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Früher in Pension dank Ehrenamt

2021-02-07T11:25:17+01:004. Februar 2021|

Beamtin Cor­nelia Chlistal­la, 58, ver­ab­schiedete sich am 1. April 2018 in den „Engagierten Ruh­e­s­tand“  – einem Ange­bot von Telekom, Post und Post­bank, das an ehre­namtliche Arbeit gekop­pelt ist. Kön­nte das auch für Angestellte und andere Unternehmen inter­es­sant sein? Die dreifache Mut­ter aus dem bay­erischen Karls­feld berichtet von ihren Erfahrun­gen. 

 

Von Sylvia Petersen

Was ist der „Engagierte Ruhestand“ – und warum haben Sie sich dafür entschieden?

Cor­nelia Chlistal­la: Früher kon­nte man als Beamtin mit 55 Jahren in den Ruh­e­s­tand gehen. Das gibt es heute nicht mehr. Mit dem „Engagierten Ruh­e­s­tand“ ist das wieder möglich – jedoch mit der Auflage, 1000 Stun­den Ehre­namt zu leis­ten. Dafür bekommt man drei Jahre Zeit.

Ich habe nicht lange gezögert und den Antrag gestellt. Wer hat schließlich heute noch die Möglichkeit, mit 55 das Arbeit­sleben hin­ter sich zu lassen? Ich sehe das als großen Luxus an.

1000 Stunden Ehrenamt innerhalb von drei Jahren: Wie sind Sie vorgegangen?

Ich kon­nte das Ehre­namt frei wählen, es muss als solch­es lediglich offiziell anerkan­nt sein. Mein Ziel war es, bis Ende 2018 die Hälfte der Stun­den, also 500, erfüllt zu haben. Das habe ich auch geschafft. Let­ztes Jahr im Sep­tem­ber habe ich meine tausend­ste Stunde geleis­tet.

Ich bin froh, dass ich es so zügig durchge­zo­gen habe, denn man weiß schließlich nie, was passieren kann. Wenn man erkrankt, wer­den einem die Stun­den nicht erlassen. Und mit der Coro­na-Krise wären die Möglichkeit­en eines ehre­namtlichen Engage­ments stark eingeschränkt gewe­sen.

Wo und wie viele Stunden pro Woche haben Sie sich ehrenamtlich engagiert?

Es waren cir­ca 25 bis 30 Stun­den pro Woche, aufgeteilt auf drei Ehrenämter. Ich habe fünf Stun­den wöchentlich eine irakische Fam­i­lie mit kleinen Kindern betreut. Das hat mir der „Sozial­dienst katholis­ch­er Frauen“ ver­mit­telt.

Zusät­zlich war ich zweimal die Woche bei der Mit­tags­be­treu­ung von Grund­schulkindern in Karls­feld. Ich habe mit ihnen Hausauf­gaben gemacht und Spiele gespielt. Und dann habe ich noch bei der Tafel in Dachau aus­ge­holfen. Damals war ich dort die Erste im „Engagierten Ruh­e­s­tand“ – mit­tler­weile sind es drei, vier mehr.

Wie haben Sie die Familie aus dem Irak unterstützt?

Wichtig war mir, dass eine gewisse Sym­pa­thie da ist – und das war zum Glück sofort der Fall. Die Mut­ter hat sehr jung Kinder bekom­men. Sie ist heute 24 Jahre alt, das älteste Kind ist sechs, die Zwill­inge sind vier. Ich habe beispiel­sweise auf die Kinder aufgepasst, während die Mut­ter beim Arzt war.

Wir haben oft auch ein­fach gemein­sam gefrüh­stückt und darüber gesprochen, wo der Schuh drückt. Ihre ganze Fam­i­lie ist im Irak geblieben – ich bin also auch ein Stück weit Mut­ter-Ersatz gewe­sen.

Sie haben 1000 Stunden erfüllt. Wie sieht Ihr Ruhestand jetzt aus?

Ich mache nach wie vor alle drei Ehrenämter! Natür­lich sehe ich die Fam­i­lie jet­zt nicht mehr wöchentlich, aber über die lange Zeit ist sie mir ein­fach sehr ans Herz gewach­sen. Die Kinder sagen „Oma“ zu mir und ich genieße das sehr, da ich selb­st noch keine Enkelkinder habe. Wir machen Aus­flüge zusam­men oder ich helfe beim Aus­füllen von Anträ­gen.

Die Mit­tags­be­treu­ung mache ich auch noch, dafür werde ich jet­zt aber bezahlt. Und bei der Tafel helfe ich weit­er­hin jeden Mittwochmor­gen aus –  und wenn Not am Mann ist. Durch Coro­na sind viele Helfer wegge­fall­en, weil sie zur Risiko­gruppe gehören. Ohne Ehre­namt würde es aber so was wie die Tafel gar nicht geben.

Wie beurteilen Sie den „Engagierten Ruhestand“?

Viele Men­schen fall­en in ein Loch, wenn sie in Pen­sion gehen. Das Gefühl, weit­er­hin gebraucht zu wer­den und helfen zu kön­nen, ist sehr wichtig. Es gibt heute fast keinen Tag in der Woche, an dem ich nicht arbeite – im Unter­schied zum Job mache ich aber alles frei­willig und auch nur noch das, was mir Freude bere­it­et. Ich schätze meine Ehrenämter, denn ich bin gerne mit Leuten zusam­men und es kommt auch viel an Dankbarkeit und Anerken­nung zurück.

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