­en als Ein­nah­men zu erwarten sind. Die Zeitschrift Courage erk­lärt in ihrer März/ April-Aus­gabe 2020 wie sich eine mögliche Renten­lücke errech­nen – und was sich dage­gen tun lässt: Mit Work­book und Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Ver­mö­gen­sauf­bau!

Unsere große Rentenserie alle Teile!

Im ersten Teil der Rentenserie stellt sich Courage die Frage: Rente unter Hartz-IV-Niveau, muss das sein? Und ver­rät, wie der Grund­stein zum Leben­sun­ter­halt im Alter gelegt wer­den kann, damit so was nicht passiert.

Der zweite Teil ist beson­ders inter­es­sant für junge Men­schen, denn für diese ist die Rente noch super­weit weg. Dabei kön­nen sie bere­its Grund­la­gen für spätere Ansprüche leg­en. Vor allem Frauen soll­ten ihre Chan­cen sofort nutzen. Courage ver­rät, wie’s geht.

Der dritte Teil ist beson­ders inter­es­sant für Men­schen, die Kinder und Enkel haben. Denn Kinder punk­ten auf dem Rentenkon­to. Für die Erziehungsleis­tung gibt es einen Bonus: Dem Rentenkon­to wer­den Erziehungs- und Berück­sich­ti­gungszeit­en gut­geschrieben. Courage erk­lärt, was das bedeutet und wie das geht.

Der vierte Teil unser­er Rentenserie richtet sich vor allem an Frauen, die Ange­hörige, Nach­barn oder Fre­unde, teils unter Verzicht auf eigenes Einkom­men pfle­gen. Denn auch Pflege kann dazu beitra­gen, später etwas mehr geset­zliche Rente zu erhal­ten – auch bei geset­zlich Ver­sicherten, die selb­st schon im Ruh­e­s­tand sind.

Noch mehr Infos für dich

Beate Sander — Nachruf auf eine besondere Frau

Die Börsen­mil­lionärin Beate Sander ist gestor­ben. Als Investorin, aber auch als Men­sch hat sie viele Frauen beein­druckt: Sie hat gezeigt, dass es niemals zu spät ist, Neues zu ler­nen, dass Mut sich auszahlt und dass Wis­sen Früchte trägt, wenn man es teilt. Ein Rück­blick auf das Leben ein­er bemerkenswerten Frau, die durch ihren Ehrgeiz, ihre Hart­näck­igkeit und ihre Lei­den­schaft beein­druckt hat.

Teil 1: Geld für Mütter

Vor und nach der Geburt eines Kindes gibt es Mut­ter­schaft­sleis­tun­gen. Was (wer­den­den) Müt­tern zuste­ht, hängt davon ab, wie sie kranken­ver­sichert sind und in welchem Arbeitsver­hält­nis sie ste­hen. Die meis­ten Leis­tun­gen sind eigens zu beantra­gen. Wo, wann, was, wie viel gibt es? Diese Fra­gen klärt Courage – im Überblick und im Detail im ersten Teil unser­er neuen Serie Fam­i­lie und Finanzen.

Der finanzielle Check-up

Bil­lio­nen Euro liegen hierzu­lande auf kaum verzin­sten Kon­ten. Etliche Men­schen sind nicht aus­re­ichend gegen Risiken abgesichert und viele wis­sen nicht, was ihnen im Alter bleibt. Es gibt also viele Gründe für eine Finanzber­atung. Aus­gaben, Ver­di­enst, Kon­ten, Depots, Ver­sicherun­gen, die Woh­nung, beru­fliche Pläne und kost­spielige Hob­bys unter­liegen dem finanziellen Check-up. Nach der Analyse erfahren Kun­den, wie sie ihre Zukun­ft finanziell am besten sich­ern.

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