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Teil 4: Rente für ehrenamtliche Pflege

2020-05-25T10:45:31+02:009. März 2020|

Vor allem Frauen pfle­gen Ange­hörige, Nach­barn oder Fre­unde, teils unter Verzicht auf eigenes Einkom­men. Trotz­dem kann auch Pflege dazu beitra­gen, später etwas mehr geset­zliche Rente zu erhal­ten – auch bei geset­zlich Ver­sicherten, die selb­st schon im Ruh­e­s­tand sind.

Von Gisela Haber­er 

Rund vier Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land brauchen Pflege. Von ihnen lebt nicht mal jed­er Vierte in einem Heim. Die meis­ten wer­den zu Hause gepflegt, häu­fig unter­stützt von ambu­lanten Pflege­di­en­sten.

Die Haupt­last der häus­lichen Pflege tra­gen vielfach Ange­hörige, über­wiegend die (Ehe-)Frau, Tochter, Schwiegertochter, Schwest­er oder Schwägerin, teils auch die Nach­barin oder eine Fre­undin. Sie sind oft rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, jahrein, jahraus gefordert. Daher ein paar Hin­weise vor­weg, bevor es um soziale Absicherung und speziell die Rente geht.

Netz der Hilfe knüpfen

Häus­liche Pflege gle­icht häu­fig einem Marathon­lauf. Um durchzuhal­ten, nutzen Ange­hörige am besten jede Unter­stützung, die sie bekom­men kön­nen: von der Fam­i­lie, vom Arbeit­ge­ber und vom Staat. Seit 2015 dür­fen Ange­hörige bis zu zehn Tage ihrer Arbeit fern­bleiben, um Pflege zu organ­isieren. Statt Arbeit­slohn erhal­ten sie in dieser Zeit ein Pflege­un­ter­stützungs­geld. Zudem haben sie unter Umstän­den Anspruch auf vorüberge­hende Teilzeitar­beit. Um Ver­di­en­staus­fälle abzu­mildern, wer­den zinslose Dar­lehen gewährt.

Außer­dem kön­nen sich Ange­hörige für ihre Auf­gaben schulen lassen; sie kön­nen Pflegebedürftige zeitweise in Kurzzeit- und Ver­hin­derungspflege geben und sie erhal­ten bei Bedarf selb­st Reha-Maß­nah­men. Detail­lierte Auskün­fte geben die Pflegestützpunk­te der Kranken- und Pflegekassen sowie der kom­mu­nalen Alten- und Sozial­hil­festellen.

Sozialleistungen

Ange­hörige sind bei allen Tätigkeit­en und Wegen, die mit ihrer ehre­namtlichen Pflege zusam­men­hän­gen, geset­zlich unfal­lver­sichert. Die geset­zliche Unfal­lver­sicherung leis­tet auch, wenn sich Ehre­namtliche während der Pflege infizieren, durch die kör­per­liche Anstren­gung erkranken oder Pflegemit­tel Hautkrankheit­en aus­lösen.

Unter Umstän­den sind pfle­gende Ange­hörige zudem arbeit­slosen- und geset­zlich renten­ver­sichert. Dafür müssen fol­gende Voraus­set­zun­gen erfüllt sein: Der oder die Pflegebedürftige hat Pflege­grad 2 oder höher und wird zu Hause gepflegt. Ange­hörige leis­ten für min­destens zehn Stun­den die Woche, verteilt auf min­destens zwei Tage, ehre­namtlich Pflege und sind höch­stens 30 Stun­den pro Woche erwerb­stätig.

Waren sie vor Beginn der Pflege in der Arbeit­slosen­ver­sicherung pflichtver­sichert oder haben Arbeit­slosen­geld bezo­gen, sind sie auch während ihrer Pflegezeit arbeit­slosen­ver­sichert. Endet die häus­liche Pflege, haben sie Anspruch auf Arbeit­slosen­geld sowie För­der­maß­nah­men.

Rente für Pflege

Die Pflegekasse des oder der Pflegebedürfti­gen entrichtet für pfle­gende Ange­hörige Beiträge an die geset­zliche Renten­ver­sicherung. Deren Höhe richtet sich nach dem anerkan­nten Pflege­grad, der wöchentlichen Dauer der Pflege sowie der Leis­tun­gen, die Pflegebedürftige beziehen. Diese kön­nen zwis­chen Sach­leis­tun­gen und Pflegegeld wählen oder bei­de Leis­tun­gen frei kom­binieren.

Die soge­nan­nten Sach­leis­tun­gen dienen zur Finanzierung ambu­lanter Dien­ste pro­fes­sioneller Pflegekräfte. Das Pflegegeld kön­nen Ver­sicherte für sich ver­wen­den oder an ehre­namtlich Pfle­gende weit­ergeben.

Kein Extraantrag nötig

Ehre­namtlich Pfle­gende müssen Renten­beiträge für ihre Pflegeleis­tung nicht extra beantra­gen. Bei der Begutach­tung zum Pflege­grad wird auch die Ver­sorgung durch ehre­namtliche Pflege ermit­telt, Pflegeper­so­n­en reg­istri­ert und die jew­eilige geset­zliche Pflegev­er­sicherung entsprechend informiert. Die Pflegev­er­sicherung führt dann automa­tisch Renten­beiträge für ehre­namtlich Pfle­gende ab. Das kön­nen auch mehrere Per­so­n­en sein.

Das Gesetz gibt keine Gren­zen vor. Rein the­o­retisch kön­nen bis zu 16 Per­so­n­en die zeitlichen Vor­gaben erfüllen: Ange­hörige, Nach­barn oder Fre­unde. In der Prax­is markiert die Gren­ze eine für Gutachter nachvol­lziehbar sin­nvolle Aufteilung der Pflege zum Wohle des Pflegebedürfti­gen.

Sicher­heit­shal­ber kön­nen Pfle­gende im näch­sten Rentenbescheid ihrer geset­zlichen Renten­ver­sicherung nach­le­sen, ob tat­säch­lich Renten­beiträge für ihre Pflege flossen. Falls nicht, hak­en sie bei der jew­eili­gen geset­zlichen Pflegev­er­sicherung des oder der Pflegebedürfti­gen nach.

Höhe der Rentenbeiträge und ‑ansprüche

In den Pflege­graden 2 bis 5 fall­en die Renten­beiträge für pfle­gende Ange­hörige jew­eils am niedrig­sten aus, wenn der oder die Pflegebedürftige nur Sach­leis­tun­gen bezieht. Am jew­eils höch­sten fall­en die Beiträge bei reinem Pflegegeld­bezug aus. Die Kom­bi­na­tion aus bei­den liegt in Sachen Renten­beiträge jew­eils in der Mitte.

Für ein Jahr Pflege kön­nen ehre­namtlich Pfle­gende Anwartschaften auf monatliche Renten zwis­chen 5,89 Euro und 31,15 Euro erwer­ben (Stand: 1.1. bis 30.6.2020). 5,89 Euro Rente im Monat gibt es für die ehre­namtliche Pflege eines Men­schen mit Pflege­grad 2, der nur Sach­leis­tung bezieht. 31,15 Euro bei Pflege­grad 5 mit reinem Pflegegeld­bezug, sofern die weit­eren Voraus­set­zun­gen erfüllt sind (s.o.).

Zum Ver­gle­ich: 2020 ergibt ein jährlich­er Durch­schnittsver­di­enst eine monatliche Rente von 33,05 Euro in West- und 31,89 Euro in Ost­deutsch­land. Sind Ange­hörige neben ihrer Pflege beruf­stätig, erwer­ben sie selb­stver­ständlich auch darüber Rente­nansprüche.

Rentenbeiträge für Pflegende im Ruhestand

Für pfle­gende Ange­hörige, die bere­its reg­ulär ihre geset­zliche Alter­srente in voller Höhe beziehen, entricht­en Pflegekassen keine Renten­beiträge mehr. Seit 2017 ste­ht geset­zlich Renten­ver­sicherten aber jed­erzeit die Flexirente offen. Dies ist der Schlüs­sel, um durch Pflege Ange­höriger die Rente im Ruh­e­s­tand weit­er zu erhöhen.

Das geht so: Pfle­gende Ange­hörige beantra­gen bei ihrem Renten­ver­sicherungsträger die Umstel­lung von Altersvoll­rente auf eine flex­i­ble Teil­rente in Höhe von 99 Prozent. Der Verzicht auf ein Prozent Rente genügt, damit Pflegekasse oder ‑ver­sicher­er Renten­beiträge zahlen und zwar in der vollen Höhe entsprechend Pflege­grad, ‑dauer und Leis­tungs­bezug (s.o.).

Die Renten­beiträge erhöhen dann jew­eils zur Rente­nan­pas­sung am 1. Juli des Fol­ge­jahres die monatliche Renten­zahlung. Darauf addieren sich Zuschläge für die später bezo­gene Rente. Denn: Für jeden Monat, den eine Rente nach dem reg­ulären Renten­be­ginn bezo­gen wird, gibt es einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Das sind sechs Prozent pro Jahr, jew­eils auf den Anteil der Rente­nan­wartschaften aus der Pflegeleis­tung.

Die Renten­steigerung ver­stärkt sich somit Jahr um Jahr. Renten­ber­ater errech­nen, ob – beziehungsweise ab wann – sich der zeitweise Verzicht auf ein Prozent Rente lohnt. Endet die häus­liche Pflege, etwa mit dem Umzug des Pflegebedürfti­gen in ein Heim, wech­seln Ange­hörige wieder zurück in die Voll­rente. Von der Renten­er­höhung durch Pflege prof­i­tieren sie lebenslang.

Pflege bei Bezug anderer Renten

Pflegekassen und ‑ver­sicher­er zahlen auch dann Renten­beiträge für pfle­gende Ange­hörige, wenn diese bere­its eine Rente wegen Erwerb­s­min­derung beziehen oder vorzeit­ig in Rente sind. Seit 1. Juli 2017 sind ehre­namtlich Pfle­gende in der geset­zlichen Renten­ver­sicherung pflichtver­sichert, solange sie die Alters­gren­ze für ihren reg­ulären Renten­bezug noch nicht erre­icht haben. Das bedeutet: Auch vorzeit­ige Rent­ner und Rent­ner­in­nen sowie Erwerb­sun­fähige kön­nen über ehre­namtliche Pflege ihre Rente erhöhen.

Angehörige oder andere

Pfle­gende müssen mit dem Pflegebedürfti­gen wed­er ver­wandt noch ver­schwägert sein und auch nicht mit ihm ver­heiratet, um Renten­beiträge für ihre ehre­namtliche Pflege zu erhal­ten. Sie müssen nur bei Pflegekasse oder ‑ver­sicher­er als Pflegeper­son reg­istri­ert sein.

Zweite Voraus­set­zung: Sie sind Mit­glied in der geset­zlichen Renten­ver­sicherung. Beamte kön­nen ihre Alters­bezüge nicht über ehre­namtliche Pflege erhöhen. Auch Ver­sorgungswerke für Selb­st­ständi­ge räu­men solche Möglichkeit­en in der Regel nicht ein.

Unsere große Rentenserie!

Im ersten Teil der Rentenserie stellt sich Courage die Frage: Rente unter Hartz-IV-Niveau, muss das sein? Und ver­rät, wie der Grund­stein zum Leben­sun­ter­halt im Alter gelegt wer­den kann, damit so was nicht passiert.

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Der dritte Teil ist beson­ders inter­es­sant für Men­schen, die Kinder und Enkel haben. Denn Kinder punk­ten auf dem Rentenkon­to. Für die Erziehungsleis­tung gibt es einen Bonus: Dem Rentenkon­to wer­den Erziehungs- und Berück­sich­ti­gungszeit­en gut­geschrieben. Courage erk­lärt, was das bedeutet und wie das geht.

Im fün­ften Teil der Rentenserie erk­lärt Courage die Möglichkeit­en, die mit frei­willi­gen Zahlun­gen an die geset­zliche Renten­ver­sicherung erre­icht wer­den kön­nen.

Im sech­sten Teil der Rentenserie erk­lärt Courage wie die geset­zliche Rente über­haupt berech­net wird und wie sich die spätere Höhe der eige­nen Rente abse­hen lässt.

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