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Teil 10: Was tun, wenn die eigene Rente nicht reicht?

2020-06-08T11:29:56+02:001. Juni 2020|

„Die Rente“: Damit ist meist die geset­zliche Rente gemeint. Sie ist im Ruh­e­s­tand meist die wichtig­ste Einkom­men­squelle – sollte aber nicht die einzige bleiben. Heutige Rent­ner­in­nen und Rent­ner machen vor, wie’s geht.

Von Gisela Haber­er 

902 Euro: So viel Alter­srente wurde 2018 monatlich im Schnitt aus­gezahlt. Davon lässt sich nur in weni­gen Regio­nen Deutsch­lands leben. All­ge­meine Zahlen zu Renten kön­nen Angst machen.

Doch sollte bedacht wer­den: In die Berech­nung des Schnitts fließen auch Renten ein, für die nur wenige Jahre eingezahlt wurde. Darunter sind Erwerb­stätige, die nach weni­gen Jahren als Angestellte ver­beamtet wur­den. Oder Freiberu­fler, die frühzeit­ig in ein beruf­sständis­ches Ver­sorgungswerk wech­sel­ten.

Es gibt viele Gründe für eine kleine Rente. Viele davon sind nicht unbe­d­ingt mit Armut im Alter gle­ichzuset­zen. Solche Mini-Renten drück­en aber den Schnitt.

Wovon leben heutige Rentnerinnen und Rentner?

Eine genauere Ori­en­tierung zu Einkom­men im Alter ver­schafft der jährliche Renten­ver­sicherungs­bericht der Bun­desregierung. Der jüng­ste Bericht von Novem­ber 2019 lis­tet monatliche Net­to-Einkom­men von Rent­ner­haushal­ten für das Jahr 2015 auf. Danach ver­fügten Ehep­aare in den alten Bun­deslän­dern net­to über 2575 Euro im Monat.

In Sin­gle­haushal­ten waren es bei Män­nern 1593 Euro und bei Frauen 1422 Euro. In den neuen Bun­deslän­dern liegen die Zahlen etwas niedriger, dafür sind die Renten für Män­ner und Frauen fast gle­ich: Ehep­aare 2257 Euro, Män­ner 1389 Euro, Frauen 1370 Euro.

Einkommen höher als Rente?

Warum liegt der Schnitt bei Net­to-Einkom­men höher als bei Brut­to-Renten? Vor allem aus einem Grund: Die heuti­gen Rent­ner­in­nen und Rent­ner haben vorge­sorgt. Im Schnitt stam­men nur knapp zwei Drit­tel ihrer Einkün­fte aus der geset­zlichen Rente.

Bei Ehep­aaren in den alten Bun­deslän­dern ist es sog­ar nur die Hälfte, in den neuen Län­dern sind es 80 Prozent. Weit­ere Teile ihres Einkom­mens stam­men aus Betrieb­srenten (rund ein Fün­f­tel) und aus pri­vater Vor­sorge. Nur ein Prozent der Rent­ner­haushalte erhält staatliche Unter­stützung. Wie viele Rent­ner Anspruch auf Unter­stützung hät­ten, sie aber nicht beantra­gen, wird nicht erfasst.

Im Renten­ver­sicherungs­bericht, der vom SPD-geführten Bun­de­sar­beitsmin­is­teri­um her­aus­gegeben wird, heißt es dazu: „Geringe Renten­be­träge wer­den also in der Regel durch zusät­zlich Einkün­fte oder das Einkom­men des Ehep­art­ners aus­geglichen, und sind kein hin­re­ichen­des Indiz für niedrige Gesamteinkom­men.“ Zusät­zlich ver­weist das Min­is­teri­um darauf, dass in den neuen Län­dern kleine Renten bei Ehep­aaren über­haupt nicht und bei Alle­in­ste­hen­den nur sehr sel­ten vorkom­men.

Regelmäßige monatliche Einkün­fte deck­en den Leben­sun­ter­halt im Ruh­e­s­tand meist nur zu einem Teil. Dazu kom­men Erspar­nisse, die nun ver­braucht wer­den. Der Medi­an der Net­tover­mö­gen liegt in der Alters­gruppe der 55- bis 64-Jähri­gen und damit vor Renten­be­ginn laut Bun­des­bank mit 180.000 Euro am höch­sten (Medi­an bedeutet: 50 Prozent haben mehr, 50 Prozent weniger.)

Die pri­vate Vor­sorge ist schon lange ein wichtiger Teil der Finanzierung im Ruh­e­s­tand. Mit ihrem Altersver­mö­gens­ge­setz führte die dama­lige rot-grüne Bun­desregierung 2002 offiziell das „Drei-Schicht­en-Mod­ell“ ein: Danach bildet die geset­zliche Rente nur eine finanzielle Basis für den Ruh­e­s­tand.

Darauf bauen die betriebliche Altersver­sorgung und pri­vate Vor­sorge auf. Jed­er und jede ist selb­st ver­ant­wortlich, diese bei­den Schicht­en auszufüllen.

Betriebliche Altersversorgung

Seit 2002 haben Arbeit­nehmer ein Recht auf soge­nan­nte Ent­gel­tumwand­lung. Das heißt: Sie kön­nen von ihrem Arbeit­ge­ber ver­lan­gen, dass Teile ihres Gehalts für eine betriebliche Altersver­sorgung (bAV) ver­wen­det wer­den.

Die bAV wird vom Staat durch Vergün­s­ti­gun­gen gefördert. Die häu­fig­ste Form der bAV ist Ent­gel­tumwand­lung in eine Direk­tver­sicherung: Dabei wird zugun­sten eines Arbeit­nehmers eine Renten­ver­sicherung abgeschlossen, in die ein Teil des Arbeit­sent­gelts fließt. So sparen Arbeit­nehmer wie Arbeit­ge­ber Steuern und Sozial­ab­gaben.

Seit 2018 gilt eine Rei­he weit­er­er geset­zlich­er Erle­ichterun­gen für die bAV. Arbeit­ge­ber müssen sei­ther nur die Zahlung ihrer Beiträge garantieren. Die spätere Leis­tung übernehmen Ver­sorgung­sein­rich­tun­gen wie Direk­tver­sicherung, Pen­sion­skasse oder ‑fonds.

Die Arbeit­nehmer wiederum erhal­ten mehr Unter­stützung: vom Staat wie vom Chef. Für alle seit 2019 neu abgeschlosse­nen Verträge müssen Arbeit­ge­ber bis zu 15 Prozent grund­sät­zlich ersparter Sozial­beiträge zur Betrieb­srente zuschießen.

Ab 2022 muss es diesen Zuschuss auch für Altverträge geben. Zugle­ich kann seit 2018 dop­pelt so viel steuer­frei eingezahlt wer­den wie davor: bis zu acht Prozent der jährlichen Beitrags­be­mes­sungs­gren­ze (BBG) für die Renten­ver­sicherung (früher: vier Prozent).

Wie zuvor wer­den auch auf Ein­zahlun­gen in Höhe von bis zu vier Prozent der BBG keine Sozial­ab­gaben fäl­lig. Eine weit­ere Erle­ichterung gilt für betriebliche Riester-Renten: In der Auszahlphase wer­den keine Beiträge zur Kranken- und Pflegev­er­sicherung fäl­lig.

Private Vorsorge

Erst Risiken absich­ern, dann Ver­mö­gen auf­bauen: Das ist die gold­ene Regel für pri­vate Vor­sorge. Denn was nützen Erspar­nisse, wenn sie schon vor dem Ruh­e­s­tand ver­braucht wer­den müssen? Etwa, um Fol­gen von Schick­salss­chlä­gen oder selb­st verur­sachter Schä­den aufz­u­fan­gen?

Poli­cen, die exis­ten­zielle Risiken absich­ern, kön­nen vor Ruin und Alter­sar­mut bewahren. Ist die Absicherung geregelt, geht es an den Ver­mö­gen­sauf­bau.

Für die Altersvor­sorge gibt es spezielle Finanzpro­duk­te, zum Beispiel Riester- und Rürup-Verträge (siehe auch Courage Mai/Ju­ni-Aus­gabe 2020) und pri­vate Renten­ver­sicherun­gen. Die Leis­tung aus solchen Pro­duk­ten ste­ht in der Regel erst ab einem bes­timmten Alter zur Ver­fü­gung. Nachteil dieser Pro­duk­te: Ein rel­a­tiv hoher Teil der Erspar­nisse geht für Kosten drauf. Vor allem, wenn ver­traglich Garantien zugesichert wer­den, kann es teuer wer­den.

Wer sich mehr Risiko zutraut, kann Chan­cen auf höhere Ren­diten nutzen, etwa über Fonds und ETFs. Um damit fürs Alter vorzu­sor­gen, braucht es Selb­st­diszi­plin, dafür lässt sich der Kosten­block selb­st­ständig kon­trol­lieren und leichter klein hal­ten.

Wie viel muss ich privat vorsorgen?

Die Antwort auf diese Frage muss jed­er und jede selb­st her­aus­find­en. Dafür braucht es zunächst eine Bestand­sauf­nahme: Wie hoch wer­den voraus­sichtlich Ein­nah­men und Aus­gaben im Ruh­e­s­tand sein?

Für die Ein­nah­men­seite liefern die jährlichen Beschei­de der geset­zlichen Renten­ver­sicherung wie von pri­vat­en Ver­sicher­ern grundle­gende Infos. Aus der jährlichen Leis­tungsüber­sicht pri­vater Ver­sicher­er wer­den am besten nur die garantierten Leis­tun­gen in die Rech­nung über­nom­men.

Fließen am Ende noch son­stige Über­schus­san­teile oben­drauf, erweit­ert das den finanziellen Spiel­raum. Ihr Fehlen reißt dann aber kein Loch. Weit­ere mögliche Einkün­fte sind Mietein­nah­men und eigene Erspar­nisse. Aus all diesen Posten lässt sich in etwa das zu erwartende Brut­to-Einkom­men im Ruh­e­s­tand hochrech­nen. Davon gehen noch Steuern und Sozial­ab­gaben ab.

Um voraus­sichtliche Aus­gaben zu kalkulieren, wird am besten während der Beruf­stätigkeit ein Haushalts­buch geführt: dig­i­tal oder mit Stift und Papi­er. So wird klar­er, mit welchen Posten in welch­er Höhe pro Jahr zu rech­nen ist.

Im Ruh­e­s­tand ent­fall­en zwar einige Aus­gaben, zum Beispiel für Arbeit­sklei­dung und ‑wege. Dafür fall­en andere Posten höher aus. Ein Grund: Dann ist endlich Zeit für vieles, was im Beruf­sleben aufgeschoben oder kurzge­hal­ten wurde. Kino, The­ater, Konz­erte, Aus­flüge, Reisen, Hob­bys, Well­ness, Gesund­heit­spflege: Das alles kann ins Geld gehen.

Zu guter Let­zt wer­den die voraus­sichtlichen Aus­gaben von den erwarteten Net­to-Ein­nah­men abge­zo­gen; bleibt unterm Strich ein Minus, spricht man von ein­er Renten­lücke. Dann ist zu über­legen: Wo kann heute mehr ges­part wer­den, um mor­gen mehr ver­füg­bar zu haben?

Die Zeitschrift Courage erk­lärt in ihrer März/April-Aus­gabe 2020, wie sich eine mögliche Renten­lücke schließen lässt: Mit Work­book und Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Ver­mö­gen­sauf­bau!

Unsere große Rentenserie alle Teile!

Im ersten Teil der Rentenserie stellt sich Courage die Frage: Rente unter Hartz-IV-Niveau, muss das sein? Und ver­rät, wie der Grund­stein zum Leben­sun­ter­halt im Alter gelegt wer­den kann, damit so was nicht passiert.

Der zweite Teil ist beson­ders inter­es­sant für junge Men­schen, denn für diese ist die Rente noch super­weit weg. Dabei kön­nen sie bere­its Grund­la­gen für spätere Ansprüche leg­en. Vor allem Frauen soll­ten ihre Chan­cen sofort nutzen. Courage ver­rät, wie’s geht.

Der dritte Teil ist beson­ders inter­es­sant für Men­schen, die Kinder und Enkel haben. Denn Kinder punk­ten auf dem Rentenkon­to. Für die Erziehungsleis­tung gibt es einen Bonus: Dem Rentenkon­to wer­den Erziehungs- und Berück­sich­ti­gungszeit­en gut­geschrieben. Courage erk­lärt, was das bedeutet und wie das geht.

Der vierte Teil unser­er Rentenserie richtet sich vor allem an Frauen, die Ange­hörige, Nach­barn oder Fre­unde, teils unter Verzicht auf eigenes Einkom­men pfle­gen. Denn auch Pflege kann dazu beitra­gen, später etwas mehr geset­zliche Rente zu erhal­ten – auch bei geset­zlich Ver­sicherten, die selb­st schon im Ruh­e­s­tand sind.

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