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„Glück im Unglück“

2020-09-15T22:29:44+02:003. September 2020|

Das Coro­n­avirus macht der deutschen Wirtschaft zu schaf­fen. Ver­anstal­tungs- und Gas­tro­be­triebe hat es beson­ders hart getrof­fen. Grün­derin Katha­ri­na Fre­un­dor­fer sieht den Wan­del, den die Krise mit sich bringt, aber als Chance.

Von Katha­ri­na Fre­un­dor­fer

Als ich mich im ver­gan­genen Jahr dazu entschlossen habe, ein Café zu grün­den, habe ich mich natür­lich auch mit den Risiken befasst. Ich habe ver­schiedene Szenar­ien durchge­spielt und über­legt, was passiert, wenn es mal nicht so gut läuft.

Ich hat­te Sorge, dass vielle­icht schlecht­es Wet­ter die Umsätze belas­ten kön­nte, weil kein­er vor die Tür geht, oder dass die Laufkund­schaft weg­bricht, wenn vor dem Café eine Baustelle errichtet wer­den sollte. Einen total­en Shut­down mit Aus­gangssperre wie in der Coro­na-Krise hat­te ich nicht auf dem Schirm.

Dass gas­tronomis­che Ein­rich­tun­gen von den Maß­nah­men zur Eindäm­mung des Virus mit am stärk­sten betrof­fen sind, gibt mir zu denken. Ich habe großes Mit­ge­fühl mit all den­jeni­gen, deren Exis­tenz nun bedro­ht ist.

Zum ersten Mal spüre auch ich so richtig, was es heißt, Grün­derin zu sein, und welche Risiken ich damit einge­he, vor allem in ein­er Branche, in der die Ren­diten nicht ger­ade üppig sind. 

Es ist gut, dass ich diese Erfahrung jet­zt schon mache. Denn noch trifft es mich nicht direkt.

Ich habe noch keine Immo­bilie für mein Café gefun­den. Das Pop-up-Café bei ein­er befre­un­de­ten Gas­tronomin habe ich seit März aus­ge­set­zt, weil ich mich auf eine Crowd­fund­ing-Kam­pagne konzen­tri­eren wollte. 

Vielleicht meine Chance 

Es ist Glück im Unglück: Ich muss keine fix­en Aus­gaben für Cafémi­ete stem­men, habe Zeit zum Reflek­tieren und kann meine Pläne noch mal anpassen, vor allem in Bezug auf die Finanzen.

Denn nach Gesprächen mit anderen Gas­tronomen merke ich schon, wie wichtig es ist, genü­gend Rück­la­gen und möglichst geringe Fixkosten zu haben. Viele sind verzweifelt und wis­sen nicht so recht, wie es weit­erge­hen soll.

Ich habe auch schon eine Grün­derin getrof­fen, die ihre Café­pläne ad acta gelegt hat und sich nun auf Cater­ing spezial­isieren will. 

Auch ich habe über­legt, ob ich mich tat­säch­lich an eine feste Loca­tion binden soll oder ob es nicht doch ein­fach­er und risikoärmer wäre, als Pop-up-Café weit­erzu­machen. Ich hat­te mich auch im Win­ter für mehrere Flächen zur Zwis­chen­nutzung bewor­ben, daraus ist aber let­z­tendlich nichts gewor­den. 

Tat­säch­lich möchte ich dauer­haft aber auch einen fes­ten Ort haben, um das Café aufzubauen und zu etablieren. Die Zeit, in der ich mich im Win­ter in einem anderen Café tageweise eingemietet hat­te, war jedoch sehr lehrre­ich.

Ich habe in meinem Pop-up-Café Ver­anstal­tun­gen und Work­shops rund um Nach­haltigkeit­s­the­men durchge­führt. Das sind gute Möglichkeit­en, Leute gezielt ins Café einzu­laden und sie mit meinem Konzept ver­traut zu machen.

Den­noch ist mir noch mal stärk­er bewusst gewor­den, wie wichtig der Stan­dort ist, um auch Laufkund­schaft in den Laden zu lock­en. 

Vielle­icht ist die Krise auch meine Chance, und meine Idee kommt genau zur recht­en Zeit. Ich will ein Zero-Waste-Café eröff­nen, das stark auf Kreis­laufwirtschaft set­zt.

Das heißt, Prozesse aus der Natur wer­den nachgeahmt, man arbeit­et ressourcenef­fizient und bemüht sich, möglichst wenig Müll zu pro­duzieren. Die Men­schen leben momen­tan bewusster. Die ganze Welt spürt plöt­zlich, wie wichtig es ist, auf regionale Her­steller und Dien­stleis­ter zurück­greifen zu kön­nen.

Die glob­ale Aus­rich­tung der Wirtschaft wird hin­ter­fragt, da sie nicht nur Chan­cen, son­dern eben auch Abhängigkeit­en schafft. Auch merken die Men­schen, dass es möglich ist zu verzicht­en, wo man es vorher nicht für möglich gehal­ten hätte, beispiel­sweise bei Flu­greisen. 

Die Krise macht mir Mut 

Stattdessen haben wir Zeit, uns zu besin­nen und uns klarzu­machen, dass wir mit unserem Ver­hal­ten Ein­fluss haben.

Jedes Gramm CO2 und jedes Stück Müll, das wir eins­paren, wirkt sich aus. Schon nach so kurz­er Zeit, da der Verkehr reduziert ist und Fab­riken zum Teil geschlossen sind, ist die Umwelt­be­las­tung gesunken und die Luft sauber­er gewor­den.

Es braucht eben oft neue Wege, um etwas zu ändern. Von daher macht mir die Krise auch ger­ade viel Mut. 

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