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Liebeserklärung an den Spitzwegerich

2020-06-17T21:31:45+02:009. Juni 2020|

So langsam kommt der Som­mer ins Land. Über­all streck­en die Pflanzen uns ihre bun­ten Blütenköpfchen ent­ge­gen. Wiesen sind bestückt mit Margeriten, und an Ack­er­rän­dern ist die blau-rote Kom­bi­na­tion von Korn­blume und Mohn ein Far­ben­rausch.

Aber es scheint so, als ob bei der Verteilung von Schön­heit und Farbe einige Pflän­zlein leer aus­ge­gan­gen sind. Und die Exem­plare, die außer Grün nichts vorzuweisen haben, gehen optisch neben ihren schö­nen Ver­wandten förm­lich unter. Dabei soll­ten wir da genau hin­schauen.

Von Michaela Marx 

Unscheinbar, aber doch mit Blüte

Diese unschein­bare Pflanze mit den spitzen, messer­för­mi­gen Blät­tern, in ein­er Rosette ange­ord­net, das ist der Spitzwegerich. Er wächst in jedem Garten und auf jed­er Wiese. Auch wenn seine hüb­schen Nach­barin­nen bunte Blüten zeigen, der Spitzwegerich hat auch eine Blüte.

Spitzwegerich roh oder gedünstet

Der Stiel, der in der Mitte empor­wächst und oben einen kleinen Kegel auf­sitzen hat, das ist der Blüten­stand. Und wenn dieser noch ganz grün ist, kann man ihn pro­bieren. Er schmeckt her­vor­ra­gend nach Champignon. Es lohnt sich zu sam­meln und die Spitzwegerich-Blüten entwed­er roh oder angedün­stet in eine Mahlzeit einzubauen.

Wichtige Outdoor-Pflanze

Falls man beim Ern­ten eine Brennnes­sel berührt hat, liefert der Spitzwegerich gle­ich die nötige Medi­zin, um die bren­nende Haut­stelle zu behan­deln. Ein­fach ein Blatt so lange quetschen, bis Saft aus­tritt und dann auf die Stelle leg­en, inner­halb weniger Minuten spürt man nichts mehr. Die hau­theilen­den Eigen­schaften des Wegerichs lassen ihn zu ein­er wichti­gen Out­door-Pflanze wer­den. Es funk­tion­iert auch bei Insek­ten­stichen oder bei aufgeschürften Knien.

Das ist aber noch nicht alles. Denn auch die Blät­ter kann man essen. Am besten nimmt man immer die jun­gen Zarten aus der Mitte der Rosette. Dann kann die Pflanze in Ruhe weit­erwach­sen. Diese zarten Blät­ter haben eben­falls einen leicht­en Pilzgeschmack und kön­nen roh gegessen wer­den.

Spitzwegerich-Süppchen

Aber auch gekocht behal­ten sie ihr feines Aro­ma. So ist ein Spitzwegerich-Süp­pchen gar­niert mit den gebrate­nen Blüten­stän­den, ein tolles Geschmack­ser­leb­nis (Suppe: Ein Liter Wass­er mit drei mit­tleren Kartof­feln aufkochen, leicht salzen, am Ende des Kochvor­ganges eine Hand­voll Spitzwegerich­blät­ter zugeben, nach drei Minuten püri­eren, würzen, ein Klecks Sahne dazu).

Wohlschmeckender Hustensirup aus Spitzwegerich

Der Spitzwegerich ist zudem eine berühmte Heilpflanze. Er enthält ein natür­lich­es Antibi­otikum. Das hil­ft her­vor­ra­gend bei bak­teriellen Infek­tio­nen wie Hus­ten oder Hal­sweh.

Aber als Tee geht das nicht, denn Hitze zer­stört den wertvollen Inhaltsstoff. Deshalb machen wir ein Rezept aus alten Zeit­en, genan­nt Erd­kam­mer­sirup. Wir schicht­en kleingeschnit­tene Spitzwegerich­blät­ter in ein Glas, rund 0,5 Zen­time­ter hoch und geben dann 0,5 Zen­time­ter Zuck­er oder Honig drauf. So schichtet man bis oben hin, die let­zte Schicht muss immer abdeck­end sein, keine Pflanzen­teile dür­fen rauss­chauen. Einen Deck­el fest drauf schrauben.

Das Ganze hat man früher im Garten ver­graben, der warme som­mer­liche Erd­bo­den beschle­u­nigt nun den Prozess, der Zuck­er ver­flüs­sigt sich, da die wertvollen Inhaltsstoffe der Pflanze aus­ge­zo­gen wer­den. Es reicht übri­gens auch, das Glas in einen dun­klen Schrank an einem war­men Ort aufzube­wahren.

Nach rund vier bis fünf Monat­en siebt man das Ganze ab, es bleibt ein dunkel­brauner, wohlschmeck­ender Hus­ten­sirup, der nach Bedarf ein­genom­men wird.

Das hat man diesem Wegerich von außen nicht ange­se­hen, was der alles kann. Sie ist eine super Pflanze zum Essen und Heilen. Eine schöne Blüte hat sie übri­gens nicht, weil hier der Wind als Liebes­bote die Pollen von ein­er Pflanze zur anderen trägt.

Die Biolo­gin Michaela Marx bietet in ihrem Unternehmen Nah­tour ein bre­ites Ange­bot an Naturver­anstal­tun­gen an. Sie bildet Kräuter­päd­a­gogen und Natur­päd­a­gogen aus, leit­et Natur­reisen und Fort­bil­dun­gen, ver­anstal­tet Work­shops zum The­ma Naturkos­metik und Kräuterküche, organ­isiert Nat­u­range­bote für Fir­men und begeis­tert Kinder, Schulen und Kitas für die Umwelt. Michaela Marx zeigt, wie man die Leben­skraft der Natur für sich nutzen kann, ken­nt sich mit Heilkräutern aus und weiß zu jedem Tier oder jed­er Pflanze eine Geschichte zu erzählen. Ihr Ziel ist es, Erwach­se­nen und Kindern mit Naturevents Lebens­freude zu schenken, ihre Begeis­terung für die Natur zu weck­en und Lust auf Draußen zu machen. Mehr auf ihrer Web­seite.

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Ein Kommentar

  1. Katinka 12. Juni 2020 um 20:12 Uhr - Antworten

    Vie­len Dank für diese schöne Liebe­serk­lärung!

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