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„Wenn Gott will, blüht ein Besen“

2020-12-21T15:36:25+01:0017. Dezember 2020|

Die deut­sche Heb­am­me Tan­ja Hock ging vor 15 Jah­ren nach Mada­gas­kar – und blieb. Die schlech­te medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, das gro­ße Leid der Men­schen erschüt­ter­te sie tief. Sie grün­de­te die „Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar“, eine Art mada­gas­si­sche Mini­ver­si­on von „Ärz­te ohne Gren­zen“. Heu­te ret­tet sie täg­lich Leben, vor allem von Müt­tern und Kin­dern.

Von Danie­la Mey­er

Du bist vor fast 15 Jahren zum ersten Mal nach Madagaskar gekommen. Eigentlich wolltest Du nur drei Jahre bleiben, ehrenamtlich helfen, Erfahrungen in einem Entwicklungsland sammeln. Aber Du bist geblieben. Warum?

Tan­ja Hock: Ich habe gese­hen, wie groß die Not hier ist – für alle, aber beson­ders für Frau­en und Kin­der. Ich lie­be das Land und die tol­len Men­schen hier. Ein­fach weg­schau­en ging nicht, anpa­cken war ange­sagt.

War es einfach zu bleiben und eine Hilfsorganisation zu gründen – sowohl emotional als auch organisatorisch?

Das Blei­ben war nicht schwer, denn ich woll­te es ja. Eine NGO (Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on) zu grün­den, ging aller­dings mit vie­len Hür­den ein­her. In Mada­gas­kar gibt es sehr viel Kor­rup­ti­on. Da ich von Anfang an nie­mals krum­me Wege gegan­gen bin, dau­er­te alles län­ger und war etwas kom­pli­zier­ter. Dafür ist es heu­te ein­fa­cher für uns, denn alle wis­sen, dass weder ich noch die „Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar“ (MHM) Schmier­geld zah­len.

“Ich lie­be das Land und die tol­len Men­schen hier. Ein­fach weg­schau­en ging nicht, anpa­cken war ange­sagt.” Tan­ja Hock Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Gab es auch Kritiker und Zweifler?

Natür­lich kamen Fra­gen aus mei­nem pri­va­ten wie beruf­li­chen Umfeld, ob das alles wirk­lich sein muss und über­haupt Sinn macht. Aber ich habe das aus- und durch­ge­hal­ten und bin sehr froh dar­über, dass ich mich nicht habe ver­un­si­chern las­sen, son­dern mei­ner Über­zeu­gung gefolgt bin.

Wo liegen heute, in Deinem Alltag, die größten Schwierigkeiten?

Ich sehe Schwie­rig­kei­ten kaum, son­dern Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen. In einem der ärms­ten Län­der die­ser Erde funk­tio­niert sel­ten etwas, wie man es sich zuvor erhofft oder erwar­tet hat. Wir haben mit der MHM schon so viel ver­än­dern kön­nen, so vie­le Men­schen­le­ben berührt – sowohl die unse­rer Pati­en­tin­nen als auch die unse­rer Mit­ar­bei­ten­den. Wir packen Her­aus­for­de­run­gen an und ver­än­dern die Welt jeden Tag ein klei­nes Stück.

Natür­lich bin ich kon­fron­tiert mit man­gel­haf­ter (Aus)Bildung, feh­len­den tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, schlech­ter Infra­struk­tur, oft gro­ßer Armut der Pati­en­ten – aber das eröff­net mir die Chan­ce Lösun­gen zu fin­den, neue Wege zu gehen und Din­ge zu ver­än­dern.

Worin besteht aktuell Deine größte Herausforderung?

Ich bin stän­dig dabei, mög­lichst schnell aus­rei­chend neue Mit­ar­bei­ten­de aus­zu­bil­den und zu trai­nie­ren. Wir haben extrem viel zu tun, es kom­men immer mehr Pati­en­ten zu uns und es gibt nur wenig gut aus­ge­bil­de­tes medi­zi­ni­sches Per­so­nal vor Ort. In Mada­gas­kar kom­men auf 100.000 Men­schen gera­de ein­mal 27 Ärz­te.

Du bist damals mit Deinen privaten Mitteln gestartet. Seither ist viel passiert. Anfangs hattest Du nur ein Hebammen- und ein Zahnarztmobil, mit dem Du in endlegende Gegenden den Ärmsten der Armen geholfen hast. Dann kam eine kleine Krankenstation dazu, Einsätze zu Notoperationen mit dem Buschflieger, die Ausbildung von Hebammen und medizinischem Personal. Dann ein eigenes Krankenhaus…

Seit Ende 2011 gibt es das Ultra­leicht­flug­zeug für Ret­tungs­ein­sät­ze Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Ich habe damals fast allei­ne ange­fan­gen. Ein Arzt, ein Fah­rer und los ging es. Das Heb­am­men­mo­bil war der Start, die Kran­ken­sta­ti­on habe ich neben­bei betrie­ben. Das war 2009.

Ende 2011 kamen dann das Zahn­arzt­mo­bil, der Ret­tungs­wa­gen und das Ultra­leicht­flug­zeug für Ret­tungs­ein­sät­ze und Not­ope­ra­tio­nen im Busch hin­zu. 2013 haben wir mit einem Kleinst­pro­jekt der deut­schen Bot­schaft Büros auf unse­re Kran­ken­sta­ti­on gebaut und 2014 das gesam­te Team, damals 13 Leu­te unter einem Dach gehabt.

Wie ging es dann weiter?

2018 haben wir in exakt neun Mona­ten – genau­so lan­ge wie eine Schwan­ger­schaft – unser Geburts­hilf­li­che-Kran­ken­haus gebaut. Seit Janu­ar 2019 ist es in Betrieb. Den OP haben wir mit einem deut­schen Ärz­te­team im Febru­ar 2019 ein­ge­weiht. Hier kön­nen wir nun auch Not-Kai­ser­schnit­te machen und damit das Leben von Müt­tern und Babys ret­ten, die ohne die­se Mög­lich­keit in Mada­gas­kar noch sehr häu­fig an Kom­pli­ka­tio­nen ster­ben.

Das Geburts­hilf­li­che-Kran­ken­haus Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Das klingt großartig, aber auch sehr aufreibend und emotional belastend.

Der Anfang war müh­sam. Ich muss­te mir über­le­gen, wie ich am bes­ten ein­hei­mi­schen Mit­ar­bei­ten­den bei­brin­ge, wie ein Kran­ken­haus im deut­schen Sin­ne funk­tio­nie­ren soll. Ein­fa­che und für uns ganz nor­ma­le Din­ge, wie Hygie­ne­stan­dards, dass das Per­so­nal die Pfle­ge der Pati­en­ten über­nimmt und nicht die Ange­hö­ri­gen, Nacht­schich­ten – das alles kann­ten sie zuvor nicht.

Aber heu­te läuft der Betrieb, als wäre es nie anders gewe­sen. Unser Team bil­det jetzt auch die neu­en Mit­ar­bei­ten­den selbst aus und es ist für mich eine Rie­sen­freu­de zu sehen, dass der Start noch nicht ein­mal zwei Jah­re her ist und es so gut läuft.

Wo siehst Du Deinen größten Erfolg?

Mei­nen Erfolg sehe ich dar­in, nach 15 Jah­ren noch immer hier zu sein, wei­te­re Visio­nen, einen Stamm von Mit­ar­bei­ten­den hier vor Ort und Unter­stüt­zer in Deutsch­land zu haben, die erken­nen, wie wich­tig Ver­än­de­rung und Ent­wick­lung sind.

Vie­le klei­ne Leu­te, an vie­len klei­nen Orten, die vie­le klei­ne Schrit­te tun, kön­nen das Gesicht der Welt ver­än­dern. Das ist ein afri­ka­ni­sches Sprich­wort, an das ich fest glau­be und das ich lebe.

Mit dieser Einstellung ist es Dir auch gelungen, ein ganzes Krankenhaus aus dem Boden zu stampfen – an einem Ort, an dem man das nie für möglich gehalten hätte.

Als ich anfing davon zu reden, dass ich ein Kran­ken­haus bau­en will, habe ich bei den meis­ten mehr Fra­ge­zei­chen als Begeis­te­rung gese­hen. Nicht alles macht in einem deut­schen Kon­text Sinn.

Ein Kran­ken­haus zu bau­en und zu betrei­ben – mit einer Sand­pis­te als Zufahrts­stra­ße, ohne staat­li­che Strom- und Was­ser­ver­sor­gung, ohne jeg­li­che Infra­struk­tur. Und dann noch als Heb­am­me. Das fan­den vie­le ver­rückt.

Aber die all­täg­li­che Not, die ich hier sehe, war und ist ein­fach zu groß, um die Hän­de in den Schoß zu legen, also haben wir es ange­packt.

Der Bau des Kran­ken­hau­ses begann 2018  Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Bist Du besonders stolz darauf, dass Du es geschafft hast – gerade weil viele nicht an Dich geglaubt haben?

Auf jeden Fall. Ich war jeden Tag auf der Bau­stel­le. Wir haben Brun­nen boh­ren las­sen, Was­ser­spei­cher instal­liert, eine gro­ße Solar­an­la­ge finan­ziert. Alles funk­tio­niert so wie es soll. Und das als deut­sche Heb­am­me, mit einem mada­gas­si­schen Team!

Ich habe es geschafft, das zu machen, was Gott mir aufs Herz gelegt hat und mich nicht von ande­ren Men­schen von mei­ner Über­zeu­gung und mei­nen Idea­len abbrin­gen zu las­sen. Denn mein Lebens­mot­to kann man mit dem Sprich­wort zusam­men­fas­sen: „Wenn Gott will, blüht ein Besen.“ Und bei uns blü­hen vie­le!

„Wenn Gott will, blüht ein Besen.“ Und bei uns blü­hen vie­le! Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Wie viele Menschen werden denn pro Jahr bei Euch im Krankenhaus und in Euren mobilen Krankenstationen behandelt?

Wir haben 2019 fast 50.000 Behand­lun­gen durch­ge­führt. Die­ses Jahr muss­ten wir Coro­na-bedingt die mobi­len Pro­gram­me ein­stel­len, aber der Kran­ken­haus­be­trieb ging wei­ter. Men­schen lau­fen zwei bis drei Stun­den, um zu uns zu kom­men.

Wir betreu­en ca. 400 Schwan­ge­re jähr­lich. Und dank unse­res neu­en OPs wer­den nun alle Babys bei uns in Sicher­heit und Sau­ber­keit gebo­ren – in Mada­gas­kar ist das mehr als Luxus.

Was planst Du als nächstes?

Wir set­zen auf Vor­sor­ge und Prä­ven­ti­on, machen regel­mä­ßi­ge Check-ups bei den Schwan­ge­ren. Not­fäl­le ver­mei­den ist das Mot­to. Seit Juni haben wir unse­re Kin­der­ab­tei­lung eröff­net – Büros aus­ge­räumt, Bett­chen rein.

Nach der Regen­zeit, im April 2021, soll es los­ge­hen mit dem nächs­ten Bau: Wir brau­chen Unter­richts­räu­me, um das medi­zi­ni­sche Per­so­nal aus­zu­bil­den. Alle Lager­räu­me und Büros wer­den in das neue Gebäu­de umzie­hen, und das Ober­ge­schoss des Kran­ken­hau­ses wird zur Kin­der­ab­tei­lung.

Jedes einzelne Projekt innerhalb Deiner Organisation ist für sich gesehen eine riesige Leistung. Woher nimmst Du die Kraft und die Energie? Und auch Deine große Lebensfreude, die Du immer trotz des krassen Stresses und den oft auch sehr traurigen Erfahrungen ausstrahlst?

“Bereits im Alter von 15 Jah­ren hat­te ich den Wunsch, in Afri­ka zu arbei­ten.” Tan­ja Hock Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Es hilft mir sehr, dass ich sehr gläu­big bin. Ich zie­he viel Kraft und Zuver­sicht aus mei­nem Glau­ben an Gott. Ich glau­be fest dar­an, dass es so vor­ge­se­hen war, dass ich die­se Auf­ga­be hier mache.

Bereits im Alter von 15 Jah­ren hat­te ich den Wunsch, in Afri­ka zu arbei­ten. Das schien damals total ver­rückt. Aber hier bin ich. Ich mag, wie Mut­ter The­re­sa es for­mu­liert hat: „Ich bin der klei­ne Blei­stift in der Hand eines schrei­ben­den Got­tes, der der Welt einen Lie­bes­brief schickt.“

Wie gehst Du mit besonders schlimmen Erfahrungen, zum Beispiel dem Tod von Kindern, um?

Wir sind eine Fami­lie bei der Mobi­len Hil­fe Mada­gas­kar. Mit allem, was dazu gehört. Wir wei­nen zusam­men, als Team, mit den Eltern, und dann trös­ten wir uns und wis­sen, dass selbst die­se Fami­lie, die ihr Kind oder ihre Mut­ter ver­lo­ren hat, bei uns so gut auf­ge­ho­ben war, dass wir alles für sie getan und sie beglei­tet haben.

So ver­su­chen wir, den Abschied von einem Baby so lie­be­voll wie nur irgend mög­lich zu gestal­ten, machen Erin­ne­rungs­fo­tos für die Eltern und Abdrü­cke der klei­nen Füße und Hän­de, sodass die Eltern etwas haben, an dass sie sich erin­nern kön­nen.

In Mada­gas­kar ster­ben die Men­schen lei­der viel frü­her als bei uns – oft an Din­gen, die in Euro­pa kein Pro­blem dar­stel­len, wie Fie­ber oder Durch­fall. Die durch­schnitt­li­che Lebens­er­war­tung liegt bei nur 47 Jah­ren, in abge­le­ge­nen Gegen­den oft noch dar­un­ter.

Der Tod ist hier viel all­ge­gen­wär­ti­ger als in Deutsch­land. Dem gegen­über ste­hen so vie­le wun­der­ba­re Erleb­nis­se und geret­te­te Leben. Das Gute trägt uns durch die schlim­men Momen­te.

Gab es mal Situationen, wo Du am liebsten alles hingeschmissen hättest oder einfach richtig verzweifelt warst?

Es wäre gelo­gen, nein zu sagen. Aber es hilft ja nichts. In so einem Moment gehe ich in mein Zim­mer, mache mir schö­ne Musik an, schaue aus dem Fens­ter auf die Reis­fel­der, genie­ße das Wet­ter und erin­ne­re mich ganz bewusst dar­an, war­um ich hier bin und das alles mache. Dann geht es wei­ter!

Was sind denn Dinge, die Dich in Deinem Leben und bei Deiner Arbeit besonders glücklich machen?

Glück­lich machen mich vor allem mei­ne zwei tol­len Kin­der, die bei unse­rem unkon­ven­tio­nel­len Leben voll mit­ma­chen. Die wis­sen, dass Mama manch­mal ein­fach nicht da ist, und das tra­gen sie mit. Für mich ist jeder Tag ein ganz beson­de­rer Tag. Jeden Tag macht es einen Unter­schied, ob wir als Team hier sind.

Tan­ja mit ihren Kin­dern Fani­lo und Fifa­lia­na Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Ohne Deine Hilfe wären viele Menschen – vor allem viele Frauen und Kinder – heute nicht mehr am Leben. Man könnte Deine Organisation als eine madagassische Miniversion von „Ärzte ohne Grenzen“ beschreiben. Wieso ist besonders medizinische Versorgung in Madagaskar oder auch in anderen armen Ländern so wichtig, vielleicht das Wichtigste?

Weil es für mich uner­träg­lich ist zu sehen, wie Men­schen unnö­tig und völ­lig sinn­los lei­den. Und damit mei­ne ich, an einer Blind­darm­ent­zün­dung zu ster­ben. Oder an einer Ver­let­zung, die ein­fach etwas des­in­fi­ziert wer­den könn­te und dann nicht wei­ter schlimm wäre.

An sol­chen Bana­li­tä­ten ster­ben hier aber vie­le, weil es kei­ne aus­rei­chen­de medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung gibt. Und wenn es sie gibt, kön­nen vie­le Men­schen sie sich nicht leis­ten. Es gibt kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung, kein Gesund­heits­sys­tem. Wer die Infu­si­on für sein dehy­drier­tes Kind nicht zah­len kann, muss ihm beim Ster­ben zuse­hen, obwohl man dem Kind leicht hel­fen könn­te.

Ich könn­te Dut­zen­de sol­cher Bei­spie­le nen­nen. Das Gesund­heits­sys­tem in einem der ärms­ten Län­der die­ser Erde ver­dient Unter­stüt­zung, weil die Men­schen es ver­die­nen. Des­halb sind bei uns alle Behand­lun­gen auch kos­ten­los.

Alle Behand­lun­gen in unse­rem Kran­ken­haus sind kos­ten­los Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Wie sieht die medizinische Versorgungslage in Madagaskar denn aus – kannst Du das an einem Beispiel erklären?

Eine Mada­gas­sin hat fast immer Angst, die Schwan­ger­schaft oder Geburt nicht zu über­le­ben. Anfangs dach­te ich, was ein Quatsch. Schnell muss­te ich aber erken­nen, dass es bit­te­re Rea­li­tät ist. Und zwar für die meis­ten Mada­gas­sin­nen.

Jede Fami­lie hat eine Geschich­te zu tei­len: Schwes­ter, Freun­din, Nach­ba­rin, Mut­ter, Toch­ter – jeder kennt Frau­en, die an Schwan­ger­schaft oder Geburt gestor­ben sind. Und das schlimms­te ist, die meis­ten Todes­fäl­le könn­ten leicht ver­hin­dert wer­den.

Ich den­ke Medi­zin und Bil­dung müs­sen daher auch Hand in Hand gehen. Des­we­gen arbei­ten wir in unse­ren mobi­len Pro­gram­men auch oft mit ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men, die sich für Bil­dung enga­gie­ren.

Deine Organisation finanziert sich über Spendengelder. Wie viel müsste man denn geben, um dafür zu sorgen, dass ein schwangeres Mädchen medizinisch versorgt werden kann. Oder dass eine Mama und ihr Baby per Not-Kaiserschnitt gerettet werden?

Im Schnitt kos­tet eine Behand­lung bei uns, Medi­ka­men­te inklu­si­ve, acht Euro. Offen­sicht­lich ist das ein Durch­schnitts­wert. Ein Not-Kai­ser­schnitt kos­tet 250 Euro. Für eine Schwan­ger­schaft erwar­ten wir im Schnitt eben­falls Aus­ga­ben um die 250 Euro – mit allen Vor­sor­gen, siche­rer Geburt, Nach­sor­gen für Mama und Baby. Dafür haben wir auch Paten­schaf­ten, bei denen jemand aus Deutsch­land eine wer­den­de Mama durch die Schwan­ger­schaft beglei­ten und sie finan­zi­ell unter­stüt­zen kann.

Bekommst Du da nicht auch mal die Wut, wenn Du weißt, dass man für so wenig Geld Menschenleben retten könnte und in Deutschland geben Leute den gleichen Betrag für ein Abendessen aus?

Frü­her schon, heu­te nicht mehr. Ich bin dank­bar für jeden Betrag und jede Hil­fe, die wir bekom­men. Aber ich könn­te defi­ni­tiv nicht mehr in Deutsch­land als Heb­am­me arbei­ten und ertra­gen, wenn sich zum Bei­spiel eine Frau über die Wand­far­be im Zim­mer beschwe­ren wür­de oder dar­über, dass es kei­ne Soja­milch auf der Sta­ti­on gibt.

Wie hat sich Eure Situation durch die Corona-Pandemie verändert?

Wir muss­ten unse­re mobi­len Ein­satz­pro­gram­me stop­pen. Die Obdach­lo­sen in der Stadt, die Men­schen im Busch kön­nen wir der­zeit nicht ver­sor­gen.

Im Kran­ken­haus geht alles wei­ter, da haben wir aller­dings noch mehr Pati­en­ten als sonst. Wir brau­chen daher drin­gend Spen­den, um die klei­nen und gro­ßen Pati­en­ten wei­ter gut ver­sor­gen und unse­re mitt­ler­wei­le 100 Mit­ar­bei­ten­den bezah­len zu kön­nen.

Und für die Zeit nach Coro­na brau­chen wir wie­der Ehren­amt­li­che aus Deutsch­land, die kom­men und hier mit anpa­cken.

Wer sollte sich da speziell bei Euch melden?

Kin­der­kran­ken­schwes­tern und Kin­der­ärz­te, All­ge­mein­me­di­zi­ner, Zahn­ärz­te, Chir­ur­gen. Aber auch Leu­te, die uns in der Ver­wal­tung, bei den Finan­zen oder in der IT hel­fen kön­nen. Auch Foto­gra­fen oder Hand­wer­ker. Wir kön­nen fast jede Hil­fe gebrau­chen.

“Aber was kommt, packen wir an.” Tan­ja Hock Quel­le: Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar

Glaubst Du, dass sich die Pandemie in Madagaskar weiter ausbreiten wird?

Wir haben uns gut vor­be­rei­tet und geschützt. Kei­ner aus dem Team wur­de bis­lang krank. Was noch pas­sie­ren wird? Das weiß nie­mand. Aber was kommt, packen wir an.

Für Deinen enormen, selbstlosen Einsatz wurdest du in Deutschland mit dem Preis „Goldene Bild der Frau“ ausgezeichnet. Was hat Dir das bedeutet?

Das war ein unbe­schreib­lich schö­nes Erleb­nis. Es war sehr auf­re­gend. Ich bin es nicht gewohnt, ganz vor­ne auf einer Büh­ne zu ste­hen. Das ist eigent­lich nicht mein Platz. Die Gala an dem Abend war wun­der­schön und die Lie­be und Wert­schät­zung, mit der das Team von „Bild der Frau“ uns beglei­tet hat, hat Spu­ren in mei­nem Her­zen hin­ter­las­sen.

Gibt es eine Lebensweisheit, einen Sinnspruch, den Du unseren Leserinnen gerne mit auf den Weg geben würdest?

Wenn jemand eine hel­fen­de Hand braucht, schau am Ende dei­nes Arms.

Cou­ra­ge-Chef­re­dak­teu­rin Danie­la Mey­er beglei­te­te Tan­ja Hock per Busch­flie­ger zu einer Not-OP. 

Du kannst Tan­ja Hock und ihre Arbeit mit der Mobi­len Hil­fe Mada­gas­kar mit einer Spen­de oder einer Paten­schaft für eine wer­den­de Mama und ihr Baby unter­stüt­zen.

Wei­te­re Infos und Fotos dazu fin­dest du unter www.mobile-hilfe-madagaskar.de und auf der Face­book­sei­te der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on

Du kannst direkt spen­den an:

Mobi­le Hil­fe Mada­gas­kar e.V.
Spar­kas­se Aschaf­fen­burg
IBAN  DE05795500000011418472
BIC  BYLADEM1ASA

Oder über die Orga­ni­sa­ti­on www.betterplace.org 

Bist du Kran­ken­schwes­ter, Arzt oder Ärz­tin? Kannst du in der Ver­wal­tung oder im IT-Bereich hel­fen oder als Hand­wer­ke­rIn mau­ern, Elek­trik ver­le­gen, Brun­nen bau­en…? Dann mel­de dich doch ein­fach direkt bei Tan­ja unter: +261 33 84 573 91 oder per Mail: hock@mobile-hilfe-madagaskar.de

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