Startseite/Halleluja — Auf Pferde gesetzt

Halleluja — Auf Pferde gesetzt

2020-03-16T14:21:04+02:0011. März 2020|

Für Pferde wer­den immer wieder Mil­lio­nen gezahlt. Doch wer investiert, muss sich des Risikos eines Totalver­lusts bewusst sein. Der Kauf eines Renn- oder Springpferds ist ein Hochrisikoin­vest­ment. Es ist keine Gel­dan­lage zum Ver­mö­gen­sauf­bau oder für die Altersvor­sorge, son­dern eher etwas für Pfer­denar­ren.

Von Anni­ka Kintsch­er und Julia Pfan­ner

 

Neugierig kommt Hal­lelu­ja zum Ein­gang sein­er Box, als die Tür aufge­ht. Er schnup­pert an den Besuch­ern, schleckt eine Hand ab. Ganz entspan­nt, so scheint es, ste­ht er in sein­er geräu­mi­gen Box, einge­hüllt in eine dicke, dunkel­blaue Pferd­edecke, die dun­kle Mähne kun­stvoll zu kleinen Knöpfchen frisiert.

Foto: Thomas Hartwig

Gle­ich wird der sech­sjährige Wal­lach aufge­sat­telt und poten­ziellen Käufern präsen­tiert, die ihn auch probere­it­en dür­fen. Drei Tage später wird er ver­steigert – für 500.000 Euro.

Ins­ge­samt nimmt Springre­it­er und Train­er Hol­ger Het­zel an diesem Abend im Novem­ber für 19 Springpferde – die meis­ten gehören ihm oder er ist an ihnen beteiligt – gut 3,7 Mil­lio­nen Euro ein. Schau­platz ist seine Reit­sportan­lage Het­zel Hors­es, die sich, umgeben von Wiesen, Feldern und Win­drädern, im nieder­rheinis­chen Städtchen Goch nahe der nieder­ländis­chen Gren­ze befind­et. Men­schen aus der ganzen Welt kom­men hier das Jahr über her, um sich Pferde anzuschauen und zu kaufen. Die Kun­den sind Springsport­begeis­terte, aber auch Inve­storen.

Pferde als Investmentobjekt

Alter­na­tive Invest­ments gibt es viele: Wein, Kun­st, Old­timer oder eben Pferde sind in Zeit­en niedriger Zin­sen pop­ulär gewor­den. Man kann sie anfassen, und fast immer schwin­gen Emo­tio­nen mit. Dass Spitzenpferde häu­fig für Mil­lio­nen den Besitzer wech­seln, lässt den einen oder anderen Anleger hell­hörig wer­den.

Auch Deck­tax­en für erfol­gre­iche Heng­ste, Zuchtwerte für gute Stuten und hohe Preis­gelder lock­en. Der Bere­ich ist allerd­ings für Laien unüber­sichtlich. Es gibt viele Diszi­plinen, von Spring- über Dres­sur- und Viel­seit­igkeit­spfer­den bis zu Tra­bern oder Ren­npferde. Reg­ulierte Invest­ment­fonds existieren kaum. Pferde-Aktien oder ‑Anlei­hen, die für Börsen einen trans­par­enten Preis stellen, gibt es nicht. Inve­storen müssen sich auf ihr eigenes Urteil ver­lassen, also Pfer­deken­ner sein, oder Beratern ver­trauen.

Het­zel ist so ein Berater. „Vor 15 Jahren war es sehr außergewöhn­lich, wenn ein Springpferd eine Mil­lion Euro gekostet hat. Heute ist das bei ganz vie­len der Fall.“ Er sieht hier­für mehrere Gründe. Immer mehr Gut­be­tuchte wür­den den Sport lieben. Dazu zählen etwa die Töchter des Musik­ers Bruce Spring­steen oder die Mil­liardäre Michael Bloomberg und Bill Gates. Die bei­den Let­zt­ge­nan­nten haben bei Het­zel schon Pferde gekauft.

Käufer aus aller Welt

Promi­nente Namen wür­den den Sport pushen. Dazu seien Käufer aus den Ara­bis­chen Emi­rat­en, Chi­na, Japan oder Korea neu in den Markt gekom­men. „Früher hat sich der Sport allein in Europa abge­spielt.“ Das Know-how für die Zucht und die richtige Umge­bung, um Pferde gesund groß wer­den zu lassen, lägen weit­er in Europa. So wachse die Nach­frage, das Ange­bot stag­niere.

Für ein Invest­ment hat Het­zel einen Zei­tho­r­i­zont von ein bis zwei Jahren. 2016 grün­dete er mit dem Wirtschaft­san­walt Rudolf Pel­len­gahr die Kom­man­dit­ge­sellschaft EAD. Mit 30.000 Euro kon­nte, wer wollte, Gesellschafter wer­den. Mit dem Geld kauft Het­zel vielver­sprechende Pferde, bildet sie aus, um sie dann teur­er weit­erzu­verkaufen.

Gewinne wer­den aus­geschüt­tet, die Verzin­sung lag bish­er pro Jahr im hohen ein­stel­li­gen bis mit­tleren zweis­tel­li­gen Bere­ich. „Man kann jed­erzeit kündi­gen und bekommt den Wert seines Anteils an der Gesellschaft inner­halb von zwei Jahren in zwei Rat­en aus­bezahlt“, sagt Pel­len­gahr. Die Gesellschaft wen­det sich allerd­ings nicht öffentlich an Anleger.

Das­selbe wie für EAD hat Het­zel schon für den Fonds Equi Future Cham­pi­ons gemacht. Der endete, nach­dem John Bau­mann, der ihn 2012 aufgelegt hat­te, 2015 starb. „Wir hat­ten 20 Pferde im Port­fo­lio, davon gab es einen Ver­lust, weil das Pferd krank gewor­den ist“, resümiert Het­zel. Mit dem Rest habe man zwis­chen 11,5 und 113 Prozent Gewinn gemacht, nach allen Kosten. Trotz­dem würde er das Konzept so nicht wieder­holen, die Fond­snebenkosten seien viel zu hoch gewe­sen.

Risikostreuung ist auch bei Pferden wichtig

Ein Pferd, volles Risiko. Die zweite Investi­tion­s­möglichkeit, die Het­zel bei Springpfer­den sieht, ist, ein einzelnes Pferd zu kaufen. Bei ihm läuft das so: Inve­storen sagen, wie viel Geld sie investieren möcht­en. Er sucht dann ein Pferd aus: Hat es das richtige Alter, die richti­gen Anla­gen, sehr gute Zukun­ft­saus­sicht­en und Abstam­mung, kann es in ein oder zwei Jahren 50 oder 100 Prozent mehr wert sein? „Da ist wichtig, dass man beim Einkauf einen sehr guten Part­ner hat, der sich der Auf­gabe und der Erwartun­gen des Kun­den bewusst ist“, sagt er.

Foto: Thomas Hartwig

Der Unternehmer Hans-Ulrich Hor­rig, der ger­ade Hal­lelu­ja ersteigert hat, kauft schon seit vie­len Jahren immer ein bis drei Pferde, lässt sie von Het­zel weit­er aus­bilden und dann verkaufen. „Das ist durch­weg sehr lukra­tiv“, sagt Hor­rig. 50 Jahre Erfahrung habe er mit Springpfer­den und dadurch ein Auge für gute Pferde. Wer das nicht hat, soll sich gut informieren und berat­en lassen. „Ich würde nie jeman­dem empfehlen, ein­fach zu ein­er Auk­tion zu gehen und ohne Fach­ber­atung blauäugig nach dem optis­chen Ein­druck ein Pferd zu kaufen.“

Wer das Geld für ein Pferd nicht allein auf­brin­gen will, hat andere Möglichkeit­en wie Besitzerge­mein­schaften. Die sind etwa für Ren­npferde in Deutsch­land üblich. Ex-Jock­ey und Ren­npfer­deagent Man­fred Hofer meint: „Das ist das Schön­ste. Wenn man zu viert oder zu fün­ft ein Pferd kauft, macht das richtig Spaß.“

Fonds für Pferde

Ein nicht zu unter­schätzen­der Fak­tor bei Pfer­dein­vest­ments – der Spaß an der Sache ent­lohnt vielle­icht manchen Investor ein Stück weit, wenn er Geld ver­liert. „Man muss das prinzip­iell als Hob­by für Reiche sehen“, sagt Hofer. „Das sind Invest­ments, die unglaublich gut laufen, aber auch danebenge­hen kön­nen.“ Er hat schon selb­st Besitzerge­mein­schaften gegrün­det. „In Ameri­ka, Aus­tralien oder Japan vor allem gibt es auch Fonds.“

Fast 70 Prozent der Ren­npferde sind laut Hofer auf wenige Großin­ve­storen verteilt. „Wir Kleinan­leger suchen in der Nis­che. Denn in dem Moment, wo ein Pferd mit guter Abstam­mung da ist, hat man kaum noch eine Chance, es zu bekom­men.“ Er rät Ein­steigern, sich an Pfer­den zu beteili­gen, die schon Leis­tung in Ren­nen und Train­ing gezeigt haben. Auch Stuten mit guter Abstam­mung wür­den das Risiko ver­ringern, weil selb­st bei ein­er Ver­let­zung ein Zuchtwert bleibt.

Foto: Thomas Hartwig

Teur­er Spaß. Hofer sagt, er habe schon Pferde für 30.000 Pfund gekauft und kein Jahr später für 1,4 Mil­lio­nen Dol­lar verkauft. Bei Het­zel ersteigerte etwa Mar­ta Orte­ga Pérez, Tochter des Grün­ders der Mod­ekette Zara, Beauville Z im Jahr 2016 für 110.000 Euro. „Der ist nach heutiger, ganz real­is­tis­ch­er Schätzung 1,5 Mil­lio­nen Euro wert“, erk­lärt Het­zel.

Doch es kann auch schiefge­hen. „Viele Leute, die das nicht pro­fes­sionell machen, ver­lieren viel Geld mit Pfer­den. Die sind ein­fach teuer“, sagt Wirtschaft­san­walt Pel­len­gahr. Sie haben hohe laufende Nebenkosten. Het­zel ver­an­schlagt für alles, von der Box über Tier­arzt und Train­ing bis zu Turnieren, 25.000 Euro im Jahr. Hofer bez­if­fert die laufend­en Nebenkosten bei Ren­npfer­den auf gut 30.000 Euro.

Versicherungen für Pferde sind teuer

Doch dafür, wie sich ein Pferd macht, gibt es keine Garantie. „Wenn ich sehe, dass sich ein Pferd nicht in die richtige Rich­tung entwick­elt, sage ich das den Inve­storen offen und frage, ob wir das Pferd schnell verkaufen wollen, zum Beispiel an Hob­byre­it­er, um das Invest­ment in etwa zurück­zubekom­men“, sagt Het­zel. Ein Pferd ist ein Lebe­we­sen, das sich ver­let­zen, krank wer­den oder auch psy­chisch den Sport nicht mit­machen kann. Natür­lich gibt es Ver­sicherun­gen, die kosten aber. Dazu kom­men Pro­vi­sio­nen. Het­zel erhält zum Beispiel bei Einzelin­ve­storen vom Verkauf­spreis fünf bis zehn Prozent.

Einen Blick darauf, wie Pferde gehal­ten und trainiert wer­den, soll­ten auch Inve­storen haben. Schließlich geht es um Lebe­we­sen. Wer ein Pferd ein­fach kauft, ist laut Brigitte May­er von der Ver­braucherzen­trale Hes­sen im rein pri­va­trechtlichen Bere­ich mit ganz nor­malen Kaufverträ­gen unter­wegs. Das habe nichts mit Gel­dan­lage zu tun. Wer­den Gewinne in Aus­sicht gestellt, fall­en Pro­duk­te unter das Ver­mö­gen­san­lagege­setz. Die zählen oft zum soge­nan­nten grauen Kap­i­tal­markt, der kaum reg­uliert ist.

Hier müssen Anbi­eter Anlegern lediglich ein Ver­mö­gen­san­lage­in­for­ma­tions­blatt bere­it­stellen, zum Teil auch einen Prospekt. „Diese soll­ten Sie sich genau durch­le­sen“, rät die Ver­brauch­er­schützerin. „Wenn zum Beispiel 30 Prozent Pro­vi­sion bezahlt wer­den muss, sollte ein Anleger sich fra­gen, wo der Gewinn für ihn noch herkom­men soll.“

Crowdinvesting für Pferde

Die Finan­za­uf­sicht Bafin prüft zwar, ob es ein Infoblatt oder einen Prospekt gibt, aber das Unternehmen selb­st prüfen die Auf­se­her nicht. Auch einen funk­tion­ieren­den Zweit­markt, über den Anleger vorzeit­ig an ihr Kap­i­tal – das in der Regel an feste Laufzeit­en gebun­den ist – kom­men kön­nen, gibt es laut May­er nicht.

Das Unternehmen Cav­is­to um den Springre­it­er Andreas Krieg bot zulet­zt ein Crowd­in­vest­ing an. Ab 100 Euro kon­nte man in einen Pool aus Springpfer­den investieren. Auch bei solchen Ange­boten gilt: Es gibt ver­schiedene Aus­prä­gun­gen und Infor­ma­tion­spflicht­en. Wer sich beteiligt, sollte sich genau informieren. Wer etwa ein Nachrang­dar­lehen gewährt, bekommt im Ern­st­fall erst dann Geld, wenn die meis­ten Gläu­biger bedi­ent wur­den.

May­er rät: „Wenn ich per­sön­lich ein Inter­esse an Pfer­den habe, mir das Spaß macht und ich einen Totalver­lust meines Kap­i­tals verkraften kann, kann man über solche Invest­ments reden.“ Die Laufzeit­en, in denen Anleger wom­öglich gar nicht an ihr Geld kom­men, kön­nen aber lang sein. „Und das Risiko eines Totalver­lusts beste­ht immer.“ Man müsse immer bedenken, dass das Hochrisikoin­vest­ments seien. Als Anlage, um Ver­mö­gen aufzubauen, oder für die Altersvor­sorge sind sie nicht sin­nvoll.

Noch mehr Infos für dich

Kreta trotz Corona?!

Nor­maler­weise sind wir Fer­n­reisende: Iran, Java, Neusee­land – je weit­er weg, desto bess­er! Coro­na macht uns dieses Jahr einen Strich durch die Pla­nung. Aber ganz zu Hause bleiben wollen wir auch nicht. Wir schauen, welche Län­der in Anbe­tra­cht der aktuellen Lage über­haupt in Frage kom­men. Schnell lan­den wir bei Griechen­land. Mein Mann stößt auf Direk­t­flüge nach Kre­ta. Echt jet­zt?

„Ich male mir das Leben bunt“

Nadine Ajsin ist Kün­st­lerin. Nach ein­er Kohlen­monox­id-Vergif­tung kann sie nicht mehr mit herkömm­lichen Far­ben arbeit­en. Sie steigt notge­drun­gen auf Lebens­mit­tel­far­ben um und entwick­elt einen neuen, eige­nen Stil, mit dem ihr der inter­na­tionale Durch­bruch gelingt. Ein weit­er­er Schick­salss­chlag im ver­gan­genen Jahr wirft sie zurück – doch an Aufgeben denkt sie gar nicht erst.

Abschalten auf dem Moierhof

Nur wenige Regio­nen in Deutsch­land sind so viel­seit­ig wie die Gegend rund um den Chiem­see, Bay­erns größtes Gewäss­er. Das Chiem­see-Alpen­land wartet mit rund 50 Gipfeln und 1500 Kilo­me­ter Wan­der­we­gen auf. Da ist für Fam­i­lien, Ver­liebte, Sportler und Natur­fans – und zu jed­er Jahreszeit etwas dabei! Courage ver­lost zwei Nächte in ein­er 5‑Sterne-Woh­nung auf dem Moier­hof.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

This Is A Custom Widget

This Sliding Bar can be switched on or off in theme options, and can take any widget you throw at it or even fill it with your custom HTML Code. Its perfect for grabbing the attention of your viewers. Choose between 1, 2, 3 or 4 columns, set the background color, widget divider color, activate transparency, a top border or fully disable it on desktop and mobile.

This Is A Custom Widget

This Sliding Bar can be switched on or off in theme options, and can take any widget you throw at it or even fill it with your custom HTML Code. Its perfect for grabbing the attention of your viewers. Choose between 1, 2, 3 or 4 columns, set the background color, widget divider color, activate transparency, a top border or fully disable it on desktop and mobile.