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Eine Patenschaft als Ehrenamt

2021-02-07T11:37:32+01:0029. Januar 2021|

Anke Fis­ch­er (50) arbeit­et als Senior Mar­ket­ing Man­agerin in Vol­lzeit. In der Freizeit hil­ft sie Nyadeng Dut (50). Vor zwei Jahren war sie aus dem Süd­su­dan nach Deutsch­land geflo­hen, der Ehe­mann starb im Bürg­erkrieg. Vier ihrer Kinder blieben zurück in Ägypten. Nur ein­er Tochter und ihren bei­den Enkeln gelang eben­falls die Flucht nach München.  

Von Sylvia Petersen

Frau Fischer, warum haben Sie sich für eine Patenschaft entschieden?

Anke Fis­ch­er: Mich hat das The­ma „Flüchtlinge“ schon lange beschäftigt. Ich stelle es mir unsag­bar schw­er vor, Hab und Gut zu ver­lieren und in ein­er mir völ­lig frem­den Welt noch ein­mal bei null anfan­gen zu müssen.

Man sieht täglich die Bilder in der „Tagess­chau“ – und ich habe mich gefragt: Welchen Beitrag kön­nte ich leis­ten? Ich habe daraufhin ein­fach mal „Flüchtlinge – Hil­fe – München“ bei Google eingegeben und bin so auf den Vere­in „Save Me“  gestoßen, der Paten­schaften ver­mit­telt.

Wie war das Prozedere?

Ich hat­te das Gefühl, dass man sehr darauf bedacht ist, einen passenden Match für einen zu find­en – auch wenn ich selb­st das nicht für wichtig erachte. Mir kommt es nicht darauf an, wie sym­pa­thisch oder unsym­pa­thisch mir jemand ist – wenn mich jemand braucht, helfe ich.

Wann haben Sie die Patenschaft übernommen?

Ich habe mich im Juni ver­gan­genen Jahres das erste Mal mit Nyadeng getrof­fen. Sie hat­te ihre erwach­sene Tochter mit­ge­bracht und sich anfangs hin­ter ihr ver­steckt, Nyadeng war die ganze Sit­u­a­tion sichtlich sus­pekt. Davon ist jet­zt aber nichts mehr zu spüren.

Wo und wie oft treffen Sie sich?

Wir sehen uns nor­maler­weise ein­mal in der Woche für zwei Stun­den. Meis­tens wer­den aber drei bis vier Stun­den draus. Wir tre­f­fen uns entwed­er in einem Café oder bei mir. Let­zteres hat den Vorteil, dass wir dann Inter­net haben und bei Bedarf online etwas nach­schauen kön­nen.

Wie klappt’s mit der Verständigung?

Nyadeng spricht nur sehr wenig Deutsch. Ich übe mit ihr, aber die meiste Zeit nehmen Anträge und For­mu­la­re in Anspruch.

Wobei unterstützen Sie Nyadeng?

Aktuell helfe ich ihr bei der Woh­nungssuche. Im Flüchtling­sheim hat Nyadeng ein kleines Zim­mer von zwölf Quadrat­metern. Das ist auf die Dauer kein Zus­tand.

Helfen Sie auch bei der Jobsuche?

Wir haben zusam­men einen Lebenslauf geschrieben. Für Nyadeng war das anfangs schw­er zu ver­ste­hen. Sie fragte mich: „Warum brauche ich so etwas?“ Ich habe ihr erk­lärt, wie man sich in Deutsch­land für einen Job bewirbt und welche Regeln es dabei zu beacht­en gilt.

Sie arbeiten Vollzeit. Wird Ihnen das Ehrenamt mitunter auch mal zu viel?

Nein, nicht wirk­lich. Klar ist auch viel Frust dabei, wenn ich Anträge vom Amt zurück­bekomme, weil wieder irgen­det­was fehlte oder Nyadeng ein For­mu­lar nicht find­en kann. Dann schaut sie mich an und fragt: „Ich habe so viele Unter­la­gen – warum brauche ich jet­zt diesen einen Schein?“

Mir ist erst durchs Ehre­namt bewusst gewor­den, wie viel Bürokratie wir in Deutsch­land tat­säch­lich haben. Wenn ich es nicht durch­schaue – wie soll es denn jemand schaf­fen, der die Sprache nicht ver­ste­ht?

Gab es auch schon Erfolgserlebnisse?

Ja, dur­chaus. Nyadeng ist genau­so alt wie ich, aber ein dig­i­taler Neul­ing. Ich habe ihr einen Lap­top organ­isiert und den Umgang damit gezeigt. Sie war immens stolz, als sie ihre erste E‑Mail an ihre Tochter ver­schickt hat. Bis zum näch­sten Tre­f­fen ver­gisst Nyadeng zwar auch wieder viel von dem Erlern­ten, aber dann fängt man eben nochmal von vorn an.

Es bedarf also viel Geduld?

Natür­lich bin ich auch schon mal gen­ervt, wenn ich nach der Arbeit zum Tre­f­fen jette und Nyadeng nicht alles dabei­hat. Das aber ver­fliegt im Nu, wenn ich mir ihre Sit­u­a­tion bewusst mache. Nyadeng hat fast ihr ganzes Leben in einem Dorf gelebt, ihr Mann hat das Essen nach Hause gebraucht. Dann kommt sie in ein High­tech-Land wie Deutsch­land, noch dazu in eine Großs­tadt – das ist eine enorme Her­aus­forderung für sie.

Welches Fazit ziehen Sie nach diesen ersten Monaten des Ehrenamts?

Es ist schön, zu helfen und Ver­ant­wor­tung zu übernehmen. Nyadeng und ich sind zwar bei­de 50 Jahre alt, aber wir ste­hen an völ­lig unter­schiedlichen Punk­ten im Leben. Ich fiebere mit ihr mit und hoffe sehr, dass wir bald eine Woh­nung für sie find­en.

Wie lange geht die Patenschaft?

Sie ist auf min­destens 12 Monate angelegt. Ich kann mir gut vorstellen, auch danach noch für Nyadeng da zu sein, wenn sie mich braucht. Über so einen lan­gen Zeitraum entste­ht ja eine Bindung. Ich war auch schon zum Geburt­stag ihres Enkels ein­ge­laden. Ich würde auch eine zweite Paten­schaft übernehmen, aber nicht zum jet­zi­gen Zeit­punkt, denn zwei auf ein­mal wird dann doch etwas viel – ich brauche ja auch Zeit für mich.

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