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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

2021-01-05T10:41:15+01:001. Januar 2021|

Ria Kor­tum (39) ist studierte Heilpäd­a­gogin und seit 2017 bei der Deutschen Kinderkreb­ss­tiftung für „Pro­jek­t­man­age­ment und psy­chosoziale The­men“ zuständig. Zuvor engagierte sich die Mut­ter von Zwill­in­gen, die selb­st sehr jung an Krebs erkrank­te, ehre­namtlich für die Stiftung. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Behar­rlichkeit. 

Von Sylvia Petersen

Frau Kortum, wie hat sich das mit Ihrem Ehrenamt bei der Deutschen Kinderkrebsstiftung ergeben?

Ich bin mit 16 Jahren an Krebs erkrankt, am Non-Hodgkin-Lym­phom. Das war eine heftige Zeit und ich wollte danach nichts mehr mit dem The­ma zu tun haben, doch nur zwei Jahre später kam der Krebs zurück. Ab dem Zeit­punkt war für mich klar, dass ich mich damit auseinan­der­set­zen muss, um für einen weit­eren Rück­fall bess­er gewapp­net zu sein. Über einen Tipp aus ein­er Selb­sthil­fe­gruppe bin ich dann zur Kinderkreb­ss­tiftung gekom­men.

Was haben Sie bei der Kinderkrebsstiftung gemacht?

Ich habe ein Junge-Leute-Sem­i­nar besucht, das die Stiftung zweimal im Jahr für junge Kreb­skranke anbi­etet. Dort habe ich erfahren, dass auch soge­nan­nte Regen­bo­gen­fahrten ver­anstal­tet wer­den. Ein­mal im Jahr fahren ehe­mals Kreb­skranke eine Woche lang durch Deutsch­land und besuchen Kinderkliniken.

Nicht, um Spenden zu sam­meln, son­dern um den Kindern Mut zu machen – nach dem Mot­to: „Auch ich habe hier gele­gen, keine Haare gehabt und gekotzt. Doch jet­zt fahre ich 600 Kilo­me­ter in der Woche, um dir zu sagen, dass du das auch schaf­fen kannst.“

Diese Touren habe ich zehn Jahre lang ehre­namtlich begleit­et. Für mich war das wie eine Klassen­fahrt, nur mit inten­siverem Hin­ter­grund. Ich bin also im Grunde zum Ehre­namt gekom­men, weil ich selb­st etwas zu ver­ar­beit­en hat­te.

Ihr ehrenamtliches Engagement führte zu einer Festanstellung. Wie kam es dazu?

Ich habe mit der Zeit neben den Regen­bo­gen­fahrten weit­ere Pro­jek­te inner­halb der Deutschen Kinderkreb­ss­tiftung ehre­namtlich über­nom­men, wie beispiel­sweise die Mitar­beit als Betreuerin im Wald­pi­rat­en-Camp in Hei­del­berg. Dort kön­nen Kinder Urlaub vom Krebs machen.

Über diese ver­schiede­nen Pro­jek­te bin ich immer näher an die Stiftung herangerückt. Und eines Tages habe ich den Geschäfts­führer ganz offen gefragt, ob eine Stelle frei ist – oder wird.

Waren Sie denn gerade auf Jobsuche?

Ich war zu der Zeit wis­senschaftliche Mitar­bei­t­erin an der Uni­ver­sität und bere­its Mut­ter von Zwill­in­gen. Eine Pro­fes­sur schien in weit­er Ferne und umziehen wollte ich nicht.

Mein Mann und ich woll­ten anbauen. Es stellte sich mir die Frage: Wo und wie kann es für mich jet­zt weit­erge­hen? Im Bere­ich der Kun­st­ther­a­pie sind die Möglichkeit­en ja lei­der doch sehr über­schaubar.

Welche Rolle spielte Ihr Ehrenamt bei der Festanstellung?

Natür­lich war es ein Stück weit Glück, dass ger­ade eine Stelle frei gewor­den war. Es war aber auch mein großer Vorteil, dass ich die Stiftung sehr gut kan­nte – und sie mich. Net­work­ing ist bei der Job­suche das A und O. Ohne mein Ehre­namt und die damit ver­bun­de­nen Kon­tak­te zu Mitar­beit­ern der Stiftung hätte ich den Job sehr wahrschein­lich nicht bekom­men.

Für mich ist diese Anstel­lung gle­ich dreifach wertvoll: Ich kann jet­zt eigene Pro­jek­te entwick­eln, um Fam­i­lien zu helfen, der Ver­trag ist unbe­fris­tet – das hätte ich an der Uni so sich­er nie bekom­men, und ich habe auch finanziell einen Sprung nach vorne gemacht.

Wie helfen Ihnen die Erfahrungen aus dem Ehrenamt heute im Job?

Ich habe über die Jahre viele Kliniken, Ärzte, Eltern, Vere­ine, Selb­sthil­fe­grup­pen ken­nen­gel­ernt. Diese Kon­tak­te sind für meine jet­zige Arbeit sehr hil­fre­ich. Ich habe nun selb­st mit Ehre­namtlichen zu tun und finde es toll zu sehen, wie viel Kraft aus der eige­nen Betrof­fen­heit entste­hen kann.

Was raten Sie anderen bei der Wahl eines Ehrenamts?

Ein Ehre­namt sollte Spaß machen, schließlich opfert man dafür ja auch seine Freizeit. Es sollte auf alle Fälle nicht zur Last wer­den. Ich hat­te früh über­legt, in der Kinderonkolo­gie zu arbeit­en. Aber durch mein Ehre­namt habe ich gemerkt, dass es vor­erst lieber mein Ehre­namt bleiben soll.

Ein Ehre­namt kann also auch dabei helfen, auszu­loten, wo die eigene beru­fliche Reise hinge­hen soll. Ich habe erst mal in anderen Bere­ichen gear­beit­et und weit­ere Erfahrun­gen gesam­melt, um mich am Ende dann doch bewusst für das Feld der Kinderonkolo­gie zu entschei­den.

Warum sollte man sich überhaupt engagieren?

Anderen zu helfen, ist ein schönes Gefühl. Zugle­ich lernt man durchs Ehre­namt selb­st viel dazu und eignet sich neue Kom­pe­ten­zen an. Deswe­gen würde ich ehre­namtliche Tätigkeit­en auch immer im Lebenslauf nen­nen und genau beschreiben, was man dort macht oder gemacht hat.

Engagieren Sie sich heute auch noch ehrenamtlich?

Ich engagiere mich seit vie­len Jahren im Karneval und ver­anstalte Kostüm­feste für um die 200 Kinder. Ich über­lege mir Spiele und mod­eriere das Ganze auch. Seit ich dieses Ehre­namt ausübe, habe ich über­haupt kein Prob­lem mehr damit, mich auf eine Bühne zu stellen und vor großem Pub­likum zu sprechen.

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