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Corona-Experteninterview mit Apothekerin

2020-03-31T17:50:05+02:0023. März 2020|

„Was wir nicht ken­nen, macht uns ein­fach Angst“. Apothek­erin Mar­gari­ta Voskan­ian spricht mit uns über ihren Beruf und die opti­male Präven­tion in der Coro­na-Krise.

Mar­gari­ta Voskan­ian hat Phar­mazie studiert und ist Apothek­erin. Eines ihrer großen Inter­essen ist die Virolo­gie. Eine Apothek­erin erhält nach ihrem drit­ten Staat­sex­a­m­en die Zulas­sung, Arzneimit­tel an Patien­ten auszuhändi­gen und eine eigene Apotheke zu führen, so auch Mar­gari­ta. Doch nur das kon­nte sie sich nicht vorstellen, sie wollte mehr.

Von Jen Gontovos

Jet­zt ist Mar­gari­ta Voskan­ian als stel­lvertre­tende sachkundi­ge Per­son für die GHD Com­pound­ing Berlin tätig. Die GHD Com­pound­ing Berlin stellt im Auf­trag von Apotheken indi­vidu­elle Zubere­itun­gen her. Zum Beispiel für kreb­skranke Men­schen, denen Nahrung durch die Venen verabre­icht wer­den muss.

Die Frau für den letzten Check

Was Mar­gari­ta nun genau macht? Sie entschei­det, ob die pro­duzierte Arzneimit­telzu­bere­itung an den Patien­ten abgegeben wer­den kann. Sie kon­trol­liert, ob die Zubere­itun­gen alle Anforderun­gen erfüllen. Sprich, ist das Arzneimit­tel wirk­sam, sich­er und unbe­den­klich für den Patien­ten.

Zudem hat Mar­gari­ta erst kür­zlich ihre Dis­ser­ta­tion an der FU Berlin ein­gere­icht, für die sie am Robert Koch-Insti­tut geforscht hat.

Sie ist fasziniert von der Entste­hung und Entwick­lung von Viren. So hat sie an den Patho­genese-Mech­a­nis­men von ver­schiede­nen Orthopock­en­viren geforscht. Die human­patho­genen Var­i­olaviren beispiel­sweise, kon­nten Ende der 70er-Jahre durch einen Impf­stoff bekämpft wer­den. Die Über­tra­gung dieser Pock­en­viren ging nur von Men­sch zu Men­sch, so kon­nten sie schneller aus­gerot­tet wer­den.

Derzeit wer­den zunehmend zoono­tis­che Infek­tio­nen zum Beispiel mit Kuh­pock­en­viren aus ver­schiede­nen Regio­nen gemeldet. Zoono­tis­che Viren sind Viren, die von Tieren auf den Men­schen über­tra­gen wer­den. COVID-19 (Coro­n­avirus SARS-CoV­‑2) wurde ver­mut­lich erst­mals vom Tier auf den Men­schen über­tra­gen und kön­nte somit ein zoono­tis­ches Virus sein.

Weil die Coro­na-Krise auf der ganzen Welt all­ge­gen­wär­tig ist, haben wir Mar­gari­ta zu diesem The­ma einige Fra­gen gestellt. Sie führt uns nochmals den Unter­schied von Viren und Bak­te­rien vor Augen.

Unterschied von Bakterien und Viren

Mar­gari­ta, ver­rat­en Sie uns ver­ständlich den Unter­schied von Bak­te­rien und Viren?

Zunächst ein­mal möchte ich auf die Bak­te­rien einge­hen. Hier gibt es zum einen die Bak­te­rien, die wir als Men­schen selb­st tra­gen und zum anderen fremde Bak­te­rien, die die Infek­tio­nen aus­lösen kön­nen.

Unsere kör­pereige­nen Bak­te­rien bilden eine schützende Mikroflo­ra wie unsere Darm- und Haut­flo­ra. Diese sind essen­ziell, um unsere Haut oder unseren Darm vor Erregern zu schützen, oder sind Bestandteil unseres Ver­dau­ungssys­tems.

Im Gegen­satz zu Bak­te­rien haben wir keine kör­pereige­nen Viren. Bak­te­rien sind Mikroor­gan­is­men. Organ­is­men haben ihren eige­nen Stof­fwech­sel und sind nicht auf den Stof­fwech­sel ihres Wirts angewiesen. Sie kön­nen sich selb­st­ständig ver­mehren und wach­sen.

Viren dage­gen haben keinen eige­nen Stof­fwech­sel. Sie sind infek­tiöse Struk­turen, die aus Pro­teinen, Fettsäuren, Kohlen­hy­drat­en und ihrem Erbgut beste­hen. Im Erbgut tra­gen Viren die Stam­min­for­ma­tio­nen in Form von DNA (Her­pesviren) oder RNA (SARS-CoV­‑2). DNA-Viren sind sta­bil­er als RNA-Viren und verän­dern ihr Erbgut eher sel­ten.

Viren kön­nen sich nur ver­mehren, wenn sie ein Lebe­we­sen infizieren. Sie haben keinen pos­i­tiv­en Ein­fluss auf ihren Wirt. Wenn Viren mutieren, wer­den bes­timmte Gene im Erbgut verän­dert und die Viren kön­nten patho­gen­er wer­den.

Aktuelle Lage

Wie schätzen Sie die aktuelle Krisen­lage zum The­ma COVID-19 ein?

Wir wis­sen, dass Infek­tio­nen mit COVID-19 bei älteren und immungeschwächt­en Per­so­n­en schw­er­wiegend bis letal, also tödlich, ver­laufen kön­nen. Sie haben nicht die Kraft oder Möglichkeit, gegen das Virus anzukämpfen. Allein das ist ein Grund, acht­samer zu sein.

Wenn wir jet­zt auf die emp­fohle­nen Ver­hal­tensweisen und Hygien­e­maß­nah­men acht­en und Rück­sicht nehmen, kön­nten Neuin­fek­tio­nen zunächst gestoppt wer­den. Dies wäre schon mal eine Ent­las­tung für die Kranken­häuser und das medi­zinis­che Per­son­al. Und ander­er­seits haben die Forschung­sein­rich­tun­gen die Möglichkeit, die Virusart bess­er ken­nen­zuler­nen.

Wie ste­hen Sie zu den stren­gen Aus­gangs­beschränkun­gen bzw. Aus­gangssperre? Men­schen brauchen Licht, frische Luft und Bewe­gung, beson­ders Kinder und alte Men­schen.

Solange es Men­schen gibt, die Coro­na-Par­tys auf Kosten von anderen feiern, finde ich eine Aus­gangssperre bzw. strenge Aus­gangs­beschränkun­gen gerecht­fer­tigt. Ich bin auch ein Men­sch, der frische Luft und Bewe­gung braucht. Allerd­ings müssen wir genau jet­zt darüber nach­denken, wie hoch das Risiko ist. Und was wir machen kön­nen, um es zu min­imieren.

Wenn das heißt, eine Aus­gangssperre bzw. strenge Aus­gangs­beschränkun­gen zu erteilen, um das Risiko zu min­imieren und die Sicher­heit zu erhöhen, finde ich es gerecht­fer­tigt. Außer­dem heißt es aktuell nicht, wir dür­fen über­haupt nicht raus. Es bedeutet viel mehr, dass Grup­pen­ver­samm­lun­gen ver­mieden wer­den, da das Virus hochansteck­end ist.

Wie sin­nvoll ist ein Impf­stoff gegen COVID-19?

Natür­lich ist es sin­nvoll einen Impf­stoff zu haben. Wir wis­sen lei­der noch viel zu wenig über das Virus. Es ste­hen auch Fra­gen im Raum, ob COVID-19 ein saisonales Virus sein wird, wie die Influen­za­viren. Oder welche weit­eren Auswirkun­gen das Virus noch haben kön­nte.

In Chi­na gab es ange­blich einen Fall, in dem sich eine Frau zweimal mit COVID-19 infiziert haben soll – ist dies möglich?

In ein­er Tier­studie mit Rhe­susaf­fen wurde nachgewiesen, dass die Tiere nach der Erstin­fek­tion bere­its eine Immu­nität gegen COVID-19 entwick­el­ten. Auch wur­den keine Symp­tome bei ein­er Neuin­fek­tion aufgewiesen. Die Frau, die sich ange­blich inner­halb kürzester Zeit zweimal mit dem Coro­n­avirus infiziert haben soll, kön­nte fälschlicher­weise neg­a­tiv auf das Virus getestet wor­den sein. Vielle­icht, weil während der Probe­nahme, der Probe­nauf­bere­itung oder des Test­laufs ein Fehler gemacht wurde.

Kom­men in let­zter Zeit ver­stärkt Men­schen, um sich mit Medika­menten einzudeck­en? Gibt es bei Arzneimit­teln eine Höch­stan­zahl oder liegt die Aus­gabe im Ermessen des Apothek­ers?

Klar weiß man, dass Desin­fek­tion­s­mit­tel eingekauft wur­den. Bei Arzneimit­teln müssen Apothek­er auf die aus­gegebene Anzahl acht­en. Der Apothek­er müsste reagieren und beispiel­sweise keine fünf Pack­un­gen Ibupro­fen aus­geben.

Der Apothek­er muss berat­en. Er ken­nt die Neben- und Wech­sel­wirkun­gen der Arzneimit­tel. Und natür­lich muss er sich auch fra­gen, wozu der Kunde fünf Pack­un­gen eines Medika­ments benötigt. Selb­st bei einem Nasen­spray sollte der Apothek­er nicht mehr als eine Pack­ung her­aus­geben.

Wer­den Medika­mente in den kom­menden Tagen und Wochen knapp wer­den? Viele Medika­mente wer­den beispiel­sweise in Chi­na pro­duziert.

Es gibt bish­er keine Infor­ma­tio­nen über mögliche Lief­er­eng­pässe. Die meis­ten Arzneimit­tel wie Antibi­oti­ka wer­den allerd­ings aus Chi­na importiert und hier ver­mark­tet. Vor allem in der jet­zi­gen Sit­u­a­tion wäre ein Auf­nahmestopp von Arzneimit­teln aus Chi­na fatal.

Die Infek­tio­nen mit Coro­n­aviren kön­nen die Entste­hung von Pneu­monien fördern. Das sind akute oder chro­nisch ver­laufende Entzün­dun­gen des Lun­gengewebes. Und genau hier benöti­gen wir Antibi­oti­ka.

Welche Medika­mente sollte man aus Ihrer Sicht jet­zt für den Not­fall zu Hause haben?

Das Coro­n­avirus kann noch mit keinem Arzneimit­tel ver­nichtet wer­den. Wir kön­nen nur auf die Symp­tome einge­hen. Die Infek­tion mit COVID-19 kann Fieber aus­lösen. Wenn das Fieber hoch ist, kön­nen wir fiebersenk­ende Mit­tel wie Parac­eta­mol oder Ibupro­fen ein­nehmen.

Dann gibt es den trock­e­nen Reizhus­ten. Der Reizhus­ten tritt auf, weil sich die Viren im Rachen­raum ver­mehren. Der Hus­ten ist in diesem Sinne ein Schutzmech­a­nis­mus. Wir soll­ten aus­re­ichend trinken und den Rachen­raum feucht hal­ten.

Ibuprofen im Zusammenhang mit Corona

Wie sehen Sie die Diskus­sion um Ibupro­fen im Zusam­men­hang mit Coro­na? Welche Web­seit­en kön­nen wir als ver­trauenswürdig eracht­en?

Ein neg­a­tiv­er Zusam­men­hang von Coro­na und Ibupro­fen ist mir nicht bekan­nt. Es gibt auch derzeit kein­er­lei Anhalt­spunk­te, die das bekräfti­gen wür­den. Arzneimit­tel, die allerd­ings einen Ein­fluss auf den Ver­lauf der Coro­na-Infek­tion haben, sind Immun­sup­pres­si­va. Sie geben dem Virus die Möglichkeit, sich zu ver­mehren.

Immun­sup­pres­si­va sind Sub­stanzen, die die Funk­tio­nen des Immun­sys­tems schwächen bzw. hem­men, wie Cor­ti­sol. Die Patien­ten kön­nten somit anfäl­liger für die Infek­tio­nen sein.

Asthma­p­a­tien­ten sind beispiel­sweise anfäl­liger für das Coro­n­avirus. Das Prob­lem bei Asth­ma ist, dass sich die Bronchien während des Anfalls veren­gen. Die Atmung wird dadurch erschw­ert. Viele Asthma­p­a­tien­ten sind dazu noch auf inhala­tive Glu­co­cor­ti­coide angewiesen, die das Immun­sys­tem schwächen. Eine Infek­tion mit COVID-19 kön­nte schw­er­wiegende Ver­läufe bei diesen Patien­ten haben.

Prinzip­iell würde ich empfehlen, die Seit­en des Robert Koch-Insti­tuts, des Bun­des­ge­sund­heitsmin­is­teri­ums und der WHO aufzu­rufen. So ist man auf der sicheren Seite.

Maßnahmen im Schutz gegen das Coronavirus

Welche Maß­nah­men brin­gen aus Ihrer Sicht etwas bzw. brin­gen Gesichts­masken oder Gum­mi­hand­schuhe über­haupt etwas?

Gesichts­masken sind nicht verkehrt, um sich zu schützen. Allerd­ings muss man wis­sen, welche Arten von Masken sin­nvoll sind und wie lange sie wirk­sam sind. OP-Masken zum Beispiel ver­lieren nach ein­er gewis­sen Zeit ihre Wirkung. Die FFP-Masken sind effek­tiv­er.

Hand­schuhe schützen zwar vor dem direk­ten Hautkon­takt mit dem Coro­n­avirus. Jedoch kann das Virus auf dem Hand­schuh verbleiben und weit­er über­tra­gen wer­den. Und wenn man sich mit diesem im Gesicht berührt, wer­den auch hier die Viren weit­ergegeben. Zudem wird der Hand­schuh oft falsch aus­ge­zo­gen.

Über­leben die Coro­n­aviren über­haupt auf kün­stlichen Ober­flächen?

Es wird ger­ade über­prüft, auf welchen Ober­flächen die Viren wie lange über­leben und Bestand haben. Wir wis­sen bere­its, dass die COVID-19-Viren auf met­allis­chen Ober­flächen bis zu 72 Stun­den über­leben kön­nen. Somit kön­nte man sich allein schon durch das Fes­thal­ten an der Bus- oder U‑Bahnstange infizieren. Das Gle­iche gilt für Spielplätze mit Rutschen und Schaukeln.

Welche Maß­nahme ist für Sie die sin­nvoll­ste im Schutz gegen das Coro­n­avirus?

Vor allem die hygien­is­chen Maß­nah­men, speziell das Hän­de­waschen. Was bedeutet, nicht ein­fach ein biss­chen die Seife auf der Hand zu ver­reiben, son­dern die Fin­ger, Fin­gerkup­pen, die Fin­gerzwis­chen­räume und die Han­drück­en ordentlich einzu­seifen und min­destens 30 Sekun­den ein­wirken zu lassen. Anschließend die Hände gut abspülen und abtrock­nen.

In der Regel reicht das. Aber wenn man auf Num­mer sich­er gehen möchte, kann man die Hände anschließend desin­fizieren. Auch hier darf keine Region an den Hän­den aus­ges­part wer­den.

Warum dauert es so lange, eine Infek­tion mit COVID-19 nachzuweisen und was passiert eigentlich bei einem Test?

Der Test dauert ein bis zwei Tage. Das liegt daran, dass der Test mehrere Schritte bein­hal­tet. Zuerst wird die Probe ent­nom­men und anschließend an ein Labor geschickt. Hier wird die Probe mit soge­nan­nten PCRs unter­sucht. Das sind Poly­merase-Ket­ten­reak­tio­nen. Dazu wird ein spezieller Reak­tion­s­mix ange­set­zt und mit der auf­bere­it­eten Probe ver­set­zt.

Wenn das virale Erbgut in der Probe vorhan­den ist, wird ein spez­i­fis­ches Gen vervielfältigt. Dies löst danach ein Sig­nal aus. All diese Schritte benöti­gen Zeit und jed­er Schritt ist wichtig. Wenn die Proben-Prä­pa­ra­tion ver­fälscht wird, kann es zu falschen Ergeb­nis­sen kom­men. Natür­lich pro­biert man, die Meth­ode so kurz wie möglich, aber auch so lange wie notwendig zu hal­ten.

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