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Kathrin Weßling — Super, und dir?

2020-07-02T13:08:51+02:002. Juli 2020|

Mar­lene Beck­mann, „Leni“, hat Geburt­stag, sie ist jet­zt 31 Jahre alt und entsprechend ihres Social Media Pro­fils geht es ihr supergut. Sie ist beru­flich erfol­gre­iche Social Media Man­agerin, die den Leis­tungs­druck in der Fir­ma easy mit Sport vertreibt und sich durch Chakra-Yoga selb­stop­ti­miert, sich zum Lunch, natürlich Sushi, verabre­det und mach­mit­tags Fre­unde zum Kaf­fee und Kuchen empfängt. „(…) Herzchen, Zwinkersmi­ley, Kuss.“ Abends geht es zum Dan­cen! Mar­lene verkörpert — stets lächelnd — friv­o­le Trendi­ness und laute Ungezwun­gen­heit, aber hey, Anfassen ist nicht: Mar­lene ist treu „in Beziehung mit Jkb Bre­mer“.

Von Lucy North­man

Die Wirklichkeit ist wahrlich eine andere.

Leni ist erst gegen Abend aufgewacht, alleine, denn Jakob ist im Urlaub. Sie quält sich her­vor unter zwei Deck­en, deren Bezüge so alt sind wie sie selb­st. In der trost­losen Woh­nung hängt der Geruch kalter Zigaret­ten, zerdrückt in Him­beeren.

In der Küche ste­ht schim­mel­ndes Geschirr. Die einzige Kom­mu­nika­tion, die vor ihrer ersten „Line“ möglich ist, ist mit Siri übers Wet­ter. Leni ist unsag­bar trau­rig, erschöpft und müde. Lebensmüde. Aber wen inter­essiert das schon? Läuft doch alles super bei ihr.…

Mit ein­er Frau, die ver­meintlich kon­trol­liert Dro­gen nimmt um klar zu kom­men und sich dabei selb­st offen­bar nur oberflächlich im Griff hat, kann sich doch kein­er iden­ti­fi…

Und schon wer­den wir mit­geris­sen in Erin­nerun­gen aus 30 Jahren Leben voller Auswe­ichen, Scheit­ern und Schein und noch viel mehr dazwis­chen – wir spüren förmlich Lenis übermenschliche Anstren­gung, stets stolz lächelnd die Kon­trolle zu wahren während ihr Gehirn Feuer­w­erke abfack­elt.

Es kostet Mühe den Überblick zu behal­ten auf­grund der sprung­haften Zeitwech­sel und dem ständigen Auf und Ab ein­er Drogensüchtigen in ihrer man­isch opti­mierten Welt.

Es gäbe zahlre­iche Auswege – doch Leni zögert höchstens kurz und ren­nt weit­er. Immer ger­adeaus. Als ob sie ihr Ziel ken­nen würde.… Dabei weiß Leni gar nicht, wer sie ist und was sie will, sie erfüllt lediglich alle an sie gestell­ten Erwartun­gen und jene, von denen sie denkt, dass man an sie hätte — selbstverständlich stets zur voll­sten Zufrieden­heit und dabei bitte immer adrett und super­hap­py erscheinen.

Und wenn sie mal nicht super und happy ist?

Das geht doch gar nicht! Sobald Leni antwortet: „Super, und dir?“ hakt kaum jemand nach… Stets rieselt das Inter­esse wie Sand durch die Worte, alles dreht sich im selb­st­be­zo­ge­nen Krei­dekreis.

Als Mar­lene beim Hausarzt ste­ht, der sie von klein auf ken­nt und Ver­bun­den­heit heuchelt, den sie – endlich! – mit den drei magis­chen Worten anfle­ht: „Ich brauche Hil­fe!“, fer­tig er sie mit einem Rezept für Psy­chophar­ma­ka ab, was ganz Leicht­es. Ist doch nur eine Phase, das passiert jedem mal. „Wir haben keine Sucht­prob­leme.“ Mar­lene Beck­mann ein Junkie? Niemals.

Wir ahnen, dass die Wahrheit trotz viel­er Worte unaus­ge­sprochen bleibt, dass entschei­dende Puzzlestücke fehlen. Die Alko­hol­sucht der Mut­ter nach der Schei­dung, Mar­lenes Par­en­tifizierung sowie eine Abtrei­bung wer­den skizziert, den­noch bleibt Zweifel spürbar- das kann nicht alles sein.

Vom Vater erfahren wir nichts, außer einem wortkar­gen Aus­flug zum Holz hack­en — am Tag der Offen­barung, dass er die Fam­i­lie verlässt. „(…) es hieß immer nur: „Sag es nie­man­dem, Mar­lene, nie­man­dem auf der ganzen Welt, ver­stehst du, das ist nur zu deinem Schutz“ (…)“

Die nagende Frage, was sie falsch gemacht habe — sie, sein Kind, das pubertierende Mädchen, seine Tochter – wird nie beant­wortet.

Das Wirrwarr ihrer Erinnerung

Heute befind­et sich Mar­lene an einem ihr aus­nahm­sweise sehr bewussten Wen­depunkt. Wir haben sie begleit­et durch das Wirrwarr ihrer Erin­nerun­gen und beten, dass sie dies­mal innehält und die richtige Abzwei­gung nimmt.…

Kathrin Weßling sticht mit diesem Roman in eine ern­sthafte Wunde unser­er Gen­er­a­tion: jedes neg­a­tive Gefühl wie Schwäche, Wut, Neid und Verzwei­flung muss im Keim erstickt wer­den — und plötzlich steck­en wir in ein­er gesellschaftlichen Krise, die wir nicht mehr weglächeln können, verdrängen mit Sport, Arbeit, Yoga, Med­i­ta­tion, Social Media, Pros­ec­co – eben Dro­gen je nach Facon…

Dieser Roman ruft auf zu mehr Authentizität und mehr Aus­gle­ich im Yin und Yang — denn je stärker das Licht alles überstrahlt, umso größer wird der Schat­ten.…
Habt Mut, seht hin – und bewältigt eure inner­sten Ängste für ein echteres Sein.

„The Dev­il whis­pered in my ear,:
„Your’re not strong enough to with­stand the storm.“

Today I whis­pered in the Devil’s ear:
„I am the storm“ Unknown“

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