Startseite/Teil 5: Selbst punkten- mit freiwilligen Beiträgen

Teil 5: Selbst punkten- mit freiwilligen Beiträgen

2020-03-31T17:44:11+02:0023. März 2020|

Mit frei­willi­gen Zahlun­gen an die geset­zliche Renten­ver­sicherung lässt sich einiges erre­ichen: die spätere Rente erhöhen, Abschläge auf vorzeit­ige Rente aus­gle­ichen oder über­haupt einen Anspruch auf eine geset­zliche Rente erwer­ben. Die per­sön­liche Sit­u­a­tion entschei­det, was let­ztlich zum Tra­gen kommt. Courage erk­lärt die Möglichkeit­en.

Von Gisela Haber­er 

Frei­willig in die geset­zliche Rente ein­zahlen? Warum das denn? Weil es sich für Angestellte, aber auch für Selb­st­ständi­ge, freiberu­flich Tätige, Haus­frauen und ‑män­ner und sog­ar für Beamte lohnen kann.

Pflichtmitglieder der Rentenversicherung

Die meis­ten Beschäftigten sind in der geset­zlichen Renten­ver­sicherung pflichtver­sichert. Darunter zum Beispiel Angestellte, aber auch etliche Selb­st­ständi­ge wie freiberu­fliche Lehrkräfte, Hebam­men, Kun­stschaf­fende und selb­st­ständi­ge Gewer­be­treibende, die in die Handw­erk­srolle einge­tra­gen sind. Ihre Alter­srente erhal­ten sie reg­ulär erst ab ein­er bes­timmten Alters­gren­ze. Diese steigt seit 2012 von 65 Jahren stufen­weise, bis sie ab dem Geburt­s­jahrgang 1964 bei 67 Jahren liegt.

Doch viele wollen lieber früher in Rente gehen. Das ist zum Beispiel nach 35 Ver­sicherungs­jahren möglich, die „renten­rechtlich ver­merkt“ sind: Dazu zählen etwa Zeit­en der Erwerb­sar­beit, aber auch der Kinder­erziehung, der Pflege Ange­höriger oder der Arbeit­slosigkeit. Diese „Rente für langjährig Ver­sicherte“ darf schon ab 63 Jahren bezo­gen wer­den, jedoch nur mit Abschlä­gen.

Für jeden Monat, den diese Rente früher fließt, beträgt der Abschlag 0,3 Prozent und das lebenslang! Wer also vier Jahre vor seinem reg­ulären Renten­be­ginn die Arbeit nieder­legt, muss den max­i­malen Abschlag von 14,4 Prozent verkraften.

Die Abschläge lassen sich durch frei­willige Son­derzahlun­gen ganz oder teil­weise aus­gle­ichen: Diese kön­nen ab einem Alter von 50 Jahren ein­ma­lig oder in Rat­en geleis­tet wer­den.

Wird dann doch bis zur reg­ulären Alters­gren­ze gear­beit­et, erhöhen geleis­tete Son­derzahlun­gen die monatliche Alter­srente. Pflichtver­sicherte haben also auf jeden Fall etwas von ihren Son­derzahlun­gen: Entwed­er gle­ichen sie Abschläge aus oder erhöhen ihre Rente.

Höhe der Sonderzahlungen

Ver­sicherte kön­nen die Deutsche Renten­ver­sicherung für sich rech­nen lassen. Dafür gehen sie auf die Home­page www.deutsche-rentenversicherung.de und geben in die Such­funk­tion „V0210“ ein. Unter den Ergeb­nis­sen find­en sie den „Antrag auf Auskun­ft über die Höhe der Beitragszahlung zum Aus­gle­ich ein­er Renten­min­derung bei vorzeit­iger Inanspruch­nahme ein­er Rente wegen Alters“. Der Antrag lässt sich auch elek­tro­n­isch aus­füllen und abgeben. Dann errech­net der Ver­sicherungsträger, wie viel eingezahlt wer­den muss, um zum Wun­schter­min Rente ohne Abzüge zu erhal­ten.

Selbstständige

Viele Selb­st­ständi­ge müssen selb­st für ihr Alter vor­sor­gen, darunter Geschäft­sleute, Crowd­work­er, Unternehmerin­nen und Unternehmer. Sie kön­nen frei­willig Mit­glied der geset­zlichen Renten­ver­sicherung wer­den.

Die Höhe ihrer Ein­zahlun­gen bes­tim­men sie selb­st: flex­i­bel zwis­chen Min­d­est- und Höch­st­beitrag. 2020 liegt dieser zwis­chen 83,70 und 1.283,40 Euro im Monat. Die Höhe der späteren Rente errech­net sich aus der Höhe der Ein­zahlun­gen.

Die Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung War­entest gibt für 2020 fol­gende Werte an: Wird für das ganze Jahr zum Beispiel der Min­dest­beitrag eingezahlt (12 x 83,70 = 1.004,40 Euro), ergibt das lebenslang eine monatliche Alter­srente von 4,40 Euro. Der Höch­st­beitrag führt zu ein­er lebenslan­gen Monat­srente von 67,48 Euro. Ein­zahlun­gen für ein Kalen­der­jahr sind jew­eils bis zum 31. März des fol­gen­den Jahres möglich.

Vorteil für Fam­i­lien: Die geset­zliche Renten­ver­sicherung zahlt auch Hin­terbliebe­nen frei­willig Ver­sichert­er Witwen- und Waisen­renten. Nachteil für frei­willig Ver­sicherte. Sie haben unter Umstän­den wed­er einen Anspruch auf Reha-Leis­tun­gen noch auf Rente wegen Erwerb­s­min­derung (EU-Rente). Sie erhal­ten für ihre Ein­zahlun­gen also nicht das „Kom­plett-Paket“ wie Pflichtver­sicherte.

Freie Berufe

Ange­hörige soge­nan­nter Kam­mer­berufe wie Ärztin­nen, Architek­tin­nen und Steuer­ber­a­terin­nen arbeit­en teils angestellt, teils selb­st­ständig. Während ihrer Zeit als Angestellte sind sie Pflicht­mit­glied der geset­zlichen Renten­ver­sicherung, als Selb­st­ständi­ge kön­nen sie in ihr beruf­sständis­ches Ver­sorgungswerk wech­seln.

Um im Ruh­e­s­tand geset­zliche Rente zu erhal­ten, müssen sie min­destens fünf Ver­sicherungs­jahre auf dem Kon­to haben. Diese kön­nen auch über Erziehungszeit­en erre­icht wer­den (siehe Teil 3 der Rentenserie: Kinder – Ein Plus für die Rente). Fehlen unterm Strich Beitragszeit­en, lassen sich diese durch frei­willige Nachzahlun­gen erfüllen.

Hausfrauen und ‑männer

Wie Selb­st­ständi­ge kön­nen auch Haus­frauen und ‑män­ner frei­willig in die geset­zliche Rente ein­zahlen und die Höhe ihrer Ein­zahlun­gen selb­st bes­tim­men. Das gilt auch, wenn sie nur vorüberge­hend nicht beruf­stätig sind. Dann schließen ihre frei­willi­gen Ein­zahlun­gen Lück­en, die son­st im Ver­sicherungsver­lauf entstün­den. Das erhöht zum einen die spätere Rente, zum anderen kön­nen sie so die 35 Ver­sicherungs­jahre erre­ichen, die nötig sind, um früher in Rente gehen zu kön­nen.

Sog­ar Haus­frauen und ‑män­ner, die vorzeit­ig oder wegen Erwerb­s­min­derung in Rente sind, kön­nen ihre Rente durch frei­willige Ein­zahlun­gen erhöhen: Solange, bis sie ihre Rege­lal­ters­gren­ze erre­ichen. Die Zahlung der Renten­beiträge kön­nten eventuell die übernehmen, die von der Hausar­beit prof­i­tieren, wie der Part­ner oder die Part­ner­in oder beruf­stätige Kinder.

Beamte

Sog­ar Staats­be­di­en­stete kön­nen frei­willig in die geset­zliche Rente ein­zahlen. Vorteil: Rente, die auf frei­willi­gen Beiträ­gen beruht, wirkt sich nicht auf die Pen­sion aus. Sie erhöht das Einkom­men im Ruh­e­s­tand.

Anderes gilt, wenn vor der Ver­beam­tung Jahre im Angestell­tenver­hält­nis gear­beit­et wurde. Für diese Zeit flossen Pflicht­beiträge. Rente, die auf Pflicht­beiträ­gen beruht, kann zur Kürzung der Pen­sion führen.

Lohnen sich freiwillige Zahlungen für die Rente?

Es ist ein Rechen­spiel mit vie­len Fak­toren. Man muss es selb­st austüfteln: entsprechend der eige­nen Lebenssi­t­u­a­tion und Erwerb­s­bi­ografie, aber auch nach per­sön­lichen (poli­tis­chen) Ein­schätzun­gen.

Punkt 1: Steuern

Das Finan­zamt erken­nt Aufwen­dun­gen für die Altersvor­sorge als Son­der­aus­gaben an. 2020 wer­den 90 Prozent von max­i­mal 25.046 Euro steuer­lich anerkan­nt. Darunter fall­en aber auch die Pflicht­beiträge für die Renten­ver­sicherung. Es bleibt also selb­st auszurech­nen, ob und wie viel „steuer­lich­er Spiel­raum“ für frei­willige Vor­sorge beste­ht. Für Pflichtver­sicherte ist es in der Regel gün­stiger, Son­derzahlun­gen ab 50 Jahren nicht auf einen Schlag, son­dern auf mehrere Jahre verteilt zu leis­ten.

Punkt 2: Lebenserwartung

Aktuell dauert es rund 19 Jahre, bis Ver­sicherte mehr Rente erhal­ten als sie über frei­willige Ein­zahlun­gen vor­fi­nanziert haben. Es ist also eine Wette auf ein langes Leben.

Punkt 3: Rendite

Die Deutsche Renten­ver­sicherung sieht die Ren­dite der Ein­zahlun­gen länger­fristig bei zwei bis drei Prozent. Bei der pri­vat­en Renten­ver­sicherung liegt der geset­zliche Garantiezins aktuell bei 0,9 Prozent auf den Sparan­teil. Meist erwirtschaften die Gesellschafter aber eine höhere Ren­dite.

Punkt 4: Politik

Sie bes­timmt, was und wie viel die geset­zliche Rente leis­tet. Änderun­gen sind jed­erzeit möglich. Aktuelle Vor­gaben und Auswirkun­gen frei­williger Ein­zahlun­gen lassen sich über die kosten­freie Ser­vicetele­fon­num­mer der Deutschen Renten­ver­sicherung erfra­gen: 0800/10 00 48 00.

Unsere große Rentenserie geht weiter!

Im ersten Teil der Rentenserie stellt sich Courage die Frage: Rente unter Hartz-IV-Niveau, muss das sein? Und ver­rät, wie der Grund­stein zum Leben­sun­ter­halt im Alter gelegt wer­den kann, damit so was nicht passiert.

Der zweite Teil ist beson­ders inter­es­sant für junge Men­schen, denn für diese ist die Rente noch super­weit weg. Dabei kön­nen sie bere­its Grund­la­gen für spätere Ansprüche leg­en. Vor allem Frauen soll­ten ihre Chan­cen sofort nutzen. Courage ver­rät, wie’s geht.

Noch mehr Infos für dich

Buch des Monats

Hinterlassen Sie einen Kommentar

This Is A Custom Widget

This Sliding Bar can be switched on or off in theme options, and can take any widget you throw at it or even fill it with your custom HTML Code. Its perfect for grabbing the attention of your viewers. Choose between 1, 2, 3 or 4 columns, set the background color, widget divider color, activate transparency, a top border or fully disable it on desktop and mobile.

This Is A Custom Widget

This Sliding Bar can be switched on or off in theme options, and can take any widget you throw at it or even fill it with your custom HTML Code. Its perfect for grabbing the attention of your viewers. Choose between 1, 2, 3 or 4 columns, set the background color, widget divider color, activate transparency, a top border or fully disable it on desktop and mobile.